Kategorie: Geschichten der Gegenwart

Die Rubrik für Themen und Hinter­grund­ge­schichten. Die Beiträge analy­sieren aus geistes- und kultur­wis­sen­schaft­li­cher Perspek­tive die Gegen­wart, befragen Vergan­genes und rufen fast Verges­senes ins Gedächtnis.

Einsame Heldin. Zum Tod von Winnie Mandela

Nelson Mandela wird dafür gepriesen, dass er die Gewalt, die ihm angetan worden ist, vergeben hat. In Südafrika wächst eine Generation heran, die Winnie Mandela dafür verehrt, dass sie die vergangene und gegenwärtige Gewalt nicht vergeben und nicht vergessen hat.

Die Zombie-Republik. DDR reloaded

Seit langem wurde nicht mehr so heftig auf die ‚Ostdeutschen‘ geschimpft wie nach der letzten Bundestagswahl. Es wurde versucht, die Ursachen für die Wut in der DDR-Vergangenheit zu finden. Dabei ist die politische Nutzung dieser Vergangenheit selbst ein Phänomen der Gegenwart: über die Zombie-Republik als ‚deutsche‘ Selbstdekonstruktion.

1968, die Linke und die „Arbeiterklasse“

„68“ war der politisierte Höhepunkt der Kulturrevolution der 1960er Jahre. Der Linken wird heute vorgeworfen, sie habe damals begonnen, sich nicht mehr für die Arbeiter zu interessieren und betreibe seither nur noch „Identitätspolitik“. Das tönt plausibel. Aber stimmt es denn auch?

Ein ganzes Leben. Claude Lévi-Strauss wird 110

2017 erschien die preisgekrönte Biographie „Lévi-Strauss“ der Historikerin Emmanuelle Loyer. Mit bisher unveröffentlichten Quellen rekonstruiert sie ein wichtiges Stück Wissenschaftsgeschichte und zeichnet zum ersten Mal ein umfassendes Lebensbild vom Begründer des Strukturalismus. Es geht um ein ganzes Leben.

Neue Psychotechnik

In der "Kompetenzgesellschaft" wird nicht mehr gestritten, sondern beraten. Anpassung wird als "lebenslanges Lernen" verkauft. Willkommen in der schönen neuen Welt lösbarer Probleme und Aufgaben!

Winter der „Skihippies“. Als Skifahren rebellisch und hip war

Stiebender Pulverschnee, einsame Spuren, kühne Sprünge: Ski-Filme tragen zur anhaltenden Beliebtheit des winterlichen Zeitvertreibs auf zwei Brettern bei. Klassiker des Genres stammen aus den 1960er-Jahren, als nordamerikanische Firmen das Skifahren als Aussteigersport darzustellen begannen. Eine Gegenkultur im Schnee entstand – werbefinanziert.

Mit Verschwörungstheoretikern reden. Ein Bericht

Mit Menschen zu reden, die Verschwörungstheorien anziehend finden oder sich ganz in ihrem Bann bewegen, scheint kaum möglich. Trotzdem hat Philippe Wampfler in den Foren und Chat-Räumen der Fans von Daniele Ganser – einem der Stars der Szene – das Gespräch gesucht.

Geborgte Sicherheiten. Wie Vintage-Design die Mittelschicht stabilisiert

Was verraten Vintage-Design, Shabby Chic und Mid Century Style über unsere Zeit? In einer zunehmend heterogenen Gesellschaft scheinen die Möbel aus der Mitte des 20. Jahrhunderts – Versatzstücke einer gemäßigten Moderne – die letzten Trostspender im Privaten zu sein.

Ein zu Recht umstrittenes Medium! Fernsehkritik und demokratische Meinungsbildung in der Schweiz

Das Schweizer Fernsehen ist seit seiner Einführung immer wieder kritisch diskutiert worden – zu Recht. Die No-Billag-Initiative befeuert die Debatte, die für die schweizerische Demokratie konstitutiv ist. Zugleich will sie die Debatte aber nicht fortführen, sondern beenden – ein Fehler.

Medienökonomische Verwirrspiele der Neuen Rechten: Von Weikersheim bis No Billag

Die Rede vom „linken“ Meinungsmonopol der öffentlich-rechtlichen Medien ist Augenwischerei. Schon in den 1980ern wurde versucht, mit einer Deregulierung der Medien reaktionäre Interessen und Ideologien durchzusetzen.

„Mir fehlt der Arm, wenn mir die Waffe fehlt.“ Die Gleichsetzung von Freiheit und Waffenbesitz ist ein gefährlicher Anachronismus

In der Schweiz schwelt ein neuer Konflikt mit der EU. Die Armeewaffe „Sturmgewehr 90“, gelagert im heimischen Kleiderschrank und zugleich Lieblingswaffe der Sportschützen, ist mit dem verschärften europäischen Waffenrecht nicht kompatibel. Die Waffenlobby rüstet zum Kampf – allerdings mit schlechten Argumenten.

Turn on, tune in, work hard. LSD auf dem Weg von den Gegenkulturen ins Silicon Valley

In den 1960er und 70er Jahren war LSD der Brennstoff der US-amerikanischen und der europäischen Gegenkulturen und der „acid-head“ ein Rebell. Heute erlebt die Substanz eine erstaunliche neue Karriere: „Microdosiert“ dient sie zu Leistungssteigerung und Anpassung an die flexibilisierte Arbeitswelt.