Dieses Jahr sind erstmals Mixed-Martial-Arts-Kämpfe im Weissen Haus geplant. Angekündigt als „UFC White House“ zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung, finden sie jedoch nicht am Fourth of July statt, sondern an Donald Trumps 80. Geburtstag. Damit festigt die Kampfdisziplin ihre Funktion als antiliberaler reaktionärer Code.

  • Christian Koller

    Christian Koller ist Direktor des Schweizerischen Sozialarchivs und Titularprofessor für Geschichte der Neuzeit an der Universität Zürich. Er lehrt und forscht zur Geschichte von Rassismus und Nationalismus, sozialen Bewegungen, Gewaltgeschichte, Erinnerungskulturen, Historischer Semantik und Sportgeschichte.

Der Vollkontakt-Sport Mixed Martial Arts (MMA), der Schlag-, Tritt-, Bodenkampf- und Ring­tech­niken anderer Diszi­plinen kombi­niert, hat im letzten Vier­tel­jahr­hun­dert einen rasanten Aufschwung erlebt. 2025 wurde er in The Smas­hing Machine cine­as­tisch verar­beitet. MMA wird beispiels­weise auch vom Akade­mi­schen Sport­ver­band Zürich ange­boten – gemäss dessen Webseite „ideo­lo­gie­frei“. Die Präzi­sie­rung ist nicht zufällig: MMA ist zu einer trans­na­tio­nalen Echo­kammer reak­tio­närer Fanta­sien geworden mit einem Kult der „strong men“, von Schlägen statt Argu­menten, „rudeness“ statt „woke­ness“ und der Orien­tie­rung an vermeint­lich tradi­tio­nellen Geschlech­ter­mus­tern, die durch die Präsenz von MMA-Kämpferinnen nicht wirk­lich in Frage gestellt werden. Damit zieht MMA nicht nur von toxi­scher Männ­lich­keit faszi­nierte Jugend­liche an, sondern auch Auto­kraten, Tech-Oligarchen, Neonazis oder Isla­misten.

Trumps MMAg­archy

MMA entwi­ckelte sich im späten 20. Jahr­hun­dert aus Vorläu­fern in Japan, Brasi­lien und den USA. Die domi­nante „Ulti­mate Fighting Cham­pi­on­ship“ (UFC) entstand 1993. In den späten 1990ern führte eine Kampagne des repu­bli­ka­ni­schen Sena­tors John McCain und der American Medical Asso­cia­tion zu MMA-Verboten in 36 Bundes­staaten und der Verban­nung aus TV-Programmen. Die Margi­na­li­sie­rung endete 2001, als Trump seine Casinos für MMA öffnete und mit UFC eine ähnliche Symbiose einging wie seit den 80ern mit „World Wrest­ling Enter­tain­ment“ (WWE). 2005 star­tete die UFC-Reality-TV-Serie „The Ulti­mate Fighter“. 2011 ging UFC eine Part­ner­schaft mit Fox News ein, 2023 kam sie mit WWE zur TKO Group. 2024 machte UFC 1,4 Mia. Dollar Umsatz und erreichte im TV fast eine Milli­arde Haus­halte in über 200 Ländern.

Mit Trumps Einstieg in die Politik erhielt MMA eine ähnliche Funk­tion wie Fuss­ball in Silvio Berlus­conis „Calcio­cracia“: UFC-Chef Dana White, der 2022 vor laufender Kamera seine Ehefrau ohrfeigte, spielte in den Wahl­kam­pa­gnen 2016, 2020 und 2024 eine zentrale Rolle. Im Wahl­kampf 2024 bediente Trump mit Fanta­sien über ein Format, in dem MMA-Profis Migrant:innen verprü­geln sollten, die feuchten Träume der MAGA-Basis. UFC-Podcaster Joe Rogan bot Trump eine viel­be­ach­tete Medi­en­platt­form. Durch die UFC erreichte er das wich­tige Wähler­seg­ment junger, auch hispa­ni­scher und afro­ame­ri­ka­ni­scher Männer mit sozi­al­kon­ser­va­tiven Ansichten. 2025 war White Redner bei Trumps Inau­gu­ra­tion, der mehrere MMA-Profis beiwohnten. Im Gegenzug geniesst das wett­be­werbs­recht­lich umstrit­tene UFC-Monopol Trumps Protektion.

