Vor dreißig Jahren schrieben Feministinnen des Mailänder Frauenbuchladens einen Text mit einer ebenso provokanten wie radikalen These: Das Patriarchat ist zu Ende. Dahinter steckt ein Verständnis von feministischem Handeln mit erstaunlicher Aktualität.

  • Milo Probst

    Milo Probst forscht als Postdoc an der EHESS Paris zur Geschichte ökofeministischer Bewegungen in der Bundesrepublik und Italien der 1970er und 1980er Jahre. Seine Dissertation ist 2024 unter dem Titel „Anarchistische Ökologien. Eine Umweltgeschichte der Emanzipation“ bei Matthes und Seitz erschienen.

In Anbe­tracht des aktu­ellen frauen- und queer­feind­li­chen Back­lash kann von einem Ende patri­ar­chaler Herr­schaft keines­wegs die Rede sein. Zu viele femi­nis­ti­sche Errun­gen­schaften sind in Gefahr, und die Utopie einer nicht-patriarchalen Welt wirkt fern. Doch von einem eben­sol­chen Ende des Patri­ar­chats spra­chen Femi­nis­tinnen des Mailänder Frau­en­buch­la­dens Libreria delle donne bereits 1996 in ihrer Schrift È acca­duto non per caso, die im selben Jahr unter dem Titel Das Patri­ar­chat ist zu Ende auf Deutsch erschienen ist. Die Behaup­tung führte damals zu Irri­ta­tionen. In der Schweizer femi­nis­ti­schen Zeit­schrift Eman­zi­pa­tion etwa warf Lisa Schmuckli den Mailän­de­rinnen vor, sie würden die schwie­rigen und empö­renden Lebens­rea­li­täten von Frauen verdrängen. Genau dreissig Jahre nach dem Erscheinen der italie­ni­schen Ausgabe und fünfzig Jahre nach der Grün­dung der Libreria scheint es mir dennoch lohnend, noch einmal den in diesem Text formu­lierten „Gedanken einen Platz einzu­räumen“, wie es Luisa Muraro, Mitau­torin und berühm­testes Mitglied der Libreria ausdrückte. Denn damit lässt sich die Geschichte und Gegen­wart des Femi­nismus auf ebenso unzeit­ge­mässe wie radi­kale Weise denken.

Glaub nicht, Rechte zu haben

Nach ihrer Grün­dung 1975 wurde die Libreria rasch zu einem der wich­tigsten Denk­kol­lek­tive für den italie­ni­schen Diffe­renz­fe­mi­nismus, wobei es den Mailän­de­rinnen nicht um eine biolo­gi­sche Fest­schrei­bung des Weib­li­chen, sondern um eine Praxis des weib­li­chen Anders-Werdens ging. Statt um Aner­ken­nung inner­halb des patri­ar­chalen Systems zu kämpfen, sollten Frauen ausge­hend von ihren konkreten Erfah­rungen und Begehren neue Lebens- und Bezie­hungs­formen entwi­ckeln. Neben einem Laden für Frau­en­li­te­ratur war die Libreria laut Traudel Sattler vor allem ein „Expe­ri­men­tier­feld für die poli­ti­sche Praxis der Bezie­hungen zwischen Frauen“, die aus den sepa­ra­tis­ti­schen Selbst­er­fah­rungs­gruppen der Neuen Frau­en­be­we­gung hervor­ging. Diese Gruppen hatten im italie­ni­schen Femi­nismus der 1970er Jahre eine heraus­ra­gende Bedeu­tung. Im Kern ging es dabei um die sprach­liche Vermitt­lung, dank der Frauen ihre Erfah­rungen erkunden und ihrem Begehren eine vom Patri­ar­chat unab­hän­gigen Bedeu­tung geben sollten.

