Die Rubrik für Themen und Hintergrundgeschichten. Die Beiträge analysieren aus geistes- und kulturwissenschaftlicher Perspektive die Gegenwart, befragen Vergangenes und rufen fast Vergessenes ins Gedächtnis.
Geschichten der Gegenwart
Zeit- und Medienkritik nach Jean-François Lyotard
In einer Reflexion über das „Inhumane“ aus dem Jahr 1988 skizzierte Jean-François Lyotard, Denker der Postmoderne, eine bedenkliche Diagnose seiner Zeit. Schon damals lösten nach ihm wissenschaftliche und mediale Entwicklungen die Gegenwart zunehmend auf. Zu fragen bleibt, wie dieser Vision heute zu begegnen ist.
Der weiße Christ. Wie die Identitätspolitik an ihr anderes Ende gelangte
Die Identitätspolitiken der Rechten haben in den letzten Jahren eine „woke Rechte“ konstruiert, in der sich Akteure wie Kirk oder Fuentes als Opfer inszenieren. Besonders weiße, christliche Männer sehen sich delegitimiert und fassen dies in die Diskurse progressiver Bewegungen. Entlang welcher historischer und theoretischer Linien hat sich diese Entwicklung vollzogen und welche politischen Dynamiken und Radikalisierungen haben sich daraus ergeben?
Körper|Wahrnehmung|Störung
Was sind Körperwahrnehmungsstörungen? Das Sprechen darüber hat in den letzten Jahren an Konjunktur gewonnen. Dabei weist das Störungsbild eine mehr als hundertjährige Geschichte auf, die uns auch etwas über den Umgang mit Medien verrät.
Selbstbestimmt und dezentral: Zur alternativen Geschichte und Gegenwart von Social Media
Soziale Netzwerke sorgen permanent für schlechte Laune – aber man bleibt drin oder zieht bestenfalls zur nächsten kommerziellen Plattform. Es gibt jedoch eine andere, dezentrale und selbstbestimmte Tradition, sich digital zu vernetzen. Gleb J. Albert zeichnet die Geschichte dieser Alternative nach – von Mailboxen bis Mastodon.
Islamic Ambitions and Imperial Imaginations: The Iranian Revolution in the longue durée
Since the US and Israel attacked Iran, news has been flooding the public sphere every minute: confusing statements from politicians, contradictory assessments from commentators, and heated opinions on social media. In his analysis, Hamid R. Ekbia outlines areas of tension within the resistance and protest movements that cannot be reduced to a simple juxtaposition of left-wing opposition and pro-monarchist movements. Despite all the anger and grief, he recommends a moment of pause and distance to understand what motivates the brave people of Iran, why they are fighting, and what they have been fighting for so long.
Islamische Ambitionen und imperiale Vorstellungen: Die iranische Revolution in der longue durée
Seitdem die USA und Israel den Iran angegriffen haben, fluten Nachrichten im Minutentakt den Raum der öffentlichen Aufmerksamkeit: verwirrende Verlautbarungen von Politiker:innen, widersprüchliche Einschätzungen von Kommentator:innen und aufgeheizte Stellungnahmen in den Sozialen Medien. Hamid R. Ekbia umreisst in seiner Analyse Spannungsfelder innerhalb der Widerstands- und Protestbewegungen, die sich nicht auf eine einfache Gegenüberstellung von linker Opposition und pro-monarchistische Bewegung reduzieren lassen. Trotz aller Wut und Trauer empfiehlt er einen Moment des Innenhaltens und der Distanz, um zu verstehen, was die tapferen Menschen im Iran bewegt, warum und wofür sie schon so lange kämpfen.
„Der Wunsch nach Unschuld brennt die Augen aus“. Deutsch-jüdische Literatur in der Krise
Wie kann Literatur auf Krieg, Terror und verschiedene ineinander verzahnte Krisen reagieren? Das Schreiben deutschsprachiger Jüdinnen und Juden steht im Zeichen mehrfacher Zeugenschaft.
Präzedenzlos oder „more of the same“? Zwangsmassnahmen gegen Obdachlose in den USA
Das gegenwärtige Vorgehen und die Rhetorik der Trump-Administration gegen obdachlose Menschen in der Bundeshauptstadt Washington D. C. scheint auf den ersten Blick beispiellos zu sein. Tatsächlich handelt es sich um eine neuartige Vermengung altbekannter historischer Kontinuitäten.
Crime fiction and multiculturalism. A.A. Dhand and Saima Mir on Bradford
A.A. Dhand and Saima Mir are known for their crime novels set in Bradford, a postindustrial city in Northern England with a large British Asian population. Their fiction reflects local stories of immigration, a fractured urban society and the emergence of a new middle class, and stands for a flexible and confident understanding of multiculturalism.
Kriminalliteratur und Multikulturalismus: A.A. Dhand und Saima Mir über das nordenglische Bradford
A.A. Dhand und Saima Mir sind in England für ihre Krimis bekannt, die in Bradford spielen, einer ehemaligen Textilmetropole mit einer großen Community muslimischer „british asians“. Ihre Literatur spiegelt die lokalen Geschichten der Zuwanderung, Protestbewegungen und Herausbildung einer neuen Mittelklasse und steht für ein neues Selbstbewusstsein jenseits rassistischer und frauenfeindlicher Klischees.
Das Patriarchat ist zu Ende… und es ist nicht zum Lachen
Vor dreißig Jahren schrieben Feministinnen des Mailänder Frauenbuchladens einen Text mit einer ebenso provokanten wie radikalen These: Das Patriarchat ist zu Ende. Dahinter steckt ein Verständnis von feministischem Handeln mit erstaunlicher Aktualität.
Blut und Spiele – Mixed Martial Arts als reaktionärer Code
Dieses Jahr sind erstmals Mixed-Martial-Arts-Kämpfe im Weissen Haus geplant. Angekündigt als „UFC White House“ zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung, finden sie jedoch nicht am Fourth of July statt, sondern an Donald Trumps 80. Geburtstag. Damit festigt die Kampfdisziplin ihre Funktion als antiliberaler reaktionärer Code.










