Die radikale Rechte liebt generative KI. Trump wie Musk teilen massenhaft KI-generierte Bilder auf ihren Plattformen, und auch die AfD hat schon lange den Nutzen von Midjourney & Co. für ihren Wahlkampf erkannt. Dabei zeigt sich: Die Technologie ist kein politisch neutrales Werkzeug. Als Nostalgiemaschine und Klischeeverstärker drängt sie sich für den Entwurf rechter Weltbilder geradezu auf.

  • Roland Meyer

    Roland Meyer ist DIZH-Brückenprofessor für Digitale Kulturen und Künste an der Universität Zürich und der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) sowie Mitglied des Zentrums Künste und Kulturtheorie (ZKK). Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Geschichte, Theorie und Ästhetik synthetischer Medien, operativer Bilder und algorithmisch vernetzter Bildkulturen. 2021 erschien sein Buch „Gesichtserkennung“ in der Reihe Digitale Bildkulturen bei Wagenbach.
Geschichte der Gegenwart
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Echte Emotionen. Gene­ra­tive KI und rechte Weltbilder
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„Wir stili­sieren echte Emotionen“ – mit diesem Verspre­chen wirbt Tann­wald Media auf ihrer Website um Kund­schaft. Die stammt, der einschlä­gige Name lässt es vermuten, über­wie­gend aus dem rechts­ra­di­kalen Spek­trum. Aufmerk­sam­keit erlangte die Leip­ziger Medi­en­agentur im November 2024, als bekannt wurde, dass die AfD im kommenden deut­schen Bundes­tags­wahl­kampf auf Tann­walds selbst­an­non­cierte Exper­tise im Bereich „Künst­li­cher Intel­li­genz“ zurück­greifen will.

Der Gründer von Tann­wald ist in der rechts­ra­di­kalen Szene kein Unbe­kannter, und es gibt Hinweise, dass er auch hinter dem Instagram-Account „Wilhelm Kachel“ steckt, der mit KI-generierten Memes im NS-Propaganda-Look für Aufsehen gesorgt hat. Dutzend­fach versam­melt der Account muskel­ge­stählte Jüng­linge in solda­ti­schen Posen, brav bezopfte Mädels in roman­ti­schen Wäldern und glück­liche blonde Fami­li­en­idyllen, alle­samt synthe­tisch erzeugt im Stil eines male­ri­schen Realismus der dreis­siger Jahre und stets versehen mit einschlä­gigen Auffor­de­rungen zur Selbst­op­ti­mie­rung im Dienst der „patrio­ti­schen“ Sache.

Bilder vom Instagram-Account „Wilhelm Kachel“

Früher als andere Parteien hat die AfD erkannt, welche propa­gan­dis­ti­schen Möglich­keiten KI-Bildgeneratoren wie Midjourney und Dall-E bieten. Auf den Social-Media-Accounts von AfD-Politikern finden sich massen­haft KI-generierte Share­pics, die wahl­weise den drohenden Unter­gang Deutsch­lands oder jene heile Welt einer imagi­nären Vergan­gen­heit beschwören, die es wieder herzu­stellen gelte. Die AfD Bran­den­burg warb im letzt­jäh­rigen Land­tags­wahl­kampf gar mit einem ganzen KI-generierten Video­spot, der unter dem Titel „Wochen­markt oder Drogen­markt?“ die ethnisch gesäu­berte Welt eines in warmes Licht getauchten Bran­den­burger Dorf­le­bens mit düsteren, offen rassis­ti­schen Groß­stadt­bil­dern kontras­tierte. Und der AfD-Politiker Raimond Hoff­mann träumt bereits davon, mittels KI-Videos Holly­wood künftig Konkur­renz machen zu können: „Keine Quoten, keine Buch­sta­ben­men­schen, dafür glück­liche Fami­lien und Tradition.“ 

Die radi­kale Rechte liebt gene­ra­tive KI, und zwar inter­na­tional. Zwei Prot­ago­nisten der globalen reak­tio­nären Wende, Donald Trump und Elon Musk, teilen regel­mässig KI-generierte Memes auf ihren X- und Truth-Accounts, und nicht selten sind sie selbst dabei zugleich das Bild­motiv: Trump als Foot­ball­star, Musk als Gladiator, all dies möglich dank KI. Auch im fran­zö­si­schen Wahl­kampf 2024 waren es vor allem die rechts­ra­di­kalen Parteien, die bevor­zugt auf KI-Bildgenerierung zurückgriffen.

