Identitätspolitik

Der weiße Christ. Wie die Iden­ti­täts­po­litik an ihr anderes Ende gelangte

Die Identitätspolitiken der Rechten haben in den letzten Jahren eine „woke Rechte“ konstruiert, in der sich Akteure wie Kirk oder Fuentes als Opfer inszenieren. Besonders weiße, christliche Männer sehen sich delegitimiert und fassen dies in die Diskurse progressiver Bewegungen. Entlang welcher historischer und theoretischer Linien hat sich diese Entwicklung vollzogen und welche politischen Dynamiken und Radikalisierungen haben sich daraus ergeben?

Worüber wir reden, wenn wir „Iden­ti­täts­po­litik“ sagen (und worüber nicht)

Identitätspolitik – das machen immer nur die anderen. Das suggerieren zumindest die einschlägigen deutschsprachigen Feuilleton-Debatten. Es hilft daher zu wissen, woher der Begriff kommt, wofür er zu Beginn einstand und wie er zu einer konservativen Kampfvokabel wurde.

„America’s original iden­tity poli­tics.“ Über histo­ri­sche Verflech­tungen von Eigentum, „race“ und Identitätspolitik

Identitätspolitik wird von ihren rechten Kritiker:innen als „woke“ und als neue Gefahr für den Zusammenhalt der Gesellschaft denunziert. Doch schon die amerikanischen Siedlerkolonien des 17. Jahrhunderts und später die Gründung der USA basierten auf (weißer) Identitätspolitik. Sie beherrscht die US-amerikanische Gesellschaft bis in die Gegenwart.

Iden­ti­täts­po­litik: Ohne geht es auch nicht

„Identitätspolitik“ gilt wahlweise als liberal oder illiberal, zu links oder nicht links genug. Ein Blick in die letzten drei Jahrzehnte aber zeigt: Die Forderung, auf Themen von Kultur und Identität zu verzichten und sich auf „verteilungspolitische Gerechtigkeitsthemen“ zu konzentrieren, ist keine Alternative.

972 Artikel - kostenlos & werbefrei!

Hierfür investieren wir viel Zeit und Herzblut. Die Autor:innen schreiben ohne Honorar, und die Herausgeber:innen arbeiten ehrenamtlich. Dennoch fallen erhebliche Betriebskosten an.

Mit einem Abo bei Steady können Sie unsere Arbeit schon ab 2,50 € wirkungsvoll unterstützen! Mehr erfahren

Geschichte der Gegenwart
Geschichte der Gegenwart
Schweizer Filme über das Recht auf Abtreibung
Loading
/
  • Schweizer Filme über das Recht auf Abtreibung

    Schweizer Filme über das Recht auf Abtreibung

    Sep 21, 2025 • 13:31

    1975 war das internationale Jahr der Frau. Die Abtreibungsfrage war in der Schweiz eines der großen Themen. Feminist:innen nutzten das Medium Film, um illegale Schwangerschaftsabbrüche aus der Tabuisierung zu befreien und für eine Liberalisierung zu mobilisieren.

  • Russland führt einen ideologischen Krieg

    Russland führt einen ideologischen Krieg

    Sep 14, 2025 • 16:58

    Die Russische Föderation wurde wiederholt als korrupter und ideologieloser Mafiastaat bezeichnet, um den russischen Nationalismus und die messianischen Ideen eines kommenden russischen Imperiums herunterzuspielen. Warum diese Perspektive falsch und vielleicht sogar gefährlich ist.

  • Zeigen oder Nicht-Zeigen? – Das ist nur eine der Fragen

    Zeigen oder Nicht-Zeigen? – Das ist nur eine der Fragen

    Aug 31, 2025 • 14:03

    Bilder können erinnern, bewahren und Wissen erzeugen – zugleich aber auch Gewalt und Diskriminierung fortschreiben. Mario Schulze und Sarine Waltenspül erörtern, wie Archive, Ausstellungen und Forschung verantwortungsvoll mit solchen Bildbeständen umgehen können – zwischen Ethik, Kontextualisierung und kollaborativer Praxis.

  • Essen von oben

    Essen von oben

    Aug 24, 2025 • 13:52

    Digitale Bilder von Essen sind allgegenwärtig, sie übernehmen vielfältige kommunikative Funktionen. Als visuelle Markierungen von Identität, Erinnerung und Zugehörigkeit sind sie Teil eines ironischen Spiels, werden aber auch in einem Kulturkampf von rechts instrumentalisiert.

  • Das deutsche Passfoto. Geschichte und Geschlecht

    Das deutsche Passfoto. Geschichte und Geschlecht

    Aug 17, 2025 • 13:03

    Seit wann und warum gibt es Fotos in Ausweisen? Ein Passfoto lässt unwillkürlich auf das Geschlecht der abgelichteten Person schließen. Doch was geschieht, wenn die Angabe des Geschlechts im Reisepass nicht mehr den tradierten binären visuellen Codierungen von Geschlecht entspricht? Britta Lange im GdG-Bildersommer über die Geschichte des Passbildes.

