Die unsicht­bare Ruine des Kalten Kriegs: Die „Mauer in den Köpfen“ 30 Jahre nach dem Mauer­fall

Als mentale Ruine des Kalten Kriegs geistert die „Mauer in den Köpfen“ noch immer durch die politische Kultur Deutschlands. Warum? Weil sie aktiv am Leben gehalten wird. Über drei politisch motivierte Lebenserhaltungsmassnahmen für die "Mauer in den Köpfen“.

„Anything goes“. Paul Feyer­abend und die etwas andere Post­mo­derne

Der Wissenschaftsphilosoph Paul Feyerabend hat 1975 den westlichen „Rationalismus“ einer ätzenden Kritik unterzogen und die Grenze zwischen Wissenschaft und Mythos niedergerissen. Sein „Anything goes“ gilt seither als Parole „der“ Postmoderne – obwohl Feyerabends Kritik der Esoterik viel näher stand als der Dekonstruktion.

Public Poetry: Lyrik im urbanen Raum

Urban Poetry ist mehr als nur ein Gedicht, das auf eine Fassade geschrieben wird und mehr als die Debatte, die es auslöst. Im besten Fall verändert spoken-word-Poesie, Poetry in Motion oder Gedichte auf Flyern und Postkarten unsere Wahrnehmung von Öffentlichkeit und von Dichtung.

„AIDS ist auch nicht mehr, was es mal war“. Was aus der Bedro­hung durch HIV im 21. Jahr­hun­dert geworden ist

Die Vereinten Nationen wollen der Erkrankung Aids bis 2030 weltweit ein Ende bereiten. Ist das realistisch? Ein Blick auf die Bundesrepublik offenbart Hindernisse, die dem wünschenswerten Ziel „Kein AIDS für alle!“ im Wege stehen: alte Ängste und neue Ignoranz.

Mit Abstand. Andreas Hoesslis Film über die Revo­lu­tionen im Iran und in Polen

1979 im Iran und 1980 in Polen bedrohen zwei Revolutionen die alten Mächte – im Iran stürzt der Shah, in Polen aber verhängt die Armee das Kriegsrecht. Der Journalist und Dokumentarfilmer Andreas Hoessli hat über diese Ereignisse einen Film gedreht, der sich einfachen Erklärungen verweigert.

„Klima­wandel“. Über Krise und Konsens

Dramatisch sind nicht nur die Krisen, die wir erleben. Dramatisch im Wortsinne sind auch die Krisendiskurse, die eine tödliche Bedrohung des eigenen Lebens, des eigenen Planeten, des eigenen Volkes beschwören – und „entschiedenes“ Handeln jenseits des Rechtsstaates, ja jenseits der Politik fordern.

Was genau war früher besser? Eine Nach­mit­tags­lek­tion von Michel Serres

Der kürzlich verstorbene Philosoph Michael Serres verfasste in seinen letzten Lebensjahren eine Reihe von heiteren Streitschriften. Darunter eine, die das Nörgeln an der Gegenwart und die Verklärung der Vergangenheit grandios zerlegt.

Starke Frauen, prekäre Lebens­welten: Alex­ander Askoldows „Die Kommis­sarin“ neu gesehen

Der Film „Die Kommissarin“ (1967) war zwanzig Jahre lang verboten. Die Thematisierung jüdischen Lebens und Sterbens sowie die unorthodoxe Darstellung der Bürgerkriegszeit passten nicht ins sowjetische Geschichtsnarrativ. Die Figur der Kommissarin ist heute noch kontrovers.

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Der Kopf unter dem Hut. Helke Sanders kluger Film „Die allseitig redu­zierte Persön­lich­keit“

Wenn über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf öffentlich gesprochen wird, geht vor allem darum, wie Frauen trotz Kinder Karriere machen können. Dabei steht viel mehr zur Debatte. Ein Film aus den 1970ern hilft, den Blick hierfür zu öffnen.

Grau­töne. Über die Tugend des Hinter­fra­gens in Zeiten schneller Meinung

Die Aufarbeitung vergangenen Unrechts und die Herausforderungen einer pluralistischen Gesellschaft stellen die Diskussionskultur in der Demokratie auf den Prüfstand. Das zeigt – nur zum Beispiel – der Umgang mit dem Kopf des «Mohren» auf sechs Schweizer Gemeindewappen. Ein Plädoyer für eine (selbst)kritische Argumentationskultur.

Die Welt eines Histo­ri­kers um 1970: „Der Käse und die Würmer“ von Carlo Ginz­burg

Der kulturhistorische Bestseller „Der Käse und die Würmer“ von Carlo Ginzburg, 1976 erstmals erschienen, bietet noch immer höchsten Lesegenuss. Er rekonstruiert das Weltbild eines italienischen Müllers um 1600, reflektiert aber auch die politischen Horizonte des linksintellektuellen Italiens in der Nachkriegszeit.

Geschicht­en­gläu­big­keit. Was Lite­ratur zum Story­tel­ling zu sagen hat

Der "Fall Relotius" wird gerade zu den Akten gelegt. Die Diskussion um das Storytelling im Journalismus ist aber noch nicht abgeschlossen. Und wo findet man den besten Kommentar dazu? Bei Heinrich von Kleist!