Chorsingen und Blasmusik in ihren lokalen und nationalen Vereinigungen zählen – ebenso wie das Vereinswesen allgemein mit seinen 80-100′000 Vereinen – zur Schweizer Kulturerbe-Liste der Lebendigen Traditionen. Dazu kommen zahlreiche Vereine, die sich Kammer- und Orchestermusik widmen: Sind sie Relikt einer sich überlebenden Gesellschaftskultur – oder ein Erfolgsmodell mit Zukunft?

  • Inga Mai Groote ist Professorin für Musikwissenschaft an der Universität Zürich. Sie forscht vor allem zu sozial- und kulturgeschichtlichen Kontexten von Musik der frühen Neuzeit und der Moderne, aktuell zum Konzertleben und Verlagswesen, sowie zu wissensgeschichtlichen Aspekten und materiellen Textkulturen.

Im Mai 2026 fand das 35. Eidge­nös­si­sche Musik­fest des Schweizer Blas­mu­sik­ver­bands in Biel mit 20000 Teil­neh­menden von über 500 Musik­ge­sell­schaften statt. 2026 feiert auch der Männer­chor Zürich sein 200-jähriges Bestehen. Er ging aus dem (Männer-)Gesangverein des Zürcher Verle­gers, Kompo­nisten und Pädagogen Hans-Georg Nägeli hervor. Vor 100 Jahren begrün­dete der Basler Diri­gent Paul Sacher sein Basler Kammer­or­chester, nicht um „die vielen Dilet­tan­ten­ver­eine“ zu vermehren, sondern um „Dilet­tanten und Berufs­mu­siker“ in einem „musi­ka­lisch hoch­wer­tigen Ensemble“ (Basler Anzeiger) zusam­men­bringen. Gerade nach diesem letzten Zitat könnten ‚Verein‘ und ‚musi­ka­li­scher Anspruch‘ per se Gegen­sätze sein – das war und ist aber gerade nicht der Fall. Musik­ver­eine verbinden zwei grund­le­gende Chancen: aktive Parti­zi­pa­tion und die Reali­sie­rung immer wieder anderer musi­ka­li­scher Interessen.

Was ist ein Musikverein?

Musik­ver­eine zielen auf die Veran­stal­tung von öffent­li­chen oder halb­öf­fent­li­chen Musik­auf­füh­rungen, sind durch eine defi­nierte Mitglied­schaft und Statuten gefasst, und in vielen Fällen nahmen und nehmen die Mitglieder an den Auffüh­rungen aktiv teil. Bei Chören und Blas­mu­siken über­rascht das nicht, aber auch für Orchester exis­tierte dieses Modell bereits bei sehr alten Gesell­schaften und zieht sich in manchen Fällen bis in die Gegen­wart durch. Struk­tu­rell decken sich diese Charak­te­ris­tika mit den gängigen Orga­ni­sa­ti­on­formen von Vereinen in den euro­päi­schen Ländern. Vereine und ähnliche Asso­zia­tionen impli­zieren in der Regel eine brei­tere Vertei­lung der Lasten, aber auch eine breite Träger­schaft und Invol­viert­heit aller Betei­ligten. Neben anderen Insti­tu­tionen, Herrscher:innen oder Mäzen:innen boten Musik­ver­ei­ni­gungen stets die Möglich­keit, Ressourcen zu bündeln und aktiv oder passiv Zugang zu Musik zu bekommen – so, wie Vereine allge­mein vor dem Ausbau staat­li­cher Einrich­tungen viel­fach einen breiten Zugang zur Bildung ermöglichten.

