Rechte Angriffe auf CSD-Paraden haben in den letzten Jahren zugenommen. Angesichts dieser autoritären Attacken verkörpern die CSDs eine demokratische, vielfältige und offene Gesellschaft. Was ist ihre Geschichte? Wofür stehen sie? Und was können sie einem konservativen Backlash entgegensetzen?

  • Tanja Vogler

    Dr. Tanja Vogler ist Universitätsassistentin am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien. Zu ihren Veröffentlichungen gehören „Das politische Subjekt des queeren Aktivismus. Diskurs- und Akteurskonstellationen queerer Politiken im deutschsprachigen Raum“ und „Erbe und Geist der Stonewall-Inn-Proteste: Eine diskursanalytische Untersuchung queerer Erinnerungspolitiken“. Ihre Lehr- und Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem in den Bereichen queer-feministische Theorie und Aktivismus, Kritische Diskursanalyse und Sexuelle Bildung.

Rund 680 Rechts­extreme marschierten im August 2024 unter dem Motto „Gegen Gender-Propaganda und Iden­ti­täts­ver­wir­rung!!!“ gegen die im säch­si­schen Bautzen statt­fin­dende CSD-Parade auf. Mit ausländer- und queer­feind­li­chen Parolen, Reichs­flaggen und dem Verbrennen von Regen­bo­gen­fahnen wurde der Hass unver­hohlen auf die Straße getragen. Die Gewalt­be­reit­schaft und Aggres­sion der rechts­extremen Demonstrant:innen konnten ledig­lich durch ein starkes Poli­zei­auf­gebot einge­dämmt werden. Insge­samt hat es im Sommer 2024 in Deutsch­land 55 rechts­extreme Mobi­li­sie­rungen gegen CSD-Paraden gegeben – so viele wie noch nie zuvor. Eine verstärkte Obses­sion rechter Gruppen mit Themen wie Geschlecht und Sexua­lität lässt sich seit rund 10 Jahren beob­achten. Sie zeigt sich nicht nur in der zuneh­menden, äußerst aggres­siven Agita­tion gegen den CSD, sondern auch in den mitt­ler­weile geltenden Gender-Verboten in mehreren deut­schen Bundes­län­dern, den Kund­ge­bungen gegen Kinder­buch­le­sungen von Drag-Queens und gegen angeb­liche Früh­sexua­li­sie­rung, an den Verschwö­rungs­ideo­lo­gien über eine vermeint­liche „Trans*Propaganda“ in der Sexu­al­päd­agogik sowie an den zuneh­menden Hass- und Gewalt­ver­bre­chen gegen queere Orte und Personen, wie im November 2024 der Brand­an­schlag auf eine queere Bar in Rostock.

Zuneh­mende Akzep­tanz und Sichtbarkeit

Die Geschlechterforscher:innen Sabine Hark und Paula-Irene Villa Bras­lavsky sehen in diesen Angriffen eine Reak­tion auf „postes­sen­tia­lis­ti­sche Zustände“. Lesbi­sche, schwule, trans* und nonbi­näre Lebens­weisen sind heute so präsent wie nie: Nach­rich­ten­sen­dungen verwenden gender­in­k­lu­sive Sprache, Strea­ming­platt­formen zeigen vermehrt Filme und Serien zu LGBTQA+ Lebens­weisen, im „pride month“ Juli schmü­cken sich viele Städte, Geschäfte und Firmen mit Regen­bo­gen­fahnen und es finden vermehrt in klei­neren Städten und länd­li­cheren Gegenden in Deutsch­land CSD-Veranstaltungen statt. Auch auf recht­li­cher Ebene ist in den letzten fünf Jahren einiges passiert: Seit 2017 ist die Ehe für alle geöffnet, seit 2018 gibt es den Geschlechts­ein­trag divers und im November 2024 ist das Selbst­be­stim­mungs­ge­setz in Kraft getreten, das das veral­tete Trans­se­xu­el­len­ge­setz ablöst.