Whites Loya­lität war frei­lich flexibel: Im Februar 2021, kurz nach dem Sturm auf das Kapitol durch einen MAGA-Mob (darunter Ex-MMA-Profi Scott Fairlamb an der Spitze und Ex-UFC-Champion Pat Mile­tich im Hinter­grund mit „Proud Boys“-Milizionären), würdigte UFC im „Black History Month“ erst­mals seit 2014 afro­ame­ri­ka­ni­sche Kämpfer. In jüngerer Zeit betonte White bei anti­se­mi­ti­schen, rassis­ti­schen, homo- oder trans­phoben Sprü­chen von UFC-Kämpfern deren Recht auf „Meinungs­äus­se­rung“. Whites Aufnahme in den «Board of Direc­tors» von Meta Anfang 2025 wurde als Zeichen von Mark Zucker­bergs Annä­he­rung an Trump gesehen. Zucker­berg trai­niert seit 2022 MMA, ein 2023 in Aussicht gestellter Kampf gegen Elon Musk fand indessen nicht statt. Im April 2025 besuchte Trump mit Musk, Aussen­mi­nister Marco Rubio, Geheim­dienst­chefin Tulsi Gabbard, Gesund­heits­mi­nister Robert F. Kennedy Jr., Senator Ted Cruz und FBI-Boss Kash Patel ein UFC-Event. Patel kündigte eine mögliche Zusam­men­ar­beit mit UFC beim Trai­ning von FBI-Agenten an, geriet aber wegen der Zweck­ent­frem­dung eines Dienst­flug­zeugs zum Besuch von UFC-Events in die Kritik.

Während Trump 2025 bei mehreren Sport­an­lässen ausge­buht wurde, hat er dies bei der UFC, wo sein Eintreffen mit Rock-Fanfaren und «USA!»-Sprechchören insze­niert wird, nicht zu befürchten. Aller­dings wider­spie­geln sich auch hier die wach­senden Wider­sprüche zwischen verschwö­rungs­af­finen MAGA-Milieus und der olig­ar­chi­schen Politik des Trump’schen Macht­zir­kels: UFC-Kämpfer Bryce Mitchell, ein Evan­ge­li­kaler, „flat earther“, Holo­caust­leugner und Anhänger verschie­dener Verschwö­rungs­theo­rien, titu­lierte schon 2024 Musk als Anti­christ. Hatte er bei den Wahlen 2024 noch behauptet, er würde für Trump sterben, bezeich­nete er diesen Ende 2025 als den Drachen der Johan­ne­s­a­po­ka­lypse. Sean Strick­land, in seiner jugend­li­chen Neonazi-Phase wegen Hass­kri­mi­na­lität von der Schule gewiesen, dann MAGA-Anhänger und mehr­fach wegen sexis­ti­scher, homo- und trans­phober Sprüche in der Kritik, tadelte Trumps Israel-Nähe und den Umgang mit den Epstein-Files und lehnte eine Teil­nahme an „UFC White House“ ab, beju­belte dann aber die Erschies­sung von Renée Nicole Good durch einen ICE-Agenten in Minneapolis.

Puti­nis­ti­sche „Martial Arts“

MMA etablierte sich früh auch in Russ­land. Zunächst domi­nierten im innen- und geopo­li­tisch instru­men­ta­li­sierten puti­nis­ti­schen Sport­system andere Kampf­dis­zi­plinen, so im Perso­nen­kult um den „sport­li­chen Putin“: Unter Putins Namen erschienen Judo-Bücher und -DVDs, 2005 bis 2009 war er Präsi­dent des Inter­na­tio­nalen Sambo-Verbandes, bis 2022 Ehren-Schwarzgürtelträger im Taekwondo und 2008 bis 2022 Ehren­prä­si­dent der Inter­na­tio­nalen Judo-Föderation, deren Exeku­tive 2013 bis 2022 sein Jugend­freund, der Olig­arch Arkadij Roten­berg, ange­hörte. 2020 wurde der Putin-Vertraute Umar Kremlëv, ein Ex-Mitglied des natio­na­lis­ti­schen Motor­rad­klubs „Nacht­wölfe“, Präsi­dent des Inter­na­tio­nalen Boxver­bandes, machte Gazprom zum Haupt­sponsor und suspen­dierte 2022 den ukrai­ni­schen Verband. Darüber hinaus entstand im Westen (darunter der Schweiz) in den 2010er Jahren ein mit den „Nacht­wölfen“ sowie rechts­extremen Szenen verfloch­tenes Netz dutzender von Schulen der „Russian Martial Arts“-Disziplin Systema mit Trai­nern aus Armee und Geheim­diensten. West­liche Sicher­heits­kreise sehen darin ein staat­lich gesteu­ertes Mittel zur Ausbil­dung poten­zi­eller Sabo­teure und ideo­lo­gi­scher Beeinflussung.

