Seit ein paar Tagen läuft der neue Marvel-Film „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ im Kino. In seiner Verbindung aller möglichen Superheld:innen-Welten treibt er das filmische Erzählen über alle Grenzen hinaus. Das Geheimnis, das die Fiktion verbirgt, ist allerdings ganz von dieser Welt.

  • Vera Thomann

    Vera Thomann ist Assistenzprofessorin für Neueste deutsche Literatur am Deutschen Seminar der Universität Zürich. Ihre Forschungsschwerpunkte bilden die deutschsprachige Gegenwartsliteratur, literarische Formalismen, visuelle Kultur und die Environmental Humanities.

Das Marvel Cine­matic Universe (MCU) – die kommer­ziell erfolg­reichste Film­reihe der Gegen­wart – setzt sich in seiner vierten Produk­ti­ons­phase und dem Anfang Mai erschie­nenen Film Doctor Strange in the Multi­verse of Madness mit der Gesamt­heit aller poten­zi­ellen Paral­lel­welten, kurz: dem Multi­versum, ausein­ander. Die größt­mög­liche Bedro­hung bilden dabei nicht mehr Schurken, Konflikte zwischen den Superheld:innen oder Aliens, sondern die Auflö­sung der ursprüng­li­chen, fiktiven Erzählrealität.

Dass von einer Viel­zahl unter­schied­li­cher (Erzähl-)Realitäten ausge­gangen werden muss, wurde im Marvel Cine­matic Universe erst­mals im 2019 erschie­nenen Film Aven­gers: Endgame veran­schau­licht. Nach der Auslö­schung der Hälfte aller Lebe­wesen im Universum durch den Titanen Thanos reisen die Superheld:innen in der Zeit zurück, um die Infinity-Steine zuerst in die Zukunft und nach der Rück­gän­gig­ma­chung des Auslö­schungs­akts wieder an ihren ange­stammten Platz in der Vergan­gen­heit zu befördern.

The Ancient One (Tilda Swinton) und Bruce Banner (Mark Ruffalo) im Gespräch. Aus Aven­gers: Endgame, Regie: Anthony und Joe Russo (2019)

Das Risiko der aufgrund des Eingriffs womög­lich entste­henden alter­na­tiven Zeit­stränge wird im Gespräch zwischen der obersten Zauberin und dem Nukle­ar­phy­siker Bruce Banner visuell hervor­ge­hoben, indem aus einem orange leuch­tenden, verfes­tigten Gewinde eine zweite, dunkle Linie erwächst. Die Symbolik ist eindeutig: Die alter­na­tive Realität wäre eine düstere und unge­wollte. Aller­dings sind die Austrei­bungen – die ‚bran­ches‘ der unter­schied­li­chen Reali­täten – auch in eine Meta­phorik des Pflanz­li­chen gefasst, die multi­li­neare Beweg­lich­keit und bestän­diges Wachstum implizieren.

Zum Haupt­motiv entwi­ckelte sich das Multi­versum erst mit den Film- und Seri­en­pro­duk­tionen ab 2020 und damit der von Marvel selbst verkün­deten vierten Phase der Fran­chise: In der Serie Loki wurde 2021 das Ende der ‘Time Vari­ance Autho­rity’ insze­niert und damit jenes Kontroll­organs, dessen Analyst:innen einzig damit beschäf­tigt waren, einen singu­lären Zeit­strahl vor allfäl­ligen Störungen zu schützen. Eine neuer­liche Reprä­sen­ta­tion der Austrei­bungen des origi­nären Zeit­strangs zeigte das Marvel’sche ‚Multi­versum’ – die Gesamt­heit aller mögli­chen Paral­lel­welten – nun als wuchernde Masse von nicht mehr zu kontrol­lie­renden Auswüchsen, d.h. in einer Optik, die neuro­nale Netz­werke und quan­ten­phy­si­ka­li­sche Simu­la­tionen imitiert.

