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  • Netta Cohen ist Junior Research Fellow am Christ Church College der Universität Oxford. Sie befasste sich in ihrer Dissertation mit der jüdischen Klimawissenschaft in Palästina in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. 2018 war sie Mitbegründerin des Oxford Environmental History Network (OEHN).

In den letzten Jahr­zehnten hat der Klima­wandel in der west­li­chen Öffent­lich­keit zuneh­mend Aufmerk­sam­keit erfahren. Aller­dings ist der wissen­schaft­liche Diskurs zum Thema „Klima­wandel“ alles andere als neu. Bereits im acht­zehnten Jahr­hun­dert hatten Natur­phi­lo­so­phen wie David Hume, Jean-Baptiste Dubos, Thomas Jefferson und andere den Einfluss der mensch­li­chen Gesell­schaften auf das Klima disku­tiert. In der zweiten Hälfte des neun­zehnten Jahr­hun­derts, als die Klima­wis­sen­schaften mit dem Höhe­punkt des Impe­ria­lismus um eine globale Sicht­weise ergänzt wurden, gewann die Debatte noch weiter an Bedeu­tung. Entwick­lungen wie die Errich­tung von Netz­werken zu meteo­ro­lo­gi­schen Beob­ach­tungen auf der ganzen Welt, die Stan­dar­di­sie­rung meteo­ro­lo­gi­scher Instru­mente und Messungen sowie der Aufstieg der Statistik ermög­lichten es den Wissen­schaft­lern in dieser Zeit, den Klima­wandel nicht nur aus einer histo­ri­schen, sondern auch aus einer globalen Perspek­tive zu betrachten, wie etwa der Wissens­his­to­riker James Rodger Fleming in seinem Buch „Histo­rical Perspec­tives on Climate Change“ (2005) beschreibt.

In den ersten Jahr­zehnten des zwan­zigsten Jahr­hun­derts stützten sich die Argu­mente für die Exis­tenz eines Klima­wan­dels häufig auf Klima­re­kon­struk­tionen, eine Form der Histo­ri­sie­rung des Klimas, die sich auf antike sprach­liche Quellen und Klima­be­schrei­bungen stützt. Dabei wurden grie­chi­sche und römi­sche Texte bisweilen auch mit archäo­lo­gi­schen Funden und geolo­gi­schen Analysen verknüpft, um zu beweisen, dass in Grie­chen­land, Cyre­naica und in Teilen Europas ein Klima­wandel statt­ge­funden hatte.

Bibli­sche Beweise für den Klima­wandel

Bild aus „Pales­tine and its Tans­for­ma­tions“ (1911); Quelle: flickr.com

Einer der wich­tigsten Quellen­texte, der einen Klima­wandel im Nahen Osten (und insbe­son­dere in Paläs­tina) beweisen sollte, war die hebräi­sche Bibel. Der ameri­ka­ni­sche Geograph Ells­worth Huntington, ein vehe­menter Geode­ter­mi­nist und promi­nenter Verfechter der Theorie des Klima­wan­dels, schrieb 1911 in einem Artikel mit dem Titel „Pales­tine and its Trans­for­ma­tions“, dass in keinem anderen Land Klima­theo­rien so gut getestet werden könnten, denn Paläs­tinas bekannte Geschichte reiche bis in die frühe Antike zurück. Huntington fügte hinzu, dass er während seiner Expe­di­tion nach Paläs­tina „über­rascht war, auch zu entde­cken, wie eng histo­ri­scher Fort­schritt oder Nieder­gang mit den Verän­de­rungen des Klimas verzahnt zu sein scheinen“.

1914 bestä­tigte der briti­sche Geologe und Forschungs­rei­sende John Walter Gregory den Befund des Klima­wan­dels in einem Artikel mit dem Titel „Is the Earth Drying Up?“, in dem er den zeit­ge­nös­si­schen Zustand Paläs­tinas mit den präch­tigen bibli­schen Darstel­lungen verglich: Die Bibel beschreibt ein Land, in dem Milch und Honig fließen, das fruchtbar ist, reich an Wein und Oliven, und vieles deutet darauf hin, dass es dicht bewaldet war. Zudem war es den ‚Statis­tiken‘ des Alten Testa­ments zufolge auch dicht bevöl­kert. Zu Gregorys Zeit hingegen war Paläs­tina ein armes und karges, von unge­fähr 700.000 Menschen bewohntes trockenes Land mit spär­li­cher Vege­ta­tion, über das glühende Winde aus den Wüsten im Osten fegten.

