In einem Telegram-Kanal mit tausenden Mitgliedern kursiert eine neue Theorie: Eine globale Elite nutze die LGBTQ+-Bewegung, um „die Menschheit zu entmenschlichen“. Ein Nutzer postet eine Grafik, die eine Verbindung zwischen Transgender-Aktivismus, Transhumanismus und geheimen Regierungsprojekten suggeriert. Andere greifen die Idee auf, fügen neue vermeintliche Beweise hinzu – Zitate aus obskuren Blogs, manipulierte Bilder, aus dem Zusammenhang gerissene Forschungsergebnisse. Die Theorie wächst, verändert sich, wird auf X, ehemals Twitter, weiterverbreitet, landet in YouTube-Videos und schließlich in Artikeln alternativer Medien.
Verschwörungstheorien sind längst kein Randphänomen mehr – sie werden aktiv in Online-Communities gestaltet, verbreitet und weiterentwickelt. Diese „partizipative Verschwörungskultur“ beschreibt einen dynamischen Prozess, bei dem Nutzer:innen Narrative nicht nur konsumieren, sondern aktiv weitertreiben, neue Verknüpfungen herstellen und bestehende Theorien an aktuelle gesellschaftliche Debatten anpassen. Durch digitale Plattformen wie X/Twitter, Telegram oder spezialisierte Foren entstehen mosaikartige Konstruktionen, die sich durch ihre Offenheit für Ergänzungen und ihre Anschlussfähigkeit an andere ideologische Strömungen auszeichnen.

Clay Clark über Transhumanismus, Transgender und den Great Reset Ein Social-Media-Beitrag von Clay Clark, der Transhumanismus und Transgender-Identitäten mit Verschwörungstheorien rund um COVID-19 und den Great Reset verbindet.
Besonders sichtbar wird diese Dynamik in Kreisen, die sich selbst als „genderkritisch“ bezeichnen und gegen die Rechte von trans Menschen ankämpfen. Dabei verknüpfen sie transfeindliche Rhetoriken mit rechten Verschwörungselementen. Hierbei werden Transidentitäten nicht als persönliche Realität, sondern als Bestandteil einer groß angelegten gesellschaftlichen Manipulation dargestellt – etwa als Ausdruck einer angeblichen „Gender-Ideologie“ oder als Teil eines transhumanistischen Projekts zur Auflösung biologischer Geschlechtergrenzen. Solche Narrative erweisen sich in rechten und konservativen Kreisen als anschlussfähig, insbesondere wenn sie mit Misstrauen gegenüber Wissenschaft, Politik und globalen Institutionen kombiniert werden.
Die Akteur:innen dieser Verschwörungskultur sind vielfältig. Neben Einzelpersonen, die in sozialen Netzwerken aktiv Narrative verbreiten und verstärken, spielen alternative Medien, Blogs und rechte Think Tanks eine zentrale Rolle. Letztere greifen gezielt verschwörungsideologische Elemente auf, um politische Agenden zu untermauern und gesellschaftliche Ängste zu instrumentalisieren. In diesem Zusammenspiel werden Feindbilder geschaffen, die sich mit konservativen und rechtspopulistischen Diskursen über Identität, Ordnung und Macht überschneiden.
Die zunehmende Vernetzung und wechselseitige Verstärkung dieser Narrative führen dazu, dass transfeindliche Verschwörungstheorien immer stärker in den Mainstream-Diskurs einsickern. Dies trägt nicht nur zur Verbreitung von Fehlinformationen bei, sondern beeinflusst auch politische Entscheidungsprozesse und gesellschaftliche Debatten. In diesem Kontext ist es entscheidend, die Mechanismen der partizipativen Verschwörungskultur kritisch zu analysieren und Strategien zu entwickeln, um ihre Auswirkungen auf demokratische Diskurse und marginalisierte Gruppen einzudämmen.