Visuell und erzähl­tech­nisch reha­bi­li­tiert, figu­riert das Multi­versum aller­dings nicht als neuar­tiger Antago­nist, dem die Superheld:innen in Phase 4 entge­gen­zu­treten hätten. Viel­mehr haben sie primär mit dessen Symptomen zu kämpfen, darunter bereits besiegte Böse­wichte, Varia­tionen ihrer selbst oder aber alter­nativ verlau­fene histo­ri­sche Entwick­lungen. Jene Symptome laufen, so wird es in Dr. Strange in the Multi­verse of Madness (2022) zumin­dest nahe­ge­legt, auf eine finale Kampf­hand­lung zwischen unter­schied­li­chen Universen und deren Protagonist:innen hin. Während das Multi­versum folg­lich alle Marvel’schen Film- und Seri­en­pro­duk­tionen seit 2008 zu gefährden scheint (immerhin 28 Filme und 20 Serien, die bei ABC, Hulu, Netflix und zuletzt Disney+ erschienen sind), bildet es simultan den Motor für deren retro­spek­tive Seria­li­sie­rung. Wie ich im Folgenden zeigen möchte, dient das als Zeit­dia­gnose getarnte Ringen um die eine wahre Reali­täts­ebene so aller­erst einer Revi­sion des eigenen Kanons.

Viele-Welten-Syndrom

Die Idee, von mehreren gleich­be­rech­tigten Reali­täten auszu­gehen, stammt ursprüng­lich aus der Quan­ten­me­chanik und wird heute in der String­theorie und Theorie der dunklen Energie weiter­ver­folgt. Der ameri­ka­ni­sche Physiker Hugh Everett III. publi­zierte in den 1950er Jahren erst­mals über rela­tive quan­ten­me­cha­ni­sche Zustände, ausge­hend von der These, dass es keine eindeu­tigen Mess­ergeb­nisse gibt, sondern viel­mehr unter­schied­liche Ergeb­nisse in je diffe­rie­renden Reali­täten verwirk­licht werden. Sehr verein­facht gesagt, sind folg­lich alle mögli­chen Ergeb­nisse von Quan­ten­mes­sungen in je einer ‚Welt‘ oder einem Universum physi­ka­lisch reali­siert. Der Entwick­lungs­ver­lauf einer wieder­holten Messung durch eine Beob­ach­tungs­in­stanz bildet demnach keine lineare Folge von Spei­cher­kon­fi­gu­ra­tionen, sondern eine verzweigte Entwick­lung, in der alle mögli­chen Ergeb­nisse gleich­zeitig als Über­la­ge­rungen im mathe­ma­ti­schen Modell zu exis­tieren haben:

Multiple Auswüchse aus der ‘einen’ Realität in Loki, Regie: Kate Herron (2021)

Analoge Visua­li­sie­rung der Austrei­bungen aus Loki, Regie: Kate Herron (2021).

„Each branch repres­ents a diffe­rent outcome of the measu­re­ment and the corre­spon­ding eigen­state for the object-system state“, hält Everett fest. Der Physiker Bryce S. DeWitt formu­liert es so: „This universe is constantly split­ting into a stupen­dous number of bran­ches, all resul­ting from the measu­re­ment like inter­ac­tions between its myriads of compon­ents.” Die many-worlds inter­pre­ta­tion nach Everett und DeWitt bedient sich demnach von Anfang an einer arbo­realen Meta­phorik, die bei Marvel visuell aufge­rufen wird.