Bereits 2007 wohnte Putin mit Berlus­coni einem MMA-Kampf in St. Peters­burg bei. Obwohl Putin 2011 bei einem MMA-Event in Moskau ausge­buht wurde, initi­ierte er im folgenden Jahr einen russi­schen Verband. Präsi­dent wurde Fëdor Emel’janenko, ein Sambo-, Judo- und MMA-Kämpfer mit USA-Erfahrung und Abge­ord­neter der Regim­epartei Edinaja Rossija in Belgorod, der dann 2014 die Ukraine des Faschismus bezich­tigte und auf der Krym für MMA warb. 2016 gab es an der Fussball-EM in Frank­reich massive Ausschrei­tungen MMA-trainierter russi­scher Hooli­gans. Seitens der poli­ti­schen Elite kam dazu teils Lob für die Mani­fes­ta­tion russi­scher Masku­li­nität (so von Duma-Vizepräsident Igor’ Lebedev), teils wurden die Ausschrei­tungen geleugnet. Aussen­mi­nister Sergej Lavrov unter­stellte den fran­zö­si­schen Behörden „Russo­phobie“. West­liche Medien disku­tierten die Gewalt­taten als mögli­chen Akt „hybrider Krieg­füh­rung“. Der mutmass­liche Anführer Denis Kapustin alias Nikitin hatte 2008 das Neonazi-Kleider- und MMA-Label „White Rex“ gegründet und 2011 bis 2015 in Russ­land mehrere rechts­extreme MMA-Events organisiert.

Seit 2014 fördert der tsche­tsche­ni­sche Macht­haber Ramzan Kadyrov MMA massiv. Sein Kampf­klub «Akhmat» wurde Ausbil­dungs­stätte für Boxen und MMA wie auch für Kadyrovtsy-Krieger. Kady­rovs Söhne gewannen zahl­reiche abge­kar­tete Jugend­kämpfe. Auch die Gruppe Wagner nutzte Kampf­sport­klubs zur Rekru­tie­rung und veran­stal­tete MMA-Turniere. Social-Media-Aushängeschild des 2022 bis 2025 im Ukrai­ne­krieg aktiven und mit Edinaja Rossija verbun­denen Hooligan-Bataillons „Espa­ñola“ war der mit Neonazi-Symbolen täto­wierte Ex-MMA-Profi Michail Turkanov. Kapustin dagegen setzte Putins auf Kontrolle und Vergrös­se­rung des multi­eth­ni­schen russ­län­di­schen Gebildes abzie­lenden eura­sia­ni­schem Impe­ria­lismus die „ethno­plu­ra­lis­ti­sche“ Ideo­logie eines „ethnisch reinen“ russi­schen Natio­nal­staats ohne nicht­rus­si­sche Bevöl­ke­rungs­gruppen entgegen – ohne punkto Regie­rungs­form ersicht­liche Kontra­punkte zum Puti­nismus zu setzen. 2023/24 führte er als Befehls­haber des anti-putinistischen „Russi­schen Frei­wil­li­gen­korps“ Opera­tionen im russisch-ukrainischen Grenz­ge­biet durch, 2025 atta­ckierte er in Kyiv einen Trau­erzug mit ukrai­ni­schen, anar­chis­ti­schen und LGBT-Flaggen, wenige Monate darauf fakte der ukrai­ni­sche Geheim­dienst seinen Tod.

