Es ist offensichtlich, dass Zugriffe auf wissenschaftliche Einrichtungen für autoritäre Regierungen ein Schlüsselelement darstellen. Hochschulen sind Orte, an denen um Deutungshoheit gekämpft wird. Wer hier Einfluss gewinnt, beeinflusst, was als wissenschaftlich gilt und damit auch, was zur Legitimation von politischen Programmatiken herangezogen werden kann. Auch Autokratien kommen nicht ohne technisch-instrumentelles Wissen und ohne Diskurse aus, die sich als wissenschaftlich fundiert und als Wahrheit ausgeben.
Blaupausen für autoritäre Entwicklungen an Hochschulen
Im Juli 2016 scheiterte ein Putschversuch in der Türkei. Recep Tayyip Erdoğan reagierte mit einer weitergehenden Autokratisierung. Hierzu gehörten Massenentlassungen an Universitäten, die das Hochschulsystem und die Autonomie der Wissenschaft noch weiter einschränkten, als es ohnehin schon der Fall war. 2018 wurden in Ungarn von der Regierung die Gender Studies aus dem Verzeichnis für zulässige Studiengänge gelöscht und damit faktisch verboten. Dies geschah ohne wissenschaftliche Begründung – allein durch eine ministerielle Entscheidung. Im selben Jahr wurden Hochschulen umstrukturiert: Die Befugnisse von Kanzler:innen, die von der Regierung eingesetzt werden, wurden ausgeweitet, so dass sie etwa über Budgetfragen mitentscheiden können. Zeitgleich wuchs das regierungsnahe Mathias Corvinus Collegium zu einem finanzkräftigen Think-Tank heran. Dieser Umbau der Hochschullandschaft zeigt konkrete Schritte, mit denen autoritäre Regierungen das Wissenschaftssystem unter Druck setzen: Entlassungen und Verbote, Kontrolle durch Strukturänderungen sowie Disziplinierung durch Finanzen. Es sind Blaupausen, gegen die einige Wissenschaftler:innen und Hochschulen sich zu wehren versuchen.
Allerdings gibt es auch Fälle, in denen die Autokratisierung andersherum verläuft: 2025 wurden zum Beispiel an der University of North Texas bei über 200 Lehrveranstaltungen von der Universitätsadministration selbst Begriffe wie „race“, „gender“, „class“ oder „equity“ aus Titeln und Kursbeschreibungen entfernt – angeblich zur Einhaltung neuer staatlicher Vorgaben gegen Diversity-Programme. So werden Universitäten zu Unterstützerinnen autoritärer Politik. Die American Association of University Professors (AAUP) spricht von vorauseilendem Gehorsam, noch bevor direkter politischer Zwang besteht.
Was wäre, wenn? – Die AfD und deutsche Hochschulen
In Deutschland scheinen diese Beispiele für viele weit weg zu sein, auch weil Wissenschaftsfreiheit ein unveräußerliches Grundrecht in der Verfassung ist. Nichtsdestotrotz brüllt Alice Weidel auf dem Bundesparteitag der AfD im Vorfeld der Bundestagswahlen 2025 in die Kameras und Mikrophone: „Soll ich euch sagen, was wir tun werden, wenn wir am Ruder sind? Wir schließen alle Gender Studies und schmeißen diese Professoren raus! So! Unsere Kinder, unsere Jugend, die jungen Leute müssen wieder was Vernünftiges an den Universitäten, an den Schulen lernen. Der Staat hat einen Bildungsauftrag und den darf er nicht vernachlässigen! Und einen echten Bildungsauftrag wird es nur mit der Alternative für Deutschland geben!“ Ein solches Vorgehen wäre ein eklatanter Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit und die Umsetzung dieser Pläne mag undenkbar erscheinen. Das Thüringen-Projekt des Verfassungsblogs zeigt jedoch, dass etwa eine autoritär-populistische Landesregierung weitreichende Einflussmöglichkeiten hätte, und das gilt nicht nur für Thüringen: Das Streichen von Mitteln ermöglicht einen indirekten Einfluss auf Einstellungen und Entlassungen und damit verbunden auf Forschung sowie das Lehrangebot, (nicht erreichte) Ziel- und Leistungsvereinbarungen können für weitergehende Disziplinierungen Anlass sein, extrem rechte Think-Tanks können parallel finanziell unterstützt, Fächer, Fakultäten und Hochschulen aufgelöst oder zusammengelegt und die Letztentscheidung bei Berufungen von Professor:innen in das Ministerium verlegt und hier aktiv genutzt werden.