Die Über­füh­rung des Multi­ver­sums in eine popu­lär­kul­tu­relle Narra­tion stützt sich auf einer breiten literatur- und kultur­ge­schicht­li­chen Tradi­tion von Paral­lel­welten, alter­na­tiven Reali­täten oder Alter­na­tiv­welt­ge­schichten ab. Hier stoßen wir schon in Lewis Carrolls Through the Looking-Glass (1871) auf Zwischen­welten, unter­nehmen mit H. G. Wells’ The Time Machine (1895) Zeit­reisen, durch­wan­dern verlo­rene Welten wie in L. Frank Baums The Wonderful Wizard of Oz (1900), verfolgen mit Philip K. Dicks The Man in the High Castle (1962) alter­na­tive Geschichts­ent­würfe, oder finden uns, wie in The Matrix von Lana und Lilly Wachowsky (1999), in einer Simu­la­tion wieder. Paral­lel­welten bilden mit einem Wort die Exis­tenz­be­din­gung nicht nur von Science-Fiction und Fantasy, sondern auch von Comics, Video­spielen und Fan Fiction. Das Erzählen von paral­lelen oder alter­na­tiven Reali­täten erschafft jedoch noch kein Multi­versum, es sugge­riert schlicht die Koexis­tenz von mehreren Reali­täts­ebenen. Erst die Summe aller mögli­chen Paral­lel­uni­versen ergäbe (zumin­dest nach der quan­ten­me­cha­ni­schen Logik) ein lite­ra­ri­sches Multiversum.

Von einer Poetik des Multi­ver­sums kann folg­lich nur dann gespro­chen werden, wenn alle nur erdenk­li­chen mögli­chen Welten – darunter auch solche mit anderen Dimen­sionen oder Natur­ge­setzen – zugleich exis­tieren. Ein lite­ra­ri­sches Beispiel hierfür bildet Jorge Luis Borges’ Erzäh­lung Der Garten der Pfade, die sich verzweigen (1941), in dem von einem fiktiven Werk die Rede ist, das alle mögli­chen Optionen glei­cher­maßen denkbar macht. So heißt es bei Borges: „In allen Fiktionen entscheidet sich ein Mensch ange­sichts verschie­dener Möglich­keiten für eine und elimi­niert die anderen; im Werk des schier unent­wirr­baren Ts’ui Pên entscheidet er sich – gleich­zeitig – für alle. Er erschafft so verschie­dene Zukünfte, verschie­dene Zeiten, die eben­falls auswu­chern und sich verzweigen.“

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Für die Entwick­lung einer multi­plen Erzähl­rea­lität evoziert Borges vor den Quantenphysiker:innen eine pflanz­liche Eigen­logik, die jede erzähl­tech­ni­sche Entschei­dung als Verzwei­gung perspek­ti­viert. Das Erzählen des Multi­ver­sums bleibt dabei aller­dings auf eine Rahmen­er­zäh­lung ange­wiesen, in der die Binnen­er­zäh­lung Ts’ui Pêns – der eigent­liche (Irr-)Garten – nur als Para­phrase erscheint. Hiermit wird auf ein grund­sätz­li­ches Darstel­lungs­pro­blem des abso­luten Möglich­keits­raums hinge­wiesen, den das Multi­versum im narra­to­lo­gi­schen Sinn bildet: Das Multi­versum entbindet von allen Regel­haf­tig­keiten tradi­tio­neller Erzähl­for­mate. Möchte Marvel in Zukunft von einer einheit­li­chen Welt zu einer Viele-Welten-Interpretation vordringen, stellt sich folg­lich einer­seits die Frage, wie das Multi­versum reprä­sen­tiert wird und ande­rer­seits, worin die Stabi­lität des Marvel-Multiversums noch gründet, wenn die Verän­de­rung sämt­li­cher für Filme und Serien aufge­stellten kano­ni­schen Erzähl­re­geln möglich wird.

Multiversum-Building

Im 2016 erschie­nenen Film Doctor Strange wird das Multi­versum nicht als Grafik abge­bildet, sondern von Stephen Strange durch­quert – in einer Höllen­fahrt, die Makro-, Mikro- und extra­ter­res­tri­sche Kosmen mithilfe von Pris­matik, Kalei­do­skopie, Para­me­trismen sowie Droste-Effekten auf- und inein­an­der­faltet. Jene Sicht­bar­ma­chung diente auf der intra­die­ge­ti­schen Ebene der Einfüh­rung der Figur von Stephen Strange und demons­trierte zudem die Potenz der psyche­de­lisch anmu­tenden Anima­ti­ons­tech­niken. Simultan wurde in den zwei­ein­halb Minuten aller­dings der für die Phase 4 maßgeb­liche narra­to­lo­gi­sche Kniff einge­führt, der das MCU – durch den abso­luten Möglich­keits­raum des Multi­ver­sums – von klas­si­schen wie auch bereits etablierten Erzähl­lo­giken befreit.

