• Erich Keller ist Historiker und forscht an der Uni­versität Zürich zum Netz­werk des kommu­nisti­schen Buch­händlers Theo Pinkus und der Geschichte der Neuen Linken. Er ist Mit­begrün­der von Swiss Music Archives.

Riesige Teppiche aus Plastik treiben auf den Welt­meeren, manche so gross wie kleine Inseln. In unzu­gäng­li­chen Unter­was­ser­tä­lern und auf den von Menschen­hand unbe­rührten Meeres­böden schlum­mern Millionen Tonnen an Kunst­stoff­ge­gen­ständen in ewiger Nacht. Langsam zerreibt der Wellen­gang das Plastik zu mikro­sko­pisch kleinen Parti­keln, die Seite an Seite mit Algen und Plankton im Salz­wasser schweben und sich längst in die Nahrungs­kette einge­klinkt haben. Auf diesem Weg wandert der Abfall in Meeres­früchten auf unsere Teller, in unsere Mägen, in unser orga­nisch Innerstes. Plastik, aus Erdöl gewonnen, in Labors entwi­ckelt, mittels chemi­scher Prozesse der Natur abge­trickst: ein Fremd­körper, so scheint es, eine Meta­pher für den Gegen­spieler des Lebens, ein granu­lares Stück Anti­natur.

Die Plasti­fi­zie­rung des Lebens

Dabei war Plastik in der zweiten Hälfte des vergan­genen Jahr­hun­derts der Rohstoff tief­grei­fender Umwäl­zungen. In den 1930er Jahren konnten Chemiker in Labo­ra­to­rien deut­scher Gross­un­ter­nehmen erst­mals ther­mo­plas­ti­sche Kunst­stoffe herstellen: Poly­styrol, Poly­acry­ni­tril und das bekannte Poly­vi­nyl­chlorid (PVC). Diese Ther­mo­plaste über­trafen in ihrer Form­bar­keit jeden anderen Stoff, und bald zeigte sich, dass ihre Anwen­dungs­be­reiche gren­zenlos sind. Das Ausgangs­ma­te­rial liess sich erhitzt in jede erdenk­liche Form pressen, und unter Beigabe beson­derer Zusatz­stoffe konnten alle mögli­chen Härte­grade erreicht werden. Im Nu war das Mate­rial nicht mehr wegzu­denken aus der Indus­trie und brei­tete sich von dort stetig weiter aus. Der Über­gang von der Nach­kriegs­zeit zum west­li­chen Wirtschafts- und Konsum­wunder im Kalten Krieg wäre nicht denkbar gewesen ohne diesen durch und durch demo­kra­ti­schen Rohstoff. Plastik half mit, poli­ti­sche Stabi­lität und demo­kra­ti­sche Rechte mit einer für breite Schichten zugäng­li­chen Teil­habe an mate­ri­ellen Gütern zu ergänzen, die nun ihrer­seits zu einem nicht unwe­sent­li­chen Teil eines Gleich­heits­ver­spre­chens wurden. Es war eine folgen­reiche Verschmel­zung, der aller­dings um die Mitte der 1960er Jahre ein massives Unbe­hagen entge­gen­zu­schlagen begann, arti­ku­liert insbe­son­dere von linken Intel­lek­tu­ellen.

Immer tiefer waren die Kunst­stoffe in sämt­liche Lebens­be­reiche einge­zogen. Sei es als Boden­be­läge, flexible und wider­stands­fä­hige Umman­te­lungen elek­tri­scher Kabel, Rohre, Behält­nisse aller Art, Gehäuse von Appa­raten, Hygie­ne­ar­tikel, Werk­zeuge oder Klei­der­stoffe wie Poly­ester – es wurde zur Selbst­ver­ständ­lich­keit, aus Plastik zu essen, sich in Plastik zu kleiden, seine unmit­tel­bare Umge­bung damit zu über­ziehen, zu verschö­nern, prak­ti­scher und hand­li­cher zu gestalten. Kurz, in einer Welt aus Plastik zu leben. Kein Wunder, stand dieses Mate­rial 1956 auch im Zentrum einer Ausstel­lung in Paris.