Breite und Elite

Trotz der Jubi­läen zeigen die aktu­ellen Statis­tiken zu Kultur­ver­halten und Ehrenamt nur stabile bis leicht sinkende Zahlen, die sich in den DACH-Ländern ähnlich entwi­ckeln: Etwa 2-3% der Bevöl­ke­rung sind in musi­ka­li­schen Vereinen Mitglied oder aktiv, während insge­samt unge­fähr ein Fünftel bzw. Sechstel als Amateur:innen singen oder Instru­mente spielen. Auch wenn nach der Corona-Zeit das Enga­ge­ment bei kultu­rellen Akti­vi­täten wieder gestiegen ist und der Wert des Live­er­leb­nisses sich nach­drück­lich bestä­tigt hat, ist zu beob­achten, dass Mitglie­der­zahlen von Musik­ver­einen sinken, Vereine sich auflösen und in der Chor­szene Vereine gegen­über Projekt­chören bei jüngeren Aktiven unbe­liebter werden. Die Diskus­sion über Nach­wuchs­pro­bleme und sinkendes Verein­s­en­ga­ge­ment insge­samt fällt aller­dings in den laufenden zivil­ge­sell­schaft­li­chen Struk­tur­wandel, so dass eher umge­kehrt danach gefragt werden sollte, inwie­fern das Modell Verein wandelbar und gerade dadurch anpas­sungs­fähig war und ist.

Max Weber schlug schon 1910 als Gross­pro­jekt eine „Sozio­logie des Vereins­we­sens“ vor, die bis heute nur ausschnitts­weise unter­nommen wurde. Zwar sah Weber die typi­schen Gesangs­ver­eine seiner Zeit eher als Unter­ta­nen­er­zie­hung, wie er beim Ersten Deut­schen Sozio­lo­gentag formulierte:

Ein Mensch, der täglich gewohnt ist, gewal­tige Empfin­dungen aus seiner Brust durch seinen Kehl­kopf heraus­strömen zu lassen, ohne irgend eine Bezie­hung zu seinem Handeln, ohne daß also die adäquate Abre­ak­tion dieses ausge­drückten mäch­tigen Gefühls in entspre­chend mäch­tigen Hand­lungen erfolgt — und das ist das Wesen der Gesang­ver­eins­kunst — , das wird ein Mensch, der, kurz gesagt, sehr leicht ein guter Staats­bürger‘ wird, im passiven Sinn des Wortes. (S. 57)

Weber nahm jedoch bereits an, dass Vereine in zwei Rich­tungen wirkten: „einmal der Prägung der einzelnen Indi­vi­duen, und dann der Prägung der objek­tiven, über­in­di­vi­du­ellen Kultur­güter“ (ebd., S. 59), was in der Folge auch lange das Inter­esse an Vereins­ge­schichte im Zusam­men­hang mit zivil­ge­sell­schaft­li­chen Perspek­tiven prägte. Hierfür bieten die Über­le­gungen der jüngeren histo­ri­schen Vereins­for­schung neue Anre­gungen, die gerade die Span­nungs­felder – wie Frei­wil­lig­keit, demo­kra­ti­sche Binnen­ord­nung, das Verhältnis von Vereins­ziel und Mitglie­der­in­ter­essen, Öffent­lich­keit und nicht-wirtschaftliche Zweck­set­zung – in diachroner Perspek­tive betrachten und auch die sozialen Netz­werke unter­sucht. Der spezi­fi­sche Reiz der Vereine, so die Histo­riker Robert Heise und Daniel Water­mann, liege in ihrer Konkret­heit und statt:der oftmals nebu­lösen Rede vom dritten, frei­wil­ligen oder nicht-gouvernementalen Sektor oder dem amorph gebrauchten Begriff ‚Zivil­ge­sell­schaft‘ hat man mit Vereinen zunächst einmal klar umris­sene Untersuchungsgegenstände.“

Auch für Musik­ver­eine sollte nicht nur ein allge­meiner gesell­schaft­li­cher Mehr­wert von Asso­zia­tionen disku­tiert werden (‚Sozi­al­ka­pital‘ nach Robert Putnam). Denn ganz konkret inter­es­sant ist etwas, das sich als musi­ka­li­sche Selbst­er­mäch­ti­gung umschreiben lässt. Die Grün­dung ist eine aktive Entschei­dung der Mitglieder, wie und welche Musik gemacht und gehört werden soll. Adres­siert wird aber nicht nur der eigene Kreis, auch wenn die eigene Akti­vität zentral ist, sondern poten­ziell auch grös­sere Publika.

