Wer wissen will, wie sich die Sowjetunion von einem totalitären Staat dank einer Allianz der organisierten Kriminalität, der Schattenwirtschaft und des Staatsapparats in eine korrupte Kleptokratie verwandelte, muss Aka Mortschiladzes Buch "Schatten auf dem Weg" lesen.

12. August 2018Lesezeit ca. 9 MinutenArtikel druckenIn Pocket speichern
  • Zaal Andronikashvili ist Literaturwissenschaftler. Er arbeitet am Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung. Dort koordiniert er ein Projekt über die "Kulturelle Semantik des Schwarzen Meeres".

Im Jahr 2012 wurde im briti­schen Commer­cial Court der kost­spie­ligste Privat­streit der Geschichte ausge­tragen. Die russi­schen Olig­ar­chen Boris Bere­sovskij und Roman Abra­movič hatten beide ihre Milli­ar­den­ver­mögen in den 1990er Jahren „verdient“, als die Grenzen zwischen Geschäfts­män­nern und Krimi­nellen noch sehr durch­lässig waren. Der High Court musste Begriffe wie kryša (wörtl. ‚Dach‘, bedeutet Gewähr­leis­tung eines Schutzes gegen den Staat und Krimi­nelle für ille­gale Geschäfte) und otkat (wörtl. ‚Rück­zah­lung‘, bedeutet z.B. die Zurück­zah­lung eines bestimmten Betrags bei der durch Absprache gewon­nenen Ausschrei­bung bzw. beim Staats­auf­trag) defi­nieren, die aus dem russi­schen bzw. sowje­ti­schen krimi­nellen Slang stammten. Der Fall offen­barte nicht nur, wie eng Wirt­schaft, Politik und Krimi­na­lität im post­so­wje­ti­schen Raum mitein­ander verflochten waren. Viel­mehr handelte es sich um einen der seltenen, aber bedeut­samen Fälle eines osteu­ro­päi­schen Beitrags zur ,west­li­chen‘ Rechts­tra­di­tion. Etwas über­spitzt formu­liert ließe sich sagen, die ponja­tija, das infor­melle ,Recht‘ der sowje­ti­schen und post­so­wje­ti­schen Krimi­nellen, seien Bestand­teil des euro­päi­schen Rechts geworden. Dieser Fall war sympto­ma­tisch und folgen­reich vor allem wegen der Rich­tungs­um­kehr: Osteu­ro­päi­sche Denk­weisen und Prak­tiken wurden im ,Westen‘ von der breiten Öffent­lich­keit rezi­piert. Wie sich ein paar Jahre später heraus­stellte, war das viel mehr als ein anek­do­ti­scher Einzel­fall. Die mit dem Staat und der Mafia vernetzen Neurei­chen aus der ehema­ligen UdSSR wollten nicht nur wie andere reiche ,Nicht­west­eu­ro­päer‘ den west­li­chen Luxus konsu­mieren, sondern auch ihre ponja­tija in die west­liche Welt expor­tieren, notfalls mit Nach­druck. Wie kam es dazu?

Geschichte und kein Ende

Alek­sandr Dimitrov, “Auf Arbeit”, www.lib.ru

Die kultu­relle (und für einige Jahre nach dem Zusam­men­bruch der UdSSR auch poli­ti­sche) Hege­monie lag scheinbar beim ,Westen‘. Der Glaube daran kam am prägnan­testen in Francis Fuku­yamas berüch­tigter These über das Ende der Geschichte zum Ausdruck. Die Vorstel­lung von einem Siegeszug libe­raler Demo­kra­tien und Markt­wirt­schaften rund um den Globus war aber nicht nur eine Chiffre der naiven Über­heb­lich­keit des ,Westens‘, sondern viel­mehr ein Ausdruck des mangelnden Wissens über den Ostblock. Eines Unwis­sens, das nach dem Zusam­men­bruch der Sowjet­union in ein freund­li­ches Desin­ter­esse am ,globalen Osten‘ über­ging, insbe­son­dere, wenn es um Erfah­rungen, Denk­weisen, Welt­an­schau­ungen, Affekte, Wünsche, Begehren und Neurosen ging, mit einem Wort um alles, was die ,Ostmen­schen‘ bewegte. Dieses Desin­ter­esse kam nicht nur aus der intel­lek­tu­ellen Ecke, in der Francis Fuku­yama stand.

