Warning: Use of undefined constant PP_MULTIPLE_AUTHORS_VERSION - assumed 'PP_MULTIPLE_AUTHORS_VERSION' (this will throw an Error in a future version of PHP) in /home/geschic8/public_html/wp-content/themes/gdg/functions.php on line 45

Es war nicht alles schlecht am Kolo­nia­lismus. Auf diesen Punkt lassen sich die Äusse­rungen bringen, mit denen Günther Nooke, der Afrika-Beauftrage der Deut­schen Kanz­lerin, vor einiger Zeit für Aufsehen sorgte. „Der Kalte Krieg“, so wusste Nooke zu verkünden, habe „Afrika mehr geschadet als die Kolo­ni­al­zeit“. Der Skla­ven­handel etwa sei zwar „schlimm“ gewesen, doch die euro­päi­sche Herr­schaft in Afrika habe „dazu beigetragen, den Konti­nent aus archai­schen Struk­turen zu lösen“, auch wenn man heute sehen müsse, dass dies nur unvoll­ständig gelungen sei. Die Gesell­schaften in Afrika „funk­tio­nieren anders“, seien noch immer bestimmt durch „Clan-Strukturen, der Rolle von Stam­mes­füh­rern, der Viel­zahl an Ethnien und tradierten Verhal­tens­weisen“, etwa in den Berei­chen Fort­pflan­zung und Wirt­schaft.

Ob diese Äusse­rungen als rassis­tisch zu werten sind, wie viele NGOs und Poli­tiker Nooke danach vorwarfen, ob er gar selbst als Rassist zu bezeichnen ist, sei hier einmal dahin­ge­stellt. Inter­es­santer ist es, danach zu fragen, welches Bild er genau von Afrika und der afri­ka­ni­schen Geschichte verbreitet, wenn er von archai­schen Gesell­schaften fabu­liert, die in Clan-Strukturen verharren und durch Kinder­reichtum und nied­rige Arbeits­pro­duk­ti­vität auffallen. Und denen der Kalte Krieg mehr als der Kolo­nia­lismus geschadet hätte. Woher bezieht er sein histo­ri­sches Wissen über Afrika?

Archai­sche Afrika-Bilder

Geht man dem Geschichts­bild nach, das Nooke hier offen­bart, zeigt sich, dass seine Vorstel­lungen so weit verbreitet und gängig sind, dass er sie mit vielen Menschen teilt, die sich keines­wegs als Rassisten bezeichnen lassen würden, darunter vermut­lich auch solche, die Günter Nooke eben­dies, eine rassis­ti­sche Haltung, vorwerfen. Zu diesem histo­ri­schen Afrika-Bild gehört, dass es auf selt­same Weise einfach da ist. Weder Nooke, noch die meisten seiner Kritiker*innen dürften sich jemals in John Iliffes grund­le­gende Geschichte Afrikas vertieft oder sich mit der Forschungs­li­te­ratur befasst haben. Das gilt natür­lich auch für den popu­lären Diskurs über jede andere Region der Welt und deren Geschichte: auch über China oder Latein­ame­rika oder die Geschichte des eigenen Landes weiss man irgendwie Bescheid, ohne die Forschung zu kennen. Aber im Falle Afrikas sind die Vorur­teile beson­ders hart­nä­ckig und vor allem: uner­schüt­ter­lich. Und so erscheint selbst­ver­ständ­lich, dass in Afrika Gesell­schaften in „Stämmen“ orga­ni­siert waren, keine Schrift und keinen Staat kannten, und erst der Kolo­nia­lismus – bei aller zuge­ge­benen Bruta­lität – Schrift, Staat und Moderne gebracht hat. Mit seinen rigo­rosen Grenz­zie­hungen habe er (leider) neue Stam­mes­kon­flikte hervor­ge­rufen, bevor die alten beendet werden konnten. Wo dieses Afrika genau anzu­sie­deln ist, im Kongo oder im Sudan, in Tansania oder im Senegal, in Timbuktu oder Kairo, ob die Rede vom 17., 18. oder 19. Jahr­hun­dert ist – all das spielt keine Rolle.