Dazu kommt der Einfluss von Vereinen für die Akzep­tanz und Durch­set­zung verschie­dener musi­ka­li­scher Reper­toires. Breite soziale Veran­ke­rung ist dabei nicht mit vermeint­li­chem ‚Massen­ge­schmack‘ gleich­zu­setzen: Oft zeigten die Programme von Chören und Musik­ge­sell­schaften einen hohen Anteil zeit­ge­nös­si­scher Werke und anspruchs­voller Gattungen. Bei Blas­mu­sik­wett­be­werben waren Arran­ge­ments von Opernou­ver­türen weit verbreitet und machten so in einer Zeit vor der einfa­chen tech­ni­schen Repro­du­zier­bar­keit ‚grosse‘ Werke zugäng­lich. Bei Wett­be­werben war etwa Musik von Richard Wagner, Nikolaj Rimskij-Korsakov, Richard Strauss oder Otto­rino Respighi zu hören. Nach 1900 stieg der Anteil von neukom­po­nierten Werken stark an. Der in einem Zürcher Arbei­ter­quar­tier aktive Männer­chor Ausser­sihl – gegründet bereits 1828 und gegen 1910 mit 700-800 aktiven und passiven Mitglie­dern (siehe Beitrags­bild) – konnte gross­be­setzte Werke zeit­ge­nös­si­scher Kompo­nisten für Chor und Orchester, aber auch ‚Alte Musik‘ wie eine sieben­stim­mige Renaissance-Motette aufführen. Die grossen Zürcher Chöre orga­ni­sierten vor dem Ersten Welt­krieg Konzert- und Kultur­fahrten für über 200 Personen, die mit aufwendig gedruckten Reise­füh­rern begleitet wurden, so dass sich musi­ka­li­sche Praxis und Allge­mein­bil­dung verbanden. An den asso­zia­tiven Formen lassen sich damit beson­ders gut sowohl die breite gesell­schaft­liche Veran­ke­rung von musi­ka­li­scher Praxis als auch die (insbe­son­dere lokale und regio­nale) Ausstrah­lung von musi­ka­li­schen Akti­vi­täten untersuchen.

Longue durée im Musikleben

Die Entwick­lung von Musik­ver­ei­ni­gungen wird in der Regel im Kontext der bürger­li­chen Eman­zi­pa­tion des 19. Jahr­hun­derts parallel zur allge­meinen Entwick­lung des Vereins­we­sens gelesen. Ab Ende des 18. Jahr­hun­derts erleich­terten die poli­ti­schen und verfas­sungs­recht­li­chen Voraus­set­zungen die Bildung von Vereinen zu verschie­denen Zwecken, und im Laufe der Zeit stützten sich beispiels­weise auch die Arbeiter- und Frau­en­be­we­gung auf Vereins­struk­turen. Eine ähnliche Diffe­ren­zie­rung zeigt sich in den Gesang­ver­einen: es entstanden Arbei­ter­sän­ger­ver­eine, Lehrer­ge­sang­ver­eine oder solche in grossen Betrieben wie den Eisenbahn- und Indus­trie­un­ter­nehmen, und mehrere Vereine am selben Ort deckten häufig unter­schied­liche poli­ti­sche Rich­tungen und soziale Gruppen ab. Aktu­elle Forschungen zeigten die poli­ti­sche Viel­falt der Berner und Frei­burger Chöre des 19. Jahr­hun­derts oder die Durch­set­zung musi­ka­li­scher Inno­va­tionen durch die Adap­tion von mili­tä­ri­schen Vorbil­dern in der Früh­zeit der Blas­musik.