Maison tout en plas­ti­ques, Salon des Arts ména­gers, Paris 1956, Modell; Quelle: frac-centre.fr

Hier wurde ein begeh­bares Plas­tik­haus vorge­stellt, voll­ständig aus PVC gefer­tigt, in futu­ris­ti­scher, aber auch scheinbar natür­li­cher Schne­cken­form gegossen – das Gehäuse einer neuen Zeit. Die Ausstel­lung wurde von Hundert­tau­senden besucht und die Haupt­at­trak­tion war zwei­fellos eine Maschine, die demons­trierte, wie PVC in jede erdenk­liche Gestalt gebracht werden konnte. Vorne wurde die Appa­ratur über einen grossen Trichter mit Granulat gefüt­tert – kleine, matt schim­mernde und voll­kommen gleich­för­mige Kris­talle aus Plastik, die im Innern der Maschine verschwanden, um danach in der Form kleiner prak­ti­scher Kunst­stoff­schalen wieder ausge­stossen zu werden.

Plastik und Gesell­schafts­kritik

Auch der Literatur- und Zeichen­theo­re­tiker Roland Barthes stand vor dieser Produk­ti­ons­strasse, betrach­tete verblüfft das Entstehen einer in ihrer Form­bar­keit unbe­grenzten, mate­ri­ellen Alltags­kultur aus einem einzigen homo­genen Mate­rial. Der Analy­tiker der „Mythen des Alltags“ – sein gleich­na­miges Buch erschien im Jahr darauf – war über­zeugt: Mit dem Plastik werde der bürger­liche Brauch der Imita­tion zerschlagen. Nicht mehr um Schein und Einzig­ar­tig­keit, sondern um den nackten Nutzen gehe es mit der Verwen­dung dieses Stoffs, der über­haupt ganz aufs Alltäg­liche ziele. Und warnend – man ist versucht zu sagen: hell­sichtig – fügte er in seinem kurzen Ausstel­lungs­be­richt hinzu, dass die unend­liche Wandel­bar­keit des Plas­tiks die Hier­ar­chie der Substanzen zerstöre. Die ganze Welt könne nun plasti­fi­ziert werden, und vermut­lich auch bald das Leben selbst.

Diese noch unsi­chere, tastende Denk­be­we­gung erfuhr bald eine radi­kale Zuspit­zung. Nachdem sich die neomar­xis­ti­sche Kriti­sche Theorie schon in den 1930er und 40er Jahren intensiv mit der soge­nannten Kultur­in­dus­trie befasst hatte, rich­tete Herbert Marcuse im 1964 erschienen Best­seller One-Dimensional Man erneute den trau­rigen Blick der Frank­furter Schule auf sie. Nun war es der neuar­tige Massen­konsum, der im Fokus stand. Ange­sichts des Wirtschafts- und Konsum­booms und seiner viel­fäl­tigen, verwir­renden Effekte schien der marxis­ti­schen Linken ein allge­meiner, über die Befrie­di­gung unmit­tel­barer Bedürf­nisse hinaus­ge­hender Wohl­stand für alle nicht länger erstre­bens­wert. Im Gegen­teil. Im Massen­konsum zeige sich ein falsches Bewusst­sein. Es hätten sich an die Stelle echter Bedürf­nisse die falschen gesetzt, nämlich die sich immer weiter fort­pflan­zenden, grund­sätz­lich uner­sätt­li­chen – die nach mate­ri­ellem Besitz. Wie Roland Barthes ange­sichts der Produk­tion von Alltags­dingen über die Dena­tu­rie­rung des Lebens nach­dachte, so war sich Marcuse ange­sichts der alles durch­drin­genden Konsum­prak­tiken sicher, dass in der Wohl­stands­ge­sell­schaft alle mensch­li­chen Werte nach und nach durch mate­ri­elle Güter ersetzt werden würden.