Transhumanismus als Feindbild
Ein wiederkehrendes Motiv in diesen Debatten ist die Vorstellung, Transgender-Identitäten seien Teil einer umfassenden transhumanistischen Agenda, die auf die gezielte Auflösung biologischer Geschlechtergrenzen und damit der als natürlich angesehenen, menschlichen Ordnung abziele. In diesen Kreisen wird Transhumanismus nicht als wissenschaftlich-philosophische Strömung betrachtet, die sich mit der technologischen Erweiterung des Menschen beschäftigt, sondern als dystopisches Projekt zur Entmenschlichung.
Tatsächlich beschreibt Transhumanismus eine Denkrichtung, die technologische Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz, Biotechnologie oder Neuroimplantate nutzt, um menschliche Grenzen zu erweitern – sei es durch die Heilung schwerer Krankheiten, die Verlängerung der Lebensspanne oder die Verbesserung kognitiver Fähigkeiten. Befürworter:innen sehen darin eine Chance zur Überwindung biologischer Beschränkungen, Kritiker:innen hingegen warnen vor gesellschaftlichen Ungleichheiten, ethischen Herausforderungen und einer möglichen Entfremdung vom menschlichen Wesen.

David Vance und Laura Aboli über Transhumanismus Ein Social-Media-Post von David Vance, der eine Diskussion über die Verbindung zwischen Transhumanismus und Transgender-Themen mit Laura Aboli ankündigt.
Die Vertreter:innen verschwörungsideologischer Narrative greifen also oft auf reale transhumanistische Theorien und Entwicklungen zurück, interpretieren sie jedoch im Sinne einer Bedrohung: Sie stellen Transgender-Personen als Vorbot:innen einer ideologischen oder technologischen Transformation dar, die Menschlichkeit und Geschlechterordnung angeblich zerstören soll. In Teilen der putinistischen Propaganda, insbesondere im Umfeld von Alexander Dugin, werden sie als aktuell wichtigste praktische Ausrichtung des Transhumanismus und somit als Speerspitzen eines liberal-aufgeklärten und feministischen Großangriffs eines dekadenten und satanischen Westens auf alle traditionelle Kulturen der Welt dargestellt. Dabei wird gezielt ausgeblendet, dass Transhumanismus in seinen vielfältigen Ausprägungen weder eine einheitliche Ideologie noch eine politische Agenda darstellt, sondern vielmehr eine kontroverse Debatte über die Zukunft des Menschen umfasst.
Dieses Narrativ wird häufig mit weiteren Verschwörungstheorien verknüpft, insbesondere mit der Vorstellung einer „globalen Elite“, die über medizinisch-technologische Innovationen eine umfassende Kontrolle über den menschlichen Körper anstrebe. So werden medizinische Fortschritte in der Geschlechtsangleichung oder die Anerkennung nicht-binärer Identitäten nicht als gesellschaftliche Entwicklungen hin zu mehr Selbstbestimmung verstanden, sondern als Teil eines großangelegten Plans zur Umgestaltung der Menschheit. Hier zeigt sich eine enge Verbindung zu klassischen, antisemitisch strukturierten Verschwörungsideologien, die den Einfluss von Konzernen, Regierungen oder geheimen Netzwerken als absichtsvoll und manipulierend deuten.
Besonders prominente Vertreter:innen dieser Theorien, darunter Jennifer Bilek, eine US-amerikanische Publizistin und Aktivistin, die durch ihre verschwörungsideologischen Schriften über die angebliche Verbindung zwischen Transgender-Identitäten, Transhumanismus und einer globalen Elite bekannt wurde, verknüpfen transhumanistische Motive mit transfeindlichen Diskursen und antisemitischen Untertönen. So werden jüdische Unternehmer:innen und Philanthrop:innen wie George Soros oder Jennifer Pritzker als treibende Kräfte hinter einer angeblichen „Trans- und Transhumanismus-Agenda“ dargestellt – eine Rhetorik, die an klassische antisemitische Verschwörungserzählungen anschließt. In diesem Kontext dient Transhumanismus als Projektionsfläche für tief verwurzelte Ängste vor gesellschaftlichem Wandel, technologischem Fortschritt und der Erosion traditioneller Hierarchien.