Die skizzierten Angriffe zeigen, dass wir, als Scientific Community und kritische Öffentlichkeit, heute darüber sprechen sollten, wie sich Universitäten vor autoritären Regimen schützen können. Die Szenarioanalyse des Verfassungsblogs macht deutlich, wie angreifbar sie auch in demokratischen Gesellschaften sind. Arne Semsrotts Buch „Machtübernahme“ befasst sich etwa mit den Möglichkeiten innerhalb staatlicher Institutionen, Widerstand gegen potenziell rechtsextreme Regierungen zu leisten.
Darüber hinaus lohnt sich aber auch die allgemeinere Diskussion, welche Rolle Hochschulen in Phasen der Demokratisierung und in Prozessen der Autokratisierung spielen. An dieser Rolle von Hochschulen lässt sich ihr demokratisches Potenzial in politischen Transformationsprozessen abschätzen. Eine solche Diskussion bricht mit der Selbstbeschreibung der Wissenschaft und der Hochschulen als weltoffen und vielfältig, weil Hochschulen nicht von vorn herein als Träger demokratischer Entwicklungen angesehen werden können. Sie unterläuft damit auch das extrem rechte Narrativ von Hochschulen als Orte linker Hegemonie. Können sich diejenigen, die für Demokratisierung und gegen Autokratisierung einstehen, auf die Wissenschaft und auf Hochschulen als Partnerinnen verlassen? Kann der Campus ein Ort des Protests und Widerstands sein, wenn es zu weiteren autoritären Entwicklungen kommt? Um einen Eindruck über die Rolle von Hochschulen in Phasen politischer Transformationen zu bekommen, werfen wir einen kurzen Blick zurück in die Geschichte der deutschen Universitäten im 20. Jahrhundert. Ihre Rolle in der wechselhaften Geschichte vom Kaiserreich über die Weimarer Republik und den Nationalsozialismus bis hin zum autoritären Einparteienstaat der Deutschen Demokratischen Republik und dem demokratischen System der Bundesrepublik Deutschland beleuchten etwa Michael Grüttners „Talar und Hakenkreuz: Die Universitäten im Dritten Reich“, Ulrich Herberts „Wer waren die Nationalsozialisten?“ und mehrere Aufsätze des amerikanischen Wissenschaftshistorikers Mitchell G. Ash.
Universitäten als Gegnerinnen von Demokratisierungsprozessen in der Weimarer Republik
Als nach 1918 das deutsche Kaiserreich zusammenbrach, befanden sich auch Hochschulen in einem Transformationsprozess, der von Veränderungen und Kontinuitäten geprägt war. Die Hochschulen standen vor einer finanziell prekären Lage, Studierende hatten schlechte Berufsaussichten, und der Status akademischer Eliten wurde in Frage gestellt. Gleichzeitig änderte sich an den politischen Einstellungen ebendieser akademischen Elite wenig. Die neue Demokratie blieb vielen Professoren fremd, die in hohem Maße monarchistisch, patriarchal, klassistisch und autoritär sozialisiert waren. Mit Blick auf die Weimarer Republik zeigt sich folglich ein Bild homogener und exklusiver Hochschulen, etwa in Bezug auf die soziale Herkunft und das Geschlecht. Der monarchistische, militaristische und revanchistische Zeitgeist auf Seiten der Ordinarien und Privatdozenten wurde als unpolitische Haltung kaschiert, weil er an dem bereits überkommenen Status quo des Kaiserreichs festhielt und nur die Demokratisierung als Politisierung kritisierte. Für die Studierenden wurden Universitäten allerdings zu einem Milieu, in dem ihre völkischen und nationalsozialistischen Positionen früh dominieren konnten. Anders als bei Befunden der jüngeren Einstellungsforschung zeigt sich, dass ein hoher Bildungsgrad in dieser Phase gerade nicht dazu beitrug, demokratische Einstellungen auszubilden. Die Studierenden der Weimarer Republik bildeten einen völkisch sozialisierten männlich dominierten akademischen Nachwuchs für die spätere nationalsozialistische Führungselite. In der beleuchteten Zeit des Umbruchs stellten Hochschulen eher eine Kontinuität des Althergebrachten dar und waren selbst weniger Treiberinnen, sondern im Gegenteil Gegnerinnen gesellschaftlicher Demokratisierung.