Leider wird auch von der Kolo­ni­al­kritik häufig das Bild eines geschichts­losen und irgendwie unschul­digen Afrikas (mit)verbreitet, und zwar schlicht, weil dessen viel­fäl­tige Geschichte nicht inter­es­siert, oder zumin­dest nur als Kolo­ni­al­schuld. Ein Blick in die Geschichte des heutigen Nami­bias zeigt aller­dings, dass es sich lohnt, nicht nur den (vermeint­li­chen) Rassismus eines Günter Nooke aufzu­spüren, wenn er mal eben Aufklä­rung und Säku­la­ri­sie­rung als euro­päi­schen Sonderweg „für uns“ rekla­miert, wobei die Skla­verei zwar schlimm gewesen sei, aber Europa Afrika schliess­lich aus archai­schen Struk­turen gelöst habe. Viel­mehr ist es ebenso wichtig, gene­rell Afrika-Bilder zu über­prüfen.

Anti­ko­lo­niale Gegen­wehr

„Ich protes­tiere hiermit auf das ernst­lichste gegen alle und jede Erwer­bung von Land und Mine­ra­lien in diesen ange­ge­benen Grenzen…“ Mit diesen Worten empfing das Ober­haupt der Herero 1884 in der künf­tigen Kolonie Südwest­afrika die Kolo­ni­al­herren. Als die Deut­schen in diesem Jahr schliess­lich doch noch zur Kolo­ni­al­macht in Übersee werden wollten (Bismarck hatte bekannt­lich lange gezö­gert), stiessen sie nicht auf eine Terra Nullius – also auf leere und unge­nutzte Gebiete. Bei dieser Vorstel­lung handelt es sich nur um einen übli­chen Recht­fer­ti­gungs­grund für den Kolo­nia­lismus. Die künf­tigen Kolo­nien waren stets bereits von Acker­bauern und Vieh­hal­tern besie­delt und bewirt­schaftet. Die afri­ka­ni­schen Gesell­schaften waren sich zudem der euro­päi­schen Begehr­lich­keiten durchaus bewusst; auch weil sie häufig bereits von Kolo­nien und Protek­to­raten umgeben waren oder in deren Einfluss­ge­biet lagen, bevor die Euro­päer auch bei ihnen ihre Herr­schaft etablierten.

Von protes­tan­ti­schen Missio­naren, die seit der ersten Hälfte des 19. Jahr­hun­dert intensiv versuchten, die «Heiden» für das Chris­tentum zu gewinnen, wussten die einhei­mi­schen Eliten mehr oder weniger gut über die Politik der impe­ria­lis­ti­schen Mächte Bescheid. Über grosse Distanzen hinweg kommu­ni­zierten die afri­ka­ni­schen Führer unter­ein­ander und nutzten dabei Boten und Briefe als Medien der Diplo­matie. In diese diplo­ma­ti­schen Netz­werke versuchten sie zu Beginn der Kolo­ni­al­zeit die Abge­sandten aus dem fernen Deutsch­land einzu­be­ziehen, denen gegen­über sie sich als gleich­wer­tige Verhand­lungs­partner sahen: Souve­räne über ihre Unter­tanen und Sied­lungs­ge­biete, die in eigenem Inter­esse Verträge mit Kauf­leuten und Kolo­ni­al­be­amten schlossen.

Kolo­ni­al­po­litik mit und in Afrika

Zwar waren eine Reihe dieser Verträge miss­ver­ständ­lich oder betrü­ge­risch, doch wurden hier nicht routi­ne­mässig „edle Wilde“ übers Ohr gehauen, wie die bisweilen etwas pater­na­lis­ti­sche Kolo­ni­al­kritik nahe­legt. Nicht Glas­perlen und Alkohol standen am Beginn der kolo­nialen Fremd­herr­schaft, sondern sehr oft Verhand­lungen, in denen afri­ka­ni­sche Führer als selbst­be­wusste Akteure auftraten. Noch 1905 versuchten 27 kame­ru­ni­sche Herr­scher in einem gemein­samen Brief an den Reichstag eine Wendung der Politik zu errei­chen. Sie schrieben:

Den Herrn Gouver­neur von Putt­kamer, dessen Rich­tern, Bezirks­amt­männer, kurz seine ganze Regie­rungs­be­sat­zung wollen wir nicht mehr hier haben. Sämt­liche jetzigen Gouver­ne­ments­be­amten des Schutz­ge­bietes Kamerun bitten wir fort­räumen zu wollen, denn ihre Regie­rung führen sie nicht gut, sie sind nicht gerecht­fer­tigt, ihre Art und Weise exploi­tieren das Land.

