Was bedeutet die Forderung nach freien Bildern für Museen? Welche Schwierigkeiten und neuen Ansätze gibt es im Bereich von #OpenSource und #CreativeCommons? Wie wirken sich diese auf die Verantwortung von Museen im postkolonialen Kontext aus? Ein Plädoyer für die Wissensallmende.

  • Dominik Scholl

    Dominik Scholl ist promovierter Kulturwissenschaftler. Seit 2016 arbeitet er bei Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e. V. und leitet dort das Team Kultur und Marginalisiertes Wissen. Zuvor forschte und lehrte er an der Humboldt-Universität zu Berlin und der HafenCity Universität Hamburg und war Verleger des von ihm mit gegründeten, unabhängigen Panama Verlags.
Geschichte der Gegenwart
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Freie Bilder und die Verant­wor­tung von Museen
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Was geschieht, wenn Museen abends ihre Tore schließen, hat schon auf unter­schied­liche Weise die Fantasie beflü­gelt: Das New Yorker Natur­kun­de­mu­seum wurde beispiels­weise zum Schau­platz des Films „Nachts im Museum“, in dem ein Dino­sau­ri­er­ske­lett und ausge­stopfte Tiere zum Leben erwa­chen. Der bela­ru­si­sche Desi­gner Lesha Limonov inter­es­sierte sich dagegen für die Nächte in der Gemäl­de­samm­lung des nieder­län­di­schen Rijks­mu­seums. Die Vorstel­lung, wie die Porträ­tierten die ganze Nacht über mit offenen Augen in die dunklen Ausstel­lungs­säle schauen, inspi­rierte ihn zu einer Serie von Schlaf­masken, die mit den Augen dieser Schlaf­losen bedruckt sind. Mit seiner Krea­tion „Master­pieces never sleep“ gewann Limonov 2017 den Rijksstudio-Award – einen Preis, den das Museum in Koope­ra­tion mit Etsy verlieh, einem Online-Marktplatz für Selbst­ge­machtes. Damit wollte das Museum dazu anregen, die digital bereit­ge­stellten Bilder der Samm­lung des Hauses auf krea­tive Weise zu nutzen.

New Museo­logy – digital

Das Amster­damer Museum war einer der Vorreiter für den Sprung der jahr­hun­der­te­alten Insti­tu­tion in die digi­tale Welt. Während es aufgrund von Reno­vie­rungs­ar­beiten für zehn Jahre geschlossen war, präsen­tierte es sich 2012 mit einem neuen Ansatz im Netz. Die frisch gelaunchte Website war von Anfang an darauf ausge­legt, nicht nur als digi­tales Schau­fenster ins Museum hinein zu dienen, sondern gezielt die Samm­lung nach außen zu bringen, indem sowohl digi­tale Nutzung auf der Platt­form als auch die kosten­lose Nach­nut­zung der Bilder für alle denk­baren Zwecke ermög­licht wurde – wie zum Beispiel die Verwen­dung des Porträts eines blau geklei­deten Mädchens für die Gestal­tung einer Schlaf­maske. Taco Dibbits, der dama­lige Direktor des Rijks­mu­seum, sagte in der New York Times:

Wenn die Leute einen Vermeer auf ihrem Toilet­ten­pa­pier haben wollen, dann sollen sie lieber ein quali­tativ hoch­wer­tiges Vermeer-Bild auf dem Toilet­ten­pa­pier haben als eine miese Reproduktion.

Wie in einem Brenn­glas zeigt sich an dieser provo­kanten Aussage und den sehr unter­schied­li­chen Reak­tionen darauf der lang­same Wandel im Selbst­ver­ständnis von Museen. Deren Rolle in der Gesell­schaft wird seit den 1970er-Jahren unter Schlag­worten wie „New Museo­logy“ kritisch disku­tiert. Museen sind demnach nicht einfach die Hüter des kultu­rellen Erbes mit einer exklu­siven Deutungs­ho­heit darüber, was wert ist, gesam­melt, bewahrt, beforscht und ausge­stellt zu werden. Sie müssen sich viel­mehr damit ausein­an­der­setzen, dass sie gesell­schaft­liche Akteure sind, die an der Repro­duk­tion gesell­schaft­li­cher Macht- und Unter­drü­ckungs­struk­turen betei­ligt sind und die inso­fern auch Verant­wor­tung dafür über­nehmen sollten, zu sozialer Gerech­tig­keit beizutragen.