Post von Donald Trump auf truth.social

Diese Liebe der globalen Rechten zu gene­ra­tiver KI ist weder Zufall noch das Produkt von Spar­zwängen – sie ist viel­mehr Ausdruck einer ideo­lo­gi­schen und ästhe­ti­schen Affi­nität. KI-Bildgenerierung ist nämlich keines­wegs ein poli­tisch neutrales Werk­zeug, sondern drängt sich für den Entwurf rechter Welt­bilder gera­dezu auf: Zumin­dest in ihrer derzei­tigen kommer­ziell verfüg­baren Form ist sie struk­tu­rell nost­al­gisch, bedient eine popu­lis­ti­sche Ästhetik und basiert auf Stereo­ty­pi­sie­rung und Klischeebildung.

Nost­al­gie­ma­schinen

Beginnen wir mit der Nost­algie. Um ein Bild der Gegen­wart oder gar der Zukunft zu gene­rieren, ist KI auf Bilder aus der Vergan­gen­heit ange­wiesen – andere stehen ihr schlicht nicht zur Verfü­gung. Zum Trai­ning von Midjourney, Dall-E und Co. wurden ohne Rück­sicht auf Urhe­ber­rechte Milli­arden von Bildern aus dem Internet abge­saugt, und dieses virtu­elle Bild­ar­chiv begrenzt nun den Hori­zont aller vermeint­lich neuen Bilder, die sich mit der Soft­ware synthe­ti­sieren lassen.

Es ist dabei keines­wegs, wie es einmal in der PR-Mitteilung einer KI-Firma hiess, die gesamte „visu­elle Infor­ma­tion der Mensch­heit“, die den KI-Modellen nun in kompri­mierter Form zur Verfü­gung steht. Ihre Trai­nings­basis bildet viel­mehr eine kommer­zia­li­sierte digi­tale Bild­kultur, die von Shopping-Websites, Social-Media-Plattformen und Stockfotografie-Datenbanken beherrscht wird. Deren wieder­keh­rende visu­elle Muster kann sie vari­ieren, aber kaum über­schreiten: So ist es etwa nahezu unmög­lich, das Bild einer Armbanduhr zu gene­rieren, die eine andere Uhrzeit als die in Anzeigen übli­chen zehn nach zehn zeigt, bei der sich die Zeiger zum werbe­wirk­samen Lächeln formen.

Beson­ders gut sind diese Programme jedoch darin, den Look älterer Bild­me­dien zu imitieren, vom male­ri­schen Pinsel­strich bis zur Körnung alter Schwarz­weiss­fo­to­gra­fien. Das Stich­wort dazu lautet „style transfer“: Jede ästhe­ti­sche Anmu­tung, die sich als wieder­keh­rendes Muster in den Trai­nings­daten aufspüren lässt, wird zum über­trag­baren „Stil“ und erlaubt die endlose Produk­tion von Bildern „im Stile von“.

Die vermeint­liche Zukunfts­tech­no­logie dient daher häufig weniger der Visua­li­sie­rung mögli­cher Zukünfte als der Produk­tion alter­na­tiver Vergan­gen­heiten: Bilder im Konjunktiv, Aufnahmen von fiktiven Kata­stro­phen, Stills aus nie gedrehten Filmen oder cat content im Stil bekannter Künstler. All diese alter­na­tiven Vergan­gen­heiten verbleiben aber in den Grenzen des Archivs. Gene­ra­tive KI, und darin ist sie struk­tu­rell nost­al­gisch, produ­ziert mehr oder minder erwart­bare Rekom­bi­na­tionen vertrauter Muster. Das macht die Tech­no­logie so anschluss­fähig für die globale Rechte, zielen doch deren Verspre­chen auf die Wieder­her­stel­lung einer Vergan­gen­heit, die es so nie gab und die primär in Bildern existiert.

