Heute verstärken sich Argumente gegen das Individuelle, dem als westliches Konzept die Gemeinschaftsorientierung fehlt. Dividuation hingegen geht von einem erweiterten Verständnis aus und berücksichtigt soziale, kulturelle und ökologische Faktoren, die eine Person ebenfalls ausmachen und zu ihrer Gesamtverfassung beitragen.

  • Michaela Ott

    Professorin für Ästhetische Theorien an der HfBK Hamburg, Mitglied des DFG-Exzellenzclusters „Africa multiple“ an der Universität Bayreuth. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen u. a. poststrukturalistische Philosophie, Ästhetik des Films, Theorien des Raums, der Affizierung und Dividuation. Publikationen (Auswahl): „Deleuze – Zur Einführung“ (2005), „Affizierung. Zu einer ästhetisch-epistemischen Figur“ (2010), „Dividuationen. Theorien der Teilhabe“ (2015), „Welches Außen des Denkens? Französische Theorien in (post)kolonialer Kritik“ (2019).

Als Zögling eines katho­li­schen Gymna­siums in Bayern sah ich mich schon früh mit einem mora­li­schen Zwie­spalt konfron­tiert. Da war zum einen die christ­liche Lehre der Nächs­ten­liebe, die prin­zi­pi­elle Hilfe­stel­lungen für schwä­chere Personen forderte, Beistand und Unter­stüt­zung, unbe­grenzt und unter­schiedslos. Dem entgegen stand der schu­li­sche Impe­rativ, Tests und Prüfungen alleine zu bewäl­tigen, sein Wissen ohne Fremd­hilfe zu demons­trieren, ohne Schum­meln, Abschreiben, nach­bar­liche Unterstützung.

Ich habe das Gebot der Nächs­ten­liebe damals über jenes der selbst­ver­fer­tigten Lern- und Leis­tungs­nach­weise gestellt. Meine Bank­nach­barin wollte ich nicht verlieren. Also habe ich Mathe­schul­auf­gaben für zwei geschrieben oder mit Spick­zet­teln ausge­holfen. Was mir scharfe Kritik von Seiten der über­wa­chenden Lehr­kraft eintrug: Abschreiben lassen sei falsch verstan­dene Soli­da­rität. Bei späteren Klas­sen­ar­beiten wurde die Klas­sen­ka­me­radin wegge­setzt, fiel gegen Ende des Schul­jahres durch. Das habe ich den Nonnen nie verziehen.

Sollte das einer der Gründe sein, warum ich heute, 50 Jahre später, den Begriff des Indi­vi­duums kriti­siere? Weil er eben, wie nach fünf Schul­jahren Latein mehr als klar war, nicht nur „Unge­teiltes“ bezeich­nete. Sondern, wie ich im späteren Philo­so­phie­stu­dium lernte, ein Verständnis der Person propa­gierte, das auf Allein­stand, Auto­nomie, also Selbst­ge­setz­ge­bung zielte und darüber den modernen Egozen­triker hervor­ge­bracht hat, der sich bis heute durch ziel­füh­rendes ökono­mi­sches Gewinn­streben auszeichnet. Einer seiner Inbe­griffe ist der moderne Künstler, der vermeint­lich allein aus seiner Einbil­dungs­kraft heraus schafft und mit dem Nimbus des zumeist männ­li­chen Genies die Bewun­de­rung aller auf sich zieht. Für den Prototyp dieses Indi­vi­duums stehen Namen wie Leonardo da Vinci oder Dürer, Erfinder, Inge­nieure und Künstler in einer Person.

Histo­ri­scher Rückblick

Zu unser aller Bewun­de­rung hat es sie tatsäch­lich gegeben, die Vorbilder, die in der Renais­sance nicht nur die Künste, sondern auch die Wissen­schaften revo­lu­tio­nierten und den bis dahin weit­ge­hend unbe­kannten Globus umrun­deten, als Entde­cker à la Columbus oder Vasco da Gama. Dank ihres Aben­teu­er­geists haben sie die Vorstel­lung des Globus nach­haltig verän­dert. Den christ­li­chen Glauben durch neue Erkennt­nisse und ökono­mi­sche Ressourcen erwei­tert, dabei den neuen Menschen­typus des Indi­vi­duums geboren. Der Kunst­his­to­riker Jacob Burck­hardt hat zur Ausbil­dung dieses ›uomo univer­sale‹ die neuar­tige Entde­ckung der Welt, Natur­for­schung und Land­schafts­wahr­neh­mung, aber auch Formen höherer Gesel­lig­keit am Beispiel der Stel­lung der gebil­deten Frau gezählt.