Umwelt­frage im Kolo­nia­lismus

Andere Publi­ka­tionen zum Klima­wandel aus dem glei­chen Zeit­raum gingen hingegen von gleich­blei­benden Wetter­phä­no­menen in Paläs­tina aus, und sahen dies als Beweis für eine vom Menschen verur­sachte Verküm­me­rung der Umwelt. Statt in der Bibel Hinweise auf die Frucht­bar­keit der lokalen Umge­bung in vergan­genen Zeiten zu suchen, stützten sich diese Forschungen auf bibli­sche Berichte über die Wetter­muster im Land Israel. Paläs­tina habe sein frucht­bares Poten­zial nie verloren, wurde argu­men­tiert. Der einzige Grund für die mögliche Verschlech­te­rung des Zustands des Landes sei die Vernach­läs­si­gung durch die ansäs­sigen Araber und Osmanen oder ihre „Unkultur“ – wie ein zeit­ge­nös­si­scher deut­scher Wissen­schaftler formu­lierte. Diese Vorstel­lung einer ‚vernach­läs­sigten Umwelt‘ war Teil eines globalen kolo­nialen Diskurses, in dem Kolo­ni­al­ver­walter und -experten den ansäs­sigen indi­genen Bevöl­ke­rungen unter­stellten, durch eine angeb­lich falsche Behand­lung der natür­li­chen Ressourcen eine Verschlech­te­rung der Umwelt herbei­ge­führt zu haben. Insbe­son­dere die Briten und Fran­zosen neigten in Bezug auf Nord­afrika und den Nahen Osten dazu, die Schuld an Raubbau, Boden­ver­schlech­te­rungen und Ressour­cen­aus­beu­tung den musli­mi­schen Erobe­rern zuzu­schieben.

Eine der am häufigsten ange­wandten Methoden der Kolo­ni­al­zeit, der Austrock­nung der Böden zu begegnen und zur ‚Verbes­se­rung‘ des Klimas beizu­tragen, war die Auffors­tung. Die Verknüp­fung von Wäldern und Klima­wandel, die sich durch­ge­setzt hat und bis heute eine große Rolle spielt, beruht auf dem Wissen, dass Bäume Kohlen­di­oxid spei­chern und Sauer­stoff abgeben und so – unter anderem – ein atmo­sphä­ri­sches Gleich­ge­wicht schaffen, das dazu beiträgt, die Tempe­ratur der Erde stabil zu halten. Diese Erkenntnis findet sich bereits in den Schriften des grie­chi­schen Natur­for­schers und Aristoteles-Schülers Theo­phrastos und blieb über den Groß­teil der nächsten Jahr­tau­sende rele­vant.

Herbert Samuel (rechts, mit Krawatte) in Paläs­tina, 27.7.1920; Quelle: reddit.com

Im 18. und 19. Jahr­hun­dert wurde der Zusam­men­hang zwischen Wäldern und Klima­wandel dann von wissen­schafts­ba­sierten und kolo­nialen Gesell­schaften weiter­ent­wi­ckelt. Eine Entwick­lung, die die Briten dazu veran­lasste, bis 1850 ein Viertel des Lands in ihrem gesamten Herr­schafts­ge­biet in geschützte Wälder umzu­wan­deln. Auch in Paläs­tina waren die Briten von dem Moment, an dem sie Fuß auf das Land gesetzt hatten, mit Forst­wirt­schaft beschäf­tigt. Herbert Samuel, der seit 1920 der erste Hoch­kom­missar des briti­schen Völker­bund­man­dats für Paläs­tina war, schrieb 1921 einen Bericht an den Völker­bund, in dem er fest­hielt, dass die Auffors­tung „die ersten Anfänge eines Prozesses [darstelle], der in großem Maße zur Produk­ti­vität Paläs­tinas beitragen, die Nieder­schlags­mengen erhöhen und den Land­schaften frischen Charme verleihen sollte“.