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Kommer­zi­elle KI-Bildgenerierungstools wie Midjourney bedienen gezielt solch nost­al­gi­schen Sehn­süchte. Wer die Soft­ware etwa um das Bild einer „happy German Family“ anfragt, bekommt in der Regel keine halb­wegs realis­ti­schen Fami­li­en­bilder der Gegen­wart präsen­tiert, sondern imagi­näre Idyllen aus einer unbe­stimmten Vergan­gen­heit, wie sie sich die AfD kaum schöner wünschen könnte, ange­sie­delt irgendwo zwischen Genre­ma­lerei des 19. Jahr­hun­derts und 1950er-Jahre-Heimatfilm.

Midjourney-Bilder, Prompt war: „a happy german family“

 

Klischee­ver­stärker

Hito Steyerl hat KI-Bilder im doppelten Sinne als „Mean Images“ beschrieben, als schä­bige Konden­sate des Boden­satzes des Inter­nets wie als Produkte auto­ma­ti­sierter statis­ti­scher Prozesse. Dabei spie­gelt die popu­lis­ti­sche, bisweilen reak­tio­näre Ästhetik kommer­zi­eller KI-Bildgeneratoren aller­dings nicht den rohen Durch­schnitt aller Trai­nings­bilder wider, sondern ist viel­mehr das Produkt von algo­rith­mi­schen Feed­back­schleifen der ästhe­ti­schen Optimierung.

Zum soge­nannten „Fine-Tuning“ der KI-Modelle wurden nämlich eigens Daten­banken mit vermeint­lich beson­ders attrak­tiven Bildern zusam­men­ge­stellt. Dafür wurden unter anderem die Reak­tionen von User:innen eines Discord-Channels ausge­wertet, die dort KI-generierte Bilder teilen und bewerten. Mensch­liche Geschmacks­ur­teile, in Gestalt von Klicks, Scores und Rankings, wurden also massen­haft aggre­giert und algo­rith­misch verstärkt, um die visu­ellen Stan­dards künf­tiger Bild­pro­duk­tion zu bestimmen.

Doch um wessen Geschmack handelt es sich dabei? Christo Buschek und Jer Thorp haben sich eine der Daten­banken, die beim Fine-Tuning von Midjourney zum Einsatz kam, genauer ange­schaut. Ein Ergebnis ihrer Recherche: Kommer­zi­elle KI-Bildgenerierung hat die ästhe­ti­schen und ideo­lo­gi­schen Vorlieben einer sehr über­schau­baren und überaus homo­genen Gruppe vorwie­gend weisser, männ­li­cher, tech­nik­af­finer Mittel­schichts­an­ge­hö­riger aus Europa und Nord­ame­rika verinnerlicht.

Es ist vermut­lich auch genau diese demo­gra­phi­sche Gruppe, die am ehesten ein kosten­pflich­tiges Abo von Midjourney abzu­schliessen bereit ist. Die Firma regis­triert auch genau, wieviel Diver­sität sie ihrer Kund­schaft zumuten kann. Als im Früh­jahr 2023 Version 5 der Soft­ware auf den Markt kam, war nicht allein eher nüch­terner Stock-Fotografie-Look an die Stelle des zuvor übli­chen male­ri­schen Fantasy-Kitsches getreten. Wer die Soft­ware nun um das Bild einer glück­li­chen Familie bat, konnte auch mit hoher Wahr­schein­lich das Bild einer asia­ti­schen Familie erhalten. Doch offenbar stiess dies bei der west­li­chen Kund­schaft auf wenig Gegen­liebe. Bereits mit der Version 5.1 kehrte man nicht allein zu einer eher male­ri­schen Bild­sprache zurück, auch whiteness wurde wieder zur unaus­ge­spro­chenen Norm.