Anti­fe­mi­nismus und Queerfeindlichkeit

Rechte und rechts­ra­di­kale Gruppen bezeichnen solche Errun­gen­schaften als Teil einer angeb­li­chen Gender-Ideologie, die es zu bekämpfen gelte. Queer­feind­lich­keit und Anti­fe­mi­nismus sind dabei eng mitein­ander verbunden: Die natür­liche Ordnung sehe sowohl eine patri­ar­chal orga­ni­sierte Zwei­ge­schlecht­lich­keit als auch eine der Fort­pflan­zung dienende Hete­ro­se­xua­lität vor, so die reak­tio­näre Denkart. Ausge­hend von dieser vermeint­lich natür­li­chen Geschlecht­er­ord­nung werden zwei Bedro­hungs­sze­na­rien entworfen: Zum einen sei die Homo­ge­nität der Gesell­schaft und das Über­leben der Nation von „unten“ bedroht. Der gewalt­be­reite, patri­ar­chale und homo­phobe musli­mi­sche Mann und die Ferti­lität der musli­mi­schen Frau seien eine Gefahr für die Nation. Zum anderen wird eine Bedro­hung von „oben“, d. h. von elitären, intel­lek­tu­ellen, kinder­losen, femi­nis­ti­schen Karrie­re­frauen und queeren Menschen behauptet, die die hete­ro­se­xu­elle Klein­fa­milie und die tradi­tio­nelle Auftei­lung der Sorge­ar­beit in Frage stellen. Die hete­ro­nor­mativ und patri­ar­chal orga­ni­sierte Klein­fa­milie hat dabei keinen Wert an sich, sondern soll der Repro­duk­tion der auto­chthonen Bevöl­ke­rung dienen. Der Diskurs der „Gender-Ideologie“ wird so in eine rassis­ti­sche und sozi­al­dar­wi­nis­ti­sche Bevöl­ke­rungs­ideo­logie inte­griert, die dadurch neu und modern verpackt wird. Das ist wiederum ist eng verknüpft mit rassis­ti­schen und anti­se­mi­ti­schen Verschwö­rungs­theo­rien, die einen von Eliten geplanten und gesteu­erten „Bevöl­ke­rungs­aus­tausch“ behaupten. Diese Droh­sze­na­rien eines herbei­fa­bu­lierten Angriffs stig­ma­ti­sieren queere und rassi­fi­zierte Andere als Feinde der Nation und sollen die Gewalt gegen sie legi­ti­mieren. Die Hass­reden tragen bereits Früchte. Gegen­wärtig zeigt sich das in den zuneh­mend gewalt­vollen Demons­tra­tionen und Drohungen gegen CSD-Paraden, die im Jahr 2025 bereits dazu geführt haben, dass erste Veran­stal­tungen aus Sicher­heits­gründen abge­sagt oder umge­plant wurden, etwa in Gelsen­kir­chen und Regens­burg.

Die Stone­wall Inn-Proteste in New York

CSD-Paraden gehen auf eine Zeit zurück, in der viele der aktuell erneut unter Beschuss stehenden Errun­gen­schaften von LGBTQA+ Personen nicht selbst­ver­ständ­lich waren: So stellten in den USA beispiels­weise die Sodomy Laws homo­se­xu­elle Hand­lungen in der Öffent­lich­keit unter Strafe, Homo­se­xua­lität galt als Krank­heit, und es war recht­lich geboten, mindes­tens drei Klei­dungs­stücke des bei der Geburt zuge­schrie­benen Geschlechts zu tragen. Im Juni 1969 protes­tierten in einer New Yorker Bar – dem Stone­wall Inn in der Chris­to­pher Street – Schwule, Lesben, trans* Menschen, Drag-Queens, wohnungs­lose und drogen­ab­hän­gige Jugend­liche und Sexarbeiter:innen – viele von ihnen People of Color – mehrere Tage gegen die will­kür­liche Poli­zei­ge­walt, der sie regel­mäßig ausge­setzt waren.