Dem ging eine Proble­ma­ti­sie­rung des femi­nis­ti­schen Gleich­heits­pos­tu­lats voraus. Gleich­heit, so die Italie­ne­rinnen, erfor­dere von den Frauen eine Anglei­chung an die männ­liche Ordnung, wodurch das weib­liche Begehren nach Frei­heit und auto­nomer Sinn­stif­tung blockiert werde. Gleich­heit sei zudem an staat­liche Rechts­ga­ran­tien geknüpft, welche Frauen als passive und homo­gene Masse von Schutz­be­dürf­tigen konsti­tu­ierten. Und schließ­lich hemme der Gleich­heits­an­spruch eben­falls den Aufbau von reich­hal­tigen Frau­en­be­zie­hungen. Werden diese als schwes­ter­liche Bezie­hungen zwischen Glei­chen gedacht – wie es in den Selbst­er­fah­rungs­gruppen der frühen 1970er Jahre häufig der Fall war –, schei­tere die femi­nis­ti­sche Praxis früher oder später an den Unter­schieden zwischen Frauen.

„Glaub nicht, Rechte zu haben“ war die wort­wört­liche Über­set­zung des wohl berühm­testen Textes der Libreria von 1987, der 1991 auf Deutsch unter dem Titel Wie weib­liche Frei­heit entsteht erschienen ist. Frei­heit, so prokla­mierten die Femi­nis­tinnen hier, brauche keine staat­li­chen Garan­tien, sondern zual­ler­erst die Entwick­lung eines weib­li­chen Bezugs­rah­mens: keinen Appell an den Staat, sondern eine konkrete, im Alltag verwur­zelte Praxis der Bezie­hungen zwischen Frauen. Kein Beklagen der Entrech­tung, sondern Erfor­schen und gegen­sei­tiges Auto­ri­sieren des eigenen Begeh­rens – ein sich Anver­trauen, auf Italie­nisch affi­da­mento. Kein Spre­chen für die weib­li­chen Massen, sondern sprach­liche Vermitt­lung mit konkreten Frauen. Keine Suche nach einer Gleich­heit im Unterdrückt-Sein, sondern ein In-Beziehung-Setzen von unter­schied­li­chen Erfah­rungen, Lebens­ent­würfen und Wünschen. In diesem Sinn ist Frei­heit keine indi­vi­dua­lis­ti­sche Eigen­schaft. Wie Hannah Arendt, auf die sie sich häufig beziehen, denken die Mailän­de­rinnen Frei­heit als welt­bil­dende Praxis, die aus dem Zwischen­raum mensch­li­cher Bezie­hungen erwächst.

Es ist nicht aus Zufall passiert

Mit einer solchem Konzep­tion von Frei­heit werden andere Maßstäbe an femi­nis­ti­sches Handeln heran­ge­tragen. Es ist nicht die recht­liche, poli­ti­sche oder ökono­mi­sche Gleich­stel­lung, welche die Fort­schritte weib­li­cher Eman­zi­pa­tion in erster Linie bemisst. Auch wenn natür­lich etwa Abtrei­bungs­ge­setze oder der Gender Pay Gap das Leben von Frauen beein­flussen, sagen sie doch per se wenig über die konkrete Fähig­keit von Frauen aus, sich zu subjektivieren.

Somit war für die Mailän­de­rinnen mit dem Ende – oder auch der Been­dung – des Patri­ar­chats nicht das tatsäch­liche Ende weib­li­cher Benach­tei­li­gung und Ausbeu­tung gemeint, sondern es meinte, dass Frauen in verschie­densten Lebens­lagen einen Sinn für ihr Leben und ihr Begehren suchen, der sich nicht mehr mit der patri­ar­chalen Bestim­mung ihrer Exis­tenz deckt. Viele Frauen wollen nicht mehr Eigentum des Ehemannes sein; sie erachten ihre Anatomie nicht mehr als Schicksal; sie befinden sich an einem anderen Ort als den für sie vorge­se­henen. Gegen die Thesen des Endes oder gar Schei­terns der „zweiten femi­nis­ti­schen Welle“ behaupten die Mailän­de­rinnen entschieden: Femi­nismus ist – wie prekär und unscheinbar auch immer – bereits tatsäch­lich passiert.