Zerstörtes New York in einem alter­na­tiven Universum in Dr. Strange in the Multi­verse of Madness, Regie: Sam Raimi (2022).

Primäre Sugges­tion dieses Kniffs ist, dass die bishe­rigen dem MCU zuge­hö­rigen Film- und Seri­en­pro­duk­tionen rubri­ziert werden müssen – dass folg­lich, wie in den Marvel Comics schon länger geläufig, spezi­fi­sche Welten wie Earth-616 defi­niert werden, um Ordnung in die unter­schied­li­chen Universen zu bringen. Ebenso wird sugge­riert, dass die nun bestehenden Film- und Seri­en­pro­duk­tionen akut gefährdet sind, d. h. als Teil eines auser­zählten Univer­sums zurück­ge­lassen werden könnten. Wenn Stephen Strange in Multi­verse of Madness nebst ‘seinem’ New York und einem alter­na­tiven ökolo­gi­schen New York voller Boschi Verti­cali auch das New York eines unter­ge­henden Univer­sums besucht, wird folg­lich ange­deutet, dass im Ringen um die eine wahre Reali­täts­ebene bald auch um das Primat der Erzähl­rea­lität gefochten werden muss. Indem Marvel die größt­mög­liche Bedro­hung der Gegen­wart im Verlust einer verein­heit­li­chenden Regel­haf­tig­keit gründen lässt, werden jene medialen Argu­men­ta­ti­ons­stra­te­gien aufge­rufen, die für eine Zeit­dia­gnose – vor allem im US-amerikanischen Kontext – gerne poli­ti­sche Spal­tungen, nicht zu verei­nende gesell­schaft­liche Reali­täten oder das Stich­wort Atomi­sie­rung bemühen.

Marvels narra­to­lo­gi­scher Kniff besteht jedoch haupt­säch­lich darin, den durch die Auflö­sung aller Regel­sys­teme entstan­denen Mangel mit der Verab­so­lu­tie­rung eigener ästhe­ti­scher Regeln zu ersetzen: So ermög­licht das Multi­versum die Wieder-Holung von bereits Erzähltem, die Wieder­ein­füh­rung verstor­bener Figuren aus alter­na­tiven Universen, die Ein- oder Über­nahme jahr­zehn­te­lang etablierter Held:innen-Rollen durch ‘Vari­ants’ (die allen anderen mögli­chen Universen zuge­hö­rigen ‘Kopien’ der Held:innen aus dem MCU) oder aber das Spiel mit bösar­tigen Varia­tionen bekannter Figuren. Die erfah­rene Stabi­lität des Marvel-Multiversums gründet demnach in einer selbst­re­fe­ren­ti­ellen, d.h. sich selbst repro­du­zie­renden Ästhetik, die sich niemals mehr erklären muss – denn im Multi­versum bleibt ja bekannt­lich alles möglich. An die Stelle klas­si­scher und etablierter Erzähl­lo­giken rückt folg­lich ein neues, von der Fran­chise selbst bestimmtes Regel­werk, welches simultan als kommer­zi­eller Möglich­keits­raum perspek­ti­viert werden muss.