Museumsbesucher*innen sind nicht länger nur eine Ziel­gruppe, der Wissen vermit­telt wird. Sie werden viel­mehr als Commu­nitys verstanden, die Ansprüche auf Einbin­dung im Sinne von Zugang, Reprä­sen­ta­tion und Parti­zi­pa­tion stellen. Museen müssen sich damit ausein­an­der­setzen, wie das Wissen und das kultu­relle Erbe bestimmter gesell­schaft­li­cher Gruppen in der Samm­lung, Darstel­lung und Erzäh­lung ihres Hauses reprä­sen­tiert sind. Wie können sie die mit ihrer Arbeit verbun­denen Commu­nitys an der Wissens­pro­duk­tion und Ausstel­lungs­praxis betei­ligen? Wie können sie für die Öffent­lich­keit Zugänge eröffnen und kultu­relles Erbe für alle nutzbar machen?

The Big Picture

Diese Fragen von Zugang, Reprä­sen­ta­tion und Parti­zi­pa­tion berühren natür­lich viele Aspekte der Muse­ums­praxis. Wenn der Fokus dieses Beitrags auf den Bildern bzw. ihren digi­talen Repro­duk­tionen und beschrei­benden Meta­daten liegt, scheint er nur auf den ersten Blick sehr eng gewählt zu sein, denn diese Daten sind Teil einer umfas­senden „Kultur der Digi­ta­lität“ (2018), wie sie der Kultur- und Medi­en­wis­sen­schaftler Felix Stalder beschreibt. Stalder fasst darunter einen weit­rei­chenden gesell­schaft­li­chen Wandel, in dem soziales Handeln zuneh­mend in komplexe Tech­no­lo­gien einge­bettet ist. Hierbei sieht er zum einen eine gefähr­liche poli­ti­sche Entwick­lungs­linie, die er als Post­de­mo­kratie bezeichnet und die mit daten­ge­trie­bener und flächen­de­ckender Über­wa­chung und Kontrolle in auto­ri­täre Gesell­schaften führt. Zum anderen beschreibt er aber auch die gegen­läu­fige Tendenz hin zu den Commons, die das Poten­zial in sich tragen, Demo­kratie radikal zu erneuern.

Das Konzept der Commons (oder der Allmende, der Gemein­güter) ist nicht neu und wurde für die Beschrei­bung ganz unter­schied­li­cher Tradi­tionen auf der Welt genutzt. Die inter­na­tional bekannte Commons-Forscherin und -Akti­vistin Silke Helf­rich beschreibt „Commons“ (2014) als gemein­schaft­lich genutzte Ressourcen, die durch vertrau­ens­volle und faire soziale Bezie­hungen geschützt und weiter­ent­wi­ckelt werden, wobei der Fokus auf der kollek­tiven Verant­wor­tung und dem gemein­samen Nutzen für die Gemein­schaft liegt. Konkret werden darunter sowohl natür­liche und erschöpf­bare Ressourcen wie Wasser, Wald oder Land als auch erneu­er­bare, soziale und kultu­relle Dinge wie Wissen, Saatgut oder Soft­ware verstanden.

Die Freie-Software-Bewe­gung hat in den 1980er-Jahren das Prinzip des freien Quell­codes (Open Source) etabliert. In den folgenden Jahr­zehnten entstanden weitere Open-Bewegungen in Berei­chen wie Wissen­schaft (Open Access, Open Science), Bildung (Open Educa­tion), Kultur und öffent­liche Verwal­tung (Open GLAM, Open Data). Gemeinsam ist ihnen das Ziel, Wissen, Daten und krea­tive Werke als Wissens­all­mende zugäng­lich zu machen. Sie basieren auf einer Defi­ni­tion von Offen­heit, die Wissen dann als offen versteht, wenn jede*r frei darauf zugreifen, es nutzen, verän­dern und teilen kann. Das wird maßgeb­lich verein­facht durch freie Lizenzen wie die der gemein­nüt­zigen Orga­ni­sa­tion Crea­tive Commons, die eine stan­dar­di­sierte Nutzungs­er­laubnis einräumen, so dass keine indi­vi­du­ellen Verein­ba­rungen getroffen werden müssen. Im Gegen­satz zum tradi­tio­nellen Urhe­ber­recht, das besagt „alle Rechte vorbe­halten“, gilt hier: „Jeder darf meine Inhalte in folgender Weise und unter folgenden Bedin­gungen nutzen.“

Freie Bilder!

