Die Historikerin Evelien Gans war eine profilierte Antisemitismus- und Holocaust-Forscherin. 2018 nahm sie sich das Leben. Das hatte viele Ursachen, fordert uns aber auch heraus, über die Zumutungen der akademischen Kultur nachzudenken.

  • Jazmine Contreras ist Assistenzprofessorin für Europäische Geschichte am Goucher College (Baltimore). In ihrer Forschung untersucht sie die zeitgenössische kulturelle Erinnerung an den Holocaust durch eine Analyse der Denkmäler, Museen und Gedenkfeiern, die die Gedenkkultur prägen.
  • Anna Hájková ist Associate Professor of Modern Continental European History an der Universität Warwick und forscht über die Geschichte des Holocaust; ihr jüngstes Buch „The Last Ghetto“ wurde mehrfach ausgezeichnet. Sie arbeitet gegenwärtig an einem Projekt über transgressive Sexualität im Holocaust.
Geschichte der Gegenwart
Geschichte der Gegenwart 
Depres­sion, Anti­se­mi­tismus und Geschichts­schrei­bung: In Erin­ne­rung an Evelien Gans
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Im Juli 2018 nahm sich die 1951 gebo­rene nieder­län­di­sche Histo­ri­kerin Evelien Gans das Leben. Als Historiker:innen sind wir es gewohnt, über das Leben und den Tod unserer Protagonist:innen zu schreiben. Aber wir sind weniger gut darauf vorbe­reitet, den Verlust einer der Unseren durch eine psychi­sche Krank­heit zu begreifen. In den Nieder­landen, wo Gans lebte und arbei­tete, ist die Rolle von Historiker:innen viel­schichtig, denn es wird erwartet, dass sich Wissenschaftler:innen an öffent­li­chen Diskus­sionen und Debatten über ihr Fach­ge­biet betei­ligen. Während die nieder­län­di­sche akade­mi­sche Welt nicht zuletzt wegen der Sprache eine nach wie vor gegen außen abge­schot­tete Gemein­schaft bildet, treten Wissenschaftler:innen regel­mäßig in den natio­nalen Medien auf, spre­chen auf öffent­li­chen Foren und schreiben ihre eigenen Kolumnen in großen Zeitungen wie dem Groene Amster­dammer, NRC Handels­blad, Het Parool und de Volks­krant. Gans nahm diese Rolle gerne an und ging mit ihren Beiträgen zum öffent­li­chen Diskurs oft weit darüber hinaus. Ihr leiden­schaft­li­ches Enga­ge­ment bedeu­tete aber, dass die Grenzen zwischen ihrem akade­mi­schen Leben und ihrem Privat­leben verschwammen.

Eine Histo­ri­kerin in der Welt nach dem Holocaust

Als sie starb, war sie die führende Wissen­schaft­lerin auf dem Gebiet des modernen jüdi­schen Lebens, des Anti­se­mi­tismus und der Folgen des Holo­causts in den Nieder­landen. Gans kämpfte persön­lich mit ihrer psychi­schen Gesund­heit, aber der Druck der Verant­wor­tung, die sie gegen­über der Öffent­lich­keit empfand, und ihre Isola­tion von Kolleg:innen und Gleich­ge­sinnten, sowohl im wört­li­chen als auch im symbo­li­schen Sinne, trugen zwei­fellos zu ihrer Depres­sion bei. Zum Vermächtnis von Evelien Gans gehören ihre umfang­rei­chen wissen­schaft­li­chen Arbeiten, die noch immer unser Verständnis prägen, wie wir Anti­se­mi­tismus in einer Zeit nach dem Holo­caust verstehen; doch ihr Leben sollte uns auch dazu zwingen, über die heutigen Bedin­gungen der akade­mi­schen Welt nach­zu­denken und darüber zu reflek­tieren, warum die Schaf­fung inte­gra­tiver und unter­stüt­zender Gemein­schaften eine unserer letzten Hoff­nungen für das Über­leben unserer Diszi­plin ist.