Für bedeu­tende Teile der ,west­li­chen‘ Linken war die Sowjet­union lange Zeit eine Alter­na­tive zum kapi­ta­lis­ti­schen System. Aber vor allem war die Sowjet­union für sie eher eine Projek­ti­ons­fläche eigener Vorstel­lungen von einer gerech­teren Welt. Ein tatsäch­li­ches Inter­esse an den Menschen und Vorgängen in der Sowjet­union gab es kaum. Es war auch kein Zufall, dass insbe­son­dere vor dem Erscheinen von Solsche­ni­zyns Der Archipel Gulag im ,Westen‘ (1974), aber auch danach, es vielen linken Intel­lek­tu­ellen sehr schwer gefallen ist, die Gräu­el­taten des Stali­nismus anzu­er­kennen und ihren naiven Glauben an den ‚Sozia­lismus mit mensch­li­chem Antlitz‘ in der UdSSR aufzu­geben. Auch heute bleibt Putins Russ­land für viele ein Gegenpol zum neoli­be­ralen Welt­he­gemon. Dabei wird oft über­sehen, dass der Kapi­ta­lismus in Russ­land und den ehema­ligen Repu­bliken der Sowjet­union (mit Ausnahme der balti­schen Staaten) eher der von Marx beschrie­benen ursprüng­li­chen Akku­mu­la­tion ähnelt als einem Nach­folger des Modells der (schein­baren) sozialen Gleichberechtigung.

Lost in Translation

Alek­sandr Dimitrov, “Shiva der Korrup­tion”, Quelle: world.lib.ru

Doch nicht nur die ,erste Welt‘ hat die ,zweite Welt‘ miss­ver­standen. Auch umge­kehrt proji­zierte die ,zweite Welt‘ ihre Wünsche, Sehn­süchte und Begehr­lich­keiten auf die ,erste Welt‘. Auch wenn das Inter­esse des ,Ostens‘ für den ,Westen‘ deut­lich größer war als umge­kehrt, kann man kaum behaupten, dass die kurzen Einblicke in das west­liche Leben, die man im Osten hatte, zu einem besseren Verständnis jenes Labens geführt hätten. Die bulga­ri­sche Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­lerin Miglena Nikol­china hat dieses gegen­sei­tige Miss­ver­ständnis auf den Punkt gebracht, indem sie von „hete­ro­to­pi­schen Homo­ny­mien“ sprach. Man hatte zwar scheinbar die glei­chen Worte und Dinge, fasste sie aber unter­schied­lich auf. Daher waren die Über­set­zungs­schwie­rig­keiten, nachdem der eiserne Vorhang seine in der von Winston Chur­chill verwen­deten Meta­pher ,schüt­zende‘ Funk­tion verlor, vorpro­gram­miert. Statt der einfa­chen Ausdeh­nung der west­li­chen Welt- und Wert­vor­stel­lungen nach Osten, wie man viel zu leicht­fertig ange­nommen hatte, sickerte auch der ursprüng­lich kleine und kaum bemerk­bare Strom an sowje­ti­schen und post­so­wje­ti­schen Wert- und Welt­vor­stel­lungen in den Westen.

Fünf­und­zwanzig Jahre nachdem die drei Welten anfingen, zu einer globalen Welt zu verschmelzen, begann man, sich über „kultu­relle Konter­re­vo­lu­tionen“, Klep­to­kra­tien und über die Rück­kehr rechts­ra­di­kalen Gedan­ken­guts zu wundern. Doch waren diese Entwick­lungen keines­wegs zufällig und unvor­her­sehbar. Was die ,erste Welt‘ über­sehen bzw. nicht ernst genug genommen hatte, waren nicht die sicht­baren Entwick­lungen auf der Ober­fläche, sondern die verbor­genen poli­ti­schen und ökono­mi­schen Verän­de­rungen in den tieferen Schichten der Gesell­schaften. Heute können wir im Rück­blick Aspekte aufspüren, die die Gesell­schaften des ehema­ligen Ostblocks, die 1989/1991 zur ,Frei­heit‘ strebten, in jene auto­ri­täre Klep­to­kra­tien verwan­delten, die ihren langen Schatten mitt­ler­weile auf die ehema­lige ,erste Welt‘ werfen.

