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Almosen auf Abstand. Gaben­zäune für Obdach­lose in der Corona-Pandemie

Unge­schützt dem Virus ausge­lie­fert, viel­fach ihrer Verdienst­mög­lich­keiten beraubt und mit einem stark einge­schränkten Hilfs­an­gebot konfron­tiert – dies charak­te­ri­siert die Situa­tion vieler Obdach­loser in der Corona-Krise. Kaum verwun­der­lich also, dass momentan verstärkt über Obdach­lo­sig­keit in den Medien berichtet wird. In dieser Bericht­erstat­tung nimmt die Aufmerk­sam­keit für Hilfs­an­ge­bote wie die in der Pandemie vieler­orts neu einge­rich­teten Gaben­zäune einen großen Raum ein, das heißt für Formen der Unter­stüt­zung, die vor der Corona-Krise durchaus exis­tierten, aber eher ein mediales Schat­ten­da­sein fristeten.

Gaben­zäune sind Zäune oder andere Orte im öffent­li­chen Raum, an denen Gebende anonym Spenden für Obdach­lose befes­tigen können. Meist hängen an diesen Zäunen oder Gittern Plas­tik­beutel, die Klei­dung, Hygie­ne­ar­tikel oder halt­bare Nahrung enthalten. Gegründet wurden Gaben­zäune von ehren­amt­lich enga­gierten Bürge­rinnen und Bürgern sowie von Personen, die bereits Erfah­rung in der Obdach­lo­sen­hilfe hatten. Die Idee hinter den Gaben­zäunen, die sich in Europa in den 2010er Jahren ausbrei­teten, erklärt sich aus der Entwick­lung der Obdach­lo­sen­hilfe in der jüngsten Zeit­ge­schichte. Eine der Prämissen der Obdach­lo­sen­so­zi­al­ar­beit besteht darin, nied­rig­schwel­lige Hilfs­an­ge­bote zu schaffen, die die Betrof­fenen in ihrem Lebens­raum errei­chen. Dazu passt es, dass die Obdach­losen zu einer Zeit ihrer Wahl die Beutel am Zaun selbst abholen können. Anders als beim Betteln findet ein direkter Kontakt zwischen Spender*innen und Empfan­genden dabei nicht unbe­dingt statt.

Histo­ri­sche Anknüpfungen

Der Bettler auf dem Brunnen „Kreis­lauf des Geldes“ (1976) in Aachen; Quelle: wikipedia.org

Auch wenn sich Gaben­zäune in euro­päi­schen Städten erst in den 2000er Jahren beob­achten lassen, kann diese Insti­tu­tion dennoch in der Stadt­ge­schichte von Bettelei und Obdach­lo­sig­keit des 20. Jahr­hun­derts verortet werden. Obgleich die Armen­für­sorge schon im 19. und frühen 20. Jahr­hun­dert (erfolglos) versuchte, unge­steu­ertes Almo­sen­geben an bettelnde Obdach­lose mit poli­zei­li­cher Hilfe zu verhin­dern, inten­si­vierte sich dieser Konflikt ab den 1970er Jahren noch einmal. In dieser Dekade libe­ra­li­sierte sich die Gesetz­ge­bung gegen­über Menschen, die auf der Straße lebten und/oder bettelten. Seit der Abschaf­fung des § 361 des bundes­deut­schen Straf­ge­setz­bu­ches im Jahr 1974 waren Betteln und Obdach­lo­sig­keit an sich straf­frei. Die Polizei besaß nun bedeu­tend weniger Eingriffs­mög­lich­keiten gegen­über Personen, die in dieser Zeit noch als „Stadt­strei­cher“ bezeichnet wurden; auch Grup­pen­an­samm­lungen von Obdach­losen konnten nicht mehr so konse­quent verhin­dert werden wie vor der Abschaf­fung des § 361. Daraufhin forderten Poli­zei­be­amte bei ihren Landes­re­gie­rungen eine „Rekri­mi­na­li­sie­rung“ der Stadtstreicher.