Poli­ti­sche Bäume

Die briti­schen Auffors­tungs­maß­nahmen erfüllten auch eine wich­tige poli­ti­sche und terri­to­riale Rolle. Wälder waren große Land­flä­chen, die von der Regie­rung kontrol­liert und über­wacht wurden und in denen das Weiden­lassen von Vieh, das Holz­schlagen und mitunter sogar der als „Herum­lun­gern“ bezeich­nete Aufent­halt von Menschen verboten wurden, was die lokale land­wirt­schaft­liche Sozi­al­struktur entschei­dend beein­träch­tigte. Obwohl die Auffors­tung im Paläs­tina der briti­schen Mandats­zeit (1918-1948), also im frühen zwan­zigsten Jahr­hun­dert, mit dem Diskurs über den Klima­wandel verbunden war, wurde sie im Laufe der Zeit auch zu einem Instru­ment, um poli­ti­sche, natio­nale, terri­to­riale und kultur­po­li­ti­sche Ziele zu errei­chen. Zu diesen Zielen gehörten, erstens, die ‚Wieder­her­stel­lung‘ imagi­närer bibli­scher Land­schaften, die sowohl den briti­schen als auch zionis­ti­schen Versuch wider­spie­gelte, ein histo­ri­sches und mora­li­sches Anrecht auf das Gebiet zu recht­fer­tigen; zweites die Umwand­lung der lokalen Land­schaft in eine für die Augen der euro­päi­schen Betrachter ‚vertraute‘ und ‚freund­liche‘ Szenerie; und, drit­tens, die Aneig­nung von indi­genem Land. Diese poli­ti­schen Ziele, in deren Rahmen die Bäume mit der west­li­chen Kultur iden­ti­fi­ziert wurden, gingen deut­lich über genuin klima­ti­sche und ökolo­gi­sche Anliegen hinaus.

Ähnlich wie briti­sche Experten behaup­teten zionis­ti­sche Bota­niker und Agro­nomen zu Beginn des zwan­zigsten Jahr­hun­derts, dass die Auffors­tung das lokale Klima verbes­sern würde, welches aufgrund von Über­wei­dung und Vernach­läs­si­gungen durch die lokale Bevöl­ke­rung immer weiter dege­ne­riert sei. Bevor der Zusam­men­hang zwischen der Emis­sion von Treib­haus­gasen und dem Klima­wandel herge­stellt wurde, waren die Wälder der zentrale Gegen­stand in den Diskus­sionen um den Klima­wandel. Entwal­dung wurde als schäd­lich und Auffors­tung als nütz­lich ange­sehen, auch wenn letz­tere bedeu­tete, das lokale ökolo­gi­sche Gleich­ge­wicht durch die Einfüh­rung neuer und fremder Pflan­zen­arten zu stören.

Vom austra­li­schen Euka­lyptus zur euro­päi­schen Kiefer

In Paläs­tina beispiels­weise führte die mangelnde Kenntnis briti­scher und zionis­ti­scher Experten über die ökolo­gi­schen Zusam­men­hänge der ‚ursprüng­li­chen‘ Flora des Landes dazu, dass sie Bäume pflanzten, die es im Land noch nie gegeben hatte, womit sie radikal in lokale Prozesse eingriffen. Im späten neun­zehnten Jahr­hun­dert wurde der Euka­lyp­tus­baum zusammen mit anderen Pflanzen ins Land einge­führt, um die großen Sümpfe in der Küsten­ebene zu entwäs­sern. Der Euka­lyp­tus­baum wurde dann aber in den 1920er Jahren von der Kiefer abge­löst, die von zionis­ti­schen Förs­tern deshalb geschätzt wurde, weil sie relativ schnell wuchs und nicht viel Kulti­vie­rung erfor­derte.