In der studen­ti­schen, ausser­par­la­men­ta­ri­schen Linken fand Marcuses Schrift ein gewal­tiges Echo, das bis weit in die 1980er Jahre nach­hallte – und bekannt­lich galten 1968 die ersten terro­ris­ti­schen Aktionen des Kerns der späteren „Roten Armee Frak­tion“ (RAF) zwei Frank­furter Kauf­häu­sern: Brand­an­schläge, um mit dem Feuer symbo­lisch an die Napalm­bomben der U.S.-Truppen in Nord­vietnam zu erin­nern, und Kauf­häuser, um zum Konsum­boy­kott aufzu­rufen.

45 Revo­lu­tions per Minute

Bill Haley & His Comets; Quelle: allmusic.com

Zehn Jahre zuvor waren Bill Haley & His Comets durch Deutsch­land getourt. Die Rock’n’Roll-Welle war aus den USA herüber­ge­schwappt: „Rock Around the Clock“, Haleys Hit-Single, verkaufte sich in Deutsch­land rund eine halbe Million mal. Der ameri­ka­ni­sche Kino­film „Saat der Gewalt“ („Black­board Jungle“, R: Richard Brooks, 1955) hatte den Song berühmt und, wie eine Jour­na­listin schrieb, zur „Marseil­laise der Jugend­re­volte“ gemacht. Doch was für eine Revolte war das eigent­lich? (Video) Den ganzen Tag tanzen wollen, den Alltag vergessen, sich hübsch machen, sich mit schönen, erschwing­li­chen Dingen umgeben – war das ein Auf-Abstand-Gehen zum kalten Arbeits­ethos der Väter­ge­ne­ra­tion, die noch in den Krieg gezogen war? Oder zeigte sich darin, wie kultur­kri­ti­sche Stimmen später behaupten sollten, etwa bloss die Selbst­nar­ko­ti­sie­rung der Gesell­schaft im Hams­terrad? Eines ist sicher: Mit der Ausbrei­tung des Plas­tiks ging eine Neufor­ma­tie­rung der Popu­lär­kultur einher.

Über­haupt war es nicht zuletzt die Musik, die der Plastik umformte. Zum einen, indem er die noch aus dem späten 19. Jahr­hun­dert stam­mende Schall­plat­ten­technik grund­le­gend verän­derte. Bis zum Zeit­alter des PVC war es ein Natur­roh­stoff gewesen, der das unver­zicht­bare Mate­rial für die Tonträ­ger­her­stel­lung lieferte. Gewonnen aus dem Sekret indi­scher Lack­läuse, wurde Schel­lack über die grossen Rohstoff­börsen gehan­delt, vor allem jene in London, in begrenzten Mengen und daher zu schwan­kenden Preisen. Er war ein typi­sches Luxus­pro­dukt der Vor- und Zwischen­kriegs­zeit, und das waren daher auch die krat­zigen und leicht zerbrech­li­chen Schel­lack­schall­platten – ebenso wie die Abspiel­ge­räte: schwere und unbe­weg­liche Phono­gra­phen, die mit ihren kunst­voll geschwun­genen Schall­trich­tern die Salons des kultur­be­flis­senen Bürger­tums veredelten.

Koffer­plat­ten­spieler, 1950er Jahre; Quelle: ebay.com

Die Praxis dieses häus­li­chen Musik­kon­sums demo­kra­ti­sierte sich erst mit der verbrei­teten Elek­tri­fi­zie­rung einfa­cher Haus­halte und, dank Plastik, der Massen­pro­duk­tion moderner, auch trag­barer Plat­ten­spieler in den 1950er Jahren. Entschei­dend aber war der kommer­zi­elle Durch­bruch der Vinyl-Schallplatte in der Mitte dieses Jahr­zehnts. Ihr Träger­ma­te­rial war modern, war das Morgen im Heute, und die Vinyl­single war ihren Vorläu­fern in allen Aspekten weit über­legen.

