Digitale Technologien wie Künstliche Intelligenz scheinen den Wunsch nach einer unmittelbar erlebbaren Vergangenheit Wirklichkeit werden zu lassen. Die Nachbearbeitung von Filmaufnahmen löst Faszination aus, zeigt aber auch Probleme und Irrtümer im Umgang mit historischen Quellen.

  • David Lange

    David Lange studierte Philosophie und Geschichte in Münster und Hamburg, arbeitete bei Thorsten Logge am Arbeitsbereich für Public History der Universität Hamburg, Masterarbeit bei Jürgen Zimmerer über die Bedeutung von Wissen in literarischen Modernitätsentwürfen, beispielhaft analysiert an zwei Vorläufern der Science-Fiction-Literatur, derzeitig arbeitssuchend.
Geschichte der Gegenwart
Geschichte der Gegenwart 
Ist es nun „echter“? Wie die digi­tale Kolo­rie­rung histo­ri­scher Film­auf­nahmen falsche Verspre­chungen erzeugt
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Die tech­no­lo­gi­schen Sprünge der letzten Jahre haben sich längst in Kontakt­zonen von Popu­lär­kultur und Geschichte bemerkbar gemacht, genauer: im Umgang mit histo­ri­schen Film­auf­nahmen, denen aufgrund ihres Alters die Fähig­keit zuge­schrieben wird, einen direkten visu­ellen Einblick in die Vergan­gen­heit zu ermög­li­chen. Diese Zuschrei­bungen sind jedoch ambi­va­lent. Denn einer­seits üben beispiels­weise hundert­jäh­rige Film­auf­nahmen zwei­fellos eine Faszi­na­tion über die Visua­lität und „Leben­dig­keit“ einer weit zurück­lie­genden Zeit aus, ande­rer­seits wird gerade darin auch ihr Mangel gesehen. Zu körnig, verwa­ckelt, zeit­ver­zerrt und vor allem zu mono­chrom ist das Film­ma­te­rial für heutige Perzeptions- und Rezep­ti­ons­ge­wohn­heiten. Dadurch wird es immer häufiger zum Sujet einer nach­träg­li­chen Kolorierung.

Die großen Versprechen

Das promi­nen­teste und eindrück­lichste Beispiel ist Peter Jack­sons They Shall Not Grow Old von 2018. Der welt­be­kannte Regis­seur bear­bei­tete Film­auf­nahmen aus dem Ersten Welt­krieg digital nach, fügte Farben hinzu, ließ die Bewe­gungen der Münder von Lippenleser:innen inter­pre­tieren und schließ­lich vertonen – ein aufwen­diger Prozess, der noch nicht auf heute zugäng­liche KI-Tools zurück­greifen konnte. Das Ziel: Eine Immersion, die die unbe­ar­bei­teten Origi­nal­auf­nahmen nicht erzeugen können. Entspre­chend formu­liert Jackson 2018 als Leit­frage seines Films in einem Inter­view mit dem Kino­portal Flicks: „What was it like to be a British soldier on the western front?“ Genau hier liegt auch die zentrale Frage, die man sich als kriti­scher Beob­achter stellen muss: Ist diese Erwar­tung über­haupt erfüllbar, indem vermeint­liche Mängel der Aufnahmen nach­träg­lich revi­diert und dafür enorme Eingriffe in das Quel­len­ma­te­rial vorge­nommen werden? Kann das Verspre­chen, einer vergan­genen Wirk­lich­keit durch die Verviel­fa­chung und Inten­si­vie­rung der von den Aufnahmen ausge­henden Sinnes­reize näher­zu­kommen, einge­löst werden? Immerhin war Jack­sons Doku­men­ta­tion – die mit der Technik der Nach­ko­lo­rie­rung weder die einzige noch die erste ist – ein kommer­zi­eller Erfolg und wurde in Kritiken aufgrund ihrer tech­no­lo­gi­schen Raffi­nessen nicht selten als magisch umschrieben.