Darüber hinaus ließ sich mit Kiefern eine euro­pä­isch anmu­tende Land­schaft schaffen, da die Kiefern die euro­päi­schen Juden an die Fichten in ihrer alten Heimat erin­nerten. Unge­achtet all dieser aller­dings recht spezi­ellen Vorzüge hat die Kiefer jedoch den gravie­renden Nach­teil, dass sie im Laufe der Jahr­zehnte zu einem signi­fi­kanten Rück­gang der lokalen Biodi­ver­sität führt: Abfal­lende Kiefern­na­deln und Samen­schalen der Bäume verzö­gern nämlich das Keimen anderer Pflanzen. Daher neigen Kiefern­wälder dazu, sich schnell auszu­dehnen, biolo­gisch viel­fäl­tige Gebiete einzu­nehmen und sie in wenig bewach­sene Land­schaften zu verwan­deln. Die dichte Anpflan­zung von Kiefern erhöht zudem das Risiko für größere und schwe­rere Brände, wie sie in den letzten Jahr­zehnten infolge des Klima­wan­dels häufiger aufge­treten sind.

Ähnlich wie der briti­sche Kolo­ni­al­wald hatte auch der zionis­ti­sche Wald terri­to­riale Impli­ka­tionen: Er diente als ein wich­tiges Instru­ment für die Inbe­sitz­nahme von Land und die Erfül­lung der zionis­ti­schen Sied­lungs­ideo­logie. Bereits 1911 erkannten zionis­ti­sche Insti­tu­tionen, dass der Wald dank der osma­ni­schen Land­po­litik und später der briti­schen Baum­schutz­po­litik ein geeig­netes Werk­zeug sein konnte, um Macht über Gebiete zu erlangen und jüdi­schen Einwan­de­rern Arbeit zu verschaffen. Nach osma­ni­schem Recht ging Land, das von seinem Eigen­tümer nicht bebaut oder kulti­viert wurde, an den Staat zurück. Im frühen zwan­zigsten Jahr­hun­dert erwarb die zionis­ti­sche Bewe­gung mehr Land als sie tatsäch­lich besie­deln konnte (manches eignete sich auch nicht zur Besie­de­lung). Um das Land behalten zu können, pflanzten sie Bäume an. Nach dem Krieg von 1948 wurde die Forst­wirt­schaft dann zu einem Hilfs­mittel, mit dem der Staat Israel ehema­lige paläs­ti­nen­si­sche Dörfer über­nahm, deren Bewohner geflohen oder vertrieben worden waren. Die Bäume bedeckten die Ruinen der Dörfer und verhin­derten die Rück­kehr der paläs­ti­nen­si­schen Flücht­linge.

Wald­po­litik im heutigen Israel

Wie Eyal Weizman in seinem Buch The Conflict Shore­line: Colo­nia­lism as Climate Change in the Negev Desert (2015) fest­hielt, schrieb Yosef Weitz, Direktor der Abtei­lung für Land und Auffors­tung des Jüdi­schen Natio­nal­fonds (JNF) im Jahr 1933, dass Wälder eine wich­tige Rolle dabei spielten, „vor Ort geopo­li­ti­sche Fakten zu schaffen“. Mit Blick auf die trockene geogra­phi­sche Zone des Negev behauptet Weitz, Wälder seien in der Lage, „die Wüste abzu­wehren und so eine Sicher­heits­zone für die Einwohner Israels zu schaffen“. Heute nennt sich der Jüdi­sche Natio­nal­fond mit Stolz den größten und wich­tigsten ökolo­gi­schen Einfluss­nehmer in Israel und eine der führenden Kräfte in der Bekämp­fung der Wüste durch das Anpflanzen von Bäumen. Auf der offi­zi­ellen Website der Orga­ni­sa­tion heißt es: „Israel ist eines der wenigen Länder der Welt, das heute mehr Bäume hat als vor hundert Jahren“. Diese Aussage wird auch von inter­na­tio­nalen Umwelt­or­ga­ni­sa­tionen bestä­tigt und gutge­heißen. Leider spie­geln die heutigen Erfolge Israels bei der Bekämp­fung der Deser­ti­fi­ka­tion nicht wirk­lich die Bedeu­tung wider, die Umwelt­be­langen von Regie­rungs­stellen und Entschei­dungs­trä­gern tatsäch­lich einge­räumt wird. Und dann ist da noch das kolo­niale Erbe der Wald­po­litik.