Retro­spek­tive Linearisierung

Das Erzählen des Multi­ver­sums ermög­licht aller­dings nicht nur die Verab­so­lu­tie­rung einer Marvel’schen Hegemonial-Ästhetik, sondern erlaubt es zudem, grund­le­gende Probleme der eigenen Seria­lität in der Form von Kanon­re­vi­sionen erzäh­le­risch zu lösen. So führt ein fehl­ge­schla­gener Zauber in Spider-Man: No Way Home (2021) nicht nur zum Auftritt multi­pler Böse­wichte aus allen bisher erschie­nenen Spider-Man-Filmen, sondern gar zur Zusam­men­füh­rung der drei bishe­rigen Spider Men aus allen drei Film­ge­ne­ra­tionen (gespielt von Tobey Maguire, Andrew Garfield und Tom Holland), deren Rechte teils Marvel (im Jahr 2009 einge­kauft von Disney), teils Sony gehören. Die Tren­nung bezie­hungs­weise Zusam­men­füh­rung der Universen ist folg­lich eine rein vertrag­liche, die Auftritts­lo­giken nur als erzählte Firmen­fu­sionen nach­voll­ziehbar macht. Etwa, wenn Dare­devil (Charlie Cox) aufgrund der ausge­lau­fenen zwei­jäh­rigen Netflix-Auftrittssperre oder Venom (Tom Hardy), der dem Spider-Man-Universe von Sony ange­hört, in No Way Home erscheinen dürfen. Mit Disneys Über­nahme von 21st Century Fox im Jahr 2019 ergeben sich zusätz­liche mögliche Universen-Crossover und Multiverse-Cameos – man denke nur an die X-Men.

Die in Phase 4 insze­nierte Bedro­hung durch das Multi­versum bildet deshalb in erster Linie ein Instru­ment von Reka­no­ni­sie­rungs­pro­zessen, welche das Marvel Cine­matic Multi­verse als Marke refor­mieren. Die Erzäh­lung des Multi­ver­sums ist derart als Prozess einer retro­spek­tiven Seria­li­sie­rung aufzu­fassen, die Kath­leen Loock und Frank Kelleter auch als „rekur­sive Progres­sion“ beschrieben haben: Was quan­ten­phy­si­ka­lisch wie anima­ti­ons­tech­nisch als Veräs­te­lungen des Multi­ver­sums in je spezi­fi­schen Gegen­warten darge­stellt wird, sind im Wesent­li­chen Weiter­erzäh­lungen von bereits abge­schlos­senem und sepa­riertem Mate­rial – etwa wenn im neusten Spider-Man-Film simultan eine Fort­set­zung aller drei Spider-Man-Filmreihen herge­stellt wird. Es handelt sich um einen diskur­siven Wieder­ein­griff, der nicht nur mögliche diege­ti­sche Zukünfte mit bereits etablierten Vergan­gen­heiten zu koor­di­nieren hat, sondern die bereits etablierten Vergan­gen­heiten mit dem nun eigens instal­lierten Regel­system – nämlich, dass alle mögli­chen diege­ti­schen Zukünfte denkbar sind – selbst aktualisiert.

Die Bedro­hung einer ursprüng­li­chen Erzähl­rea­lität ist deshalb als Motor einer Seria­li­täts­po­litik zu denken, welche zwei­erlei Selbst­sta­bi­li­sie­rungen vornimmt: Einer­seits wird ein eigenes ästhe­ti­sches Regel­werk etabliert und ande­rer­seits simultan die eigene Geschicht­lich­keit retro­spektiv neu veredelt. Damit gestaltet sich das Marvel Cine­matic Universe nur in der Theorie zum Marvel Cine­matic Multi­verse um, dient das sugge­rierte multi­li­neare Wachstum doch der Herstel­lung einer inver­tierten Linea­ri­sie­rung, die in erster Linie auf Selbst­er­halt abzielt. Das Marvel Cine­matic Multi­verse bildet damit den Höhe­punkt eines seri­ellen Selbst­be­wusst­seins, welches Plot, Fran­chise und Ästhetik nurmehr auto­re­fe­ren­ziell verknüpft. Das erzählte Multi­versum konsti­tu­iert folg­lich ein Seria­li­sie­rungs­in­stru­ment sonder­glei­chen, welches im Borges’schen Irrgarten paral­leler Welten und Zukünfte eine Parabel auf den Kapi­ta­lismus zu verbergen sucht.