Geschichten der Gegenwart

Im März die­ses Jah­res publi­zier­te der fran­zö­si­sche Web-Desi­gner und Daten­schüt­zer Aral Bal­kan in der ZEIT einen bemer­kens­wer­ten Arti­kel. Unter dem Titel „Wir sind alle Cyborgs“ pos­tu­lier­te er, es sei not­wen­dig, „dass wir die Gren­zen des­sen, was wir Ich nen­nen, neu defi­nie­ren und jene Tech­no­lo­gi­en mit dazu zäh­len, die wir nut­zen, um über unse­re natür­li­chen Fähig­kei­ten hin­aus­zu­wach­sen. Wenn wir unse­re ver­netz­ten All­tags­ge­gen­stän­de so begrei­fen – nicht als von uns getrenn­te Akteu­re, son­dern als Erwei­te­rung unse­rer Per­sön­lich­keit –, kön­nen wir vie­les kla­rer sehen.“ Längst schei­nen die­se Misch­we­sen aus Leben­di­gem und Tech­no­lo­gi­schem also nicht mehr nur die Roma­ne stän­dig anwach­sen­der Sci­ence-Fic­tion-Biblio­the­ken oder die Lein­wän­de Hol­ly­woods zu bevöl­kern, son­dern mit­ten unter uns zu sein.

Stelarc, »Third Hand«, 1981 – 1994 1981 | © Stelarc, Quelle: http://www.medienkunstnetz.de

Stel­arc, “Third Hand”, 1981–1994, © Stel­arc, Quel­le: medienkunstnetz.de

Cyborgs sind der Inbe­griff, ja die iko­ni­sche Figur einer Ver­schmel­zung, die in den letz­ten Jah­ren unter den Stich­wor­ten „Human Enhan­ce­ment“ und „Trans­hu­ma­nis­mus“ zu einem breit gefä­cher­ten For­schungs- und Ent­wick­lungs­feld der gro­ßen Tech­no­lo­gie­kon­zer­ne avan­ciert ist. Aral Bal­kan sieht in der Ent­wick­lung des Men­schen hin zum Cyborg jedoch auch zuneh­men­de Gefah­ren. Denn auch die Daten, die wir in Zusam­men­ar­beit mit unse­rer tech­no­lo­gisch ver­netz­ten Umwelt lau­fend pro­du­zie­ren, sind, so Bal­kan, ein Teil unse­rer Per­sön­lich­keit. Das bedeu­tet nicht weni­ger als eine essen­ti­el­le Neu­be­stim­mung des­sen, was in unse­rer digi­ta­len Gegen­wart ein Sub­jekt aus­macht, eine Neu­be­stim­mung der Gren­ze, wo der Mensch auf­hört und wo Tech­no­lo­gie beginnt: „Ab einer gewis­sen Infor­ma­ti­ons­dich­te wer­den Daten über eine Sache zu die­ser Sache selbst. Ihre Daten sind Sie“, so Bal­kans beun­ru­hi­gen­de Dia­gno­se. Die­se Daten kön­nen selbst­re­dend auch zur Über­wa­chung und Kon­trol­le genutzt wer­den. Dann aber „wäre Über­wa­chung nicht län­ger nur ein Abfan­gen von Signa­len, son­dern Kör­per­ver­let­zung.“

Das digitale Selbst und seine ökonomische Verwertung

Allein, unse­re Daten, also unser digi­ta­les Selbst, sind nicht nur Objekt staat­li­cher Über­wa­chungs­be­stre­bun­gen, son­dern sie sind auch zu einem öko­no­mi­schen Fak­tor gewor­den. Mit der mas­sen­haf­ten Samm­lung von Infor­ma­tio­nen, deren sta­tis­ti­scher Aus­wer­tung sowie der Erstel­lung von Prä­fe­renz- und Ver­hal­tenspro­fi­len erhof­fen sich Unter­neh­men, uns als Ver­brau­cher noch geziel­ter und effek­ti­ver zu adres­sie­ren. Dahin­ter steckt auch der pro­gnos­ti­sche Traum, künf­ti­ges Ver­hal­ten inner­halb von Sys­te­men vor­aus­be­rech­nen und steu­ern zu kön­nen. Die­ser Traum ist älter, als es schei­nen mag. Er stammt aus der Theo­rie der Rege­lungs­tech­nik der spä­ten 1940er Jah­re – der Grün­dungs­pha­se der Kyber­ne­tik. Heu­te läuft die vor allem von gro­ßen Kon­zer­nen erträum­te Regu­lie­rungs­tech­no­lo­gie dar­auf zu, unse­re Bedürf­nis­se und Wün­sche noch vor uns selbst zu ken­nen und vor­her­sa­gen zu kön­nen. Das Kal­kül besteht dar­in, uns in unse­rer Zukunft gezielt ‚abzu­ho­len‘ und dort gewis­ser­ma­ßen schon mit Ange­bo­ten auf uns zu war­ten.