Evelien Gans wird als Haus­be­set­zerin fest­ge­nommen, Amsterdam 1975; Quelle: vn.nl

Bevor die akade­mi­sche Karriere von Evelien Gans begann, war sie als Akti­vistin in der Haus­be­set­zer­be­we­gung und später als Sozi­al­ar­bei­terin in einem Frau­en­haus tätig gewesen. Als sie in den 1980er Jahren ihr Studium wieder­auf­nahm und zur Geschichts­wis­sen­schaft zurück­kehrte, war sie davon beseelt, die Verschrän­kungen der sozia­lis­ti­schen und der jüdi­schen Geschichte zu unter­su­chen. Gans erkannte, dass sie ihren Akti­vismus aufgeben musste, um die jüdi­sche Vergan­gen­heit zu erfor­schen (und sich zu eigen zu machen), in der dieser poli­ti­sche Akti­vismus eine lange Tradi­tion hatte. Die Forschungen darüber flossen ein in ihre Disser­ta­tion über jüdi­sche Sozialist:innen und sozia­lis­ti­sche Zionist:innen in den Nieder­landen, die 1999 unter dem Titel Die kleinen Unter­schiede, die das Leben ausma­chen erschien.

Quelle: lastdodo.de

Es war jedoch Gans’ erstes Buch, Goji­scher Neid und jüdi­scher Narzissmus (Gojse Nijd & Joods Narcisme) aus dem Jahr 1994, das sie als mutige neue Stimme etablierte. Es war die erste Publi­ka­tion in einer langen Reihe bedeu­tender Veröf­fent­li­chungen, die alle ihre lebens­lange Beschäf­ti­gung mit der Funk­tion jüdi­scher Stereo­typen, dem Wandel der anti­se­mi­ti­schen Rhetorik und Bild­sprache in der Nach­kriegs­zeit sowie den sich verän­dernden sozialen und poli­ti­schen Bezie­hungen zwischen Jüd:innen und Nicht-Jüd:innen reflek­tierten. In dieser Mono­grafie argu­men­tiert sie, dass die anti­se­mi­ti­schen Tropen, die der Film­re­gis­seur und Verfechter der freien Meinungs­äu­ße­rung, Theo van Gogh, verwen­dete, um den jüdi­schen Schrift­steller Leon de Winter zu kriti­sieren, auf van Goghs Ressen­ti­ments und seinen Neid auf die jüdi­sche Opfer­rolle zurück­zu­führen seien.

Natür­lich reflek­tierten diese Stereo­typen, so Gans, nicht die tatsäch­li­chen Erfah­rungen mit nieder­län­di­schen Jüd:innen. Viel­mehr geht es um eine verzerrte Wahr­neh­mung des jüdi­schen Sozi­al­ka­pi­tals im Schatten des Holo­caust sowie um die Ableh­nung der Holocaust-Erinnerungskultur, die nach Ansicht van Goghs nicht-jüdische Niederländer:innen dazu zwingt, sich für Sünden schuldig zu fühlen, die sie nicht begangen haben. Gans brachte seine Ausfälle gegen­über der so genannten jüdi­schen „Mono­po­li­sie­rung des Leidens“ und seine Wut über die Unmög­lich­keit, für sich eine Iden­tität als Verfolgter zu bean­spru­chen, mit einer seiner­zeit in den Nieder­landen verbrei­teten Haltung in Verbin­dung, in der Anwe­sen­heit jüdi­scher Über­le­bender eine Belas­tung für die kollek­tive Psyche der Nieder­länder zu sehen. Als Reak­tion auf diese Kritik und die Behaup­tung, van Gogh „flirte mit dem Anti­se­mi­tismus“, veröf­fent­lichte dieser wiederum in Folia, der Zeit­schrift der Univer­sität Amsterdam, einen Artikel mit einer explizit porno­gra­fi­schen Aussage über Gans und den Nazi-Verbrecher Josef Mengele. Die Redak­tion versuchte, sich auf die Meinungs­frei­heit zu berufen, die in dieser Zeit immer wieder als Recht­fer­ti­gung für Anti­se­mi­tismus heran­ge­zogen wurde, entschul­digte sich aber schließ­lich. Van Gogh, der auch Islam­feind­lich­keit in sein Reper­toire aufge­nommen hatte, wurde 2004 von Muhammed Bouyeri, einem Nieder­länder marok­ka­ni­scher Herkunft, ermordet.

