Mit Abstand. Andreas Hoesslis Film über die Revo­lu­tionen im Iran und in Polen

1979 im Iran und 1980 in Polen bedrohen zwei Revolutionen die alten Mächte – im Iran stürzt der Shah, in Polen aber verhängt die Armee das Kriegsrecht. Der Journalist und Dokumentarfilmer Andreas Hoessli hat über diese Ereignisse einen Film gedreht, der sich einfachen Erklärungen verweigert.

„Klima­wandel“. Über Krise und Konsens

Dramatisch sind nicht nur die Krisen, die wir erleben. Dramatisch im Wortsinne sind auch die Krisendiskurse, die eine tödliche Bedrohung des eigenen Lebens, des eigenen Planeten, des eigenen Volkes beschwören – und „entschiedenes“ Handeln jenseits des Rechtsstaates, ja jenseits der Politik fordern.

Was genau war früher besser? Eine Nach­mit­tags­lek­tion von Michel Serres

Der kürzlich verstorbene Philosoph Michael Serres verfasste in seinen letzten Lebensjahren eine Reihe von heiteren Streitschriften. Darunter eine, die das Nörgeln an der Gegenwart und die Verklärung der Vergangenheit grandios zerlegt.

Starke Frauen, prekäre Lebens­welten: Alex­ander Askoldows „Die Kommis­sarin“ neu gesehen

Der Film „Die Kommissarin“ (1967) war zwanzig Jahre lang verboten. Die Thematisierung jüdischen Lebens und Sterbens sowie die unorthodoxe Darstellung der Bürgerkriegszeit passten nicht ins sowjetische Geschichtsnarrativ. Die Figur der Kommissarin ist heute noch kontrovers.

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Der Kopf unter dem Hut. Helke Sanders kluger Film „Die allseitig redu­zierte Persön­lich­keit“

Wenn über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf öffentlich gesprochen wird, geht vor allem darum, wie Frauen trotz Kinder Karriere machen können. Dabei steht viel mehr zur Debatte. Ein Film aus den 1970ern hilft, den Blick hierfür zu öffnen.

Grau­töne. Über die Tugend des Hinter­fra­gens in Zeiten schneller Meinung

Die Aufarbeitung vergangenen Unrechts und die Herausforderungen einer pluralistischen Gesellschaft stellen die Diskussionskultur in der Demokratie auf den Prüfstand. Das zeigt – nur zum Beispiel – der Umgang mit dem Kopf des «Mohren» auf sechs Schweizer Gemeindewappen. Ein Plädoyer für eine (selbst)kritische Argumentationskultur.

Die Welt eines Histo­ri­kers um 1970: „Der Käse und die Würmer“ von Carlo Ginz­burg

Der kulturhistorische Bestseller „Der Käse und die Würmer“ von Carlo Ginzburg, 1976 erstmals erschienen, bietet noch immer höchsten Lesegenuss. Er rekonstruiert das Weltbild eines italienischen Müllers um 1600, reflektiert aber auch die politischen Horizonte des linksintellektuellen Italiens in der Nachkriegszeit.

Geschicht­en­gläu­big­keit. Was Lite­ratur zum Story­tel­ling zu sagen hat

Der "Fall Relotius" wird gerade zu den Akten gelegt. Die Diskussion um das Storytelling im Journalismus ist aber noch nicht abgeschlossen. Und wo findet man den besten Kommentar dazu? Bei Heinrich von Kleist!

Exor­zismus per E-Mail. Ungarns Angriff auf die Geschlech­ter­for­schung ist ein Angriff auf die freie Gesell­schaft.

Eine renommierte Historikerin erhält eine Todesdrohung per E-Mail, die Behörden schauen weg. Es ist kein Einzelfall – und wirft ein grelles Licht auf den Illiberalismus, der die ungarische Politik beherrscht. Er ist nicht nur eine Gefahr für die Wissenschaft, sondern bedroht die Freiheit überhaupt.

„Urheimat” der Chinesen. Die Sprach­wis­sen­schaft und die Suche nach „Wurzeln“

Nicht nur mit Blick auf die europäische Vorgeschichte zeigt sich, dass genetische und sprachwissenschaftliche Methoden immer enger zusammenwachsen. Und auch bei der Suche nach der „Urheimat“ der Chinesen ist es für die Wissenschaft nicht einfach, sich politischer Vereinnahmungen zu entziehen.

Von oben herab. Was Droh­nen­auf­nahmen auslösen und woher sie kommen

Drohnen haben eine lange Geschichte. Zwar haben sie als Angriffsflugwaffen seit den 1990er Jahren zweifelhafte Berühmtheit erlangt und sind heute über den Elektronikmarkt bis ins Kinderzimmer vorgedrungen. Der Blick von oben aber, den sie ermöglichen, ist so alt wie die Kombination von Fotografie und Fliegerei.