Universitäten und die Identifikation mit dem Nationalsozialismus
Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernahmen, trafen sie an den Hochschulen unter den Professoren auf wenig Widerstand. Es waren zu diesem Zeitpunkt zwar wenige Hochschullehrer Mitglied der NSDAP, allerdings teilten sie deren Überzeugungen vielfach, auch wenn aufgrund der Wissenschaftsfeindlichkeit der Nationalsozialisten eine gewisse Distanz herrschte. Dennoch wurde die Machtübernahme begrüßt und auch an Hochschulen schnell vollzogen. Jüdische und oppositionelle Lehrende wurden aus den Hochschulen entfernt, ohne nennenswerte Einsprüche und Solidarität zu erfahren. Antisemitismus war sowohl unter Professoren als auch unter Studierenden verbreitet. Habilitierte ohne feste Stelle waren gegenüber den planmäßigen Professoren in der Überzahl und deutlich aktivere Nationalsozialisten. Sie richteten sozialökonomische Hoffnungen auf die NSDAP, die ihrerseits ihren Einfluss durch Berufungen vergrößern konnte. Allgemein ist für die Mehrheit der Professoren bis 1939 davon auszugehen, dass gegenüber dem nationalsozialistischen Regime eine grundsätzliche Befürwortung mit Skepsis in Bezug auf Detailfragen vorherrschend war. Diese Skepsis verflog in der Euphorie des Kriegsbeginns und wurde von zunehmender Identifikation abgelöst. Im Verlauf des Krieges fielen etwa in der medizinischen Forschung ethische Hemmnisse. Forschungsfelder wie Rassenkunde, völkische Wissenschaft oder Wehrmachtspsychologie erlebten einen Aufschwung und waren im Sinne angewandter Forschung unmittelbar am Regime beteiligt. Erst zum Kriegsende kam es angesichts der absehbaren Niederlage unter den Hochschullehrenden zu Distanzierungen, ohne allerdings in einen Widerstand zu münden.
Verspätete Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte
Die Betrachtung der Zeit nach 1945 zeigt, dass eine schnell wieder zurückgenommene Entnazifizierungspolitik ab den späten 1940er Jahren dazu führte, dass sowohl personell als auch inhaltlich, wenngleich nicht mühe- und bruchlos, Kontinuitäten an Hochschulen in der DDR und in der BRD bestehen blieben. Eine selbstkritische wissenschaftliche Thematisierung der eigenen Geschichte als Teil des Nationalsozialismus blieb lange aus.
So führt Michael Grüttner in seinem Buch „Talar und Hakenkreuz“ aus, dass in der DDR sukzessive Forschende mit NSDAP-Vergangenheit an die Hochschulen zurückkehren konnten und 1961 drei von zehn Professoren Ehemalige der NSDAP waren. 33 der 56 Professoren, die zwischen 1954 und 1963 Rektor einer Hochschule der DDR waren, hatten eine NSDAP Vergangenheit. Von ihnen ist ungefähr die Hälfte Mitglied der SED geworden.