Diese Problem­stel­lung betrifft auch die zahl­rei­chen YouTube-Kanäle, die in den letzten zwei Jahren entstanden sind und, den KI-Trend aufgrei­fend, Jackson in seinem Tech­no­lo­gie­op­ti­mismus nach­ahmen. Unter Namen wie „History Colored“, „Living History AI Enhanced“ oder „Nine­te­enth century videos. Back to live“ veröf­fent­li­chen sie durch komplexe Algo­rithmen digital nach­be­ar­bei­tete nicht-fiktionale Film­auf­nahmen aus dem 20. Jahr­hun­dert, die von KI-gestützten Programmen wie PixBim prozes­siert werden. Sie verspre­chen letzt­lich dasselbe wie Jackson: Eine realis­ti­schere Erfah­rung einer „authen­ti­scher“ darge­stellten Vergan­gen­heit. Ob es nun YouTube-Channel oder Kino­filme sind, die Vorstel­lung, einen visu­ellen Eindruck von Vergan­gen­heit authen­ti­scher gestalten zu können, indem man deren filmi­sche Über­reste mithilfe von Tech­niken und Tech­no­lo­gien aufzu­werten oder gar zu rekon­stru­ieren meint, ist Teil einer Tech­no­lo­gie­be­geis­te­rung, die sich seit 2022 durch die Poten­ziale einer neuen Gene­ra­tion von KI noch einmal verstärkt hat. Ihr Aufein­an­der­treffen mit filmi­schen oder gene­rell visu­ellen Doku­menten der Vergan­gen­heit und der dadurch erzeugte historisch-technizistische Realismus wirft Fragen bezüg­lich zeit­ge­nös­si­scher Erwar­tungs­hal­tungen gegen­über der Erreich­bar­keit bzw. Rekon­stru­ier­bar­keit von Vergan­gen­heit auf.

Renais­sance nach­träg­li­cher Filmkolorierungen

Die Kommen­tare unter den einschlä­gigen Videos auf YouTube und die Posi­tionen in vielen Rezen­sionen zu Jack­sons Film ähneln sich stark. Gerade auf emotio­naler Ebene scheint die Farbig­keit ein erhöhtes Echt­heits­emp­finden und damit verstärkt Empa­thie gegen­über dem bzw. den Gezeigten auszu­lösen. Das zeigt, wie stark visu­elle Eindrücke mit Vergan­gen­heits­emp­finden verknüpft sind und welche Macht filmi­sche Doku­mente auf dieses Empfinden ausüben können.

Das Bedürfnis, die Visua­lität und damit die Immersi­ons­kraft von Film durch Farbe zu verstärken, gab es aller­dings bereits zu der Zeit, deren filmi­sche Über­reste gegen­wärtig nach­be­ar­beitet werden. Schon in den 1900er und 1910er Jahren etablierte sich die manu­elle und nach­träg­liche Einfär­bung von Spiel­filmen. Hierbei handelte es sich um einen hand­werk­li­chen und künst­le­ri­schen Prozess, bei dem der Zellu­loid­film Bild für Bild manuell einge­färbt wurde.

Ein ikoni­sches Beispiel stellt George Méliès‘ Verfil­mung von Jules Vernes Bühnen­stück Voyage à travers l’impossible (Reise durch das Unmög­liche) dar: Die Kolo­ris­tinnen Élisa­beth Thul­lier und ihre Tochter Marie-Berthe Thul­lier kolo­rierten in ihrer Pariser Werk­statt für Méliès 374 Meter Film­ma­te­rial und verliehen dem Film damit eine schil­lernde Farb­pracht, die das Schau­er­lebnis verän­derte und inten­si­vierte. Der Versuch, eine annä­hernde Über­ein­stim­mung des im Film Darge­stellten mit dem mensch­li­chen Farb­wahr­neh­mungs­spek­trum zu erzeugen, war künst­le­risch und letzt­lich auch ökono­misch reiz­voll, gestal­tete sich aber als ein aufwen­diges Vorhaben und tech­nisch begrenztes Verfahren.