Lange Zeit galten die Proteste im Stone­wall Inn als die ersten spon­tanen und länger andau­ernden Kämpfe gegen Poli­zei­ge­walt. Mitt­ler­weile wissen wir dank der Recherche der Histo­ri­kerin Susan Stryker, dass es bereits vorher in Compton’s Cafe­teria in San Fran­cisco ähnliche Proteste gegeben hatte. Im Unter­schied zu den Protesten in San Fran­cisco waren bei den Kämpfen im Stone­wall Inn nicht nur trans* Menschen, Drag Queens und Sexarbeiter:innen betei­ligt, sondern auch homo­phile Aktivist:innen. Diese verfügten über die notwen­digen poli­ti­schen Struk­turen, um die Proteste im Stone­wall Inn erin­nerbar zu machen. Bereits ein Jahr nach den dortigen Protesten wurden in mehreren US-Städten wie New York, Los Angeles, San Fran­cisco und Chicago Gedenk­ver­an­stal­tungen abge­halten. Diese markierten den Beginn der heute nahezu welt­weit statt­fin­denden CSD-Paraden. In den folgenden Jahren erreichte die Protest­be­we­gung auch Europa.

Out and Proud: Die Gay Liberation-Bewegung

Der Chris­to­pher Street-Day erin­nert aber auch an den Beginn einer neuen homo­se­xu­ellen und trans* Bewe­gung, der es gelang, eine zuneh­mende Akzep­tanz für Lesben und Schwule zu errei­chen. Im Anschluss an die Proteste 1969 spal­tete sich auf einer Versamm­lung der homo­philen Orga­ni­sa­tion Matta­chine Society eine Gruppe radi­kaler Aktivist:innen ab und grün­dete die Gay Libe­ra­tion Front (GLF), die den Beginn der soge­nannten Gay Liberation-Bewe­gung markiert. Die Gay is good-Poli­tiken des homo­philen Akti­vismus wurden von den out and proud-Poli­tiken der Gay Libe­ra­tion Front (GLF) abge­löst. Trotz bestehender Stig­ma­ti­sie­rung, Krimi­na­li­sie­rung und Patho­lo­gi­sie­rung zeigten sich lesbisch, schwule, bise­xu­elle und trans* Körper offen und selbst­be­wusst auf der Straße und schafften damit Sicht­bar­keit und Akzep­tanz. Zu Beginn war die Gay Libe­ra­tion-Bewe­gung, insbe­son­dere die GLF, noch ein Beispiel für eine Politik der Bünd­nisse zwischen Drag Queens, trans* Menschen, lesbi­schen Frauen und schwulen Männern, die beispiels­weise mit der Bürger­rechts­be­we­gung zusam­men­ar­bei­teten. Obwohl diese Bünd­nisse schnell schei­terten und die Gay Libe­ra­tion Front nicht länger als ein Jahr hielt, entstanden in kurzer Zeit viele neue Gruppen. Dazu gehörten beispiels­weise die Gay Acti­vist Alli­ance, die Third World Gay Revo­lu­tion und die Orga­ni­sa­tion STAR (Street Trans Acti­vist Revo­lu­tio­na­ries), die sich für die Unter­stüt­zung von wohnungs­losen trans* Jugend­li­chen einsetzte. Lesbi­sche Frauen schlossen sich aufgrund der männ­li­chen Domi­nanz in der Gay Liberation-Bewe­gung eher der Frau­en­be­we­gung an.

Wann kam der CSD nach Deutschland?

Auch in Deutsch­land formierte sich eine Schwulen-, Lesben- und Trans*Bewegung in einer Zeit, in der homo­se­xu­elle und trans* Personen krimi­na­li­siert und patho­lo­gi­siert wurden. Der §175, der homo­se­xu­elle Männer straf­recht­lich verfolgte, wurde 1969 refor­miert, während das Familien- und Eherecht, das die Vormacht­stel­lung des Mannes über die Frau fest­schrieb und auch lesbi­sche Frauen benach­tei­ligte, erst 1977 geän­dert wurde. Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion strich Homo­se­xua­lität 1990 aus ihren Krank­heits­ka­ta­logen, und Tran­si­den­tität wurde erst 2022 offi­ziell nicht mehr als Persön­lich­keits­stö­rung eingestuft.