An westdeutschen Hochschulen begegneten Professoren auch in der Nachkriegszeit den aus dem Hochschuldienst entfernten jüdischen und oppositionellen Kollegen mit Gleichgültigkeit, während viele der im Zuge der alliierten Entnazifizierungspolitik entlassenen Hochschullehrer zurückkehren konnten. Eine selbstkritische Aufarbeitung wurde durch die Nähe und Abhängigkeit von Wissenschaftler:innen zur Generation von Kolleg:innen und Vorgesetzten verzögert, die im Nationalsozialismus bereits gelehrt hatten bzw. studierten. Das Wirken von Professoren wie dem Juristen Erich Schwinge, dem Biologen Rainer Knußmann, dem Soziologen und Ethnologen Wilhelm Mühlmann sowie von dem Humangenetiker Otmar Freiherr von Verschuer zeigt beispielhaft, dass Positionen, die bereits im Nationalsozialismus vertreten wurden, teils anders nuanciert auch das Wirken dieser Personen bzw. des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Nachkriegszeit bestimmten.
Dies hatte nicht nur eine gesellschaftspolitische Dimension, sondern brachte auch die wissenschaftsinterne Problematik mit sich, dass wissenschaftlicher Fortschritt und der Anschluss an den internationalen Forschungsstand in manchen Fächern blockiert waren. In Bezug auf Studierende zeigten Jürgen Habermas, Ludwig von Friedeburg, Christoph Ohler und Friedrich Weltz 1961 in dem Buch „Student und Politik. Eine soziologische Untersuchung zum politischen Bewußtsein Frankfurter Studenten“, dass gerade Studierende aus akademischen Elternhäusern tendenziell autoritärer sozialisiert waren und dass noch Ende der 1950er Jahre antidemokratische Einstellungen verbreiteter waren als genuin demokratische Einstellungen, während politisch uneindeutige Einstellungen dominierten.
Auch der aufkommende studentische Protest und Aktivismus in den 1960ern verdeutlicht weniger eine verbreitete und tiefgehende progressive und demokratische Haltung an Hochschulen, sondern zeigen die großen Beharrungskräfte gegen eine selbstkritische Auseinandersetzung im deutschen Wissenschaftssystem auf. Herbert verweist in „Wer waren die Nationalsozialisten?“ darauf, dass es sich eher um einen politisch-generationellen Konflikt als um eine wissenschaftsgeschichtliche Reflexion handelte. Dieser generationelle Konflikt wurde durch demographische Entwicklungen verstärkt: 1945 gab es auf dem Gebiet der späteren Bundesrepublik noch 15 Hochschulen. Anschließend setzte eine massive Bildungsexpansion ein. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verstrickungen der deutschen Universitäten begann in Westdeutschland erst in den 1980er und 1990er Jahren, als jene Professoren, die die Kontinuität nach dem Nationalsozialismus verkörperten, die Hochschulen endgültig verließen. Ein Beispiel sind etwa die Arbeiten der „AG gegen Rassenkunde“, die 1998 „Texte gegen rassistische und sexistische Kontinuität in der Humanbiologie“ veröffentlichten. Diese Aufarbeitung hält bis heute an, wie Grüttners 2024 erschienene historische Studie „Talar und Hakenkreuz“ zeigt. Die Hochschulen der Nachkriegszeit waren folglich nicht Organisationen, die eine selbstkritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte vorangetrieben haben und die Initiatoren einer gesellschaftlichen Demokratisierung waren. Die Zuwendung der Hochschulen zur demokratischen Bundesrepublik zeigt eher die grundsätzliche Anpassungsfähigkeit von Wissenschaftler:innen an die politischen Verhältnisse, in die Hochschulen eingebettet sind, als ihre grundsätzlich demokratische Orientierung. Dies bestätigte sich auch in der DDR, wo es ebenso zu Anpassungsprozessen, allerdings unter autoritären Bedingungen kam. Mitchell G. Ash arbeitete in seinem Aufsatz „Verordnete Umbrüche – Konstruierte Kontinuitäten. Zur Entnazifizierung von Wissenschaftlern und Wissenschaften nach 1945“ heraus, dass Wissenschaftler:innen im Nationalsozialismus und nach 1945 sich nicht nur als Legitimationsinstanz und Wissensproduzenten für den Staat verstanden, sondern den jeweiligen Staat auch als Mittelgeber für sich selbst zu nutzen wussten.
