Die Rubrik für Wörter, die kursieren und unsere Wahrnehmung prägen. Wir fragen nach ihrer Geschichte und ihren Effekten.
Reizwörter
#Eskapismus. Die (Ent-)Politisierung populärer Literatur
Alle reden von Eskapismus. Und zwar zumeist in vorwurfsvollem Ton. Aber Eskapismus kann vieles sein, eine Entpolitisierung von Kunst ebenso wie eine kritische Absage an politische, mediale und ökonomische Aufmerksamkeitslogiken.
Reizwort: Woke
Wohl kaum ein Begriff wird so stark instrumentalisiert und vermag es, eine Fülle an so unterschiedlichen wie starken Emotionen zu evozieren, wie das Reizwort „woke“. Die einen verwenden den Begriff in bewusst abwertender Weise, andere stärker deskriptiv – doch was mit ihm eigentlich genau beschrieben ist, ist den wenigsten klar. Grund, sich seiner Begriffsgeschichte zu widmen und zu fragen: Ist „woke“ eigentlich noch zu retten?
#Versagen
Die Vorstellung, dass Menschen versagen können, ist in unserem kulturellen Imaginären fest verankert. Historisch betrachtet ist sie jedoch sehr jung – und transportiert ein Menschenbild aus dem 19. Jahrhundert.
#Cringe
Cringe hat Konjunktur und ist mehr als Jugendslang. Ob in Comedy, Social Media oder Literatur – Cringe enthüllt die ambivalenten Grenzen zwischen Humor, Peinlichkeit und gesellschaftlichen Normen.
#Femizid
„Femizide“ werden oft als Tötung einer Frau „aufgrund des Geschlechts“ bzw. „weil sie eine Frau ist“ definiert. Dadurch wird der strukturelle Kontext der Taten verschleiert. Sinnvoller ist es, von Tötungen zu sprechen, die sich in einen „Kontext misogyner Gewalt“ einfügen.
Was heißt eigentlich #Interesse – und was nicht mehr?
Alles Mögliche gilt heutzutage als „interessant“. Doch diese Popularität des Interessebegriffs wurde erst durch einen Auffassungswandel möglich, der einstige funktionale, moralische und auch deutlich ambivalentere Bedeutungen beiseiteschob.
Sharing is Caring – Musik, TikTok und #MentalHealth
Jack Harris verarbeitet in seinen Liedtexten depressive Episoden, psychotische Schübe und Angstzustände. In seinem Song „Careful What You Wish For“ kritisiert er die Verschreibung von Antidepressiva und erreichte damit auf TikTok ein Millionenpublikum. Sein Song ist zu einer Hymne der Generation Z geworden, die TikTok als primäre Informationsquelle für Fragen rund um die Psychische Gesundheit nutzt.
#Doppelstandard
Von #Doppelstandards ist häufig die Rede, wenn es um einen Vergleich zwischen den Kriegen Russland/Ukraine und Israel/Gaza geht. Doch von wem und warum werden diese Kriege eigentlich verglichen?
#Genozid: Zur Arbeit an diesem Wort und zu seiner inflationären Verwendung
Was ist ein Genozid? Hat der Begriff noch einen juristischen und politischen Sinn? Wie wurde er in den letzten Jahrzehnten verwendet – und welche Rolle spielt er im Prozess am Internationalen Gerichtshof zum Vorgehen Israels in Gaza?
#Stoffwechsel. Eine proto-ökologische Kategorie der Energie- und Materialwende in der Architektur
Die aktuellen Diskussionen zur Energie- und Materialwende in der Architektur bilden Themenfelder, die als Stoffwechselprobleme des 21. Jahrhunderts verstanden werden müssen. Zeit, sich auf die Anfänge und die mögliche Zukunft dieses architektonischen Grundbegriffs zu besinnen.
Hört auf mit dem #Klimawandel
Der Begriff „Klimawandel“ ist zu einem Allerweltsbegriff geworden, zu einer leeren Chiffre. Wer „Klimawandel“ sagt, verschleiert Machtverhältnisse und kaschiert die Verursacher.
#Universalismus. Über die Schwierigkeit, das Menschliche zu begründen
Ist der Universalismus der Aufklärung angesichts postkolonialer Kritik noch zu retten? Der Philosoph Omri Boehm glaubt an die Möglichkeit eines „radikalen Universalismus“ jenseits aller Geschichte. Andere sehen gerade in seiner menschlichen Relativität die Chance seiner Erneuerung.