In den letzten Jahren hat auch im Bereich der Museen sowie Kultur- und Gedächt­nis­in­sti­tu­tionen insge­samt ein Para­dig­men­wechsel begonnen. Open-Access-Politiken machen bereits vieler­orts Samm­lungen für die digi­tale Öffent­lich­keit zugäng­lich, indem Bestände über­haupt erst einmal digi­ta­li­siert und dann frei nutzbar gemacht werden. Diese Entwick­lung hat nicht nur die Sicht­bar­keit und Reich­weite des kultu­rellen Erbes erhöht, sondern auch neue Möglich­keiten für Bildung, Forschung und krea­tive Nutzungen geschaffen. Freie Bilder sind das Ausgangs­ma­te­rial für unspek­ta­ku­läre Kleinst­ver­wen­dungen, für die Produkt­ent­wick­lung in der Kultur- und Krea­tiv­wirt­schaft (Schlaf­brillen, Toilet­ten­pa­pier…), für die Erstel­lung von Lern­ma­te­ria­lien oder für (inter­na­tio­nale) Forschungs­pro­jekte beispiels­weise im Bereich der Digital Huma­ni­ties, die neue kultur­ge­schicht­liche Zusam­men­hänge und Erkennt­nisse zu Tage fördern.

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Freie Bilder können für Museen selbst aber auch ein Ausgangs­punkt für eigene Projekte sein, die Zugang und Parti­zi­pa­tion zu den Themen und Samm­lungen des Hauses ermög­li­chen. 362 Museen, Archive, Biblio­theken, Gedenk­stätten und andere Kultur­in­sti­tu­tionen betei­ligten sich zwischen 2014 und 2022 am Kultur-Hackathon Coding da Vinci. Rund 2.000 Teil­neh­mende aus tech­nik­af­finen und kultur­be­geis­terten Commu­nitys setzten sich mit den offenen Kultur­daten kreativ ausein­ander und schufen gemeinsam inno­va­tive Proto­typen für Apps, Spiele, Augmented-Reality-Anwendungen oder anderes mehr.

Wenn hier von Kultur­daten die Rede ist, beschränken sich diese natür­lich nicht auf digi­ta­li­sierte Bilder, sondern umfassen ganz unter­schied­liche Daten­sätze und beschrei­bende Meta­daten. Deren Aufbe­rei­tung in maschi­nen­les­barer Form und ihre Verknüp­fung mit Norm­da­teien macht es möglich, dass sie eindeutig iden­ti­fi­zierbar sind und so Zusam­men­hänge über Institutionen- und Länder­grenzen hinweg sichtbar werden. Ihre Bereit­stel­lung als Linked Open Data ist essen­ziell, um eine Auffind­bar­keit und wirk­liche Nutz­bar­keit sicher­zu­stellen. Die freie und offene Wissens­da­ten­bank Wiki­data ist beispiels­weise einer der zentralen Knoten in der Linked Open Data Cloud und ermög­licht es, Daten aus Kultur- und Gedächt­nis­in­sti­tu­tionen und Forschungs­öko­sys­temen in der ganzen Welt mitein­ander zu vernetzen. Die Zusam­men­ar­beit mit unter­schied­li­chen Commu­nitys eröffnet für Museen das Poten­zial, die in ihrem Haus erzeugten Kultur­daten anzu­rei­chern, zu rekon­tex­tua­li­sieren und auf diese Weise gemeinsam neues Wissen zu schaffen.