  • Hothouse Earth: Dass es so weitergeht, ist die Katastrophe

    Hothouse Earth: Dass es so weitergeht, ist die Katastrophe

    Aug 10, 2025 • 13:46

    Klimadiagramme sind mehr als visualisierte Daten, sie entwerfen ihre eigenen Narrative und prägen unser visuelles Verständnis der Klimakrise. Birgit Schneider analysiert, wie die Bilder emotionale Zugänge zur Klimakrise schaffen und zum Handeln aufrufen.

  • Bilder, paranoid gelesen. Die Netflix-Serie Adolescence

    Bilder, paranoid gelesen. Die Netflix-Serie Adolescence

    Jul 27, 2025 • 12:07

    Die Netflix-Serie Adolescence wird als Warnstück gelesen, obwohl ihre Bildsprache eine vielschichtige Gegenwartsanalyse anbietet: eine subtile Kritik an der populären Interpretationspraxis, die hinter allem, was man sieht, eine verborgene Wahrheit finden will.

  • Freie Bilder und die Verantwortung von Museen

    Freie Bilder und die Verantwortung von Museen

    Jul 20, 2025 • 16:43

    Was bedeutet die Forderung nach freien Bildern für Museen? Welche Schwierigkeiten und neuen Ansätze gibt es im Bereich von #OpenSource und #CreativeCommons? Wie wirken sich diese auf die Verantwortung von Museen im postkolonialen Kontext aus? Ein Plädoyer für die Wissensallmende.

  • Ist es nun „echter“? Wie die digitale Kolorierung historischer Filmaufnahmen falsche Versprechungen erzeugt

    Ist es nun „echter“? Wie die digitale Kolorierung historischer Filmaufnahmen falsche Versprechungen erzeugt

    Jul 13, 2025 • 15:09

    Digitale Technologien wie Künstliche Intelligenz scheinen den Wunsch nach einer unmittelbar erlebbaren Vergangenheit Wirklichkeit werden zu lassen. Die Nachbearbeitung von Filmaufnahmen löst Faszination aus, zeigt aber auch Probleme und Irrtümer im Umgang mit historischen Quellen.

  • Der Blick nach rechts von uns. Paul Klees „Angelus novus“ (1920)

    Der Blick nach rechts von uns. Paul Klees „Angelus novus“ (1920)

    Jul 9, 2025 • 10:00

    Heute startet der GdG-Bildersommer. Den Auftakt bildet ein Aquarellbild von Paul Klee, das durch seinen ersten Besitzer Walter Benjamin eine wirkungsmächtige Deutung erhalten hat. Klees „Angelus novus“ von 1920 ist zum Engel der Geschichte geworden. Doch was ist auf dem Bild zu sehen?

Der Glamour der Identität

Der Roman "Identitti" von Mithu Sanyal ist eine ironische Reflexion über ein in die Jahre gekommenes Zauberwort – und Grund zum Nachdenken über akademische Autoritäten, intellektuelle Spielregeln und die Halbwertszeit von Theorien.

Der #Heimat-Hype. Zu einer «grossen Koali­tion» in der poli­ti­schen Semantik

In den aktuellen Diskussionen wird der «Heimat»-Begriff zum Fetisch. Wenn nun auch die politische Linke die identitäre Lesart zur natürlichen Grundannahme verklärt, arbeitet sie einer plakativen Eindeutigkeit zu, die schon Max Frisch als «Chauvinismus» bezeichnet hat.

Abonnieren Sie unseren Newsletter, um keine Artikel zu verpassen.

Klasse und Iden­tity Poli­tics im Vormärz. Gespräch mit Patrick Eiden-Offe

Das Reden über soziale Klassen ist derzeit wieder en vogue. Ebenso der Versuch, Klasse gegen Identitätspolitik auszuspielen. Ein Blick in die Frühphase proletarischer Selbstorganisation zeigt: Das ist überhaupt nicht notwendig.

, und

Wer gehört zu uns? Eine Konjunktur des Auto­chthonen verbindet Afrika und Europa

Der holländische Sozialanthropologe Peter Geschiere ist in Kamerun und den Niederlanden demselben Phänomen begegnet: „Zugehörigkeit“ und „Herkunft“, ja „Bodenverbundenheit“ werden zu Kriterien gesellschaftlicher Ordnung. Sein Buch „Perils of Belonging“ von 2009 ist aktueller denn je.

It’s #iden­tity poli­tics, stupid!

In Zeiten eines post-identitären Liberalismus und einer weissen rassischen Identitätspolitik, die auf Verteidigung von Privilegien zielt, werden die ursprünglichen Ziele von Identitätspolitik umkodiert. Ein Essay über Identitätspolitik als Ausgangspunkt einer Gesellschaftskritik, in der partikulare Interessen nicht negiert, sondern abgebildet werden.

#Iden­tität – das Andere der Anderen

Die Rede von der „Identität“ ist omnipräsent, jede und jeder scheint zu wissen, was damit gemeint ist. Dabei ist die Geschichte des politischen Begriffs der Identität noch sehr jungen Datums – und sie beginnt im Krieg.