DDR-Hochschulen 1989 keine Orte der friedlichen Revolution
Mit dem Mauerfall 1989 und der anschließenden deutschen Vereinigung kam es zu einem weiteren politischen Transformationsprozess, der zur Reflexion der Rolle von Hochschulen in Demokratisierungsprozessen geeignet ist. Hochschulen und Universitäten gelten nicht als Orte der friedlichen Revolution von 1989, auch wenn es nach dem Mauerfall zu verstärkten studentischen Protesten und Engagement kam. Gleichzeitig war die Umgestaltung des wissenschaftlichen Feldes ein wichtiger Aspekt des Vereinigungsprozesses. Mitchell G. Ash hat die historische Forschung zu diesem Aspekt wie folgt zusammengefasst: Der institutionelle Transformationsprozess an Hochschulen vollzog sich schnell und war Mitte der 90er Jahre weitgehend abgeschlossen. Er war durch hohen Zeitdruck gekennzeichnet und von lokalen Entscheidungen und unerwarteten Wandlungen geprägt. 1990 wurden 21 Prozent des wissenschaftlichen Personals an ostdeutschen Hochschulen entlassen. Insbesondere die Fächer Jura, Wirtschaftswissenschaften, Pädagogik, Philosophie und Geschichte wurden so abgewickelt, dass zwischen 1990 und 1995 bis zu 100 Prozent der neuberufenen Professor:innen aus dem Westen kamen. In anderen sozialwissenschaftlichen Fächern und den Naturwissenschaften ist dieser Trend aber nicht so eindeutig. Die Rektoren der Ost-Universitäten kamen im ersten Jahr der Wiedervereinigung ausschließlich aus Ostdeutschland. Anschließend arbeiteten oft ostdeutsche Rektor:innen mit westdeutschen Kanzler:innen zusammen. Auch wenn der Anpassungsdruck an das demokratische System der Bundesrepublik Deutschland damit hoch war und schnell vollzogen wurde, ist die Vereinigung nicht einfach als Vereinnahmung zu charakterisieren. Vielmehr kam es, wie Peer Pasternack betont, zu einem Auseinanderdriften der raschen institutionellen Integration und der langsameren Sozialintegration, zum Nachteil ostdeutscher Wissenschaftler:innen.
Hochschulen zeigen sich nicht als widerständige Orte
Der Blick auf die Geschichte der deutschen Universitäten im 20. Jahrhundert zeigt, dass sie als Institutionen äußerst anpassungsfähig an die politischen Gegebenheiten waren. Gleichzeitig traten sie in Demokratisierungsprozessen nach 1918, 1945 und vor 1989 nicht als Treiber demokratischer Entwicklungen auf.
Der Schlusssatz der bereits erwähnten Studie „Student und Politik“ scheint heute unter umgekehrtem Vorzeichen zu stehen. In den späten 1950ern galt hinsichtlich der Mehrheit der unpolitischen bzw. politisch uneindeutigen BRD-Studierenden: Es „ließe sich positiv nur etwas ausmachen, wenn wir statt der Subjekte die gesellschaftlichen Tendenzen selber zum Ausgangspunkt wählen könnten, die sich der Menschen dann um so eher bloß bedienen können, wenn sie, wie die Unprofilierten, ihrem Potential nach bereits zur Passivität neigen, eben dazu, gesellschaftlichen Bewegungen von sich aus in geringerem Maße Widerstand entgegenzusetzen“. Konnten die Frankfurter zu Beginn der 1960er Jahre noch auf Demokratisierung hoffen, sind die autoritären Tendenzen heute nicht zu übersehen. Ob sich Hochschulen als widerständige Orte für die Stärkung der Demokratie erweisen können, erscheint auch vor dem Hintergrund ihrer eigenen Geschichte zumindest fragwürdig.