Bilder können erinnern, bewahren und Wissen erzeugen – zugleich aber auch Gewalt und Diskriminierung fortschreiben. Mario Schulze und Sarine Waltenspül erörtern, wie Archive, Ausstellungen und Forschung verantwortungsvoll mit solchen Bildbeständen umgehen können – zwischen Ethik, Kontextualisierung und kollaborativer Praxis.

  • Sarine Waltenspül

    Sarine Waltenspül ist Medien- und Wissenschaftshistorikerin, Filmemacherin und Kuratorin. Sie leitet das SNF-Projekt Visualpedia an der Universität Luzern.
  • Mario Schulze

    Mario Schulze ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Seminar für Medienwissenschaft der Universität Basel. Gemeinsam mit Sarine Waltenspül hat er die Ausstellung Fadenspiele/String Figures im Museum Tinguely kuratiert.
Geschichte der Gegenwart
Geschichte der Gegenwart 
Zeigen oder Nicht-Zeigen? – Das ist nur eine der Fragen
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Ein Sommer der Bilder, wie ihn Geschichte der Gegen­wart ausge­rufen hat, ruft auch die Frage auf, wie wir als Wissenschaftler*innen und wie histo­risch forschende Insti­tu­tionen Bilder eigent­lich verwenden und zeigen. Bild­ar­chive sind nicht nur ‚Schätze‛, sondern bergen auch forschungs­ethi­sche Fall­stricke. Was tun wir, wenn eine histo­ri­sche Foto­grafie nicht ‚nur‛ Quelle ist, sondern auch Gewalt repro­du­ziert? Gedächt­nis­in­sti­tu­tionen und Wissenschaftler*innen stehen heute vor der Heraus­for­de­rung, mit sensi­blen Bild­be­ständen verant­wor­tungs­voll umzu­gehen – jenseits von einfa­chen Verboten. Von der Auswahl über die Zugäng­lich­ma­chung bis zur Präsen­ta­tion müssen entschei­dende Fragen beant­wortet werden: Zeigen wir in Ausstel­lungen Bilder, die diskri­mi­nieren oder Hass perp­etu­ieren (wie kolo­niale Bilder, Folter­bilder, etc.)? Wie kontex­tua­li­sieren wir sie in digi­talen Archiven? Und wie können an diesen Entschei­dungen dieje­nigen betei­ligt werden, die das Bild betrifft? Unser Beitrag erkundet die stra­te­gi­schen Hand­lungs­spiel­räume im Umgang mit Filmen und Foto­gra­fien – vom Disclaimer bis zur kolla­bo­ra­tiven Neuver­hand­lung – und plädiert für eine Praxis, die Bilder ebenso ernst nimmt wie Texte und Verant­wor­tung als Kern­auf­gabe kura­to­ri­scher und wissen­schaft­li­cher Arbeit begreift.

Trig­ger­war­nung zu einem Video, das 2023 im Haus der Kulturen der Welt in Berlin gezeigt wurde. Foto­grafie der Autor*innen.

Wir wenden uns den prak­ti­schen Stra­te­gien und theo­re­ti­schen Diskus­sionen zu, in denen die Zeig- oder besser Zirku­lier­bar­keit von Bildern verhan­delt wird, die als sensibel ange­sehen werden. Neuere theo­re­ti­sche Debatten wie ethics of care, right to opacity, repair und healing liefern dazu Ansätze, aber auch samm­lungs­ver­wal­tende Insti­tu­tionen wie Biblio­theken, Archive und Museen sind wich­tige Orte der Verhand­lung von Zeig­bar­keit. Keine Gedächt­nis­in­sti­tu­tion ist in den letzten Jahren daran vorbei­ge­kommen, mit ihren Bild­be­ständen und deren neuen Zirku­la­ti­ons­weisen im Digi­talen umzu­gehen. Wie sie das tun, ist jedoch sehr unter­schied­lich, was durch poli­ti­sche Agenden oder Samm­lungs­auf­träge bestimmt ist, auf ihre Forschungs­nähe oder -ferne zurück­ge­führt werden kann und an der Art der Bestände liegt: Reise­bilder selbst­er­nannter Ethno­logen verlangen etwa einen anderen Umgang als euge­nisch moti­vierte Mess­bild­reihen im Kontext der Shoa. Entspre­chend haben GLAM-Institutionen (Galle­ries, Libra­ries, Archives, Museums) sowie Wissenschaftler*innen, die mit deren Beständen arbeiten, eine Viel­zahl von Umgangs­weisen mit Bildern entwickelt.