Natur­wis­sen­schaft­liche Erkennt­nisse zur mensch­li­chen Farb­wahr­neh­mung, die künst­le­ri­sche Praxis der Farb­er­zeu­gung und die sich profes­sio­na­li­sie­renden Produk­ti­ons­pro­zesse einer entste­henden Film­in­dus­trie begrün­deten damit schon in der Früh­phase des Films – trotz tech­no­lo­gi­scher Begren­zungen – die nach­träg­liche Kolo­rie­rung photo­gra­phi­scher Bewegt­bilder. Bereits in den 1910er Jahren entwi­ckelten sich dann erste Tech­no­lo­gien der Farb­film­auf­nahme wie Kine­color und Tech­ni­color, deren Verfahren bis in die 1950er Jahre in der Film­in­dus­trie genutzt und stetig erneuert wurden. Und schon in den 1980er Jahren begannen Sender, Spiel­filme und Fern­seh­sen­dungen mithilfe entste­hender Compu­ter­tech­no­lo­gien nach­träg­lich zu kolo­rieren. Die damals begin­nende Digi­ta­li­sie­rung von Film und Kolo­rie­rungs­tech­niken wurde in den 2010er Jahren von Regisseur*innen zuneh­mend für doku­men­ta­ri­sche Formate sowie die Modi­fi­ka­tion nicht-fiktionaler Aufnahmen genutzt und gipfelt gegen­wärtig in prin­zi­piell jeder Einzel­person verfüg­baren kommer­zi­ellen Programmen wie PixBim oder Ai4video.

Die Zeit­lich­keit von Schwarzweiß

Heute entspricht das Farb­bild einer tief veran­kerten Norma­li­täts­er­war­tung, die die Immersi­ons­kraft eines Films und damit auch seinen Reali­täts­ge­halt an seine farb­liche Visua­lität knüpft. Neuerschei­nungen in Schwarz­weiß stechen in der Film­land­schaft bereits seit mehreren Jahr­zehnten heraus. Doch auch mit der Omni­prä­senz vom Farb­film verschwand Schwarz­weiß nicht aus dem Film. Als narra­tives Stil­mittel erhielt Mono­chromie eine Funk­tion, um ein Abwei­chen von übli­chen linearen Erzäh­lungen zu verdeut­li­chen. So sind zum Beispiel Rück­blenden auf zurück­lie­gende Ereig­nisse außer­halb einer Hand­lung häufig in Schwarz­weiß gehalten. Das verweist auf die zeit­liche Dimen­sion, die wir der Mono­chromie einge­schrieben haben: Die Asso­zi­ie­rung von Schwarz­weiß mit Vergan­gen­heit ermög­licht es, Anachronie im Film zu insze­nieren. Das hat aber nichts mit Mono­chromie an sich zu tun, sondern mit der Normie­rung von Farbe im analogen und seit 2000 zuneh­mend digi­talen Kino, die Schwarz­weiß als über­holt und damit als vergangen – also alt – erscheinen lässt. Unter diesen film­ge­schicht­li­chen und -kultu­rellen Bedin­gungen kann nun wiederum Mono­chromie im Spiel­film genutzt werden, um inner­halb einer Hand­lung visuell und ästhe­tisch Authen­ti­zität von Vergan­gen­heit zu erzeugen: Authen­ti­zität als Ergebnis künst­le­ri­scher Praxis.

Dass sich die Bezie­hung von Farbe und Zeit­lich­keit in dieser Weise umkehren konnte, liegt daran, dass heute die nach­träg­li­chen Kolo­rie­rungen meis­tens doku­men­ta­ri­sche Aufnahmen aus Zeiten zum Gegen­stand nehmen, die Farb­film­auf­nahmen noch gar nicht oder nur unter hohem tech­ni­schem Aufwand ermög­lichten. Mono­chromie war hier keine Wahl künst­le­ri­scher Praxis, sondern ein Resultat tech­no­lo­gi­scher Möglich­keiten bzw. Grenzen, die ein für heutige Norma­li­täts­er­war­tungen unge­nü­gendes Produkt hervor­brachten. Was also in fiktio­nalen Film­auf­nahmen als Zeit­lich­keits­merkmal Authen­ti­zität erzeugen kann, die schwarz-weiss gehal­tene Rück­blende, wird in doku­men­ta­ri­schen Film­auf­nahmen gegen­wärtig als ein Stör­faktor für das Authen­ti­zi­täts­er­leben empfunden. Eine nach­träg­liche digi­tale Bear­bei­tung, so das Verspre­chen von Jackson oder der inzwi­schen einschlä­gigen YouTube-Kanäle, könne aber jene tech­no­lo­gi­schen Grenzen, die den Mangel verur­sa­chen, rück­wir­kend aufheben und photographisch-visuell darstellen, was zur Zeit der Aufnahme photographisch-visuell noch gar nicht darstellbar war: Authen­ti­zität als Ergebnis tech­no­lo­gi­scher Praxis.