„Schatten auf dem Weg“

Aka Mort­schil­adze, Quelle: wikipedia

Welche „unsicht­baren Verän­de­rungen“ haben die Gesell­schaften in der Sowjet­union geprägt? Der geor­gi­sche Schrift­steller Aka Mort­schil­adse versucht in seinem Buch Schatten auf dem Weg. Unbe­kannte Geschichten aus der Sowjet­zeit in Geor­gien (Geor­gisch 2014, deut­sche Über­set­zung: Mittel­deut­scher Verlag 2018) die Entwick­lung in der UdSSR nach dem Tod Stalins bis zur Pere­stroika über­wie­gend am Beispiel Geor­giens zu rekon­stru­ieren. Der Titel seines Buches, der einen sowjet­ge­or­gi­schen Spiel­film aus dem Jahr 1956 zitiert, ist eine Anspie­lung sowohl auf die sowje­ti­sche Schat­ten­wirt­schaft als auch auf die inof­fi­zi­elle Seite des Lebens in der Sowjet­union gene­rell, die auch für die west­li­chen Ostex­perten weitest­ge­hend unbe­kannt blieb. Mort­schil­adse beschreibt die Genea­logie einer Gesell­schaft, die die Nobel­preis­trä­gerin Swet­lana Alexi­je­witsch in ihrer groß­ar­tigen Moment­auf­nahme des Zerfalls der UdSSR (Secondhand-Zeit, 2013) fest­ge­halten hat. Für die Entwick­lungen, von denen Mort­schil­adse in seinem Buch erzählt, war der Tod Stalins eine Zäsur. Die Entsta­li­ni­sie­rung, auch wenn sie das Ende des Terrors bedeu­tete, war nicht mit der Auflö­sung des Unrechts­staates verbunden und hat die Wunden des Terrors und des Krieges nicht geheilt. Sie hat die tota­li­täre in eine post­to­ta­li­täre Gesell­schaft über­führt. Das bedeu­tete, dass zwar in den Jahren nach dem Tod des Dikta­tors und in den Jahren des Chruščev­schen Tauwet­ters Frei­räume entstanden, diese jedoch nicht nur von Künst­le­rInnen genutzt wurden. In jenen Jahren wurden auch die Grund­steine für die Archi­tektur der späten Sowjet­union gelegt, die auf der infor­mellen Allianz zwischen den ille­galen Fabri­kanten und Geschäfts­män­nern, genannt del’cy oder cecho­viki, den Anfüh­rern der orga­ni­sierten Krimi­na­lität (genannt vory v zakone, zu deutsch:  Diebe im Gesetz) und der Partei­bü­ro­kratie basierte. Die Rede ist von der inof­fi­zi­ellen Ordnung der Sowjet­union, der „Schat­ten­welt“.

Mort­schil­adse beschreibt Prozesse, die Krimi­na­lität und Korrup­tion von den Rändern der sowje­ti­schen Gesell­schaft in ihr Zentrum beför­derten. Die Lebens­weise des Krimi­nellen verwan­delte sich zu einer Subkultur und wurde im popu­lären Diskurs roman­ti­siert (diese Tendenz hat Varlam Šalamov gesehen und in seinen Erzäh­lungen davor gewarnt). Das krimi­nelle Ethos, die Spiel­re­geln, nach denen die krimi­nelle Welt lebte, entwi­ckelte sich zu einer paral­lelen Rechts­kultur und einer infor­mellen Gerichts­bar­keit, die oft einfluss­rei­cher –  und in Augen vielen Sowjet­bürger gerechter – war als die staatliche.

