Kategorie: Reizwörter

Die Rubrik für histo­ri­sche Begriffs­kunde. Hier werden Schlag­wörter seziert, die neu in der öffent­li­chen Debatte auftau­chen.

250 Jahre #Sexua­lität. Keine Weih­nachts­ge­schichte

Die Weihnachtsgeschichte erzählt von einem Kind, das Maria nicht von ihrem Mann, sondern vom Heiligen Geist empfangen habe. Entsprechend gespannt war das Verhältnis des Christentums zur Fleischeslust. Das bürgerliche Zeitalter hingegen stellte den Sex ins Zentrum seiner Sorge und Aufmerksamkeit – und erfand die „Sexualität“. Diese Geschichte geht gegenwärtig vielleicht gerade zu Ende.

#Fana­tismus – Zur Spreng­kraft eines wieder­keh­renden Begriffs

Seit den Anschlägen von 9/11 wird der Fanatismus immer wieder als analytische Kategorie bemüht. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem religiösen Fanatismus. Doch das Schlagwort erweist sich als vielfach deutbar – und sprengt seine eigene Definition immer wieder.

Der Kopf unter dem Hut. Helke Sanders kluger Film „Die allseitig redu­zierte Persön­lich­keit“

Wenn über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf öffentlich gesprochen wird, geht vor allem darum, wie Frauen trotz Kinder Karriere machen können. Dabei steht viel mehr zur Debatte. Ein Film aus den 1970ern hilft, den Blick hierfür zu öffnen.

Mein #Anführer. Die unfrei­wil­lige Wahr­heit einer Vorsilbe

Vorsilben sagen manchmal mehr als ganze Worte. Zumindest wenn es um den ‚Führer‘ und den ‚Anführer‘ geht. Über die Schwierigkeiten der deutschsprachigen Presse, den ‚leader‘ ins Deutsche zu übersetzen.

#Fremd­worte

Fremdworte sind Reizworte. Ängstliche Sprachbewahrer glauben, dass mit ihnen die Sprache verfällt, dass das „Abendland“ untergeht und das Binnen-I die Freiheit bedroht. Sie verstehen nicht, dass in der Sprache Neues und Altes sich mischen und Eigenes und Fremdes nicht zu unterscheiden sind.

Der #Heimat-Hype. Zu einer «grossen Koali­tion» in der poli­ti­schen Semantik

In den aktuellen Diskussionen wird der «Heimat»-Begriff zum Fetisch. Wenn nun auch die politische Linke die identitäre Lesart zur natürlichen Grundannahme verklärt, arbeitet sie einer plakativen Eindeutigkeit zu, die schon Max Frisch als «Chauvinismus» bezeichnet hat.

Die ‚guten‘ Seiten des #Kolo­nia­lismus

Warum taucht in letzter Zeit – fast 60 Jahre nach der Dekolonisierung – immer wieder die Forderung auf, das gut erforschte System des Kolonialismus heute noch einmal „gerecht“ und „neutral“ zu bewerten? Hinter Revisionismus und Apologetik steht die alte (koloniale) Überzeugung europäischer Überlegenheit.

Wer braucht einen euro­päi­schen #Kanon?

Was sind europäische Traditionen – und wie sollten wir mit ihnen umgehen? Wäre ein Kanon dafür eine gute Idee? Über Fallstricke eines Begriffs in der öffentlichen Diskussion.

Anti­deut­sche #Romantik. Wie die AfD die Romantik spaltet, um sie zu regieren

Zu den geschichtspolitischen Strategien der AfD gehört die Selbstverlängerung in die Romantik. Kaum etwas könnte beim näheren Hinsehen absurder sein, denn in der Romantik sieht man alles, was die AfD gerne ausschliessen würde.

Die Logik des #Bürger­kriegs

Viele finden die Sprache von AfD und populistischer Rechte drastisch und verroht. Das Gerede vom „Bürgerkrieg“ scheint dafür das beste Beispiel. Doch hinter ihm versteckt sich mehr als entgleiste Rhetorik.

Konti­nuität oder Knall? Über die #Kata­strophe spre­chen.

Das Reden über „Katastrophen“ ist ein fester Teil unseres Alltags – obwohl der Begriff Ereignisse bezeichnet, die das Alltägliche zumindest vorübergehend unterbrechen. Dass so viel über Katastrophen gesprochen wird, führt oft dazu, dass sie uns egal werden oder wir ihre strukturellen Voraussetzungen ausblenden.

„We have a Situa­tion“: Von Hegels Philo­so­phie der #Situa­tion zur poli­ti­schen Kunst heute

Bei dem Wort „Situation“ denkt man an die Sprache amerikanischer TV-Serien, französischer Existentialisten oder deutscher Bürokraten. Dabei hat der Philosoph Hegel schon 1817 eine Theorie der „Situation“ entworfen, die bis heute wichtig ist und politischen Widerstand und zeitgenössische Kunst neu zu denken gibt.