Trotz der offen­sicht­li­chen Vorteile sind es aber vermut­lich noch weniger als 1 Prozent der Kultur- und Gedächt­nis­in­sti­tu­tionen welt­weit, die Inhalte offen zur Nach­nut­zung teilen. Deren Ausgangs­be­din­gungen und Ausstat­tungen sind je nach natio­nalem Kontext, Sektor und Einrich­tung sehr unter­schied­lich. Gemeinsam haben die meisten Insti­tu­tionen, dass sie vor akuten Finan­zie­rungs­her­aus­for­de­rungen stehen, wozu Kosten für digi­tale Tech­no­lo­gien, Daten­auf­be­rei­tung und -verwal­tung sowie die dafür notwen­dige tech­ni­sche und recht­liche Exper­tise beitragen. Recht­liche Unsi­cher­heiten und tradi­tio­nelle Denk­weisen erschweren zusätz­lich den Wandel. Eine aktu­elle Fall­studie zu offenen Lizen­zie­rungs­mo­dellen im Bereich des kultu­rellen Erbes hat jüngst gezeigt, dass die Sorge vor Nach­teilen durch eine Abgabe von Kontrolle, Rechten und (Daten-)Hoheit unbe­gründet ist. Sie liefert inter­es­sante Anhalts­punkte dafür, dass offene Lizen­zie­rung Insti­tu­tionen hilft, ihren öffent­li­chen Auftrag besser zu erfüllen, indi­rekte finan­zi­elle Vorteile zu erzielen, Kosten im Bereich der inef­fi­zi­enten Vermark­tung von Bild­rechten einzu­sparen sowie effek­tiver mit Commu­nitys und externen Platt­formen zusammenzuarbeiten.

Open Ever­y­thing?

Soll der Appell also lauten: „Open Ever­y­thing“? Ein Szenen­wechsel vom nieder­län­di­schen Rijkskmu­seum ins neusee­län­di­sche Auck­land Museum rückt die ethi­schen Aspekte dieser Frage ins Zentrum. Das Auck­land Museum ist eine Kriegs­ge­denk­stätte mit sozial- und mili­tär­ge­schicht­li­chen Samm­lungen, natur­kund­li­chen und kunst­ge­werb­li­chen Beständen sowie bedeu­tenden Māori- und Pazifik-Sammlungen. Etwa zur selben Zeit, als das Rijks­mu­seum damit begann, seine Samm­lung ins Netz zu bringen, launchte auch das Auck­land Museum im Rahmen seiner Stra­tegie „Future Museum“ eine Daten­bank mit mehr als einer Million Samm­lungs­da­ten­sätzen. Es war der erste Schritt auf dem Weg zu einem digi­talen Museum, das sich einem globalen Publikum gegen­über verpflichtet sieht und dem Leit­satz folgt: „Wir sind im Normal­fall offen – in Ausnah­me­fällen geschlossen“ – also „open by default“ statt „open everything“.

Dies ist vor allem vor dem Hinter­grund inter­es­sant, dass dieses Museum als kolo­niale Insti­tu­tion auf dem tradi­tio­nellen Terri­to­rium der Māori liegt und heute in einer komplexen kultur­po­li­ti­schen Land­schaft agiert, die in beson­derem Maß von Debatten um das Fort­be­stehen kolo­nialer Macht­struk­turen geprägt ist. Dies hat nicht nur Auswir­kungen auf die Gover­nance des Museums insge­samt, sondern auch auf die Praxis der Frei­gabe von Bildern, die Menschen, Objekte oder Themen der Māori und Moana enthalten. In einem breit ange­legten Konsul­ta­ti­ons­pro­zess mit diesen Wissens­ge­mein­schaften wurden vier Prin­zi­pien für die Online-Darstellung dieser Bilder und auch für Nutzungs­an­fragen durch Dritte entwi­ckelt. Hierzu gehört unter anderem, dass das Museum versucht, Bezie­hungen zu diesen Gemein­schaften aufzu­bauen und, wo möglich, Anfragen an sie weiterzuleiten.

Dies ist ein gutes Beispiel für eine Muse­ums­praxis, in der die Aner­ken­nung der Souve­rä­nität und des Selbst­be­stim­mungs­rechts indi­gener Gruppen eines der Haupt­an­liegen ist. Es zeigt außerdem, dass es neben der Sorg­falt für die ethno­gra­fi­schen Objekte auch einer ebenso großen Sorg­falt in Bezug auf die Digi­ta­li­sie­rung dieser Objekte bedarf – stehen doch ethi­sche Fragen des Eigen­tums und des insti­tu­tio­nellen Umgangs mit der Kolo­nia­lität der Samm­lungen in einem engen Zusam­men­hang mit solchen der öffent­li­chen Zugäng­lich­ma­chung. Für Samm­lungen aus kolo­nialen Kontexten gibt es die von den Rechts­wis­sen­schaft­le­rinnen Mathilde Pavis und Andrea Wallace erar­bei­tete klare Empfeh­lung, jede Online-Veröffentlichung digi­taler Bestände nur mit dem Einver­ständnis der Herkunfts­ge­mein­schaften vorzu­nehmen und sie sorg­fältig nach Risiken und Vorteilen abzuwägen.