Hendrik Witbooi; Quelle: namibiafocus.com

Dass solche Bemü­hungen letzt­lich kaum erfolg­reich sein konnten, lag an der drama­ti­schen Fehl­ein­schät­zung des unbe­dingten Herr­schafts­wil­lens der vermeint­li­chen Verhand­lungs­partner aus Europa und an dem nahezu unbe­grenzten Nach­schub an Kolo­ni­al­truppen. Auch inner­halb und zwischen den afri­ka­ni­schen Viehhalter- und Agrar­ge­sell­schaften herrschte Konkur­renz bis hin zu krie­ge­ri­schen Ausein­an­der­set­zungen, doch zugleich wurden Bünd­nisse und Alli­anzen geschlossen. Das zeigen etwa die Briefe zwischen dem hoch­ran­gigen Nama-Führer Hendrik Witbooi und dem Omuhona (Ober­haupt) der Herero Maha­rero sowie dessen Sohn Samuel. Sie stritten in einem regen Austausch über die Recht­mäs­sig­keit der von ihnen geführten Kriege, die Bedin­gungen eines Frie­dens­schlusses und ihr jewei­liges Verhältnis zu den Deut­schen, über deren Stärke und Absichten anfäng­lich keine Klar­heit bestand. Als sich schließ­lich eine Allianz zwischen Nama und Herero abzeich­nete, über­fiel die „Schutz­truppe“, wie sich das deut­sche Kolo­ni­al­mi­litär nannte, den Haupt­sitz von Hendrik Witbooi und tötete 80 Männer und Frauen, viele von ihnen unbe­waffnet. Die Unter­wer­fungs­kriege in den verschie­denen deut­schen „Schutz­ge­bieten“ sollten bis zum Ende der deut­schen Kolo­ni­al­herr­schaft dauern. Doch die brutale Gewalt der Deut­schen lässt leicht davon absehen, dass afri­ka­ni­sche Herr­scher und Bevöl­ke­rungen der Kolo­ni­al­po­litik nicht nur ausge­setzt waren, sondern dass sie diese – durchaus auch in Konkur­renz zuein­ander – zu gestalten versuchten.

Die Geburt des „Stammes“ in Europa

Rudolf Manga Bell; Quelle: spiegel.de

Den eigenen Blick für das aktive und selbst­be­wusste Handeln afri­ka­ni­scher Poli­tiker offen­zu­halten ist auch wichtig, um die vielen unter­schied­li­chen Verge­sell­schaf­tungs­formen wahr­nehmen zu können, die in Afrika bestanden. Von lockeren Clan-Föderationen bis hin zu zentra­li­sierten König­tü­mern reichten die poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Forma­tionen des Konti­nentes, die nur in seltenen Fällen eine Über­ein­stim­mung von Sprache, Kultur und Reli­gion als Basis gesell­schaft­li­cher Orga­ni­sa­tion kannten. Dass diese Viel­falt heute unter­schlagen wird, wenn etwa Günther Nooke von „archai­schen Struk­turen“ und „Stämmen“ spricht, ist das Ergebnis eines euro­päi­schen Blickes, den der Kolo­nia­lismus etablierte.