Auch die Städte griffen diese Forde­rung auf, da im Zuge von Stadt­sa­nie­rungs­pro­jekten und der Einrich­tung von Fußgän­ger­zonen in den 1970er Jahren ein Kampf um die Aneig­nung des öffent­li­chen Raumes begann. Grund­sätz­lich drehten sich die Klagen der Bürger­meister und auch der Polizei um die nun verstärkte Sicht­bar­keit von Obdach­losen in den Städten. Die Verant­wort­li­chen stützen sich zudem auf Beschwerden von empörten Passanten, die sich von Bett­lern gestört fühlten, von Müttern auf Spiel­plätzen oder von Einzel­händ­lern, die ihre Einnahmen durch ein „Herum­lun­gern“ Obdach­loser vor ihren Geschäften in Gefahr sahen.

Auch in der jüngsten Zeit­ge­schichte gab es immer wieder Bemü­hungen, die Obdach­losen aus den Städten zu vertreiben, insbe­son­dere aus den Einkaufs­straßen und von touris­ti­schen Orten. Obschon es nicht zu einer gesetz­li­chen Rekri­mi­na­li­sie­rung der Obdach­losen kam, gestal­teten viele Städte ihre Bänke im öffent­li­chen Raum unkom­for­tabel um, spra­chen Platz­ver­weise aus oder disku­tierten über die erneute Einfüh­rung von Bettel­ver­boten. All diese histo­ri­schen Beispiele weisen auf eine Invi­si­bi­li­sie­rungs­stra­tegie hin. Dies gilt auch für durchaus wohl­mei­nende lang­fris­tige Unter­kunfts­an­ge­bote, die im Einzel­fall zwar hilf­reich sein können, aber eben­falls dazu beitragen, die Sicht­bar­keit der Obdach­losen in der Öffent­lich­keit zu reduzieren.

Im fragilen Gleich­ge­wicht zwischen Sicht­bar­keit und Invi­si­bi­li­sie­rung von Obdach­lo­sig­keit in städ­ti­schen Räumen spielen die Gaben­zäune eine vermit­telnde Rolle. Zum einen bedürfen sie keines direkten Kontakts zwischen Spen­derin und Empfän­gerin, zum anderen markieren sie Obdach­lo­sig­keit sichtbar im Stadt­bild. Stellen Gaben­zäune doch im Gegen­satz zum immer wieder kontro­vers disku­tierten Betteln einen gesell­schaft­lich legi­ti­mierten Raum der Obdach­lo­sen­gaben dar.

Doch nicht nur die Insti­tu­tion Gaben­zaun und ihr Stel­len­wert im öffent­li­chen Raum verdienen eine genauere Betrach­tung. Auch die Praktik des Spen­dens für Gaben­zäune, mögliche Motive und Zusam­men­hänge lassen sich histo­risch reflektieren.

Das Geben an Gabenzäunen

Ethno­lo­gi­sche, sozio­lo­gi­sche und histo­ri­sche Forschungen betonen, dass Gaben an Bedürf­tige immer einen rezi­proken Charakter aufweisen. Nicht allein der Nehmende empfängt die Gabe, sondern viel­fach erhält auch der Gebende etwas. Dabei handelt es sich um Imma­te­ri­elles, wie etwa direkt gezeigte Dankbarkeits- oder Ehrer­bie­tungs­be­zeu­gungen. Bei der indi­rekten Form des Spen­dens, wie bei der monat­li­chen Über­wei­sung an „Ärzte ohne Grenzen“ oder der Weih­nachts­spende für „Brot für die Welt“, kann es etwa das gute Gefühl sein, etwas mora­lisch Wert­volles getan zu haben. Psycho­lo­gi­sche wie histo­ri­sche Studien weisen auf eine komplexe Viel­falt der Spen­den­mo­tive und erwar­teten Grati­fi­ka­tionen hin.