Nachdem im Natio­nal­so­zia­lismus fast alle LGBT-Strukturen zerstört wurden, dauerte es eine Weile, bis sich neue Bewe­gungen formierten. Dabei orga­ni­sierte sich der Lesben-, Schwulen und Trans*Aktivismus zunächst weit­ge­hend getrennt vonein­ander. Lesbi­sche Frauen orga­ni­sierten sich ab den 1970er Jahren in den Frau­en­be­we­gungen. Zum Teil gab es auch lesbi­sche Gruppen in den homo­se­xu­ellen Orga­ni­sa­tionen. In der Schwu­len­be­we­gung gilt der 1971 erschie­nene Film von Rosa von Praun­heim Nicht der Homo­se­xu­elle ist pervers, sondern die Situa­tion, in der er lebt als deut­sches Stone­wall, denn im Anschluss an die Film­vor­füh­rung orga­ni­sierten sich schwule Gruppen, die nicht nur die Namen (z. B. Gay Libe­ra­tion Front), sondern auch die out and proud-Poli­tiken aus den USA über­nahmen. Trans* Orga­ni­sa­tionen und Akti­vismus formierten sich in Deutsch­land erst ab den 1990er Jahren.

1979 – zehn Jahre nach den Stone­wall Inn-Protesten in New York – fanden die ersten CSD-Paraden in mehreren großen deut­schen Städten statt. Aller­dings gab es bereits 1972 in Münster Demons­tra­tionen von Schwulen und Lesben, die dort selbst­be­wusst auf die Straße gingen. In der Schweiz fand die erste Pride-Parade 1978 in Zürich unter dem Motto „Wir fordern“ statt. In Wien wurde die erste Regen­bo­gen­pa­rade vergleichs­weise spät – 1996 – veran­staltet. Ein Grund dafür war die lang­same Neugrün­dung schwul-lesbischer Orga­ni­sa­tionen in Öster­reich nach ihrer Zerschla­gung durch den Nationalsozialismus.

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CSD-Paraden heute

Mitt­ler­weile werden in fast jeder großen Stadt, aber auch zuneh­mend in klei­neren Städten und länd­li­chen Regionen jähr­lich CSD-Paraden orga­ni­siert. In Köln, dem größten CSD in Deutsch­land, nahmen 2024 ca. 60.000 Teilnehmer:innen und ca. 1 Millionen Zuschauer:innen an der Parade teil. In Zürich kamen 40.000 Teilnehmer:innen zur Zurich Pride 2022. CSD-Veranstaltungen sind auch Gegen­stand verschie­dener interner Kritiken, d. h. aus der LGBTQA+ Commu­nity. Es gibt Ausein­an­der­set­zungen über die zuneh­mende Entpo­li­ti­sie­rung der Veran­stal­tungen, die nur auf Party und Konsum ausge­richtet seien, ebenso wie über die kommer­zi­elle Verein­nah­mung durch Firmen wie Google oder UBS und bis vor einiger Zeit Credit Suisse, die mit eigenen Wagen auf den CSD-Paraden mitfahren. Es werden auch trans­feind­liche und rassis­ti­sche Ausschlüsse der CSD-Veranstaltungen kriti­siert. Ein promi­nentes Beispiel hierfür ist die Ableh­nung des Zivilcourage-Preises des Berliner CSD durch Judith Butler im Jahr 2010. Butler begrün­dete ihre Entschei­dung mit dem Vorwurf der Kompliz:innenschaft des CSDs mit Rassismus. Zuvor hatte Butler den Austausch mit anti­ras­sis­ti­schen queeren Orga­ni­sa­tionen in Berlin gesucht. Mitunter entstehen aus den Kritiken am CSD heraus neue alter­na­tive Protest­de­mons­tra­tionen, wie beispiels­weise der Dyke March, die TIN*-Pride oder die Inter­na­tio­na­list Queer Pride in Berlin. Teil­weise werden die Kritiken am CSD ernst genommen und umge­setzt und zum Teil wird weiterhin gestrit­tenen und disku­tiert. Beispiels­weise passte die Zürich Pride 2022 ihr ursprüng­li­ches Motto „trans­normal“ nach Kritik von Trans*Organisationen an und änderte es in „trans – Viel­falt leben“. Erst­mals in den 27 Jahren der Veran­stal­tung stand damit ein Motto im Fokus, das sich explizit auf trans* Themen bezog. Dies führte jedoch dazu, dass sich trans­feind­liche Gruppen von der Pride distan­zierten. Eine bestän­dige kriti­sche Ausein­an­der­set­zung mit den eigenen Ein- und Ausschlüssen ist aller­dings im Sinne eines queer-feministischen Poli­tik­ver­ständ­nisses ein wesent­li­cher Bestand­teil von queer-feministischen Poli­tiken. In einem Punkt sind sich die meisten in der LGBTQA+ Commu­nity einig: Es lohnt sich, um den CSD zu streiten, denn er ist eine zentrale Erin­ne­rungs­ver­an­stal­tung der LGBTQA+ Community.