Die euro­päi­schen Mächte – insbe­son­dere Deutsch­land – hatten sich als Nationen im 19. Jahr­hun­dert (neu) erfunden, mit einem klar umris­senen Terri­to­rium, homo­gener Sprache, Kultur und Reli­gion sowie einer gemein­samen Abstam­mung. Dieses Konzept über­trugen sie, wenn auch in stark verklei­nertem Mass­stab, auf die Kolonie. So wurde der „Stamm“ geboren und mit der Leit­ka­te­gorie der „Tradi­tion“ verbunden. Tradi­tionen, angeb­lich die unver­rück­bare Grund­lage von Kosmo­logie und Rechts­system, Gesell­schafts­ord­nung und Geschlech­ter­ver­hältnis, Erbfolge und Herr­schafts­sys­temen, wurden erneuert, erfunden, umge­bogen – und zwar von beiden Seiten.

Die Motive der Kolo­ni­al­herren sind klar: Sie brauchten klare Verwal­tungs­ein­heiten mit eindeu­tigen Hier­ar­chien. Warum aber liessen sich die Afri­kaner auf das Stam­mes­kon­zept ein? Für sie ging es um eine Legi­ti­mie­rung von zumin­dest begrenzten Herr­schafts­an­sprü­chen, darum, sich inner­halb der kolo­nialen Ordnung über­haupt noch Gehör zu verschaffen. Ob ein von den Deut­schen aner­kannter „Ober­häupt­ling“ tatsäch­lich in der Erbfolge Vorrang hatte, ob es dieses Amt über­haupt gab, spielte für kolo­niale Verwal­tungen kaum eine Rolle. Afri­ka­ni­schen Poli­ti­kern eröff­nete dies jedoch Chancen unter den grund­le­gend geän­derten Bedin­gungen der euro­päi­schen Vorherr­schaft weiterhin Hand­lungs­macht behaupten zu können.

Verdun­kelte Geschichte

Die Eingriffe der euro­päi­schen Herr­schaft waren umfas­send: Die deut­schen Kolo­nien lagen aller­dings schon lange vor der formalen Macht­er­grei­fung im Einfluss­ge­biet der Welt­wirt­schaft, der Handel hatte Konsum­ge­wohn­heiten, Klei­dungs­stil und mili­tä­ri­sche Ausrüs­tungen verän­dert. Und noch tief­grei­fender waren die Auswir­kungen des trans­at­lan­ti­schen Skla­ven­han­dels bei der Trans­for­ma­tion des afri­ka­ni­schen Konti­nents. Er hat unend­li­ches Elend über Einzelne, Fami­lien und Gesell­schaften gebracht. Lang­fristig ebenso wichtig ist aber, dass er entschei­dend dazu beitrug, Geschichte und histo­ri­sche Über­lie­fe­rung der afri­ka­ni­schen Gesell­schaften zu zerstören. Auch wenn einige Kolo­ni­al­be­amte wert­volle Doku­mente hinsicht­lich der afri­ka­ni­schen Geschichte hinter­lassen haben, erschweren sie mit ihren euro­päi­schen Kate­go­rien von „Stamm“ und „Tradi­tion“ eine Rekon­struk­tion der vorko­lo­nialen Geschichte. Etwa des afri­ka­ni­schen Mittel­al­ters, das der fran­zö­si­sche Histo­riker und Archäo­loge François-Xavier Fauvelle als die „goldenen Jahr­hun­derte“ bezeichnet hat. Ein Afrika, das die Entwick­lung von Städten erlebt hatte, in denen Fürsten ihre Paläste, Moscheen oder Kirchen bauten, wo fremde Kauf­leute und Gelehrte ansässig waren.

Es war entschei­dend an der Ausbeu­tung seiner eigenen Ressourcen betei­ligt, unter denen das Gold eine beson­dere Stel­lung einnahm. In der dama­ligen Welt genoss dieses Afrika hohes Ansehen, von Europa bis China.