Gaben­zaun in Zürich; Quelle: twitter.com

Wie aber verhält es sich mit den Gaben­zäunen? Nicht das Verhalten der Obdach­losen oder ihre eigenen Wahr­neh­mungen und Erzäh­lungen stehen im Mittel­punkt der Diskus­sion, sondern die Prak­tiken des Gebens. In der aktu­ellen Bericht­erstat­tung domi­nieren die Hilfe und der ange­nom­mene Bedarf. So liest man eher prak­ti­sche Tipps für die Befül­lung der Gaben­tüten. Die Rede ist etwa von Zahn­bürsten oder lang halt­baren Lebens­mit­teln, nicht aber von Bargeld, Desin­fek­ti­ons­mit­teln oder gar Alkohol. Somit zeigt sich eine von Nicht-Obdachlosen vorge­brachte norma­tive Vorstel­lung davon, welche Gegen­stände Obdach­lose für ihr Leben auf der Straße brau­chen (sollten). Mitbe­stimmen oder gar kontrol­lieren zu können, wofür die Empfän­gerin die Gabe verwendet, treibt Spender*innen schon lange Zeit um und erhöht die Spen­den­be­reit­schaft, wie histo­ri­sche Arbeiten zeigen. Zwar gilt die bereits im Mittel­alter wirk­same Unter­schei­dung zwischen „würdigen“ und „unwür­digen“ Armen in unserer Gesell­schaft nicht mehr linear weiter, was sich z.B. an fehlenden Selbst­ver­schul­dungs­zu­schrei­bungen im Gaben­zaun­dis­kurs fest­ma­chen lässt. Doch die eben­falls pater­na­lis­tisch anmu­tende Idee, nur der Mehr­heits­ge­sell­schaft als sinn­voll erschei­nende Gaben zu spenden sowie diese zu regle­men­tieren, wirkt auch in den Gaben­zäunen weiter. Der Wunsch der Spender, über die Verwen­dung der Gaben mitbe­stimmen zu können, erklärt auch die Beliebt­heit von Sach- gegen­über Geldspenden.

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Gaben­zaun in Berlin; Quelle: notesofberlin.com

Darauf hat die Histo­ri­kerin Gabriele Lingel­bach schon vor einiger Zeit in ihrer Studie zum Spen­den­wesen in der Bundes­re­pu­blik hinge­wiesen. Lingel­bach bietet in dieser Studie noch eine weitere Deutung zur Beliebt­heit von Sach­spenden an, die auch für Gaben­zäune passend erscheint: Die Spen­derin eines Klei­dungs­stücks, das sie zuvor selbst getragen hat, könne sich eine emotio­nale Bezie­hung zur Empfän­gerin vorstellen, welche der erin­ne­rungs­be­legte Woll­pull­over nun wärme. Bei Klei­der­spenden bitten viele Gaben­zaun­be­treiber darum, die Größe sichtbar zu vermerken, so dass die Obdach­losen nicht erst die Beutel aufreißen müssen, um diese zu ermit­teln. Dieser prak­ti­sche Hinweis ermög­licht einen einge­grenzten Nutzer­kreis und lässt sich den Spender eine Person vorstellen, die eine ähnliche Statur hat wie er selbst. In diesem Fall stellt die Spen­derin keinen direkten Kontakt zu Obdach­losen her, sondern imagi­niert eine bestimmte Verwen­dung der Gabe. Darüber hinaus reißen diese Art der Spenden kaum ein spür­bares Loch in die meisten Haus­halts­kassen, was es einfach macht, Gaben­zäune zu bestücken.

Es gibt aber noch weitere Facetten des Spen­dens am Gaben­zaun: die struk­tu­relle Abstands­regel, die in Zeiten einer Pandemie mit den Kontakt­sperren korre­spon­diert. Sie lässt sich ablesen an den Befür­wor­tungen der Gaben­zäune, in denen von den Vorteilen einer „unkom­pli­zierten“ und „anonymen“ Spende die Rede ist. „Helfen kann so einfach sein!“ Dies ist der Deal bei den Gaben­zäunen: Zwar lassen sie keine direkte Dankes­be­zeu­gung zu, aber dafür muss man sich auch nicht weiter mit den Betrof­fenen ausein­an­der­setzen. Der Geber erfährt meist nichts über den Empfänger und umge­kehrt auch nicht. Wenn die Gebende immer auch etwas erhält, dann ist es bei den Gaben­zäunen die Anony­mität, das Nicht-Weiter-Berührtwerden mit dem Menschen, der obdachlos ist.