Durch die Verknüpfung von Transhumanismus mit Verschwörungsideologien wird ein Feindbild geschaffen, das sich nicht nur gegen trans Menschen richtet, sondern auch eine vermeintlich technokratische Zukunft als Bedrohung konstruiert. Besonders in transfeindlichen Kreisen entsteht daraus eine ideologische Allianz zwischen rechten Technologiekritiker:innen, Vertreter:innen konservativer Moralvorstellungen und selbsternannten „Feministinnen“, die sich gegen die Rechte von trans Menschen positionieren. Während diese Akteur:innen sich als feministisch verstehen, greifen sie Argumentationsmuster auf, die eher mit reaktionären oder antifeministischen Strömungen kompatibel sind.

Lepanto Institute: Kritik an Evolution und Transgender-Identitäten Ein Tweet des Lepanto Institute, das eine Linie von Alchemie über Evolution bis hin zu Transgender-Identitäten zieht und diese als „falsche Ideen“ bezeichnet.
Zugleich ist die Ablehnung des Transhumanismus keineswegs auf konservative oder rechte Positionen beschränkt. Auch aus emanzipatorischer Perspektive gibt es fundierte Kritik an transhumanistischen Visionen, die oft von finanzstarken Akteur:innen aus dem Silicon Valley vorangetrieben werden. Diese Ideen sind nicht nur von einem technokratischen Fortschrittsglauben geprägt, sondern reflektieren häufig eine neoliberale Vorstellung der Optimierung des Menschen, die soziale, ethische und politische Implikationen weitgehend ausblendet. Die Skepsis gegenüber Transhumanismus kann daher auch aus einer linken oder gesellschaftskritischen Perspektive erfolgen, insbesondere wenn es um Fragen der sozialen Gerechtigkeit, der Machtverhältnisse in der Biotechnologie und der Kontrolle über menschliche Körper geht.
Die Dämonisierung von Transhumanismus in verschwörungsideologischen Kreisen verstärkt jedoch nicht nur transfeindliche Narrative, sondern fügt sich nahtlos in größere verschwörungsideologische Weltbilder ein, in denen vermeintliche Eliten angeblich Kontrolle über Identität, Körper und Gesellschaft ausüben.
Online-Diskurse als Verschwörungsverstärker
Plattformen wie X/Twitter spielen eine zentrale Rolle in der Verbreitung dieser Narrative. Hier entstehen Netzwerke aus Akteur:innen, die transfeindliche und transhumanismuskritische Positionen vertreten, ebenso wie ein sich selbst verstärkender Diskursraum, in dem bestimmte Begriffe und Argumentationsmuster immer wieder reproduziert werden. Schlagworte wie „Gender-Ideologie“ oder „transhumanistische Elite“ fungieren als semantische Anker, die eine klare Feindbildkonstruktion ermöglichen und regelmäßig in Debatten eingespeist werden. Neben direkten Beiträgen in sozialen Medien tragen auch Videos, Podcasts und alternative Nachrichtenseiten zur Verbreitung dieser Ideen bei, wodurch sie ein breites Publikum erreichen und zunehmend Anschluss an konservative und rechtspopulistische Diskurse finden.
Seit der Übernahme von Twitter durch Elon Musk Ende 2022 hat sich diese Entwicklung weiter verschärft. Musk selbst äußert sich regelmäßig transfeindlich und fördert durch seine Plattformpolitik aktiv die Verbreitung entsprechender Narrative. Unter seiner Führung wurden Moderationsmaßnahmen gegen Hassrede und Desinformation stark reduziert, während transfeindliche Accounts an Reichweite gewonnen haben. Die Umbenennung von Twitter in X symbolisiert eine inhaltliche Neuausrichtung: Die Plattform bietet zunehmend Raum für verschwörungsideologische, rechtsextreme und reaktionäre Diskurse, die früher stärker reguliert wurden. Damit ist X nicht nur ein zentraler Verstärker transfeindlicher und verschwörungsideologischer Positionen. Die Plattform ist zudem Ort, an dem sich diese Strömungen weiter vernetzen und radikalisieren können. Zugleich propagiert Musk sehr öffentlichkeitswirksam transhumanistische Visionen, wobei er deren problematischste Züge stark akzentuiert und emanzipatorische Elemente tilgt.