Politik der Alli­anzen gegen eine Politik der Feindschaft

CSD-Paraden erin­nern daran, dass die wach­sende Akzep­tanz und Sicht­bar­keit von LGBTQA+ Lebens­weisen kein Selbst­ver­ständnis ist, sondern das Ergebnis langer und harter Kämpfe. Die rechts­extremen Gegen­de­mons­tra­tionen im vorigen Jahr und die fehlende Entschlos­sen­heit mancher­orts, CSD-Paraden zu schützen, machen deut­lich, wie fragil diese Errun­gen­schaften sind. Immer häufiger rücken CSDs ins Visier rechts­extremer Hetze und Angriffe: Diese betrachten die Sicht­bar­keit und Akzep­tanz von LGBTQA+ als Bedro­hung für die Repro­duk­tion der auto­chthonen Bevöl­ke­rung. Mit Trans­pa­renten, die Slogans wie „Es gibt viele psychi­sche Probleme, aber nur zwei Geschlechter“ tragen, wird eine erneute Patho­lo­gi­sie­rung von trans*, inter und nonbi­nären Personen gefor­dert – und damit die Rück­kehr zu einer vermeint­lich natür­li­chen Ordnung propa­giert. Das Verbrennen von Regen­bo­gen­flaggen steht gar für die Auslö­schung von LGBTQA+ Lebensweisen.

Umso wich­tiger sind CSD-Paraden in der Gegen­wart: Wir müssen weiterhin gemeinsam auf die Straße gehen und dafür kämpfen, dass all die Errun­gen­schaften, für die LGBTQA+ Menschen ihre Unver­sehrt­heit aufs Spiel gesetzt haben, nicht verloren gehen. CSD-Paraden stehen histo­risch für eine Politik der Alli­anzen zwischen trans* Menschen, Schwulen, Bise­xu­ellen, Lesben, People of Color, wohnungs­losen Menschen und vielen anderen. Diese Alli­anzen verweisen auf eine gemeinsam geteilte, wenn auch ungleich verteilte Verletz­bar­keit, für die wir zusammen Verant­wor­tung tragen. Eben­diese Alli­anzen, die durchaus auch konflikt­haft sein können, müssen ange­sichts rechter Bedro­hungen gestärkt werden, um einer rechten Politik der Feind­schaft, in der beson­ders queere und migran­ti­sche Menschen als Feinde der Nation stili­siert werden, entge­gen­zu­treten. Denn Pride-Paraden sind histo­risch wie gegen­wärtig ein zutiefst demo­kra­ti­sches Projekt: Als zivil­ge­sell­schaft­liche Bewe­gung setzen sie sich für den Einschluss jener ein, die aus dem vermeint­li­chen Univer­sa­lismus der Demo­kratie ausge­schlossen werden. In diesem Sinne sind CSDs auch ein zentraler Bestand­teil des Wider­stands gegen erstar­kende faschis­ti­sche und damit anti­de­mo­kra­ti­sche Strö­mungen, die eine geschlos­sene, homo­gene und damit demo­kra­tie­feind­liche Gesell­schaft anstreben.