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Im Musik­leben sind jedoch asso­zia­tive Formen bereits deut­lich vor und nach dem Vereins­boom des 19. Jahr­hun­derts verbreitet. Das zeigen insbe­son­dere die lang­le­bigsten Schweizer Gesell­schaften, die bis auf das 17. Jahr­hun­dert zurück­gehen (so das Musik­kol­le­gium Winter­thur von 1629) mit ihrer erfolg­rei­chen Geschichte. Asso­zia­tive Orga­ni­sa­ti­ons­formen schliessen dann auch Kanto­r­ei­ge­sell­schaften und Collegia musica, teil­weise auch Akade­mien und spezia­li­sierte Bruder­schaften ein. Möglich ist im Lauf der Zeit der Über­gang von einer Musizier- zu einer Konzert­ge­sell­schaft, die dann zur Orches­ter­trä­gerin und Veran­stal­terin wird. Bekannte phil­har­mo­ni­sche Gesell­schaften (wie die Wiener Gesell­schaft der Musik­freunde und die Zürcher Allge­meine Musik-Gesellschaft, beide seit 1812) begannen als Mitglie­der­or­chester. Erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahr­hun­derts profes­sio­na­li­sierten sich die Orchester flächen­de­ckend, so dass nun über­wie­gend Berufs­mu­siker dort spielten und die Vereine zu Veran­stal­tern wurden, die für Mitglieder und Subskribent:innen Konzerte anboten.

Welling­tons Sieg von Ludwig van Beet­hoven bei der Allge­meinen Musik-Gesellschaft Zürich 1825: An den Rändern ist die Beset­zung von 62 Personen, bis hin zu den verschie­denen Schlag- und Geräusch­in­stru­menten, aufge­listet (Konzert­pro­to­koll AMG)

Dennoch war und ist die aktive Betei­li­gung der Mitglieder ein zentraler Punkt: Entwürfe für Konzert­pro­gramme des frühen 19. Jahr­hun­derts empfahlen Werke für Chor und Orchester, um die „Zusam­men­set­zung des gesamten musi­cal­i­schen Vereins“ (so Nägeli 1812) in der Musik zu reali­sieren. Noch beim Musik­fest 2026 beschrieb die Präsi­dentin Schweizer Blas­mu­sik­ver­bands, Luana Menoud-Baldi, das „Glück, gemeinsam zu klingen“. ‚Der gesamte Verein‘ zeigt sich in der Tat in Welling­tons Sieg zumin­dest in der beson­ders grossen Instru­men­ten­aus­wahl, die die Betei­li­gung vieler Mitglieder erlaubte. Trotz des Enga­ge­ments eines festen Kerns ausge­bil­deter Musiker spielten auch im Orchester des Winter­thurer Musik­kol­le­giums um 1900 noch unge­fähr doppelt so viele ‚Dilet­tanten‘ – also Amateure – wie Professionelle.

Auch die Anzahl von Kompo­si­tionen, die das gemein­same Singen thema­ti­sieren und in der Auffüh­rung sogar reali­sieren, ist gross. Dazu gehört Max Regers Hymne an den Gesang, entstanden 1898 für ein – natür­lich – Gesang­ver­eins­ju­bi­läum, die der Männer­chor Ausser­sihl 1911 zur Schweizer Erst­auf­füh­rung brachte (Hörbei­spiel hier). Als ‚Singen über das Chor­singen‘ können auch die noch im 20. Jahr­hun­dert entstan­denen Verto­nungen von Gott­fried Kellers Wege­lied (1874) gelten, obwohl das Gedicht das patrio­ti­sche Männer­chor­wesen des 19. Jahr­hun­derts ironisch gebro­chen beschreibt:

 

1. Drei Ellen gute Bannerseide,

Ein Häuf­lein Volkes, ehrenwert,

Mit klarem Aug’, im Sonntagskleide,

Ist alles, was mein Herz begehrt!

So end’ ich mit der Morgenhelle

Der Sommer­nacht beschränkte Ruh’

Und wand’re rasch dem frischen Quelle

Der vaterländ’schen Freuden zu.

 

[…]

3. Und Wort und Lied, von Mund zu Munde,

Von Herz zu Herzen hallt es hin;

[…]

 

4. […] In Vater­landes Saus und Brause,Da ist die Freude sünden­rein,Und kehr’ nicht besser ich nach Hause,So werd’ ich auch nicht schlechter sein! 