Im deut­schen Sprach­raum inkar­nierte er sich unter anderem in histo­ri­schen Personen wie den Fuggern, denen über die Jahr­hun­derte hinweg der Aufstieg vom Hand­werker über den Kauf­mann zum Adligen gelang. Ab 1367 in Augs­burg ansässig, stiegen sie nach und nach zur führenden Kauf­manns­fa­milie der Reichs­stadt auf.  Ab Mitte des 16. Jahr­hun­derts beklei­deten sie sogar kirch­liche und fürst­liche Ämter.

Aus heutiger Sicht erscheinen diese als Ausnah­me­erschei­nungen geprie­senen Exis­tenzen zumin­dest proble­ma­tisch, da sich ihr Wohl­stand mit der Ausbeu­tung von Terri­to­rien in Übersee verbunden erweist. Ohne die Silber- und Gold­schätze, die sie aus den Gruben Latein­ame­rikas heben ließen, hätte es keine Paläste und gold­ge­fassten Pokale in Augs­burg gegeben. Jakob Fugger gelang es, durch Verknüp­fung von Edelmetall-, Waren- und Finanz­ge­schäften als erfolg­reichster Bankier seiner Zeit in die Geschichte einzu­gehen. Er zeigte Inter­esse an der Erobe­rung der Neuen Welt, war, wie wir erst allmäh­lich begreifen, seiner­seits in den Kolo­nia­lismus invol­viert. Bei ihm ging christ­liche Nächs­ten­liebe, wie bei vielen der namhaften Genies, mit der Ausbeu­tung von anderen in eins.

Diese Art der Selbst­er­mäch­ti­gung wurde histo­risch mit dem Lobpreis indi­vi­du­ellen Wirkens belegt. Der Begriff des Indi­vi­duums, von Cicero im 1. Jh. u. Z. als Über­set­zung von grie­chisch ‚atomos‘, „Unge­teiltem“, geprägt, wurde in der Renais­sance auf Einzel­per­sonen über­tragen. Es verband sich mit Zuschrei­bungen von Selbst­be­stim­mung und Einma­lig­keit, mit der Idee, Regent des eigenen Schick­sals zu sein. Aben­teu­er­geist, Erfin­dungs­gabe, Besitz und Eigentum, ja ein Begriff von Sitt­lich­keit wurden mit seiner Aktua­li­sie­rung im ausge­henden 17. Jahr­hun­dert asso­zi­iert. Als Errun­gen­schaft west­li­chen Denkens, die den Einzelnen zuneh­mend von reli­giösen Zwängen und zum eigenen Willen befreit, wird das Indi­vi­duum bis heute gepriesen – dafür, Regent im eigenen Reich zu sein.

Die wach­sende Erkenntnis der an diesen Namen und seine Selbst­herr­lich­keit geknüpften Auswir­kungen lässt die Bezeich­nung ‚Indi­vi­duum‘ heute in philo­so­phi­schen Kontexten frag­würdig erscheinen. Ande­rer­seits wird sie im öffent­li­chen Diskurs unbe­dacht im Munde geführt, sobald von einer Einzel­person gespro­chen wird. Die späte Erkenntnis, dass das mensch­liche Selbst­ver­ständnis als Indi­vi­duum histo­risch nicht nur mit Macht­an­sprü­chen, sondern häufig mit der Diskri­mi­nie­rung ‚anderer‘ Personen verbunden war, führte in der Universal Decla­ra­tion of Human Rights der UNO von 1948 denn auch dazu, diese Bezeich­nung gerade nicht in Einsatz zu bringen. In ihren Para­gra­phen wird die Rechteinhaber:in durch­gängig neutral „ever­yone“ oder „no one“ genannt.