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„We had 100 hours of original footage sent to us by the IWM [Impe­rial War Museum, das die Aufnahmen archi­viert]. Part of what I wanted to do […] was restore ever­y­thing,“ erklärte Jackson im Inter­view. Doch was genau soll wieder­her­ge­stellt werden?

Ein semio­ti­scher und geschichts­theo­re­ti­scher Irrtum

Einen Film wieder­her­zu­stellen ist natür­lich möglich und geboten, wenn dessen mate­ri­elle Basis beschä­digt oder verschmutzt ist. Nach­träg­liche digi­tale Kolo­rie­rungen beziehen sich jedoch auf die im Träger gespei­cherte Visua­lität, die in einen vermeint­lich aufge­wer­teten Zustand über­führt werden sollen. Damit haben wir es aber mit einem weitaus abstrak­teren Gegen­stand zu tun als beispiels­weise bei einer verschmutzten Film­rolle oder etwa bei der Rekon­struk­tion der 2019 von einem Feuer massiv beschä­digten Kathe­drale Notre-Dame in Paris. Es ist frag­würdig, inwie­weit und nach welchen Krite­rien die Visua­lität einer histo­ri­schen Film­auf­nahme einer Aufwer­tung, Rekon­struk­tion oder Wieder­her­stel­lung über­haupt zugäng­lich ist.

Prozesse der nach­träg­li­chen Kolo­rie­rung mit solchen Begriffen zu bezeichnen, setzt Krite­rien voraus, nach denen die Film­auf­nahme vor und nach einer technisch-digitalen Bear­bei­tung hinsicht­lich ihrer Authen­ti­zität bewertet werden kann. Es ist vor diesem Hinter­grund außerdem auf zwei Arten von Authen­ti­zität hinzu­weisen. Sie kann Eigen­schaft eines Gegen­standes selbst oder ein Gefühl gegen­über einem Gegen­stand sein. Ersteres betrifft einen Objekt­status, zwei­teres ein subjek­tives Empfinden. Das Verspre­chen von Jackson und Kanälen wie Living History AI Enhanced bezieht sich fälsch­li­cher­weise auf den Objekt­status, weil sie sugge­rieren, die kolo­rierten Aufnahmen wären eine adäqua­tere Reprä­sen­ta­tion der Vergan­gen­heit und würden deren Wirk­lich­keit damit authen­ti­scher darstellen. Das Problem hierbei: Es gibt keine Vorlage, nach der sich eine Modi­fi­zie­rung der Aufnahmen objektiv richten könnte, um Reprä­sen­ta­tion und Reprä­sen­tiertes in Kongruenz zu bringen. Dies mag für den Wieder­aufbau von Notre Dame oder die Rekon­struk­tion einer beschä­digten Film­rolle eher zutreffen – im Falle einer histo­ri­schen Film­auf­nahme aber fallen Reprä­sen­ta­tion und Reprä­sen­tiertes zusammen.