Der Yatir Wald; Quelle: youtube.com

Im Jahr 2015 befür­wor­tete die UNO Maßnahmen, die in Israel im Rahmen des Kampfes gegen die Deser­ti­fi­ka­tion durch­ge­führt wurden und die die Auffors­tungs­prak­tiken im Yatir-Wald im nörd­li­chen Negev in den Mittel­punkt stellten. Der Yatir-Wald, der in den 1960er Jahren gepflanzt wurde und haupt­säch­lich aus Kiefern besteht, ist heute nicht nur der größte Wald in Israel, sondern auch der größte von Menschen­hand geschaf­fene Wald der Welt in einem Halb­tro­cken­ge­biet. Professor Dan Yakir, israe­li­scher Preis­träger für Umwelt­wis­sen­schaften und Gründer der von der NASA unter­stützten Klima­for­schungs­sta­tion des Weizman-Instituts, zeigte 2019, dass der Yatir-Wald Kohlen­stoff in der glei­chen Geschwin­dig­keit und Kapa­zität wie euro­päi­sche Wälder absor­biert und daher für den Kampf gegen die globale Erwär­mung und insbe­son­dere für die Wald­for­schung in Halb­tro­cken­re­gionen von großer Bedeu­tung ist. Der Yatir-Wald ist jedoch zugleich auch als zentraler Schau­platz bekannt, an dem der Staat Israel seine bedui­ni­schen Bürger bekämpft. Bedui­nen­dörfer wie Hassein Al Rafiaa und Al-Araqeeb sind seit Ende der 1990er Jahre aufgrund der Auffors­tungs­pro­gramme von Zwangs­um­sied­lungen bedroht, obwohl es im Negev genü­gend andere Gebiete gäbe, in denen die Auffors­tungs­pläne umge­setzt werden könnten.

Wie das Beispiel Palästina/Israel zeigt, wurde der Klima­wandel in der ersten Hälfte des zwan­zigsten Jahr­hun­derts häufig aus kolo­nia­lis­ti­scher Perspek­tive betrachtet. In dieser Zeit konnten Experten den Wandel des Klimas erst­mals erfassen – zum einen aufgrund der Verein­heit­li­chung der wissen­schaft­li­chen Instru­mente und Methoden, zum anderen aufgrund des erwei­terten Blicks auf die Klima­phä­no­mene, der durch den euro­päi­schen Besitz großer geogra­phi­scher Gebiete auf der ganzen Welt möglich wurde. Die Kolo­nia­listen nutzten aber auch ihre Macht­po­si­tion aus, um fremde Flora einzu­führen, was zur Folge hatte, dass lokale Ökosys­teme gestört wurden. Den indi­genen Gesell­schaften, denen man Vernach­läs­si­gung und Miss­brauch ihrer natür­li­chen Umwelt vorwarf, wurden Moder­ni­sie­rungs­pro­zesse aufge­zwungen. Während dieses Vorgehen heute tenden­ziell kriti­siert wird, auch weil es zum Anstieg der globalen Kohlen­di­oxid­emis­sion geführt hat, zieht es die aktu­elle Umwelt­po­litik in Israel immer noch vor, dem Klima­wandel auf die altmo­di­sche kolo­niale Weise zu begegnen: Nicht durch die Begren­zung des CO2-Ausstoßes, sondern durch den Anbau fremder Pflan­zen­arten und die Vertrei­bung der einhei­mi­schen Bevöl­ke­rung.

Über­set­zung: sh.
Eine kürzere Version dieses Textes erschien am 13.11.2019 auf Hebrä­isch in der Haaretz, und am 28. Mai 2020 auf Englisch auf dem Blog politicaltheology.com

 

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