Das tradi­tio­nelle Wissen indi­gener Gruppen umfasst ein breites Spek­trum von Objekten, Ausdrucks­formen und Prak­tiken, die kollektiv entwi­ckelt und über Gene­ra­tionen hinweg bewahrt und weiter­ge­geben wurden. Das west­liche Urhe­ber­recht, das auf Origi­na­lität, Autor*innenschaft und persön­li­chem geis­tigem Eigentum beruht, steht in einem Wider­spruch zu Vorstel­lungen kollek­tiver Verant­wor­tung für das kultu­relle Erbe einer Gemein­schaft. Das mit dem Urhe­ber­recht verbun­dene Konzept der Gemein­frei­heit und die auf ihm aufbau­enden freien Lizenzen kennen diese Form kollek­tiver Verant­wor­tung – etwa für heilige oder sensible Inhalte – nicht.

Es stellt sich die Frage, welche Infor­ma­tionen oder Tech­no­lo­gien Daten online begleiten können, um einen sensi­bleren Umgang mit ihnen zu fördern. Einen Ansatz dafür hat die globale Initia­tive Local Contexts entwi­ckelt, die Label und Hinweise für den Zugang zu tradi­tio­nellem Wissen von indi­genen Gemein­schaften bereit­stellt. Ähnlich wie die Lizenzen und Werk­zeuge von Crea­tive Commons ermög­li­chen sie es, Berech­ti­gungen oder Einschrän­kungen für digi­tales Mate­rial wie Bilder fest­zu­legen – etwa wenn sie reli­giöse oder sensible Infor­ma­tionen enthalten oder nur für Ange­hö­rige eines bestimmten Geschlechts vorge­sehen sind.

Silke Helf­rich hat in ihrem Beitrag „Allmende statt Open Ever­y­thing“ darauf hinge­wiesen, dass „Offen­heit“ einen bestimmten Denk­rahmen akti­viert: „offen oder geschlossen“ so wie „an oder aus“, „ganz oder gar nicht“. Dabei gerät die Viel­falt dazwi­schen aus dem Blick:

Sinn und Zweck eines Commons ist es, gemeinsam verant­wor­tete Verfü­gung zu sichern und die Vorteile für alle Betei­ligten zu maxi­mieren. Das erfor­dert durch­dachte und situa­ti­ons­spe­zi­fi­sche Zugangs- und Nutzungsregeln.

Der Begriff der Allmende, wie ihn Helf­rich formu­liert, hebt die gemein­same Verant­wor­tung hervor und betont, dass der Zugang zu und die Nutzung von Ressourcen im digi­talen Raum im Inter­esse aller gestaltet werden müssen – was durchaus macht­kri­tisch zu verstehen ist und dazu auffor­dert, den jewei­ligen Kontext zu betrachten und margi­na­li­sierte Perspek­tiven zu zentrieren. 

Darauf aufbauend schließt dieser Beitrag mit einem Plädoyer an Kultur- und Gedächt­nis­in­sti­tu­tionen, sich über den Hori­zont ihrer bauli­chen Hülle und eigenen Samm­lung hinaus einer doppelten Verant­wor­tung anzu­nehmen: Diese umfasst zum einen, das verwahrte kultu­relle Erbe als Wissens­all­mende zu pflegen und dafür zu sorgen, dass dieses Erbe so frei zugäng­lich, nutzbar und nütz­lich wie möglich ist; zum anderen bedeutet diese Verant­wor­tung auch, bestehende Ungleich­heiten sowie epis­te­mi­sche Gewalt im Digi­talen nicht zu repro­du­zieren – wofür parti­zi­pa­tive Aushand­lungs­pro­zesse und situa­ti­ons­spe­zi­fi­sche Zugangs- und Nutzungs­re­geln unab­dingbar sind.