Auch die Korrup­tion gehörte zu den merk­wür­digen Frei­räumen, die in der Tauwet­ter­zeit in der Sowjet­union florierten. Korrup­tion war bei aller Strenge des Regimes in der Sowjet­union auch früher nicht unbe­kannt, aber erst seit den 1950er Jahren durchzog sie alle gesell­schaft­li­chen Schichten und wurde zu einer der wich­tigsten Kommu­ni­ka­ti­ons­formen der Sowjetunion.

Perver­tierte Freiheit

Schatten auf dem Weg, Mittel­deut­scher Verlag 2018, aus dem Geor­gi­schen von Natia Mikeladse-Bachsoliani

Morchil­adses Buch ist kein Sach­buch im herkömm­li­chen Sinne. Einen sach­li­chen und akade­mi­schen Stil wird man in diesem Buch vergeb­lich suchen. Der Icher­zähler schil­dert über zwei­hun­dert Seiten hinweg seinem impli­ziten Gesprächs­partner seine Geschichte: Er fängt an, schweift ab, erzählt Neben­ge­schichten und kommt immer wieder auf sein Haupt­thema zurück. Klei­nere fakti­sche Unge­nau­ig­keiten sind hier genauso einkal­ku­liert wie Zitate aus dem Gedächtnis, die erst in der kommen­tierten deut­schen Über­set­zung ausge­wiesen wurden. Morchil­adses Erklä­rung, wie sich die Sowjet­union von einem tota­li­tären Staat dank einer Allianz der orga­ni­sierten Krimi­na­lität, der Schat­ten­wirt­schaft und des Staats­ap­pa­rats in eine korrupte Klep­to­kratie verwan­delte, ist eigen­willig. Trotzdem ist es ihm gelungen, ein Panorama zu entwerfen, das sich gerade aus der Viel­zahl kleiner Geschichten und Anek­doten ergibt. Dabei kann Mort­schil­adses Werk auf Vorläufer zurück­bli­cken, so etwa die großen kultur­his­to­ri­schen Studien des geor­gi­schen Dich­ters und Essay­isten Ioseb Grischaschwili über das Tbilissi des 18. und 19. Jahr­hun­derts: Sayat-Nova (1918) und Die lite­ra­ri­sche Bohème des alten Tbilissi (1927, in deut­scher Über­set­zung Niemals hat der Dichter eine schö­nere erblickt…, Nora, 2007).  Auch die Tradi­tion kultur­wis­sen­schaft­li­cher Städte- und Gesell­schafts­por­traits wie Walter Benja­mins Paris, die Haupt­stadt des XIX Jahr­hun­derts (1939) und Sieg­fried Krakauers Jacques Offen­bach und das Paris seiner Zeit (1937) führt Mort­schil­adze fort, wenn ihm auch deren geschichts­phi­lo­so­phi­sche Dimen­sion fehlt.

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Doch warum sieht Mort­schil­adse ausge­rechnet in der Tauwet­ter­zeit die Gründe für die heutigen Miss­stände? „Das Land hatte bereits eine unre­gel­mä­ßige und ‚entstellte‘ Entwick­lung genommen, wie ein Gwyn­p­laine […], dem Comp­ra­chicos schon als Kind das Gesicht verun­staltet haben […].“ (122). Der Vergleich mit den Comp­ra­chicos (eine Wort­schöp­fung Victor Hugos aus seinem Roman Der Mann mit dem Lachen [1896], mit der er Menschen­händler bezeich­nete, die Kinder verun­stal­teten, damit sie als Zwerge oder Monster aufwuchsen, um sie dann zur Schau zu stellen und mit ihnen Geld zu verdienen) sugge­riert eine fehl­ge­lei­tete Entwick­lung. Fragt man sich beim Lesen, was denn genau entstellt wurde, so kommt man auf die Antwort, dass sowohl die krimi­nelle Subkultur als auch die Korrup­tion entstellte Kommu­ni­ka­ti­ons­formen waren: Die krimi­nelle Subkultur drückte einen Wunsch nach Frei­heit und Gerech­tig­keit aus, der sich unter sowje­ti­schen Verhält­nissen in dieser perver­tierten Form arti­ku­lieren konnte. Die sowje­ti­sche Form der Korrup­tion war eine perver­tierte Form des kommu­ni­ka­tiven Handelns, in der jedoch eben­falls ein Wunsch nach Tätig­keit durch­schim­merte, die nicht durch den Staat kontrol­liert war. Es ist kein Zufall, dass Mort­schil­adse immer wieder auf die in der UdSSR unge­heuer popu­lären ‚west­li­chen‘ Filme wie Tarzan, der Affen­mensch (1932) oder Die glor­rei­chen Sieben (1960) zu spre­chen kommt, welche die Wünsche des Sowjet­bür­gers nach anderen, nicht­staat­lich deter­mi­nierten Formen des sozialen und kultu­rellen Zusam­men­le­bens spüren ließen. Doch die sozialen Ener­gien, die von diesen Wünschen nach mehr Frei­heit und Selbst­be­stim­mung ange­trieben wurden, konnten nicht poli­tisch arti­ku­liert werden und kamen daher anders zum Ausdruck.