Wenn nun Abstands­re­ge­lungen einge­halten werden sollen, überall das social distancing empfohlen wird, ist dies zur Bekämp­fung des Virus sicher­lich uner­läss­lich. Doch diese Rege­lungen haben auch Neben­ef­fekte im Umgang mit Obdach­lo­sig­keit, beför­dern sie doch sowohl eine physi­sche als auch eine psycho­lo­gi­sche Distanz. Man könnte argu­men­tieren, dass dies den Obdach­losen ganz recht sei, da die Konfron­ta­tion mit dem Gebenden Scham- oder Entwür­di­gungs­ge­fühle evozieren könne. Doch es gibt auch Stimmen von Obdach­losen, die das Gegen­teil vermit­teln. So zitiert die Home­page des Hamburger Gaben­zauns Ulf N. vor der Pandemie mit den Worten: „Am Gaben­zaun finde ich ganz viel Herzens­wärme. […] Man kann auf einen Kaffee verweilen oder einfach nette Gespräche führen.“ Die Wich­tig­keit, die eine Reihe von Obdach­losen dem Kontakt zwischen ihnen und den Spen­denden beimessen, bestä­tigen auch Inter­views mit Wohnungs­losen im 20. Jahr­hun­dert. Ganz offen­sicht­lich exis­tiert eine Diskre­panz zwischen der von den Spen­denden häufig gewählten Möglich­keit des anonymen Spen­dens am Gaben­zaun mit entspre­chenden Grati­fi­ka­tionen und den Kontakt­wün­schen einiger Nutze­rinnen und Nutzer.

Dass Anony­mität für die Gebenden ein reiz­voller Umstand sein kann, darauf wies schon Ende des 19. Jahr­hun­derts Emil Müns­ter­berg hin, seines Zeichens Leiter der Berliner Armen­ver­wal­tung und Kritiker des Almo­sen­ge­bens. Er beob­ach­tete, dass Bett­lern ein Almosen zu geben, den Gebenden und den Nehmenden für einen Augen­blick verbinde, ohne aber, dass der Nehmende dem Gebenden seine inneren Verhält­nisse offen­bare und ohne, dass der Gebende auch nur versu­chen würde, sich über das Problem des Nehmenden zu infor­mieren. Beim Gaben­zaun findet meist nicht einmal dieser verbin­dende Augen­blick statt. Statt­dessen bleiben sowohl der Gebende als auch der Nehmende mit seiner Reak­tion auf die Spende allein. Dies eröffnet beim Spender den Raum für unge­störte Gedan­ken­spiele. So kann er oder sie sich gut fühlen, geholfen zu haben, dies unge­stört und unhin­ter­fragt vom Blick des obdach­losen Menschen als selbst­ver­ständ­lich etiket­tieren oder sich vorstellen, wie der Empfänger hoch­er­freut seine Tüte öffnet. Der Profit des Gebers bleibt meist implizit, ja im Geheimen und eröffnet ihm damit unend­lich viele Assoziationen.

Gaben­zaun in Zehde­nick; Quelle: maz-online.de

Mit Sicher­heit ist dies bei Geld­spenden eben­falls der Fall, doch anders als bei vielen mone­tären Spenden, die meist allen­falls ein Dankes­schreiben der Orga­ni­sa­tion zur Folge haben, mani­fes­tiert sich die selbst­hin­ge­hängte Tüte am Gaben­zaun. Sie hängt für die Öffent­lich­keit sichtbar aus, avan­ciert zum Foto­gra­fen­ob­jekt und diese Bilder werden publi­ziert. Die mediale Verar­bei­tung der Gaben­zäune wirkt beim Spender als Verstärker des guten Gefühls. Mehr noch: Gaben festigen immer auch Macht­be­zie­hungen, wie der fran­zö­si­sche Sozio­loge Marcel Mauss betonte. Wohnungslos und bedürftig bleibt derje­nige, der eine Tüte an sich nimmt.