„Sekun­därer Antisemitismus“

Die wissen­schaft­liche Arbeit von Evelien Gans und die Entschie­den­heit, mit der sie den Anti­se­mi­tismus oder „sekun­dären Anti­se­mi­tismus“ – ein Begriff, den sie von der Frank­furter Schule für den nieder­län­di­schen Kontext über­nahm – von Persön­lich­keiten des öffent­li­chen Lebens und von Akademiker:innen aufdeckte, brachten sie in eine angreif­bare Lage. Gans hatte den sekun­dären Anti­se­mi­tismus schon in Goji­scher Neid und jüdi­scher Narzissmus erör­tert, dachte aber auch später über die Anwen­dung dieses Konzepts auf die nieder­län­di­schen Verhält­nisse nach, da die poli­ti­sche und soziale Land­schaft während der letzten zwei Jahr­zehnte weiterhin durch Feind­se­lig­keit gegen­über dem jüdi­schem Erin­ne­rungs­ak­ti­vismus gekenn­zeichnet war. Sie defi­nierte den sekun­dären Anti­se­mi­tismus als die „Über­zeu­gung, dass der legi­time Wunsch, einen Schluss­strich unter die Vergan­gen­heit zu ziehen und zur Norma­li­sie­rung über­zu­gehen, durch die hekti­sche Beschäf­ti­gung mit der Shoah stark behin­dert wird“; sie war der Ansicht, dass ein Stereotyp wie das der Jüd:innen als „ulti­ma­tives Opfer“ das Ausmaß der Verfol­gung und Depor­ta­tion von Jüd:innen in den Nieder­landen verzerrte und die nieder­län­di­sche Gesell­schaft auf diese Weise von jegli­cher kriti­schen Selbst­re­fle­xion über ihre Rolle während der Nazi-Besetzung entheben würde.

Wie einige andere auch nahm sie das 2001 erschie­nene Buch des Histo­ri­kers und Jour­na­listen Chris van der Heijden Graue Vergan­gen­heit: Die Nieder­lande und der Zweite Welt­krieg (Grijs Verleden: Neder­land en de Tweede Werel­doorlog) ins Visier, weil es die Bedeu­tung des Holo­caust herun­ter­spiele und die Erfah­rungen von Jüd:innen, nieder­län­di­schen Anhänger:innen des Natio­nal­so­zia­lismus und nicht-jüdischen nieder­län­di­schen Zivilist:innen ‚einebne‘. Seine ‚Nivel­lie­rungs­these‘, geprägt durch die frühe Arbeit seines Doktor­va­ters Hans Blom (der auch der Betreuer von Gans war), behauptet nämlich, dass die Menschen während der Besat­zung, „von der Hand­voll Helden und Heiligen abge­sehen, nicht richtig und nicht falsch waren, nicht schwarz oder weiß, sondern grau“. Van der Heijden versuchte mit dieser Argu­men­ta­tion, histo­ri­sche Urteile von mora­li­schen Erwä­gungen zu trennen und die Art und Weise zu ändern, wie Historiker:innen die Kolla­bo­ra­tion analy­sierten. Gans zufolge war es die Rolle, die van der Heij­dens eigener Vater in der nieder­län­di­schen Nazi-Partei spielte, die seine Darstel­lung der Besat­zung und ihrer Folgen einfärbte. Mit Blick auf van der Heij­dens Veröf­fent­li­chungen und seinen Artikel aus dem Jahr 2009, in dem er sich skep­tisch über die Notwen­dig­keit des Demjanjuk-Prozesses äußerte, schrieb Gans in einem eigenen Artikel für den Groene Amster­dammer:

Van der Heijden scheint den entschei­denden Moment der (indi­vi­du­ellen) Entschei­dung und Hand­lung unter den Teppich kehren zu wollen. So landen ‚Täter‘, ‚Zuschauer‘ und ‚Opfer‘ in demselben riesigen Topf, gefüllt mit grauer, geschmack­loser Suppe. Sie alle treiben ziellos umher, kaum unter­scheidbar. Aber leicht verdaulich.