Globale Verflech­tungen

Die reak­tionär codierten MMA sind komplex verflochten und zeigen, wie eine trans­na­tio­nale reak­tio­näre Politik (mit natio­nalen und ideo­lo­gi­schen Spezi­fika) auf kultu­reller Ebene Verbin­dungen herstellt. 2018 ging die UFC eine Part­ner­schaft mit der russi­schen „M-1 Global“ ein. Beim ersten UFC-Event in Moskau sass Kadyrov, der auch mehr­fach UFC-Kämpfen in den VAE beiwohnte, in der vordersten Reihe. Bereits 2011 war MMA-Profi Jeff Monson nach Russ­land über­sie­delt. Galt er in den USA als Anar­chist, stand er nun in Russ­land zunächst der Kommu­nis­ti­schen Partei nahe, bevor er ganz ins Putin-Lager einschwenkte: Er nahm 2016 den Pass der Marionetten-„Volksrepublik“ Luhansk an, 2018 den der Russi­schen Föde­ra­tion, wurde Regio­nal­po­li­tiker von Edinaja Rossija in Kras­no­gorsk und Basch­kor­to­stan, arbei­tete für den Propa­gan­da­sender RT und trägt seit 2022 ein Hals-Tattoo mit dem Kriegs­symbol „Z“. 2024 konver­tierte er zum Islam. Umge­kehrt hatte in den späten 1990ern Igor’ Zinov’ev, Ex-Angehöriger einer sowje­ti­schen Spezi­al­ein­heit, bei der UFC gekämpft, bevor er Jeffrey Epsteins Body­guard wurde.

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Ab 2014 rich­tete die „Abso­lute Cham­pi­on­ship Akhmat“ von Kadyrov Events auf mehreren Konti­nenten aus. Bezie­hungen zu Akhmat hatte auch Murad Dadaev, der ab 2015 in Deutsch­land bei MMA-Events sowie im Umfeld mutmass­lich Kadyrov-naher Tsche­tsche­nen­ver­eine auftrat und 2025 unter dem Namen Noah Krieger AfD-Influencer wurde. Ebenso entstand in West­eu­ropa ein Netz tsche­tsche­ni­scher MMA-Klubs mit Kontakten zu Kadyrov sowie vermut­lich zur Unter­welt und russi­schen Geheim­diensten. Mehrere nord­kau­ka­si­sche Kämpfer mit enger Bezie­hung zu Kadyrov machten in den USA Karriere: Chabib Nurma­go­medov, Akhmat-Trainer mit 42 Mio. Instagram-Followern, ultra­kon­ser­va­tiven und miso­gynen Ansichten, war 2018 bis 2021 UFC-Leichtgewicht-Champion. 2018 traf er Putin, 2019 verfluchte er den „Islam­feind“ Macron, 2024 soll er gemäss Aussage Trumps diesen zur Been­di­gung des Ukrai­ne­kriegs ermun­tert haben. Leicht- und Weltergewicht-Champion Islam Machačev posierte 2022 mit Kadyrov und goldenem UFC-Gürtel für ein Foto. Chamzat Čimaev, Spar­ring­partner Kady­rovs, der ihm einen Mercedes schenkte und an seiner Hoch­zeit anwe­send war, und Trainer von Kady­rovs Söhnen, setzte am 7. Oktober 2023 einen pro-Hamas-Post ab, unter­stützte 2024 Trumps Wahl­kam­pagne und wurde 2025 UFC-Mittelgewicht-Champion. 2025 outete sich der Akhmat-Kämpfer und frisch­ge­ba­ckene UFC-Leichtgewicht-Champion Magomed Ankalaev als Trump-Anhänger. Abdul-Kerim Edilov war nach kurzer UFC-Karriere Erzieher und Trainer von Kady­rovs Söhnen, dann Vize-Premierminister Tsche­tsche­niens, bevor er 2022 in Ungnade fiel und unter myste­riösen Umständen starb.