Die erste Single der Beatles, 1962; Quelle: cinemakc.com

Ihre charak­te­ris­ti­sche Dreh­zahl von 45 RPM (Revo­lu­tions per Minute) wurde zum medialen Signum der Popkultur. Was an Musik­stilen zuvor bloss regional bekannt und veran­kert war, wurde nun dank der billigen Vinyl-Schallplatte in Zirku­la­tion gesetzt und konnte klas­sen­über­grei­fend und – manchmal mit, manchmal ohne das Zutun von Rund­funk­sta­tionen – global gehört und ange­eignet werden. Hitsin­gles liessen sich kosten­günstig in Millio­nen­auf­lagen pressen, insbe­son­dere aber nahm die Anzahl neuer Veröf­fent­li­chung welt­weit expo­nen­tiell und in nie gekannten Zahlen zu. Eine stetig wach­sende Band­breite an Musik wurde dadurch zum Teil des tägli­chen Lebens. Erst jetzt, in den 1950er Jahren, wurden die Platten zudem auch in eigens gestal­tete, bunt bedruckte Karton­hüllen gesteckt. Quasi nebenbei eröff­nete sich mit aufwendig gestal­teten Plat­ten­co­vern ein eigenes Design­feld, das stil­prä­gende Ikonen der globalen Massen­kultur hervor­brachte.

Gleich­zeitig revo­lu­tio­nierte der PVC als Träger­ma­te­rial für Magnet­ton­bänder die Technik der Tonauf­nahmen und damit die Musik selbst. Das Gelingen einer Aufnahme war nicht mehr länger von jenem singu­lären Moment abhängig, in dem für einen perfekten Augen­blick im Studio alles zusam­men­passte, die Musiker jeden Ton trafen, einge­fangen von schall­schlu­ckenden Trich­tern, die den Ton eins zu eins weiter­lei­teten, damit er auf die Matrize geschnitten werden konnte, von der danach die Schall­platten im Press­ver­fahren abge­zogen wurden. Nun erlaubte es die Tonspei­che­rung auf Magnet­ton­bänder, jedes Musik­stück in seine Einzel­teile zu zerlegen und zu bear­bei­teten. Von nun an liess sich jedes Instru­ment separat aufnehmen und später zu einem neuen Ganzen kombi­nieren. Als Folge einer Kette tech­ni­scher Inno­va­tionen entschied sich künftig erst am Misch­pult, wie die Musik klingen soll. Tech­niker und Sound­ex­perten schoben sich zwischen Musi­ke­rInnen und Songs, neue Akteure wurden Teil der Musik­pro­duk­tion und zerschlugen in Tonstu­dios, die mehr und mehr eigent­li­chen Hightech-Laboratorien glichen, auch in der Erzeu­gung von Musik den letzten Anschein von Natür­lich­keit und Authen­ti­zität.

Die Politik des Konsums

Die Geschichte des Plas­tiks lässt sich nicht linear erzählen. Der Stoff – er ist schon im Namen nichts als eine Meta­pher – steht für die unlös­baren Verbin­dungen, die die Dinge mit den sie erzeu­genden und gebrau­chenden Menschen eingehen. Die plas­tik­be­feu­erte Massen­kon­sum­welt brachte alle mögli­chen Lebens­stile und ihre Gegen­ent­würfe hervor, und der Konsum selbst wurde, ob man das wollte oder nicht, zu einer poli­ti­schen Hand­lung. Die Über­lap­pung der medialen Felder von Musik, Film, Mode­in­dus­trie, Design und Werbung, wälzte die gesamte Verbrau­cher­öko­nomie um. Mit tief­greifen, auf die Subjekte wirkenden Folgen: In der oft belä­chelten neuen Fankultur der Popmusik etwa, in der krei­schende junge Frauen, in den Medien bis heute als „hyste­risch“ abgetan, für ein neues Regime der Sicht­bar­keit stehen, das weib­li­ches Begehren ins Blick­feld rückt – mithin in der ganzen Wider­sprüch­lich­keit eines kommer­zi­ellen Felds, in dem sich wie nirgends sonst die untrenn­bare Verschrän­kung von Subjek­ti­vie­rung und Konsum mani­fes­tiert, mit seinen eman­zi­pa­to­ri­schen Vektoren genauso wie mit seinen sexis­ti­schen.