Gans dekon­stru­ierte van der Heij­dens Argu­mente oft schrift­lich, scheute sich aber auch nicht, ihn öffent­lich auf Konfe­renzen oder bei Vorträgen heraus­zu­for­dern. Auf diese Weise wurde sie zu einer pola­ri­sie­renden Figur für ihre Kolleg:innen, die es für „unan­ge­messen“ hielten, van der Heij­dens Arbeit als emble­ma­tisch für sekun­dären Anti­se­mi­tismus zu bezeichnen. Die Zurück­hal­tung ihrer Kolleg:innen, sich in der Debatte zwischen den beiden Wissenschaftler:innen eindeutig zu posi­tio­nieren, lastete schwer auf Gans, wie sie 2017 in einem Inter­view mit Jazmine Contreras zum Ausdruck brachte.

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Die unsicht­bare Last einer öffent­li­chen Intellektuellen

Bis zu ihrem Tod hatte Gans unzäh­lige Kontro­versen über die Inter­pre­ta­tion des Holo­caust und den zeit­ge­nös­si­schen Anti­se­mi­tismus miter­lebt. Selbst als sie an der Univer­sität Amsterdam emeri­tiert wurde und sich darauf konzen­trierte, die zweite Hälfte ihrer Doppel­bio­grafie über das Historiker- und Schriftsteller-Duo Vater und Sohn Jaap und Ischa Meijer fertig­zu­stellen, setzte sie sich weiterhin mit sekun­därem Anti­se­mi­tismus und der Nivel­lie­rung von Opfern und Tätern in den Medien ausein­ander. Als sie dem Fern­seh­pro­gramm Andere Tijden vorhielt, in einer Sendung die Erfah­rungen eines Zugbe­glei­ters, eines Poli­zei­be­amten, eines Mitglieds der Mili­tär­po­lizei und eines jüdi­schen Rechts­an­walts, der Gefan­gener im Durch­gangs­lager Wester­bork war, einander gleich­ge­setzt zu haben, machte Evelien einmal mehr deut­lich, dass die indi­vi­du­elle Hand­lungs­fä­hig­keit und persön­liche Verant­wor­tung in Diskus­sionen über Kriegs­ver­bre­chen oft ausge­blendet werden. Zusammen mit Maarten Voorst tot Voorst deckte sie außerdem die wahre Geschichte hinter dem von Isabel van Boetzelaer verfassten Buch Die Kriegs­äl­testen (Oorlogsou­ders) auf, das ihre Fami­li­en­ge­schichte als eine des Wider­stands darstellte, obwohl sie in Wirk­lich­keit ein erheb­li­ches Maß an Zusam­men­ar­beit mit den Besat­zern einschloss.

Evelien Gans mit dem von ihr mither­aus­ge­gebnen Sammel­band „The Holo­caust, Israel and ‚the Jew‘. Histo­ries of Anti­se­mi­tism in Postwar Dutch Society“ (2016); Quelle: timesofisrael.com

In seinem tief empfun­denen Nachruf auf seine Mitau­torin und Freundin erklärte der Histo­riker Remco Ensel: „Evelien Gans nahm sich die Auffor­de­rung, die sie zu Hause gelernt hatte, sehr zu Herzen: ‚Erhebe deine Stimme, wenn du mit offen­kun­diger Unge­rech­tig­keit konfron­tiert wirst‘.“ Als frei­mü­tige Verfech­terin der Gleich­be­rech­ti­gung und groß­zü­gige Mentorin verkör­perte Gans das, was viele Akademiker:innen anstreben. Sie ging der Konfron­ta­tion nicht aus dem Weg und setzte sich damit dem Urteil von Kolleg:innen und Außen­ste­henden glei­cher­maßen aus. Bei der Deutung ihres Suizids sind fraglos zahl­reiche Faktoren zu berück­sich­tigen; nicht unter den Tisch fallen dürfen aber die Bedin­gungen in der akade­mi­schen Welt, in der Sexismus immer noch eine große Rolle spielt, und ihre zuneh­mende Enttäu­schung darüber, dass sie um Soli­da­rität kämpfen musste (auch wenn sie anmerkte, dass Ensel immer bereit war, sie zu unterstützen).