 

Eine mit Brechung des naiv-vaterländischen Tonfalls in den Mittel­stro­phen gewis­ser­massen selbst­re­fle­xive Verto­nung kompo­nierte 1913 Othmar Schoeck (Hörbei­spiel hier). Ähnlich wie die kräftig drein­schla­gende Musik­ge­sell­schaft bei Welling­tons Sieg ermög­li­chen derar­tige Stücke den Betei­ligten eine Erfah­rung von Immersion und musi­ka­li­scher Verge­sell­schaf­tung: Der Sound der Basis ist dann wört­lich gemeint. Die Singenden arti­ku­lieren explizit ihr Tun im Moment der Auffüh­rung, und sie erfahren sich dabei als agie­rende Gruppe, ähnlich wie es ein gemeinsam gesun­gener Refrain im Kleinen täte.

Resi­lienz und Diversität

Das gemein­same Vereins­ziel ist der Zugang zur Musik, und zwar in vielen Facetten: Die Verei­ni­gungen verbreiten Musik für ein mit ihnen oft eng verbun­denes Publikum, sie bieten die Gele­gen­heit zum Musik­lernen unab­hängig von individuell-familiären Ressourcen, und sie zeichnen sich durch ein viel­fäl­tiges Reper­toire aus. Auffäl­li­ger­weise wurde in der Musik­praxis der Vereine häufig keine Tren­nung von soge­nannter U- und E-Musik reali­siert. Das gilt für Konzert­pro­gramme, wird aber noch sicht­barer bei den Festen, die ganz selbst­ver­ständ­lich ‚ernste‘ und humo­ris­ti­sche Teile verbanden.

Bereits vor der Itali­en­reise der Ausser­sihler warf das Land seine Schatten beim jähr­li­chen gesel­ligen „Kränz­chen“ voraus: mit (ernst­haf­terer) Lieder­tafel, komi­schen Einlagen und einer viel­ver­spre­chenden Spelunca italiana… Quelle: Männer­chor Ausser­sihl, Programm­heft 28.1.1911, Zentral­bi­blio­thek Zürich

Beson­ders offen für Neues blieben einige Verei­ni­gungen auch in den 1920er Jahren, und zwar gerade weil sie nicht den ökono­mi­schen Zwängen der grossen Musik­in­sti­tu­tionen folgen mussten: In Winter­thur gab das Kolle­gium Kammer­mu­sik­kon­zerte mit aktu­ellen Werken – mögli­cher­weise gerade weil es als teil­pro­fes­sio­nelles Orchester weniger auf den klassisch-romantischen Kanon ‚einge­schworen‘ war. Alex­ander Schai­chets 1920 in Zürich gegrün­detes Kammer­ch­or­chester zielte auf zeit­ge­nös­si­sche Musik für diesen neuen Ensem­bletyp (der auch die Wieder­ent­de­ckung vorklas­si­scher Musik erleich­terte), ähnlich wie Paul Sachers eingangs erwähnte Basler Vereinigung.

Heute ist das Reper­toire von aktiven musi­ka­li­schen Vereinen oft viel­fäl­tiger als das der Musik­in­sti­tu­tionen mit rein profes­sio­nellen Ensem­bles. Die Vereins­land­schaft ist dabei sehr viel­fältig: Das Urschweizer Kammer­en­semble (UKE) spielt seit 60 Jahren gezielt neue Werke, das ensemble für neue musik zürich führt zahl­reiche Auftrags­werke auf, und konzert­ver­an­stal­tende Vereine (wie guerillaclassics.org oder femaleclassics.com) können mit ihren Programm­reihen gezielte Akzente setzen.

Musik­ver­eine erweisen sich damit als eine erprobte Infra­struktur kultu­reller Teil­habe. Wenn sie sich der Risiken von Konfor­mi­täts­druck und sozialer Exklu­sion bewusst bleiben und ihre struk­tu­relle Flexi­bi­lität ausspielen, sind sie Orte gesell­schaft­li­cher und krea­tiver Parti­zi­pa­tion. Der Verein als soziale Orga­ni­sa­ti­ons­form hat damit nicht nur gesell­schaft­liche, sondern auch musi­ka­li­sche Folgen: Er eröffnet musi­ka­li­sche Spiel­räume, ermög­licht viel­fäl­tige, anspruchs­volle und neue Musiken und wirkt damit über seine Mitglied­schaft hinaus.