Beispiele wie dieses zeigen: Was als algo­rithmic bias disku­tiert wird, beruht nicht zuletzt auf kommer­zi­ellen Entschei­dungen. Gene­ra­tive KI, das ist inzwi­schen breit belegt, repro­du­ziert Geschlech­ter­kli­schees, kultu­relle Stereo­type und rassis­ti­sche Zuschrei­bungen. Wer etwa Dall-E um „A picture of a professor“ bittet, bekommt in der über­wie­genden Zahl der Fälle das Bild eines weissen Mannes mit Bart gelie­fert – auf der sehr instruktiv gestal­teten Seite biastest.ch lässt sich das gut ausprobieren.

Dass gene­ra­tive KI als Klischee­ver­stärker fungiert, ist auch in ihrer Funk­ti­ons­weise begründet. Der Prozess der Bild­ge­ne­rie­rung lässt sich nämlich als eine Art umge­kehrte Muster­er­ken­nung verstehen: Statt Bilder mit klas­si­fi­zie­renden Labels und Beschrei­bungen zu versehen, wird die Soft­ware auf Basis bereits gela­belter Bilder darauf trai­niert, visu­elle Muster hervor­zu­bringen, die möglichst eindeutig und unmit­telbar verständ­lich zu vorge­ge­benen Beschrei­bungen passen. Und nichts ist eindeu­tiger und leichter lesbar als das Klischee – inso­fern scheint gene­ra­tive KI ohne Bias kaum möglich.

Entspre­chend hilflos wirken die Versuche einzelner Tech-Firmen, in Reak­tion auf die wach­sende Kritik dem Bias ihrer KI-Modelle mit Gegen­mass­nahmen zu begegnen. Als Googles KI-Bildgenerator Gemini Anfang 2024 einge­führt wurde, stellte sich rasch heraus, dass die Soft­ware auch dort ethnisch und geschlecht­lich diver­sere Ergeb­nisse produ­zierte, wo dies nicht den übli­chen Erwar­tungen entsprach. Google hatte nämlich, statt dem KI-Modell den bias auszu­treiben, dafür gesorgt, dass die Prompts im Hinter­grund mit Begriffen wie „female“, „black“ oder „asian“ ergänzt wurden.

 

Tweet mit von Gemini gene­rierten Bildern

Dieses soge­nannte „Shadow Promp­ting“ ging aller­dings, wie Felix Stalder jüngst in Geschichte der Gegen­wart nach­ge­zeichnet hat, nach hinten los: Rechte Online-Accounts machten sich einen Spass daraus, massen­haft Gemini-Bilder indi­scher Päps­tinnen, Schwarzer Nazis und ameri­ka­ni­scher Grün­der­väter mit asia­ti­schen Gesichts­zügen zu teilen. Die gespielte Empö­rung über die angeb­liche „woke“ Indok­tri­na­tion führte schliess­lich dazu, dass Google die Soft­ware deak­ti­vieren musste. „Weisse Para­noia“, so kommen­tierte die STS-Forscherin Thao Phan, hatte geschafft, was zahl­lose berech­tigte Klagen von People of Color über die diskri­mi­nie­renden Effekte von gene­ra­tiver KI nie vermocht hätten.

Eindeu­tige Muster

Die heftigen Reak­tionen auf Gemini – Elon Musk etwa nannte Gemini „rassis­tisch“ und „anti­zi­vi­li­sa­to­risch“ – werfen ein bezeich­nendes Licht darauf, wie gene­ra­tive KI von der radi­kalen Rechten verstanden wird. Dass die Modelle, wo sie nicht (in diesem Fall eher unge­schickt) nach­jus­tiert werden, regel­mässig rassis­ti­sche und sexis­ti­sche Stereo­typen repro­du­zieren, erscheint aus Sicht der Rechten nämlich gerade nicht als zu behe­bender Fehler, sondern als eigent­li­ches Verspre­chen der Tech­no­logie: Die statis­ti­sche Logik der KI verleiht dem Ressen­ti­ment die Aura der Objektivität.