Depres­sion hinter verschlos­senen Türen

Obwohl sich vor allem dank einer neuen Genera­tion zuneh­mend diver­serer Wissenschaftler:innen im Umgang mitein­ander einiges verän­dert hat, ist Depres­sion im akade­mi­schen Betrieb immer noch stark stig­ma­ti­siert. Die Offen­le­gung einer psychi­schen Erkran­kung kann den Ruf und die Karrie­re­aus­sichten schä­digen, ganz zu schweigen von der Behand­lung durch Betreuer:innen und fort­ge­schrit­tene Wissenschaftler:innen. Im Fall von Evelien Gans mögen zudem die Umstände ihres Todes und ihre Vorliebe, Unge­rech­tig­keiten ausdrück­lich und unver­blümt beim Namen zu nennen, die schlep­pende Würdi­gung ihres Lebens und ihrer Wissen­schaft beein­flusst haben; bezeich­nender Weise wurde in den drei Jahren nach ihrem Tod ihr zu Ehren keine einzige Konfe­renz oder Veröf­fent­li­chung orga­ni­siert. Erst im Juli 2021 veran­stal­teten wir, Jazmine Contreras und Anna Hájková, zwei außer­halb der Nieder­lande tätige Holocaust-Historikerinnen, eine Gedenk­ver­an­stal­tung zu Ehren ihres Vermächt­nisses. Die Veran­stal­tung war mit über hundert Wissenschaftler:innen und Freund:innen gut besucht, von denen viele den einschnei­denden Verlust von Gans betonten, der in der nieder­län­di­schen intel­lek­tu­ellen Welt eine klaf­fende Lücke hinterließ.

Wie psychi­sche Erkran­kungen findet auch Trauer im akade­mi­schen Bereich hinter verschlos­senen Türen statt. Über­holte und oft destruk­tive Vorstel­lungen davon, was profes­sio­nelles Verhalten ausmacht, prägen noch immer unseren Umgang mitein­ander und den Ausdruck unserer Gefühle. Wenn man im Schatten des Todes von Evelien Gans schreibt, zumal über die Themen, denen sie ihr Leben gewidmet hat, wird man von der Realität ihres Verschwin­dens heim­ge­sucht. Das Wort ‚Suizid‘ auszu­spre­chen, über das norma­ler­weise nur leise gespro­chen wird, bedeutet anzu­er­kennen, dass es in unserer Gemein­schaft Menschen gibt, die leiden, und dies oft im Stillen. Eine beträcht­liche Anzahl von Historiker:innen leidet an einer psychi­schen Erkran­kung; für viele wird dies zu einer lebens­langen Heraus­for­de­rung, die durch die Bedin­gungen in der akade­mi­schen Welt verschärft wird. Trotzdem scheint es, dass ihre Regeln darin bestehen, niemals eine verletz­liche Seite zu zeigen, um die manchmal aggres­siven und kriti­schen Debatten ohne Schaden über­stehen zu können.

Eine neue Offenheit

Während der letzten zwei Jahre, in denen sich die Pandemie ausbrei­tete, gefolgt von Isola­tion und Ängsten, scheinen sich die Verhält­nisse langsam zu ändern, zumin­dest wenn man auf die Gespräche schaut, die Historiker:innen des Holo­caust, der jüdi­schen Geschichte und des Faschismus auf Twitter führen. Jetzt bemühen sich Kolleg:innen nicht mehr um eine perfekte Fassade, sondern teilen ihre Zweifel und Ängste. Wenn wir über Eveliens Leben und ihr Vermächtnis nach­denken, sollten wir uns tatsäch­lich fragen, wie wir am besten eine Gemein­schaft von Wissenschaftler:innen aufbauen und aufrecht­erhalten können, die ihr Verhalten an Werten wie Freund­lich­keit und Akzep­tanz ausrichtet. Das bedeutet aber auch, dass wir Sexismus, Anti­se­mi­tismus und Rassismus entge­gen­treten müssen, wenn wir sie antreffen – auch wenn das bedeutet, dass wir uns der unbe­quemen Aufgabe stellen müssen heraus­zu­finden, wer sich in unserer akade­mi­schen Commu­nity an derar­tigen Prak­tiken beteiligt.

Über­set­zung: Svenja Golter­mann und Philipp Sarasin