Unsere Ausein­an­der­set­zung beruht einer­seits auf unserer eigenen forschenden Tätig­keit mit kolo­nialen und mili­tä­ri­schen Bildern, insbe­son­dere Filmen, und ande­rer­seits auf den Erfah­rungen, die wir auf Konfe­renzen und Tagungen gemacht haben. Wir denken dabei (ungern) an die Bilder, die uns von solchen Konfe­renzen im Gedächtnis geblieben sind. Bilder, über die wir letzt­lich wenig wissen, da sie primär illus­trativ verwendet und nicht oder kaum kontex­tua­li­siert oder theo­re­ti­siert wurden: das KI-Bild eines aufge­pumpten Elon Musks irgendwo zwischen Hells Angel und Kampf­hund­be­sitzer, die Groß­auf­nahme roter, lasziv geöff­neter und natür­lich weib­lich zu lesender Lippen, das Pikto­gramm eines Aperol Spritz zwischen physi­ka­li­schen Formeln, oder ein AfD-Plakat, das ein schwules Pärchen neben einem anti­mus­li­mi­schen Slogan zeigt. Von harm­losen bis hin zu chau­vi­nis­ti­schen, sexis­ti­schen oder rassis­ti­schen Bildern – so genau Forschende mit ihren Worten sein können, so ungenau oder unbe­darft sind sie (manchmal) im Umgang mit Bildern.

Zugang und Beteiligung

Gedächt­nis­in­sti­tu­tionen regle­men­tieren den Zugang zu ihren Beständen. Ihre Rolle als Gate­keeper inter­pre­tieren sie – insbe­son­dere im Digi­talen – äußerst verschieden, von stark restriktiv bis hin zu möglichst frei (s. GdG-Bildersommerartikel „Freie Bilder und die Verant­wor­tung von Museen“). Ein mögli­cher Grund für einen restrik­tiven Zugang kann die (ange­nom­mene, poten­zi­elle, tatsäch­liche) Sensi­bi­lität der Bestände sein, der mangelnde Wille zur Ausein­an­der­set­zung mit diesen oder eine Sorge um die Verlet­zung der Rechte der Betei­ligten. Als betei­ligt gelten in west­li­chen Gesetz­ge­bungen primär Urheber*innen und seltener die abge­bil­deten Personen. Bei Letz­teren reicht das Spek­trum von wenigen Rechten am eigenen Bild in den USA, über das Erlö­schen des Rechts in Deutsch­land 10 Jahre nach dem Tod, teil­weise vagen Rege­lungen in der Schweiz, bis hin zu einem strengen Schutz des vie privée in Frank­reich. Betei­ligt an, respek­tive betroffen von Bildern – über Fristen und natio­nale Gesetz­ge­bungen hinaus – sind jedoch viel mehr Personen als deren Urheber*innen. Michelle Caswell und Marika Cifor schlagen deswegen einen Para­dig­men­wechsel im archi­va­ri­schen Zugang vor, weg von einem, der auf indi­vi­du­ellen Rechten basiert, zu einem, der auf femi­nis­ti­scher Ethik und radi­kaler Empa­thie beruht. In letz­terem stehen die Bezie­hungen der Archivar*innen zu vier Gruppen von Stake­hol­dern: Urheber*innen, Abge­bil­dete, Nutzer*innen und die größeren Communitys.

TK Labels von Local Contexts (https://localcontexts.org/labels/traditional-knowledge-labels/) haben zum Ziel, Indi­genes Wissen zu schützen, und kultu­relle Souve­rä­nität zu fördern. Sie werden von Herkunfts­ge­sell­schaften festgelegt.