Auch im weiteren Verlauf der 1960er Jahre, als das Zeit­alter der Verbrau­cher­de­mo­kratie im Zeichen der Konsum­kritik welt­weit Risse bekam, waren es die Schall­platten und ihre Künst­le­rInnen, die diese skep­ti­schen Töne am effekt­vollsten trans­por­tierten. Zwar kriti­sierten Intel­lek­tu­elle in den theo­rie­be­geis­terten, aber über­schau­baren Zirkeln der Neuen Linken wort­reich die hohe Konsum­be­reit­schaft als erkauften, falschen Frieden.

Wood­stock, das Festival der „Gegen­kultur“, 1969; Quelle: rockers.de

Vor allem jedoch waren es Musi­ke­rinnen und Musiker wie Joan Baez, Janis Joplin, die Rolling Stones, Bob Dylan und unzäh­lige weitere, die einen diffusen Dissens in die Welt trugen. In den zwei, drei Jahr­zehnten, in denen die Popkultur eine Kraft der gesell­schaft­li­chen Moder­ni­sie­rung war, verliefen die Gräben durch die Gesell­schaft wahr­schein­lich weit weniger entlang von poli­ti­schen als entlang von lebens­welt­li­chen, ja ästhe­ti­schen Entschei­dungen. Das zeigt sich auch daran, dass selbst noch die heftigste Ableh­nung gegen eine als verkrustet und veraltet ange­se­hene Gesell­schaft immer Teil der kommer­zi­ellen Popkultur blieb – selbst und gerade dann, wenn in der Musik das „Wahre“ gegen das „Falsche“, das „Natür­liche“ gegen das „Künst­liche“ gestellt wurde.

Heute ist der Konsum­dis­kurs ein voll­kommen anderer geworden. Er behauptet nicht länger, die Wohl­stands­ge­sell­schaft sei nichts anderes als ein ausge­klü­geltes, kapi­ta­lis­ti­sches Täuschungs­ma­növer – eine neomar­xis­ti­sche Kritik, die in ihren homöo­pa­thi­schen Ausläu­fern bis in die unmit­tel­bare Vergan­gen­heit noch das narra­tive Grund­ge­rüst für unge­zählte Bücher, Songs und Filme gelie­fert hatte. Heute betreffen die Bedro­hungen, die von Klima­er­wär­mung und schwin­denden Rohstoffen ausgehen, alle. Es hat sich auch die Einsicht durch­ge­setzt, in der Summe mensch­li­chen Handelns die trei­bende Kraft zu sehen, die den gesamten Planeten als solchen stark und unver­mutet rasch verän­dert. Nun mag man, um einen Gedanken des Histo­ri­kers Dipesh Chakrab­arty aufzu­greifen, unter­scheiden zwischen einer globalen, also der poli­ti­schen und ökono­mi­schen, und der plane­ta­ri­schen Dimen­sion dieser Verän­de­rungen – also einer, die alle Menschen kata­stro­phal betreffen könnte. Denn immerhin bleibt das Modell des Massen­kon­sums, als Ziel der Globa­li­sie­rung, von welt­weit unge­bro­chener Attrak­ti­vität. Wer würde auch dagegen argu­men­tieren wollen? Soviel ist klar geworden: In der euro­päi­schen Situa­tion von 1945 und den Jahren der Nach­kriegs­zeit mag dies anders gewesen sein, doch im Blick auf Länder wie China oder Russ­land zeigt sich, dass mit der Etablie­rung von Gesell­schaften rela­tiven Wohl­stands nicht zwangs­läufig und unum­kehrbar eine Stär­kung von Demo­kratie und Eman­zi­pa­tion einher­geht.

Plas­tik­müll im Meer; Quelle: independent.co.uk

Doch was tun, um wenigs­tens der Plas­tik­flut beizu­kommen? Versuche, die Mikro­par­ti­keln aus den Gewäs­sern zu filtern und mittels schwim­mender Barrieren den Kunst­stoff auf den Meeren abzu­schöpfen, muten hilflos an, während die unauf­lös­bare Verflech­tung zwischen Menschen, Dingen und Stoffen still und unsichtbar eine in alle Rich­tungen strah­lende Kontin­genz bleibt. Dass sich in histo­ri­scher Perspek­tive gerade in diesen Prozessen die Endlich­keit des Planeten zeigt, ist Teil davon.

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