Kritik des Individuums

Heute verweisen zahl­reiche Wissen­schaften auf die Schwie­rig­keit der Isolie­rung von Einzel­phä­no­menen: So betonen etwa Biologen, dass von „Unge­teiltem“ nur in klinisch berei­nigten Milieus gespro­chen werden kann, da alle Lebe­wesen etwa von Bakte­rien oder Viren mitbe­wohnt sind. Sozio­logen zeigen auf, dass der kultu­rell vermeint­lich indi­vi­dua­li­sierte Natio­nal­staat nicht nur eine hete­ro­gene Bevöl­ke­rung umfasst, sondern längst über seine Grenzen hinweg lebt. Expor­tiert er doch neben Waren und Dienst­leis­tungen auch Umwelt­ka­ta­stro­phen in andere Länder, die mithin Teil seiner Gesell­schaft sind.

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Medi­en­theo­re­tiker machen geltend, dass die digi­tale Erfas­sung und Verrech­nung der Person mit einem Indi­vi­du­ums­ver­ständnis längst nicht mehr zusam­men­gehen. Und Kultur­wis­sen­schaftler bringen vor, dass alle Länder sich von wider­strei­tenden Glau­bens­hal­tungen und riva­li­sie­renden Tradi­tionen geprägt erkennen und zugeben müssen, dass eine indi­vi­dua­li­sierte Natio­nal­kultur eine Wunsch­größe der Vergan­gen­heit ist.

Aus verschie­denen Blick­win­keln wird mithin deut­lich, dass die Grenze von Einzel­er­schei­nungen schwer angebbar ist. Personen erscheinen je nach den Zeit­schnitten, die vorge­nommen werden, und den Genea­lo­gien, die (re)konstruiert werden, von unbe­rück­sich­tigten Faktoren mither­vor­ge­bracht. Sie werden von ihnen mitbe­ein­flusst, sind bei Gefahr des Über­le­bens nicht von diesen abtrennbar.

In der Gegen­wart verstärken sich Argu­mente gegen das Indi­vi­du­elle zudem aus (post)kolonialer Perspek­tive: Erkennen wir doch heute, dass das Indi­vi­duum ein west­li­ches Konzept ist, dem in zahl­rei­chen außer­eu­ro­päi­schen Kulturen nichts entspricht. Anthro­po­lo­gi­sche Studien erzählen davon, dass Perso­nen­ver­ständ­nisse dort gemein­schafts­ori­en­tierter und gene­ra­tio­nen­über­grei­fender funktionieren.

Die ersten Aufrufe zum „Umlernen“ antrai­nierten Wissens kamen vom latein­ame­ri­ka­ni­schen Konti­nent. Seit mehr als zwanzig Jahren wird dort eine verän­derte Selbst­wahr­neh­mung gefor­dert: Es sei von denje­nigen zu lernen, die in kolo­nialen Hinter­las­sen­schaften leben und das west­liche Wissen mit lokalen Über­lie­fe­rungen abzu­glei­chen sich bemühen. Neue Weisen der Kultur- und Selbst­kritik seien einzu­üben, nicht-westliche Verständ­nisse gelte es mitein­zu­be­ziehen, u.a. solche zur Person.

 Vor allem aus ethi­schen Gründen wird heute gefor­dert, Begriffe der euro­päi­schen Philo­so­phie zu durch­leuchten und durch stärker inklu­die­rende zu ergänzen oder zu ersetzen. Kriti­siert wird in diesem Zusam­men­hang auch die Philo­so­phie von Imma­nuel Kant, der gewisse mensch­liche Fähig­keiten wie etwa die Urteils­kraft als verall­ge­mei­nerbar dekla­riert und im nächsten Schritt doch außer­eu­ro­päi­schen Personen abspricht. Seine Philo­so­phie entpuppt sich wider den eigenen Anspruch als vorur­teils­struk­tu­riert, auch weil er eine hier­ar­chi­sche Rassen­kunde entlang der mensch­li­chen Haut­farben entwirft, welche die soge­nannten Weißen und Roten oben, die Schwarzen und Oliv­gelben unten auf der Wert­schät­zungs­skala plat­ziert .

