Tut um Gottes Willen etwas Tapferes. Plädoyer für ein Reformations-Rashomon

Verfilmungen von geschichtlichen Ereignissen sagen etwas darüber aus, wie „Geschichte“ gedacht wird. Wird sie als eindeutige und lineare Entwicklung gedacht, von wichtigen Personen gemacht, mit denen man sich identifizieren kann, dann entsteht wie beim Schweizer Kinofilm „Zwingli“ – eidgenössisches Hollywood.

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Biolo­gi­sierter Anti­ras­sismus. Wie DNA-Ethnizitätstests ein falsches Verständnis des modernen Rassismus (re)produzieren

Gentests, die Einblicke in die ethnische Abstammung versprechen, sind nicht nur ein erfolgreiches Geschäftsmodell geworden. Sie gelten zunehmend auch als argumentatives Rüstzeug gegen Rassismus. Anstatt jedoch Vorstellungen natürlicher Unterarten des Menschen aus der Welt zu schaffen, schreiben Ethnizitätstests diese fest.

Die Rück­kehr der „unwür­digen“ Armen. Eine kleine Geschichte der Arbeits­lo­sig­keit

Immer wieder werden Forderungen laut, die Sozialhilfe stärker an Gegenleistungen zu koppeln. Sie beruhen auf einer moralischen Deutung von Arbeitslosigkeit, die Ökonomen vor hundert Jahren als vormodern zurückgewiesen haben. Nun ist sie wieder auf dem Vormarsch.

Forschen für den Plas­tik­würfel. In illi­be­ralen Staaten entsteht gegen­wärtig eine wissen­schaft­liche Schein­welt

In einigen Ländern bildet sich zurzeit eine vom Staat geförderte Pseudowissenschaft, in der nicht mehr die Kriterien akademischer Qualitätskontrolle gelten, sondern politische Loyalität. Das wirft ernste Fragen für die europäische Forschungsförderung und akademische Zusammenarbeit mit illiberalen Staaten auf.

Science for a Plastic Cube. Poly­pore Academia rede­fi­ning the Rules of Science

Hungary is currently witnessing the emergence of a state-sponsored scientific pseudo-world in which the criteria of academic quality control no longer apply, but rather political loyalty. This raises serious questions for European research funding and academic cooperation with illiberal states.

Höcke oder Hitler? Natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Sprache gestern und heute

Spricht Björn Höcke wie Adolf Hitler? ZDF-Journalisten haben sich darüber mit dem Thüringer AfD-Chef gestritten. Aber welche Rolle spielten Begriffe wie „Lebensraum“ und „Entartung“ für den Nationalsozialismus überhaupt? Und was lässt sich heute an ihnen erkennen? Eine Einordnung.

The Colour of Coffee: Racism, Gender and Coffee Consump­tion in 19th Century Algeria

Today, coffee is consumed everywhere in the world. Despite its neo-colonial forms of production, it is a drink which brings people together, but the consumption of coffee in 19th century Algeria tells a very different story.

Die Farbe des Kaffees: Rassismus, Gender und Kaffee­konsum im Alge­rien des 19. Jahr­hun­derts

Kaffee wird heute überall auf der Welt getrunken; er gilt als ein grosser Gleichmacher (wenn man von seinen neo-kolonialen Produktionsformen absieht). Ein Blick in die Kaffeekultur im Algerien des 19. Jahrhunderts erzählt allerdings eine ganz andere Geschichte.

„Volk“ und Ironie. Mit stän­diger Rück­sicht auf den Rechts­po­pu­lismus

Populismus und ironische Kommunikation erscheinen zunächst als unvereinbar. Der Appell ans Volk scheut gewöhnlich die Ironie, die als arrogant und elitär gilt. Was hat es zu bedeuten, wenn heutige rechtspopulistische Bewegungen Geschmack an ironischen, uneigentlichen Ausdrucksformen finden?

The ‚After­lives‘ of Deve­lop­ment Inter­ven­tions: ‚Failure‘ as an Oppor­tu­nity

Ambitious and well planned development projects fail for various reasons. The afterlife of such "interventions" receives little attention. But local communities try to make sense of the remains in the form of rumours and stories. A plea for listening.

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Das Nach-Leben von Entwick­lungs­hil­fe­pro­jekten: „Miss­erfolg“ als Chance

Ehrgeizige und gut geplante Entwicklungshilfeprojekte scheitern aus unterschiedlichen Gründen. Wenig Aufmerksamkeit erfährt das Nachleben solcher „Interventionen“, wenn lokale Gemeinschaften versuchen, sich in Form von Gerüchten und Geschichte, aber auch durch alternative Nutzungen die Überreste kreativ anzueignen. Ein Plädoyer dafür, zuzuhören.

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Die unsicht­bare Ruine des Kalten Kriegs: Die „Mauer in den Köpfen“ 30 Jahre nach dem Mauer­fall

Als mentale Ruine des Kalten Kriegs geistert die „Mauer in den Köpfen“ noch immer durch die politische Kultur Deutschlands. Warum? Weil sie aktiv am Leben gehalten wird. Über drei politisch motivierte Lebenserhaltungsmassnahmen für die "Mauer in den Köpfen“.