Etliche diese Gesell­schaften besassen eine sehr frühe Schrift­kultur, die mit dem Islam einen weiteren Impuls erhielt. Dennoch ist die vorko­lo­niale Zeit des bis weit ins 20. Jahr­hun­dert hinein äusserst dünn besie­delten Konti­nents noch immer wenig erforscht. Das mag zum einen der komplexen Quel­len­lage geschuldet sein, die eine inter­dis­zi­pli­näre Forschung von Sprach­wis­sen­schaft, Geschichte, Archäo­logie und Ethno­logie erfor­derte. Es gibt nur wenige Grabungen, tausende von Spra­chen und kaum Experten, die sowohl alte Manu­skripte als auch Arte­fakte analy­sieren können. Doch die mangelnde Forschung hat auch mit dem selbst in univer­si­tären Kreisen tief verwur­zelten Mythos von Afrika als geschichts­losem Konti­nent zu tun, den Skla­ven­handel und Kolo­ni­al­herr­schaft etablierten. Auch wenn längst nach­ge­wiesen ist, dass selbst dort, wo orale Tradi­tionen und Lite­ra­turen anstelle von Schrift­kul­turen in der vorko­lo­nialen Epoche domi­nierten, Geschichts­be­wusst­sein und konkrete histo­ri­sche Über­lie­fe­rung exis­tierten.

Die schrift­li­chen und münd­li­chen afri­ka­ni­schen „Archive“ sind aller­dings durch den Kolo­nia­lismus verheert worden. Er hat den Konti­nent dunkel gemacht. Dennoch ermög­licht das kolo­niale Archiv, liest man es gegen den Strich, einen zumin­dest flüch­tigen Blick auf eine andere afri­ka­ni­sche Geschichte und lässt afri­ka­ni­sche Perspek­tiven erahnen. Diese sind nicht nur in kolo­nialen Schrift­stü­cken, sondern auch in zahl­losen, noch nicht ausge­wer­teten schrift­li­chen Zeug­nissen über­lie­fert, die Afri­ka­ne­rinnen und Afri­kaner verfasst haben. Dass ihre Exis­tenz noch immer regel­mäßig selbst Histo­ri­ke­rinnen und Histo­riker über­rascht, verweist nur darauf, wie tief der Kolo­nia­lismus die Vorstel­lung des archai­schen Afrikas und der euro­päi­schen Zivi­li­sa­toren veran­kerte.

Samuel Maha­rero (dritter von links); Quelle: Wiki­pedia

Die Kolo­ni­al­herren sahen in den kolo­nialen Subjekten vor allem willige Arbeits­kräfte und inter­pre­tierten jede Form selbst­be­wusster Äuße­rung als unrecht­mäs­sige Erhe­bung, als Aufstand, ange­zet­telt von Unru­he­stif­tern, die sich der Zivi­li­sie­rung und Entwick­lung verschlossen. Doch in ihren eigenen Schreiben treten uns Afri­ka­ne­rinnen und Afri­kaner ganz anders gegen­über. Samuel Maha­rero etwa schrieb im März 1904 zu den Ursa­chen des verhee­renden Kolo­ni­al­kriegs im heutigen Namibia an den Gouver­neur Leut­wein:

Deinen Brief habe ich empfangen, und ich habe alles gut verstanden, was Du darin an mich und meine Groß­leute geschrieben hast. Ich und meine Groß­leute antworten Dir folgen­der­maßen: Der Anfang des Krieges ist nicht ange­fangen worden durch mich in diesem Jahr, sondern er ist begonnen worden durch die Weißen, … und beson­ders die Händler, wieviel Herero haben sie getötet, sowohl durch Gewehre wie durch Einsperren in die Gefäng­nisse … Und fingen an meine Leute bezahlen zu lassen und das Vieh wegzu­treiben… Diese Dinge haben den Krieg in diesem Land entstehen lassen.

Diese Stimmen wahr­zu­nehmen, sie in ein Bild von Afrika und seiner Geschichte zu inte­grieren, das die kolo­nialen Kate­go­rien hinter sich lassen kann und die Viel­falt seiner histo­ri­schen Entwick­lung in den Mittel­punkt stellt, stellt viel­leicht die wich­tigste Aufgabe in der gegen­wär­tigen Debatte um den Konti­nent dar. Sie sollte auch dem Afrika-Beauftragten der deut­schen Bundes­re­gie­rung am Herzen liegen.

Eine kürzere Version des Textes ist erschienen in Zeit Geschichte 4/19 Die Deut­schen und ihre Kolo­nien, 23.7.2019

Datenschutzerklärung