Und während man in den 1990er Jahren die bürger­liche Demo­kratie und den Siegeszug des globalen Kapi­ta­lismus als „Ende der Geschichte“ beju­belte, so der Titel eines Essays des ameri­ka­ni­schen Poli­to­logen Francis Fuku­yama von 1989, feierten die Mailän­de­rinnen gerade nicht das Ende des Geschlech­ter­kon­flikts. Wie schon für die Femi­nistin und Kunst­kri­ti­kerin Carla Lonzi in den 1970er Jahren markierte der Femi­nismus für die Frauen der Libreria einen unzeit­ge­mäßen „Schnitt“ in der patri­ar­chalen Ordnung, durch den Frauen zu Subjekten werden. Das Ende des Patri­ar­chats ist eine Öffnung.

Es ist nicht zum Lachen

So gelte es zu erkennen, dass sich die weib­liche Frei­heits­praxis in die Textur der Gegen­wart einge­woben und die sozialen Bezie­hungen zu verän­dern begonnen haben. Doch seien die meisten Zeit­dia­gnos­tiker – selbst die Linken – außer­stande, „die ,weib­liche Revo­lu­tion‘ zu regis­trieren, die die Gesell­schaft in ihren elemen­tarsten Punkten verän­dert“. Die Mailän­de­rinnen plädieren also dafür, die großen histo­ri­schen Umbrüche der 1990er Jahre mit dem femi­nis­ti­schen Aufbruch in Bezie­hung zu setzen.

Als der Text des Mailänder Frau­en­buch­lan­dens 1996 erschien, hatte Silvio Berlus­coni seine erste Amts­zeit als Premier hinter sich. Fast 20 Jahre sollte er die italie­ni­sche Politik domi­nieren. Auf den Ruinen des tradi­tio­nellen, von Korrup­ti­ons­skan­dalen erschüt­terten Partei­en­sys­tems gelang dem Medi­en­ty­coon und Immo­bi­li­en­spe­ku­lanten ein blitz­ar­tiger poli­ti­scher Aufstieg. Für die Mailän­de­rinnen war klar, dass zwischen dieser Krise der poli­ti­schen Insti­tu­tionen, der Heraus­bil­dung neuer Macht­formen und dem Ende des Patri­ar­chats Zusam­men­hänge gesucht werden mussten. Demnach wäre der Aufstieg Berlus­conis auch als eine Reak­tion auf das Aufbre­chen rigider patri­ar­chaler Geschlech­ter­be­zie­hungen zu verstehen, denn wer die Krise der 1990er Jahre nur mit makro­po­li­ti­schen und ökono­mi­schen Faktoren erklärt, über­sieht unter­grün­dige Subjek­ti­vie­rungs­praxen von Frauen.

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Das war nicht nur zum Lachen, wie die Mailän­de­rinnen mit einem Zitat der bulgarisch-französischen Theo­re­ti­kerin Julia Kris­teva fest­hielten. Am Ende des Patri­ar­chats blühe das „Phan­tasma einer angeb­li­chen, entsetz­li­chen Allmacht“ der Männer, schrieben sie weit­sichtig. Wie immer wieder ange­merkt wird, nahm Berlus­coni viele Elemente des gegen­wär­tigen Auto­ri­ta­rismus vorweg: Ein gezielter Abbau des Rechts­staates, die Nutzung poli­ti­scher und medialer Macht zur persön­li­chen Berei­che­rung, eine Konzep­tion von Frei­heit als rück­sichts­lose Durch­set­zung indi­vi­du­eller Inter­essen, ein inniger Hass gegen eine soli­da­ri­sche Gesell­schafts­po­litik und natür­lich eine Verach­tung und Objek­ti­vie­rung von Frauen. „Die Befürch­tung“, schreiben die Frauen der Libreria, „das Patri­ar­chat könnte bei seinem Unter­gang auch Insti­tu­tionen mit sich in die Tiefe reißen, die für ein Minimum an gesell­schaft­li­cher Ordnung noch uner­läss­lich sind, so dass Chaos, eine reak­tio­näre Wende oder falsche Wider­stände entstehen, ist also durchaus berechtigt.“