Beispiel­haft für ein solches Umdenken sind Initia­tiven, die den Zugang zu Indi­genem Kultur­erbe schützen sollen, wie TK Labels (tradi­tional know­ledge), über die Herkunfts­ge­sell­schaften den Zugriff auf die Zeug­nisse ihrer Kultur mitre­gle­men­tieren können. So können die Labels beispiels­weise deut­lich machen, welche Objekte secret/sacred oder welche kommer­ziell nutzbar sind. Fragen, wem die Bilder eigent­lich auf welche Weise gehören, wer also deren Stake­holder sind und wer deren Gate­keeper sein dürfen, werden durch TK Labels und ähnliche Initia­tiven denkbar und im besten Falle neu verhan­delbar. Wenn Insti­tu­tionen Entschei­dungs­ho­heit über Seh- und Verwen­dungs­weisen konkret abgeben, kann sich die passive Kate­gorie der Betrof­fen­heit in eine Kate­gorie der Betei­li­gung wenden, die ökono­mi­sche Konse­quenzen nach sich ziehen kann.

Disclaimer

Eine gängige Stra­tegie des Umgangs mit Bildern, deren Zeig­bar­keit in Frage steht oder gestellt werden soll, sind Disclaimer. Der Begriff, der eigent­lich Haftungs­aus­schluss meint, bezeichnet mitt­ler­weile alle Arten der voraus­ei­lenden Bekun­dung von Unsi­cher­heit seitens derer, die die Bilder in Umlauf bringen. Bild-Disclaimer exis­tieren in allen Längen, Theo­rie­dichten und Haltungen. Sie können distan­zie­rend oder entschul­di­gend sein, sie machen Verant­wor­tung deut­lich oder weisen diese von sich.

Disclaimer des Online-Archives BM Archives (https://www.bmarchives.org/) der Basler Mission 21. Screen­shot der Autor*innen 2025.

Die viel­be­spro­chene Trig­ger­war­nung ist eine beson­dere Form des Disclai­mers, die stärker die poten­zi­elle Betrof­fen­heit bis hin zur Retrau­ma­ti­sie­rung der Rezipient*innen ins Zentrum stellt und sich mitunter explizit auf den Inhalt einzelner Bilder oder Filme richtet. Mit dem Format der Disclaimer verwandt sind die ethi­schen Richt­li­nien zum Umgang mit Bildern, die sich manchmal auf den Webseiten von Gedächt­nis­in­sti­tu­tionen finden. Sie beziehen sich nicht auf einzelne Bilder, sondern verdeut­li­chen die gene­relle Haltung der Insti­tu­tion (bspw. Portal for African Rese­arch Coll­ec­tions).

Auch wenn Disclaimer mitunter Verle­gen­heits­lö­sungen sind, die zunächst dieje­nigen entlasten, die die Bilder verwenden, und manchmal denen, die die Bilder betreffen, nur wenig helfen, sind sie zugleich ein wich­tiges Einge­ständnis der Suche nach Hand­lungs­mög­lich­keiten. Sie signa­li­sieren Aware­ness, geben die Möglich­keit, die Proble­ma­tiken der betref­fenden Bilder konkret zu benennen und zeigen im besten Fall an, dass neue und andere Umgangs­weisen mit diesen Bildern zu entwi­ckeln wären.