Der Gaben­zaun in und nach Corona-Zeiten

Neben der vom Gebenden kontrol­lierten Art der Spende, einer mögli­chen Anony­mität, Dank­bar­keit und der Festi­gung von bestehenden Macht­be­zie­hungen erhalten Spen­de­rinnen in Corona-Zeiten noch eine weitere Grati­fi­ka­tion, nämlich Teil einer Soli­dar­ge­mein­schaft sein zu dürfen. Immer wieder wird die Einrich­tung von neuen Gaben­zäunen in der Corona-Krise in den Medien als „soli­da­ri­sche Idee“ bewertet. Soli­da­risch zu sein, gerade auch mit den Schwa­chen, Bedürf­tigen sei momentan „exis­ten­tiell“, sagte auch der deut­sche Bundes­prä­si­dent Frank-Walter Stein­meier in seiner Video­bot­schaft zur Corona-Krise. Ausdrück­lich lobte er Menschen, die Tüten an Gaben­zäune hängen: „Sie, Sie alle, sind die Heldinnen und Helden der Corona-Krise“. Zwar bezog sich diese Heroi­sie­rung nicht allein auf Gabenzaunbestücker*innen, doch auch sie sollten sich explizit mitge­meint fühlen. Spätes­tens jetzt lieferte die Politik von höchster Stelle ein Selbst­deu­tungs­an­gebot für Gabenzaunspender*innen. Durch die offi­zi­elle Etiket­tie­rung als „Helden und Heldinnen“ dürfte ihr Sozi­al­pres­tige steigen. Denn das zeigt die histo­ri­sche Forschung zu Spenden sehr klar: Wenn in der Umge­bung Werte wie Soli­da­rität hono­riert werden, steigt die gesell­schaft­liche Aner­ken­nung für die Spendenden.

Was die Verlän­ge­rung der Gebe­freu­dig­keit in die Nach-Corona-Zeit angeht, für die der Bundes­prä­si­dent eben­falls eintrat, hätte Stein­meier zu einer diffe­ren­zier­teren Auffor­de­rung kommen können, schließ­lich verfasste er seine (juris­ti­sche) Disser­ta­tion zur Verhin­de­rung und Besei­ti­gung von Obdach­lo­sig­keit, in der er auch auf die histo­ri­sche Dimen­sion des Phäno­mens eingeht. Ein Blick in die Geschichte der Obdach­lo­sig­keit zeigt nämlich, dass Spenden für Obdach­lose stark von den jewei­ligen Zeit­um­ständen abhängig sind. In der unmit­tel­baren Nach­kriegs­zeit war es beispiels­weise gesell­schaft­lich opportun, für Obdach­lose zu spenden, weil Wohnungs­mangel viel mehr Menschen betraf als etwa in den Zeiten des „Wirt­schafts­wun­ders“ der 1950er und 60er Jahre. Die Vorstel­lung, selbst in eine ähnliche Lage geraten zu können und darauf zu hoffen, einem werde gleich­falls geholfen, sollte man sich wohnungslos auf der Straße befinden, moti­vierte Spendende.

Sozi­al­ar­bei­te­rinnen und Sozi­al­ar­beiter spre­chen von einem kurzen Zeit­fenster der forcierten Hilfs­maß­nahmen, das sich gerade öffne, alsbald aber wohl wieder schließen werde. Wenn die Abstands­re­ge­lungen aufge­hoben werden, treten die direkte Konfron­ta­tion sowie die Alltäg­lich­keit des Elends wieder in den Mittel­punkt. Denn trotz aller Versuche, Obdach­lose aus den Städten zu vertreiben, sind sie immer noch da. Der Gaben­zaun erscheint als Kompro­miss – sowohl für die Spender*innen als auch für die Städte –, der sich schon vor der Pandemie und dem social distancing, die ihm aktuell so viel Zuspruch verschaffen, bewährt hat. Doch ob die Spen­den­be­reit­schaft auch nach dem Ende der Krise und ihrer Soli­da­ri­täts­ma­xime ähnlich hoch ist wie im Moment, bleibt fraglich.