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Martina Süess

Martina Süess ist Literaturwissenschaftlerin und beschäftigt sich mit der Darstellung von Behinderung in Literatur und Medien. In ihrem aktuellen Projekt untersucht sie, mit welchen narrativen und stilistischen Mitteln Eltern schwerbehinderter Kinder ihre Erfahrungen und ihr Wissen literarisch verarbeiten und zugänglich machen. Soeben ist dazu ihr Podcast „Kapitel B. Eltern behinderter Kinder erzählen vom Leben und Schreiben“ erschienen.

Falsche Verspre­chungen: Präna­tal­dia­gnostik und das Recht auf Nichtwissen

Es ist eine Fantasie, dass sich „Behinderung“ mit medizintechnologischen Instrumenten kontrollieren lässt. Dies wird jedoch oft in der gynäkologischen Sprechstunde verbreitet und bestimmt zudem auch die Darstellung der Pränataldiagnostik in populären Fernsehserien, die sich für Inklusion stark machen. Erzählungen von Eltern behinderter Kinder hingegen zeigen: Behinderung ist der Inbegriff des Unverfügbaren.

Behin­de­rung als „Berei­che­rung für alle“?

Wie gefährlich es ist, wenn Inklusion und Teilhabe mit dem Versprechen auf „Bereicherung“ propagiert werden, führt die US-amerikanische Schriftstellerin Flannery O’Connor in ihren brillanten Erzählungen aus den 1950er Jahren vor. Ihre Analyse ist hochaktuell.