Die Algorithmen sozialer Plattformen begünstigen besonders Inhalte, die Emotionalität und Polarisierung fördern. Diese Mechanismen sorgen dafür, dass verschwörungsideologische und transfeindliche Narrative verstärkt werden, insbesondere wenn sie mit moralischer Empörung oder Untergangsszenarien verknüpft sind. Dadurch entstehen sich selbst verstärkende Echokammern, in denen Narrative ständig weiterentwickelt und mit neuen Verschwörungselementen angereichert werden. Dies trägt maßgeblich dazu bei, dass transfeindliche Verschwörungserzählungen nicht in Nischen verbleiben und immer mehr in den gesellschaftlichen Mainstream vordringen.
Verschränkung mit Antisemitismus
Ein auffälliger Aspekt dieser Diskurse ist ihre gelegentliche Verknüpfung mit antisemitischen Verschwörungsmythen. Einzelne prominente Akteur:innen behaupten etwa, dass eine jüdische Finanzelite gezielt die Rechte von trans Menschen fördere, um die traditionelle Gesellschaftsordnung aufzulösen. Diese Narrative knüpfen an klassische antisemitische Stereotype an, die jüdischen Akteur:innen eine übermäßige Kontrolle über soziale und politische Entwicklungen zuschreiben. In diesem Kontext wird das Bild einer im Verborgenen agierenden Elite gezeichnet, die eine technokratische, transhumanistische Zukunft erzwingen wolle – ein Motiv, das sich nahtlos in bestehende rechtsextreme Weltbilder einfügt.
Historische antisemitische Verschwörungsmythen über die angebliche Manipulation gesellschaftlicher Prozesse werden in einen aktuellen Kontext überführt und mit neuen Feindbildern angereichert. Diese Dynamik trägt nicht nur zur Verfestigung von Feindbildern bei, sondern schafft auch ein ideologisches Fundament für politische Mobilisierung gegen transfreundliche Gesetzgebung und gesellschaftliche Vielfalt.

Martine Rothblatt als angeblicher „Gründungsperson“ von Transgenderismus und Transhumanismus Ein Tweet, der Transgender-Identitäten als Teil einer „technoreligiösen“ Bewegung darstellt und die transhumanistische Philosophin Martine Rothblatt in diesen Kontext setzt.
Aktuell erleben die USA eine Welle von Gesetzesinitiativen, die darauf abzielen, die Rechte von trans Personen massiv einzuschränken. Beispielsweise hat der US-Präsident ein Dekret erlassen, das Transmädchen und -frauen von der Teilnahme an Mädchen- oder Frauensportveranstaltungen ausschließt. Zudem plant das US-Verteidigungsministerium, Transgender-Soldat:innen aus dem Militär zu entlassen, sofern sie keine Ausnahmegenehmigung erhalten. In Iowa steht ein Gesetz zur Abstimmung, das den Schutz der Geschlechtsidentität aus dem zivilrechtlichen Diskriminierungsschutz entfernen würde, was trans Personen Diskriminierung in Bereichen wie Beschäftigung, Wohnraum und Bildung aussetzen könnte.
Solche Gesetzesvorhaben entstehen nicht im luftleeren Raum, sondern sind eng mit ideologischen Narrativen verknüpft, die in ultrakonservativen und rechtsextremen Kreisen kultiviert werden. Verschwörungserzählungen über trans Personen, die oft antisemitische Motive aufgreifen, liefern eine argumentative Grundlage für diese politischen Maßnahmen und tragen dazu bei, ihre Akzeptanz in der Öffentlichkeit zu erhöhen. Indem trans Rechte als Teil eines angeblich manipulierten gesellschaftlichen Wandels dargestellt werden, werden bestehende Ressentiments mobilisiert und gesetzliche Einschränkungen legitimiert.
Die Verknüpfung von Antisemitismus und Transfeindlichkeit in den USA führt somit zu einer gefährlichen Verschärfung des gesellschaftlichen Klimas. Sie dient als Katalysator für diskriminierende Gesetzgebungen und trägt zur weiteren Marginalisierung sowohl jüdischer als auch trans Communitys bei. Es ist daher unerlässlich, diese Entwicklungen kritisch zu beobachten und ihnen entschieden entgegenzutreten, um die Rechte und die Sicherheit aller betroffenen Gruppen zu schützen.