Auch Hegels Philo­so­phie ist in die Kritik geraten, da sie explizit die „Selbst­an­eig­nung“ des Indi­vi­duums fordert, eine Aussage, mit der sich zwangs­läufig der Gedanke ökono­mi­scher und kolo­nialer Aneig­nung asso­zi­iert. In seinerPhilo­so­phie des Rechts betont Hegel denn auch, dass der freie Geist erst jener sei, der sich die freie Exis­tenz durch „Bildung und (Selbst)Aneignung“ gibt. Zur Person gehöre nämlich das „abso­lute Zueig­nungs­recht des Menschen auf alle Sachen“, denn nichts sei „Selbst­zweck – Leben­diges nicht; Nicht Blut, Juden – nicht Indien, Ägypten“. Da der Wille sich alles zu eigen machen dürfe, könne er sich auch auf andere Menschen erstre­cken. Die bürger­liche Gesell­schaft bestimmt Hegel sogar „zur Kolo­ni­sa­tion getrieben“, um sich einen neuen „Bedarf“ ihres Arbeits­fleißes zu verschaffen. Kein Wunder mithin, dass seine Aussage, der west­liche Impe­ria­lismus sei „ein Gewinn für Afrika“, da es von Europa mit Vernunft, Ethik, Kultur und Sitten ausge­stattet worden sei, bei afri­ka­ni­schen Philosoph:innen auf schroffe Ableh­nung stößt.

Der neue Begriff der Dividuation

Gegen diese herab­las­senden bis rassis­ti­schen Ausfüh­rungen wendet sich die zeit­ge­nös­si­sche Philo­so­phie mit der Auffor­de­rung, erwei­terte Perso­nen­ver­ständ­nisse zu entwi­ckeln und Faktoren zu berück­sich­tigen, die die Person unwis­sent­lich mit ausma­chen und zu ihrer Gesamt­ver­fas­sung beitragen. Aus erwei­tertem Blick­winkel soll sie sich erkennen als durch psychi­sche und physi­sche, soziale, kultu­relle und ökolo­gi­sche Faktoren mit hervor­ge­bracht. Der fran­zö­si­sche Philo­soph Gilbert Simondon fordert sie etwa auf, die ihr aufer­legten Teil­haben, etwa am sozialen Leben oder an kultu­rellen Verpflich­tungen, zu erkennen und möglichst ins Gleich­ge­wicht zu bringen mit Wünschen nach Allein­stel­lung, wobei die Schwie­rig­keit, diese aufein­ander abzu­stimmen, durchaus mitge­dacht wird. Verein­nah­mung, Verflech­tung mit anderen, multi­di­rek­tio­nale Bezug­nahme sind Schlag­worte, die in diesem Zusam­men­hang fallen. Die Person erscheint als Knoten­punkt zahl­loser auf sie einwir­kender Faktoren, weshalb eine Neube­nen­nung überfällig ist. Selbst in Schulen wird heute ja auf Inklu­sion, gemein­sames Lernen und wech­sel­sei­tige Unter­stüt­zung Wert gelegt. Der Satz mit der falsch verstan­denen Soli­da­rität käme vermut­lich nicht mehr daher. 

Das Argu­ment lautet daher: Unser Selbst(mis)verständnis als Indi­vi­duum, als Unge­teiltes samt all den damit einher­ge­henden Folgen erken­nend, sollten wir ersetzen durch eine Bezeich­nung, die unsere Vielfach-Verflechtung und Mit-Geteiltheit ansagt und zu bekräf­tigen sucht:

Zusammen mit den Vorden­kern Novalis, Nietz­sche, Deleuze/Guattari schlage ich daher vor, das „In“ des Indi­vi­duums oder der Indi­vi­dua­tion zu strei­chen, da es eine Vernei­nung der unum­gäng­li­chen Teil­haben zum Ausdruck bringt. Es wäre zu ersetzen nicht nur durch den von ihnen gebrauchten Begriff des ‚Divi­du­ellen‘, sondern durch jenen der prozess-betonenden und teilhabe-orientierten ‚Divi­dua­tion‘. Denn Divi­dua­tion will die Vorstel­lung beför­dern, dass wir mit quali­tativ unter­schied­li­chen Vorgängen notwendig verflochten, ja von ihnen mit hervor­ge­bracht und daher tenden­ziell immer Teil­ha­bende sind. Da wir aller­dings – unter Umständen auch unfrei­willig – Prozessen wie etwa jenen der digi­talen Verein­nah­mung und Präemp­tion ausge­setzt sind, sollten wir unsere Teil­haben möglichst bewusst wahr­nehmen und auszu­ta­rieren suchen, um sie nöti­gen­falls auch zu begrenzen.