Die Folge davon war nicht so sehr die Doppel­moral und nicht einmal die mora­li­sche Rela­ti­vität, sondern die Tatsache, dass die Schat­ten­welt (also die Welt von Krimi­nellen und ille­galen Fabri­kanten und Geschäfts­män­nern) ihre Moral­vor­stel­lungen durch­setzen konnte. Diese Welt hat die Fragen der Moral „genau anders­herum aufge­fasst, als es in der normalen Zivil­ge­sell­schaft verstanden und empfunden wird. Sie entwer­tete alles, verän­derte die Moral und die Verhält­nisse.“ (205)

Die Vorstel­lung einer „normalen“ Zivil­ge­sell­schaft wirft zwar Fragen auf, weil sie die ,west­liche‘ Zivil­ge­sell­schaft als Normal­fall betrachtet. Möchte man derar­tige Fall­stricke vermeiden, kann man diese Nicht­nor­ma­lität, diese Perver­sion (denken wir an die Comprachicos-Metapher) als eine fehl­ge­lei­tete Form verstehen, die sowohl recht­lich als auch außer­recht­lich im Begriff des „falschen Lebens“ (Adorno) zum Ausdruck kommt. Die Beschrei­bung des „falschen Lebens“ in seiner sowje­ti­schen, sowohl tota­li­tären als auch post­to­ta­li­tären Ausprä­gung steht noch aus. Das Buch Mort­schil­adses ist nur ein Anfang. Ohne diese Beschrei­bung werden wir jedoch nicht in der Lage sein, zu verstehen, wie diese krimi­nelle infor­melle Kultur nach und nach zum Staat selbst wurde. Typisch für diese Kultur ist mora­li­scher Rela­ti­vismus, Erhe­bung des Geldes zum obersten Wert, hohe Gewalt­be­reit­schaft bei der Konflikt­lö­sung, Verach­tung der Schwa­chen und damit aller Minder­heiten (was sich insbe­son­dere in der stark ausge­prägten Homo­phobie zeigt), ein stark hier­ar­chi­sches Gesell­schafts­bild, in dem die herr­schende Klasse von allen geschrie­benen Gesetzen ausge­nommen ist. Die welt­weite Renais­sance der Rechts­po­pu­listen (insbe­son­dere jenseits des Atlan­tiks) ganz auf die Verbrei­tung dieser Kultur zurück­zu­führen, ist sicher­lich über­trieben. Aber dennoch ist sie dafür ein wich­tiger Faktor, zumal die Affi­ni­täten und Vernet­zungen zwischen post­so­wje­ti­schen bzw. osteu­ro­päi­schen „Klep­to­kra­tien“ und rechten Bewe­gungen welt­weit kein Geheimnis sind.

 

 

  • Zaal Andronikashvili ist Literaturwissenschaftler. Er arbeitet am Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung. Dort koordiniert er ein Projekt über die "Kulturelle Semantik des Schwarzen Meeres".
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