Kategorie: Geschichten der Gegenwart

Die Rubrik für Themen und Hinter­grund­ge­schichten. Die Beiträge analy­sieren aus geistes- und kultur­wis­sen­schaft­li­cher Perspek­tive die Gegen­wart, befragen Vergan­genes und rufen fast Verges­senes ins Gedächtnis.

Stachel­draht und volles Boot (Nach­trag: Glarner II)

Es ist nicht das erste Mal, dass das Selbstbild des „Asyllandes Schweiz“ und die reflexartige Abwehr von Flüchtlingen kollidieren. 1942 sprach Albert Oeri von „Grausamkeit auf Vorrat“. Können die Lehren der Geschichte uns davor bewahren, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen?

Hürden­po­litik. Wie Forschungs­för­de­rung Forschung verhin­dert

Die Förderpolitik des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) entfernt sich in den letzten Jahren immer mehr vom Kriterium der Qualität als einzigem Kriterium für die Förderung von Forschung. Stattdessen werden in erzieherischer Manier immer mehr Hürden eingeführt, die zunehmend eine forschende Kunstfigur erschaffen.

Das chro­ni­sche Leiden der Univer­sität. Auch Hoch­schul­re­formen haben eine lange Geschichte

Die Universitäten befinden sich in einer Krise. Doch ist diese alt oder neu – und wird sie durch die Bologna-Reform gemildert oder erst produziert? Vielleicht ist die Krise der Universität gar „chronisch“, wie Jürgen Habermas schon in den 1960er Jahren vermutete.

Unbe­lehr­bare alte Männer. „Der Spiegel“ und der deut­sche Kolo­ni­al­krieg in Namibia

Anlässlich der Armenien-Resolution des Deutschen Bundestages empfahl Präsident Erdogan den Deutschen, erst einmal ihre eigene Kolonialvergangenheit aufzuarbeiten. „Spiegel“-Journalist Bartholomäus Grill fuhr zur Geschichtsstunde nach Namibia und kam mit aufgewärmten Thesen und einer Verschwörungstheorie zurück.

Ausge­schlafen zum Erfolg? Der selb­st­op­ti­mierte „gute Schlaf“ hat indus­tri­elle und mili­tä­ri­sche Vorge­schichten

Der Schlaf erscheint als natürliche "Maximalschranke“ des Arbeitstages (K. Marx). Die Versuche, diese Schranke zu überwinden, sind ebenso faszinierend wie beängstigend.

Herdo­logie, oder Worum syt dir so truurig?

Prähistorische Geschlechterdebatten und salopper Rassismus in den Medien: Soll man sich darüber ärgern, gar "Kritik üben"? Nicht immer und nicht nur: Sich an seinen Gegnern abzuarbeiten, macht abhängig, traurig und handlungsunfähig.

Der gestoh­lene Schlaf, die verlo­renen Pausen. Vom Verlust der Krea­ti­vität und der Fähig­keit zur Selbst­be­stim­mung

Lichtverschmutzung in den Städten, 24 Stunden Ladenöffnungszeiten, 24 Stunden Onlinepräsenz. Es soll rund um die Uhr konsumiert werden – allein, der Schlaf mit seiner behäbigen Physiologie hindert uns daran. Die Verlockung, ihn zu überlisten, ist gross.

„30’000“. Umkämpfte Erin­ne­rungs­po­litik in Argen­ti­nien

Die Vergangenheit der letzten Militärdiktatur (1976-1983) ist immer noch eine schwärende Wunde. Die neue Regierung hat wenig Interesse an einem schonungslosen Blick zurück – und der Linken stehen schwierige Zeiten bevor.

Jenseits von Leit­kultur und Multi­kulti. Wider die ethni­sche Begrün­dung des Poli­ti­schen

Das „Volk“ erfährt seit einigen Jahren in der rechtspopulistischen Bewegungs- und Parteienlandschaft Europas eine zweifelhafte Auferstehung. Ursprünglich Ausdruck politischer Emanzipation, verkommt der Begriff wieder einmal zur Rechtfertigung von ethnischer Identitätspolitik und Fremdenfeindlichkeit. Höchste Zeit ihn ad acta zu legen.

Wienerschnitzel-Patriotismus und Sündenbock-Politik. Ein Kommentar zur Wahl in Öster­reich

Norbert Hofer hat jedem national überkochenden Stammtisch in Österreich den Anstrich der Seriosität gegeben. Seine 49,7 Prozent nobilitieren jetzt die Hetze gegenüber allem, was anders ist. Die FPÖ profiliert sich mit Sündenbockpolitik im Stile von Orbán, der AfD oder Blocher.

Starke Männer? Nein, starke Insti­tu­tionen!

Alle 20 bis 30 Jahre wusste sich die Eidgenossenschaft zu erneuern. Jetzt ist die weitere Modernisierung von Demokratie und Rechtsstaat überfällig.

Ist die Präim­plan­ta­ti­ons­dia­gnostik (PID) „euge­nisch“?

Am 5. Juni 2016 entscheiden die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über das neue Fortpflanzungsmedizingesetz, welches das Verbot der Präimplantationsdiagnostik aufheben will. Die Gegner argumentieren, das Gesetz führe zu Eugenik im Labor und sei deshalb ethisch inakzeptabel. Was ist davon zu halten?