Blick- und Bildentzug

Eine weitere Stra­tegie ist der Bruch mit der übli­chen Rezep­ti­ons­si­tua­tion der Bilder. Gerade für Ausstel­lungs­räume gibt es zahl­reiche Beispiele: von der einfa­chen undurch­sich­tigen Folie, die erst durch die Besu­chenden entfernt werden muss, um den Blick auf ein Bild frei­zu­geben, bis hin zu einem avan­cierten szen­o­gra­fi­schen „Verstellen“ der Bilder (s. GdG-Bildersommerartikel „Un-Writing und Im-Bild-Bleiben“). Ein Beispiel sind die erhöhten Schau­kästen, die Clemen­tine Deliss und Yvette Mutumba in ihrer Ausstel­lung Ware & Wissen 2014 im Welt­kul­turen Museum in Frank­furt instal­lieren ließen, um die Nahauf­nahmen männ­li­cher Geni­ta­lien auszu­stellen, die der Grün­dungs­di­rektor des Museums Bern­hard Hagen um 1900 in Deutsch-Neuguinea anfer­tigte. Wollte man sehen, was in den Schau­kästen ist, hatte man die Geni­ta­lien im Gesicht. Denn die Erhö­hung sollte nicht nur dafür sorgen, dass die Bilder den Blicken der Kinder (und unbe­ab­sich­tig­ter­weise auch der Menschen im Roll­stuhl) entzogen wurden, sondern auch, dass die übliche Distanz zum Gese­henen nicht möglich war. Ein anderer Fall sind Gustav Metz­gers Historic Photo­graphs, die gegen­wärtig im Luma Westbau in Zürich zu sehen sind. In der Instal­la­tion finden sich ins kollek­tive Gedächtnis einge­schrie­bene Bilder der Gewalt, etwa aus dem Viet­nam­krieg, dem Warschauer Ghetto oder vom Okla­homa City Bombing auf immer neue Weise hinter Texti­lien und Stein­haufen oder in die Mate­ria­lität ihrer Träger versteckt und verzerrt.

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Instal­la­ti­ons­an­sicht der Historic Photo­graphs in der Ausstel­lung Hans Ulrich Obrist Archives (https://luma-westbau.com/de/program/hans-ulrich-obrist-archive-gustav-metzger): Gustav Metzger – All of Us Toge­ther, 2025, Luma Westbau, Zürich. Foto: Arthur Fouray.

Auch wenn sich solche räum­li­chen und mitunter künst­le­ri­schen Stra­te­gien weder direkt auf Bild­ver­wen­dungen in (wissen­schaft­li­chen) Texten über­tragen lassen, ist ihr Effekt außer­halb des Ausstel­lungs­raums beden­kens­wert. Sie zielen auf eine Desta­bi­li­sie­rung der Erwar­tungen an die Bild­re­zep­tion ab und verän­dern das Sehen.

Auch Tech­niken, die in digi­tale Bilder verfrem­dend eingreifen, verfolgen das Ziel einer solchen Desta­bi­li­sie­rung. Selek­tive Unschärfen oder Frei­stel­lungen einzelner Aspekte können die Zeig­bar­keit eines Bildes als solches in Frage stellen. Sinn­voll erscheinen diese Eingriffe wohl immer dann, wenn sie nicht selbst Zensur­cha­rakter bekommen, sondern eine Sensi­bi­lität für das Zeigen schaffen.

Eingriff in die Meta­daten – Anrei­chern, Trans­for­mieren, Kollaborieren

Eine ganz andere Stra­tegie im Umgang mit visu­ellem Mate­rial in Archiven besteht im Anrei­chern von Bildern oder Filmen mit textu­ellen Infor­ma­tionen, seien es Erklä­rungen, Anno­ta­tionen oder Meta­daten. Kate Holter­hoff schlägt ein heavy editing vor, bei dem menschen- wie maschi­nen­les­baren Meta­daten und Anno­ta­tionen erzeugt werden, die mehr­stimmig, kritisch und inklusiv sein können. Ein Beispiel für dichtes Anno­tieren ist Rese­arch Film Proven­ance, in dem wir histo­ri­sche Filme in kolla­bo­ra­tiver Arbeit mit unter­schied­li­chen Perspek­tiven erwei­tert haben. Ziel solcher Ansätze ist es, die Bilder und Filme mit Infor­ma­tionen zum Darge­stellten, zur Produk­tion, zu ihrer Prove­nienz und Zirku­la­tion anzu­rei­chern, sowie die Grund­lage zu schaffen, dass diese Infor­ma­tionen bei der Rezir­ku­la­tion idea­ler­weise mit ihnen verknüpft bleiben. Nach den oben beschrie­benen Forde­rungen, die Rechts­ho­heit bezüg­lich der Bilder zu verschieben, geht es hier entspre­chend um eine Verschie­bung der Deutungs­ho­heit über Bilder.