Das Adjektiv ‚divi­duell‘ wird heute von einzelnen Anthro­po­logen wie Marshall Sahlins oder Marilyn Stra­thern gebraucht, um nicht-westliche Personen- und Verwandtschafts-Verständnisse im globalen Süden zu skiz­zieren. „Divi­duell“ wird aber auch die Ästhetik bestimmter Kunst­werke und Filme genannt, wenn sie sich auf unter­schied­liche kultu­relle Codes beziehen und diese in einem span­nungs­rei­chen Ausdruck zusam­men­führen. Dabei wird häufig betont, dass gerade ihre innere Viel­deu­tig­keit, auch die zeit­be­dingt sich verän­dernde Bild-Ton-Kombination ihren beson­deren Wert ausmacht.

Die Einsicht, dass „Indi­vi­duum“ eine irre­füh­rende Bezeich­nung für Personen, aber auch für Kulturen oder Kunst­werke ist und durch „Divi­dua­tion“ ersetzt werden sollte, bedeutet gleich­wohl nicht, dass Anglei­chung oder unter­schieds­lose Ähnlich­keit ange­strebt wird. Gerade die Einsicht in viel­fäl­tige Teil­haben und deren je beson­dere Kombi­na­tion, die sich zudem zeit­lich verän­dert, lässt jede Person anders erscheinen und nach wie vor jeweils beson­ders sein. Ja, sie ist umso spezi­fi­scher, je besser sie ihre Teil­haben zu einer über­legten und span­nungs­rei­chen Einheit zusam­men­führt. Ich möchte daher die gelin­genden Divi­dua­tionen als wert­volle Erschei­nungen erachten, als zu erfor­schende Figu­ra­tionen der Mit-Teilung und Selbst-Aufteilung, weil affir­mativ nicht-ungeteilt.

Um es noch einmal anders zu sagen: Mit der begriff­li­chen Inwert­set­zung der Divi­dua­tion verbindet sich nicht nur ein Anliegen der Kritik über­lebter Selbst­ver­ständ­nisse, sondern auch das ethi­sche und gesell­schafts­po­li­ti­sche Anliegen, unsere Ange­wie­sen­heit auf andere in über­legte Teil­ha­be­sorge zu über­führen. Persön­liche Findungen und Erfin­dungen sind an der Tages­ord­nung, aller­dings nicht qua iden­ti­tärer Selbst­sti­li­sie­rung, sondern qua Wahl der Aufnahme, Anbin­dung an und Soli­da­ri­sie­rung mit verschie­denen Außen. Ökolo­gi­sche Umsicht erscheint mir hier ein beja­hens­wertes Modell. 

Im Terminus der Divi­dua­tion schwingt daher nicht zuletzt die Auffor­de­rung mit, sich zu Kon-Dividuationen mit anderen zusam­men­zu­schließen. Schon aufgrund ihrer inneren Viel­falt ließen sich diese als poli­ti­sche oder künst­le­ri­sche Ensem­bles verstehen, die der kapi­ta­lis­ti­schen Verein­nah­mung Wider­stand entge­gen­zu­setzen in der Lage sind. Denn zu guter Letzt wird es auch darum gehen, über Arten der Distanz­nahme und Teil­ha­be­auf­kün­di­gung zu befinden, um der Gefahr zu entgehen, bloß zuge­wiesen und fern­ver­waltet zu werden. Daher die abschlie­ßende Auffor­de­rung: Sich der eigenen Auf- und Zutei­lungen bewusst zu werden, an kon-dividuellen Zusam­men­schlüssen zu basteln, Zwangs­ver­ein­nah­mungen aufzu­kün­digen und für zukunfts­zu­ge­wandte Werdens­pro­zesse zu sorgen!