Denn der femi­nis­ti­sche Aufbruch, schrieb schon Carla Lonzi 1970 in ihrem berühmten Text Wir pfeifen auf Hegel, werde die Männer auf dem tiefen „Grund der Einsam­keit“ zurück­lassen. Weit vom heutigen, mitlei­digen Diskurs über male loneli­ness entfernt, war diese Einsam­keit für Lonzi und die Mailän­de­rinnen Ausdruck einer Unfä­hig­keit zu nicht-zerstörerischen, nicht-besitzergreifenden Bezie­hungs­prak­tiken. Gewohnt das Maß aller Dinge zu sein, kann sich der Mann nicht als parti­elles Subjekt zur Welt verhalten. Er fühlt sich nur in einer Welt behei­matet, die ihm zu Füssen liegt.

Herr­schaft im Post-Patriarchat

Dennoch hat der Text von 1996 einen eupho­ri­schen, fast schon trium­pha­lis­ti­schen Ton. Ende der 2000er Jahre griffen der Libreria nahe­ste­hende Femi­nis­tinnen auf die Gedanken dieses Textes zurück, spra­chen nun aber diffe­ren­zierter von einem „Post-Patriarchat“. Wie die Jour­na­listin und Theo­re­ti­kerin Ida Domi­ni­janni in ihrem faszi­nie­renden Buch Il Trucco. Sessua­lità e biopo­li­tical nella fine di Berlus­coni erklärt, war damit kein radikal neues Zeit­alter gemeint. Der Begriff verwies viel­mehr auf eine „Mischung aus Inno­va­tion und Regres­sion“, eine neue „Macht­kon­stel­la­tion“, in der männ­liche Domi­nanz nicht über reine Unter­ord­nung und Passi­vität aufrecht­erhalten wird.

Es ist die Zeit, in der Berlus­coni und seine Entou­rage in immer größere Skan­dale wegen Geschlechts­ver­kehr mit Minder­jäh­rigen und obszönen Sexpartys verwi­ckelt ist. Mit der Orga­ni­sa­tion eines Kongresses versuchte Domi­ni­janni 2009 mit ihren Gefähr­tinnen Maria Luisa Boccia, Tamara Pitch, Bianca Pome­ranzi und Grazia Zuffa dieser Verstri­ckung von Sex, Macht und Geld nach­zu­spüren. Domi­ni­janni, Boccia und Zuffa waren in den 1970ern und 1980ern Mitglieder der Kommu­nis­ti­schen Partei Italiens und versuchten, linke Partei­po­litik und Diffe­renz­fe­mi­nismus zu verknüpfen.

2009 wandten sie sich gegen zwei Deutungen von Berlus­conis Affären. Die erste und vorherr­schende sah sie als Indiz für die unge­bro­chene Konti­nuität des Patri­ar­chats. So wurde in den Medien häufig das Klischee eines tief­sit­zenden ‚südeu­ro­päi­schen‘ Machismo bedient. Frauen kamen in diesen Erzäh­lungen nur als passive Opfer vor. Das passte nicht immer zu den Frauen, die teil­weise auch angaben, aus freien Stücken an Berlus­conis Sexpartys teil­ge­nommen zu haben. Die zweite, von Jacques Lacan inspi­rierte Deutung las Berlus­conis Sexskan­dale als Ausdruck einer neuen Form von Herr­schaft, die nicht mehr allein über Unter­drü­ckung agiere. Anstelle einer väter­li­chen Auto­rität trete ein para­doxaler Zwang zum Genuss bzw. die Para­do­xien der Mehr­lust, wie es Slavoj Žižek promi­nent formu­liert. Die Trans­gres­sion von recht­li­chen und mora­li­schen Normen werde nicht mehr unter­drückt und scham­haft verschwiegen, sondern als obszöne, rück­sichts­lose Frei­heit insze­niert. So schienen Femi­nis­tinnen (und die gesamte Neue Linke) in entstellter Form das zu ernten, was sie seit Anbruch der Neuen Frau­en­be­we­gung gesät hatten: Ihr frei­heit­li­ches Aufbe­gehren kehrt als Akzep­tanz neoli­be­raler Subjek­ti­vie­rung wieder.