Ein Eingriff in die Meta­daten kann auch bedeuten, auf deren Basis die Struktur des Archivs anders abzu­bilden als durch bestehende Klas­si­fi­ka­ti­ons­sche­mata, wie beispiels­weise das oft kriti­sierte Klas­si­fi­ka­ti­ons­system für ikono­gra­phi­sche Inhalte Icon­class. Alter­na­tive Such­tools, die der Logik und Media­lität der jewei­ligen Samm­lung besser gerecht werden, sind eine mögliche Form zum Verän­dern und Über­denken archi­va­ri­scher Struk­turen, wie das Beispiel unserer Reak­ti­vie­rung der Ency­clo­paedia Cine­ma­to­gra­phica zeigt.

Im Projekt (https://filmprovenance.philhist.unibas.ch/) „Rese­arch Film Proven­ance“ hat die tansa­ni­sche Histo­ri­kerin und Künst­lerin Alma Simba einen Film aus dem Schwei­ze­ri­schen Tropen­in­stitut von 1949 kommen­tiert. Screen­shot der Autor*innen 2025.

Zentral bei all diesen Ansätzen ist, dass nebst Bildarchivar*innen auch Forschende und Personen aus den betei­ligten Commu­nitys die Bild­in­for­ma­tionen miter­stellen. Das reicht von Zusam­men­ar­beiten mit Herkunfts­ge­sell­schaften und Forschenden aus den entspre­chenden Regionen, bis hin zu einer Öffnung in Rich­tung Öffent­lich­keit (Stich­wort Citizen-Science). Forschende sind dabei also in die Pflicht genommen und ihnen ist ein aktiver Part in der verant­wor­tungs­vollen Rezir­ku­la­tion von Bildern zugewiesen.

Die E-EC bietet ein Suchtool für die Encyclopaedia Cinematographica, das sich von dem Online-Katalog der Sammlungsbesitzenden Institution grundlegend unterscheidet. Screenshot der Autor*innen 2025.

Die E-EC bietet ein Such­tool (https://researchfilm.net/ec/index/) für die Ency­clo­paedia Cine­ma­to­gra­phica, das sich von dem Online-Katalog der Samm­lungs­be­sit­zenden Insti­tu­tion grund­le­gend unter­scheidet. Screen­shot der Autor*innen 2025.

Ein weiterer Gedanke zur Umsetz­bar­keit scheint notwendig. Nimmt man die in diesem Text entfal­teten Stra­te­gien ernst, hieße das für den wissen­schaft­li­chen Umgang mit Bildern, die Betei­ligten zu suchen und im Ideal­fall zu kontak­tieren. Hinzu käme, die Proble­ma­tiken des Bildes klar zu benennen, seine Prove­nienz zu erfor­schen, das Sehen durch kluge Wahr­neh­mungs­brüche zu verän­dern und das Bild so mit weiterem Wissen anzu­rei­chern. All das steht in einem Span­nungs­ver­hältnis zum Leistungs- und Ressour­cen­druck, dem histo­risch forschende Insti­tu­tionen und Wissenschaftler*innen ausge­setzt sind.

Trotzdem dürfen wir beim Einsatz von Bildern nicht weniger streng sein als mit unseren Worten. Wir sollten stets versu­chen, Bilder klüger, sensi­bler und kriti­scher in unsere Argu­men­ta­tionen einzu­bauen, sie selbst als Zeug­nisse und Argu­mente ernst zu nehmen. Was es dabei eher braucht als indi­vi­du­ellen Über­eifer (und die damit einher­ge­hende etwaige Über­for­de­rung) ist die kollek­tive Anstren­gung, eine Kultur des reflek­tierten Bild­um­gangs zu schaffen. Wir alle sollten uns trauen, in Koope­ra­tionen mit Insti­tu­tionen, anderen Forschenden oder Herkunfts­ge­sell­schaften an der Entwick­lung einer diffe­ren­zierten Visual Literacy, an einer Bild­bil­dung in Gesell­schaft und Wissen­schaft zu arbeiten.