Die Ex-UFC-Kämpfer Adam Jandiev und Aleksej Olejnik posteten ab 2022 puti­nis­ti­sche Kriegs­pro­pa­ganda. Brasi­lia­ni­sche Kampf­sportler unter­stützten den Brazilian-Jiu-Jitsu-Ehren-Schwarzgürtelträger Jair Bolso­naro. Nach dessen Wahl­nie­der­lage 2022 rief Ex-UFC-Champion Deiveson Figuei­redo zum Mili­tär­putsch auf und als sich Bolso­naro nach Florida absetzte, kam er dort bei UFC-Kämpfer José Aldo unter. UFC-Kämpfer Alis­tair Overeem kandi­dierte 2023 für eine rechts­po­pu­lis­ti­sche Split­ter­gruppe erfolglos fürs nieder­län­di­sche Parla­ment. Conor McGregor, 18mal vorbe­strafter UFC-Champion mit 46 Mio. Instagram-Followern, wieder­holt sexu­eller Über­griffe bezich­tigt und 2024 in einem Zivil­pro­zess wegen Verge­wal­ti­gung verur­teilt, bekun­dete mehr­fach seine Bewun­de­rung für Trump und Putin. Zum St. Patrick’s Day 2025 luden ihn Trump ins Weisse Haus und Kriegs­mi­nister Pete Hegseth ins Pentagon ein. Kurz darauf kündigte er mit Musks Segen eine chan­cen­lose rechts­po­pu­lis­ti­sche Kandi­datur für die Präsi­dent­schaft Irlands an. Anfang 2026 wurden Inves­ti­tionen der Trump-Familie von 23 Mio. Dollar in McGre­gors Kampf­sport­firma MMA Inc. bekannt.

Neben den durch die UFC und weitere kommer­zia­li­sierte Orga­ni­sa­tionen reprä­sen­tierten Mainstream-MMA haben die trans­na­tio­nalen Verflech­tungen des reak­tionär codierten Kampf­sports weitere Kompo­nenten: Jiha­dis­ti­sche Gruppen wie der IS benutzen MMA-Klubs im Kaukasus, aber auch in Deutsch­land oder der Schweiz, zur Rekru­tie­rung. Auch vernetzen sich über MMA Neonazi-Szenen, die die „multi­eth­ni­sche“ UFC ablehnen. Kapus­tins Events in Russ­land lockten viele Ausländer an. 2013 bis zum Verbot 2019 war der jähr­liche „Kampf der Nibe­lungen“ in Deutsch­land ein euro­pa­weites Neonazi-Treffen – 2018 mit „White Rex“ als Sponsor. „White Rex“, das gemäss Kapustin einen Life­style von „Weiss­heit“, „Ehre“ und „Stärke“ propa­giert, spon­serte auch Turniere in Grie­chen­land, Frank­reich, Ungarn, Italien, Polen und der Ukraine, vertrieb 2017 bis 2023 Kleider via die Schweizer Firma „Fighttex“ und trug wesent­lich zur Profes­sio­na­li­sie­rung rechts­extremer MMA-Events bei. Auch erteilte Kapustin bis zum Schengen-Einreiseverbot 2019 MMA-Kurse in mehreren Ländern, darunter für die „Partei National Orien­tierter Schweizer“. Ab 2018 arbei­tete er mit US-Neonazi Robert Rundo zusammen, der im Vorjahr das „Rise Above Move­ment“ als Strassenkampf-MMA-Organisation von Alt-Right begründet hatte. 2021 mündete es ins „Active Club“-Netzwerk mit über 180 Klubs in zwei Dutzend Ländern (darunter der Schweiz) zur Vorbe­rei­tung auf einen „Rassen­krieg“.

Die MMA sind damit zu einem reak­tio­nären Code geworden, dessen Anhänger bei aller Verschie­den­heit den Hass auf die eman­zi­pa­to­ri­schen Poten­ziale der Moderne teilen. Sie sind Element eines anti­li­be­ralen Kultur­kampfes, der nicht primär entlang staat­li­cher Grenzen oder zwischen geopo­li­ti­schen Regionen geführt wird, sondern inner­halb der einzelnen Gesell­schaften durch ideo­lo­gisch keines­wegs homo­gene oder eine einheit­liche poli­ti­sche Agenda verfol­gende, aber trans­na­tional vernetzte, von toxi­scher Masku­li­nität geprägte Gruppen, die das Recht des Stär­keren betonen. Jedoch: Keine Regel ohne Ausnahme. Die Taliban haben 2024 MMA als „unis­la­mi­sche“ Praxis verboten.