Die gefilmte Szene ist nur im Film zu sehen und kann nicht durch ein Subjekt mit etwas außer­halb des Films Stehendem abge­gli­chen werden. Programme für digi­tale Nach­be­ar­bei­tungen können anhand von Grau­werten, Schatten und Licht sowie riesigen Infor­ma­ti­ons­mengen die Vertei­lung von Farb­spek­tren in einer Film­auf­nahme berechnen und inter­po­lieren – doch eine Rekon­struk­tion, Wieder­her­stel­lung oder Aufwer­tung kann schon alleine deswegen nicht vorliegen, weil eine Film­auf­nahme selbst­re­fe­ren­ziell ist, insbe­son­dere eine histo­ri­sche: Das Darge­stellte ist keine Vergan­gen­heit per se, die ihrem Wesen nach schlech­ter­dings unver­fügbar ist, wie es bereits Johann Gustav Droysen formu­liert hat. Viel­mehr hat das Histo­ri­sche mit Achim Land­wehr gespro­chen nur im „Übrig­ge­blie­benen“ seinen Ausgangs­punkt und nur in dieser Form können auch Film­auf­nahmen im Objekt-Sinne authen­tisch sein, denn schon allein in den heute als Mangel wahr­ge­nom­menen und daher über­schrie­benen visu­ellen Eigen­schaften der origi­nalen Aufnahmen liegt ein Teil ihrer Histo­ri­zität. Jegliche als Rekon­struk­tion prokla­mierte Verän­de­rung an ihnen beruht auf addi­tiven Verfahren, die die Objekt-Authentizität des Übrig­ge­blie­benen zugunsten eines subjek­tiven Authen­ti­zi­täts­emp­fin­dens verfäl­schen, weil einem Zeugnis einer vergan­genen Wirk­lich­keit visu­elle Eigen­schaften hinzu­ge­fügt werden, die es nie hatte. Diese Eigen­schaften werden dann mit visu­ellen Eigen­schaften jener vergan­genen Realität verwech­selt, während sie eigent­lich zeit­ge­nös­si­sche Erwar­tungs­hal­tungen gegen­über visu­ellen Quali­täten von Film­erzeug­nissen erfüllen.

Gleich­zeitig ist das Über­schreiben jener Histo­ri­zität durch den Austausch visu­eller Quali­täten selbst ein histo­ri­sier­barer Prozess: Die digi­tale Modi­fi­ka­tion ersetzt die alte Visua­lität der Aufnahmen, deren Histo­ri­zität durch diesen Austausch aber wiederum fort­ge­setzt wird – das Löschen von zwei­fach zeit­be­dingten Mängeln produ­ziert neue Geschicht­lich­keit. Doppelt, weil die tech­no­lo­gi­schen (Un-)Möglichkeiten vergan­gener wie auch gegen­wär­tiger Film­dis­po­si­tive genau die histo­ri­schen Eigen­schaften der Aufnahmen produ­zieren, die unter gegen­wär­tigen film­tech­no­lo­gi­schen Bedin­gungen und Perzep­ti­ons­ge­wohn­heiten als Mangel wahr­ge­nommen werden. Die Effekte einer hundert Jahre alten Film­technik aus einer Aufnahme zu tilgen bzw. zu über­schreiben, ist also einer­seits ein dras­ti­scher Eingriff in ihre Authen­ti­zität als Über­rest, ande­rer­seits inhä­rent eine Fort­set­zung ihrer Historizität.

Nach­träg­lich kolo­rierte Film­auf­nahmen sind damit keine tech­no­lo­gi­sche Errun­gen­schaft, die uns der Vergan­gen­heit visuell annä­hern würde. An ihnen mani­fes­tieren sich aber popu­läre Konzep­tionen von Geschichte, die mit über­spannten Erwar­tungen an histo­ri­sche Quellen, die Erreich­bar­keit von Vergan­gen­heit und die Möglich­keiten tech­no­lo­gi­scher Entwick­lungen operieren.

Es wäre einem reflek­tierten und kriti­schen Umgang mit Geschichte und Tech­no­logie glei­cher­maßen zuträg­lich, die Möglich­keiten digi­taler Nach­be­ar­bei­tung von histo­ri­schem Bild­ma­te­rial selbst als histo­ri­schen Prozess und nicht als Spitze einer tech­no­lo­gi­schen Erfolgs­ge­schichte zu begreifen. Dies bedeutet zual­ler­erst, den eigenen Umgang mit Geschichte aus der Art und Weise ihrer Verge­gen­wär­ti­gung heraus zu verstehen und ihn damit selbst histo­ri­sierbar zu machen.