Von der digitalen Hetze zur politischen Realität: Wie Verschwörungsnarrative transfeindliche Politik antreiben
Durch ihre Anschlussfähigkeit an konservative und rechtspopulistische Strömungen gewinnen diese Narrative – wie das Beispiel der USA zeigt – zunehmend Einfluss auf öffentliche Diskurse. Aussagen von Politiker:innen und religiösen Autoritäten greifen immer häufiger Begriffe und Argumentationsmuster auf, die ursprünglich aus diesen Online-Diskursen stammen. Das führt nicht nur zu einer Legitimierung transfeindlicher Positionen, es vertieft gesellschaftliche Spaltungen. Darüber hinaus beeinflussen diese Diskurse Gesetzesinitiativen und politische Strategien, um die Rechte von trans Menschen einzuschränken oder gezielt diskriminierende Maßnahmen gegen LGBTQ+ Personen zu legitimieren. Gerade in Ländern mit erstarkenden rechten Regierungen zeigt sich eine besorgniserregende Entwicklung hin zu einer Verschärfung der rechtlichen Lage für trans Menschen.
Die Verbindung von Transfeindlichkeit, Transhumanismus-Kritik und Verschwörungstheorien verdeutlicht, wie digitale Diskurse nicht nur entstehen, sondern sich in dynamischen Prozessen gegenseitig verstärken und radikalisieren. Die Analyse partizipativer Verschwörungskulturen zeigt, dass diese Narrative nicht zufällig entstehen. Sie werden gezielt genutzt, um gesellschaftliche Ängste zu mobilisieren und politische Maßnahmen zu beeinflussen. Besonders die Verknüpfung mit antisemitischen Mustern und technologischem Fortschritt macht sie anschlussfähig für unterschiedliche ideologische Strömungen – von transfeindlichen Kreisen bis hin zu rechtsextremen Netzwerken.

Jennifer Bileks Buch über Transsexualität, Transgenderismus und Transhumanismus Ein Buchcover von Jennifer Bilek, das ihre Verschwörungserzählungen über die Verbindung von Transgender-Identitäten und Transhumanismus thematisiert.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, braucht es nicht nur das Widerlegen von Falschinformationen, sondern vor allem eine breite Aufklärung über die Mechanismen dieser Diskurse. Wissenschaft und Medien müssen verschwörungsideologische Narrative nicht nur entlarven, sondern auch aktiv daran arbeiten, Debatten um Gender und Technologie faktenbasiert und differenziert zu führen – ohne Alarmismus, aber mit klarer Haltung gegen Hass und Desinformation. Denn je tiefer sich diese Narrative in den gesellschaftlichen Mainstream eingraben, desto schwerer wird es, sie zurückzudrängen. Die Frage ist also nicht nur, wie sie entstehen – sondern wie wir verhindern, dass sie unsere politischen und sozialen Strukturen nachhaltig vergiften.
Dieser Beitrag wurde durch das Horizon-Europe-Programm der Europäischen Union im Rahmen des EU Horizon Programms Nr. 101058158 als Teil des Projekts „INspiring and ANchoring TrUst in Science“ (IANUS) gefördert.
Antisemitismus wird auch in diesem Artikel als betonierter Begriff verwendet, so wie er heute als politische Waffe eingesetzt wird. Das nervt und führt zu keiner Erkenntnis (Aufklärung). Ähnlich wird mit der Verschwörungstheorie umgegangen. Angesichts des Lobbyismus und der Finanzialisierung aller Lebensbereiche erscheint den Menschen die Welt als ein verschwörerischer Zusammenhang, der ihnen den Boden unter den Füßen wegzieht und keine positive Zukunftserzählung mehr bietet. Die Neue Rechte greift diese Erfahrung auf, füllt sie mit ihrer gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit und verschließt damit jeden emanzipatorischen Horizont. Aufklärung über die rechte Praxis, Verschwörungsnarrative zu kreieren, hat dem wenig entgegenzusetzen. Wir müssen einen Schritt weiter… Mehr anzeigen »