Während die erste Erzäh­lung weib­liche Hand­lungs­fä­hig­keit gar nicht erst erkennt, versteht sie die zweite nur noch in ihrer Funk­tio­na­lität für die herr­schende Ordnung. Doch wird dadurch gerade jene subver­sive Frei­heits­praxis unsichtbar gemacht, die am Ursprung der Skan­da­li­sie­rung von Berlus­conis Gebaren stand: Es waren Frauen, die über die Gescheh­nisse in Berlus­conis Villa Arcore spra­chen, und andere Frauen, die für diese Worte einen Reso­nanz­raum schufen. Wieder­holt betonen die Italie­ne­rinnen, dass Frauen ganz maßgeb­lich die Risse in Berlus­conis Macht­system verur­sacht haben – ange­fangen mit Berlus­conis dama­liger Ehefrau Vero­nica Lario, die ab 2007 mehr­fach die Machen­schaften des Premiers öffent­lich anpran­gerte. Viele Jahre vor #MeToo denken sie Femi­nismus als eine Praxis des Spre­chens und Zuhö­rens. Femi­nismus ist für sie der Raum, der sich öffnet, wenn Frauen ihren scheinbar verein­zelten Erfah­rungen und Wünschen einen neuen Sinn geben. Wo das, was sie denken, fühlen und begehren aus den vom Patri­ar­chat vorge­se­henen Bahnen ausschert.

Spuren von Freiheit

Deshalb sei es für Femi­nis­tinnen beson­ders wichtig, schreiben Domi­ni­janni, Boccia, Pitch, Pome­ranzi und Zuffa 2009,

die rich­tige Brille aufzu­setzen, um Spuren von Frei­heit und Formen des Wider­stands und der Loslö­sung zu erkennen, die sich auch dort entwi­ckeln, wo Politik und Medien sie nicht sehen. Bei unter­schied­li­chen Frauen, auch bei denen, die sich völlig von den Femi­nis­tinnen von gestern und heute unterscheiden.

Die Stärke dieser Denke­rinnen ist es, Femi­nismus nicht auf eine Ideo­logie, eine sozio­lo­gisch vorde­fi­nierte Gruppe oder eine bestimmte Akti­ons­form zu redu­zieren. Femi­nismus ist für sie ein unvor­her­ge­se­hener Bruch mit der patri­ar­chalen Ordnung, die von ebenso unvor­her­ge­se­henen Subjekten auf stets unver­hoffte Weise vorge­nommen wird.

Produktiv scheint mir das Postulat vom Ende des Patri­ar­chats, wenn es nicht in eine trenn­scharfe Peri­odi­sie­rung über­setzt wird, sondern in erster Linie dazu dient, unter­grün­dige und unschein­bare Formen weib­li­cher Subjek­ti­vie­rung in den Blick zu nehmen. Ganz beson­ders heute, inmitten eines patri­ar­chalen Back­lash, erin­nern die Mailän­de­rinnen daran, dass das Patri­ar­chat keine stabile poli­ti­sche und soziale Ordnung mehr stiftet – und dass sich die männ­liche Zerstö­rungs­lust ganz beson­ders in dieser Situa­tion schreck­lich auswächst.

Schließ­lich ist der Text der Mailän­de­rinnen nicht nur als Bestands­auf­nahme zu verstehen. Denken und Spre­chen ist für diese italie­ni­schen Femi­nis­tinnen immer auch eine Wette darauf, dass sich Erfah­rungen auf neuar­tige Weise erschließen und Worte auf unbe­kannten Wegen zirku­lieren können. Jedoch nicht dadurch, dass sich Frauen die Verän­de­rung volun­t­a­ris­tisch herbei­reden, sondern indem sich Sprache und Erfah­rung, Geschichte und Gegen­wart an neuen Punkten kreuzen. So gesehen leistet das Spre­chen vom Ende des Patri­ar­chats stets zwei­erlei: Es legt Zeugnis ab und führt zu einer „Wieder­eröff­nung des Spiels“. Es (ist) passiert.