KI wird so zumin­dest für Teile der Rechten zu einer Art Wahr­heits­ma­schine: Sie zeigt die Realität von Stereo­typen auf, die die vermeint­lich „woke“ Linke einschliess­lich von Tech-Giganten wie Google angeb­lich „zensieren“ will. Freudig teilen rechte Accounts daher Head­lines über den rassis­ti­schen Bias von KI-Chatbots und sehen darin eine Bestä­ti­gung ihrer Welt­sicht: „Without censor­ship, AI will easily detect patterns“. Mit KI kehren die ältesten rassis­ti­schen und sexis­ti­schen Vorur­teile in scheinbar tech­nisch objek­ti­vierter Form zurück: Es ist doch nur Mustererkennung!

Die rechte Empö­rung über die vermeint­lich „woke“ KI ist also nur die Kehr­seite einer viel größeren Begeis­te­rung: Gene­ra­tive KI macht eine Welt sichtbar, nach der die Rechte sich sehnt, eine Welt, in der jeder und jede iden­tisch mit einem vorde­fi­nierten Label ist, eine Welt hyper­mas­ku­liner Männer und klischee­haft weib­li­cher Frauen, eine Welt, in der immer schon ausge­macht ist, wer welche Rolle einnehmen darf.

Social-Media-Post der jungen AfD Baden-Württemberg

Wenn also die junge AfD Baden-Württemberg ein offen­sicht­lich KI-generiertes Bild einer blonden jungen Frau teilt, versehen mit dem Slogan „Echte Frauen sind rechts“, dann ist der Wider­spruch nur ein schein­barer. „Echte Frauen“, das sind nämlich aus Sicht der jungen AfD genau dieje­nigen, die das gene­ri­sche Muster möglichst eindeutig erfüllen – und darin liegt nicht zuletzt eine Drohung an alle, die dem Klischee nicht entsprechen.

Gene­ra­tive KI ist aus Sicht der Rechten nicht nur eine Wahrheits-, sondern eine Wunsch­er­fül­lungs­ma­schine, und der viel­leicht größte Wunsch ist es, dass alle Wünsche, kaum ausge­spro­chen, unmit­telbar Wirk­lich­keit werden. Jeder flüch­tige Gedanke kann zum Prompt und damit zum Bild werden. In diesem Sinne charak­te­ri­sierte bereits im Januar 2024 der Social-Media-Experte der baden-württembergischen AfD den Einsatz gene­ra­tiver KI: Sie erlaubt, eine „Realität“ zu zeigen, die nicht auf Fotos zu sehen ist, eine Realität, die auf vorge­fassten Slogans basiert, seien es stachel­draht­be­wehrte Weih­nachts­märkte oder bren­nende Windräder.

KI-generiertes Sharepic der AfD Baden-Württemberg

„Die Bilder und Wörter, die wir wählen, müssen schon in den Gedanken der Leute vorhanden sein“, hiess es schon vor Jahren in einem Stra­te­gie­pa­pier der Iden­ti­tären Bewe­gung. „Sie müssen das ausdrü­cken, was alle denken, und die unaus­ge­spro­chene Meinung der Mehr­heit ans Licht bringen.“ KI-Bilder liefern genau das: Sie schaffen alter­na­tive Reali­täts­kon­struk­tionen auf Basis eingän­giger Slogans, massen­haft vorhan­dener Bilder und unaus­ge­spro­chener, weithin verbrei­teter Muster.

Der digi­tale Faschismus, das hat Simon Strick in Rechte Gefühle (2021) gezeigt, ist deshalb so erfolg­reich, weil er virtu­elle „Gefühls­ge­mein­schaften“ schafft, die sozial isolierten und tech­nisch vernetzten Indi­vi­duen Orien­tie­rung verspre­chen. Wenn also die AfD kommer­zi­elle KI-Bildgeneratoren im Wahl­kampf einsetzt, dann geht es nicht allein um Desin­for­ma­tion, sondern vor allem geht es um effi­zi­ente Affekt­be­wirt­schaf­tung: KI stili­siert „echte Emotionen“ zu unmit­telbar lesbaren Bildern. Rechte Akteure haben dies erkannt und nutzen Midjourney & Co. genau so, wie sie konstru­iert wurden: als Nost­al­gie­ma­schinen, Klischee­ver­stärker und Appa­rate zur Vereindeu­ti­gung visu­eller Muster.