Drogeriemarkt, Berlin-Neukölln, Bild: Philipp Sarasin

Dro­ge­rie­markt, Ber­lin-Neu­kölln, Bild: Phil­ipp Sara­sin

Bereits im Febru­ar 2012 ver­öf­fent­lich­te der Jour­na­list Charles Duhigg unter dem Titel „How Com­pa­nies Learn Your Secrets“ in der New York Times einen auf­se­hen­er­re­gen­den Arti­kel, in dem beschrie­ben wur­de, wie es der US-Dis­coun­ter­ket­te Tar­get mit­tels algo­rith­misch-sta­tis­ti­scher Ver­fah­ren gelingt, aus dem Kauf­ver­hal­ten ihrer Kun­din­nen auf eine mög­li­che Schwan­ger­schaft zu schlie­ßen und sogar den Zeit­punkt der Geburt etwa ein hal­bes Jahr im Vor­aus zu berech­nen: „Take a fic­tio­nal Tar­get shop­per named Jen­ny Ward, who is 23, lives in Atlan­ta and in March bought cocoa-but­ter lotion, a pur­se lar­ge enough to dou­ble as a dia­per bag, zinc and magne­si­um sup­ple­ments and a bright blue rug. There’s, say, an 87 per­cent chan­ce that she’s pregnant and that her deli­very date is some­time in late August.“ Es ist nicht all­zu spe­ku­la­tiv anzu­neh­men, dass es dem Unter­neh­men bald auch gelin­gen wird, die Schwan­ger­schaft noch vor der wer­den­den Mut­ter – viel­leicht sogar noch vor Ein­tritt der Schwan­ger­schaft – zu erah­nen. Dass sich ein sol­cher Infor­ma­ti­ons­vor­sprung in viel­fäl­ti­ger Wei­se pro­duk­tiv machen lässt, liegt hier­bei auf der Hand.

Unter die­sen Vor­zei­chen und auch vor dem Hin­ter­grund der von Bal­kan skiz­zier­ten Ent­wick­lun­gen unse­rer digi­ta­len Gegen­wart, könn­te es sinn­voll sein, noch ein­mal nach der Her­kunft des Cyborg-Kon­zepts zu fra­gen und der aktu­el­len Debat­te eine his­to­ri­sche Kon­tur zu geben. Auf den ers­ten Blick führt die­se Genea­lo­gie, die sich bis in die phar­ma­zeu­ti­sche Indus­trie der Schweiz zurück­ver­fol­gen lässt, weit weg von Daten-Öko­no­mie und Cyber-Über­wa­chung. Auf den zwei­ten Blick ent­hüllt sie jedoch die Her­aus­bil­dung eines Men­schen­bil­des, das gera­de in unse­rer Gegen­wart eine beson­de­re wirt­schaft­li­che Aktua­li­tät erlangt hat.

Raumfahrtmedizin und Psychiatrie

In die Welt gekom­men ist der Cyborg – also der ‚kyber­ne­ti­sche Orga­nis­mus‘ – 1960 auf einer von der US Air Force orga­ni­sier­ten raum­fahrt­me­di­zi­ni­schen Kon­fe­renz in San Anto­nio, Texas, die sich mit den „Psy­cho­phy­sio­lo­gi­schen Aspek­ten der Raum­fahrt“ befass­te. Es ging dar­um her­aus­zu­fin­den, wie der mensch­li­che Kör­per, aber auch des­sen Psy­che, auf die Her­aus­for­de­run­gen des Welt­raums reagie­ren wür­den. Wie wür­den sich die Schwe­re­lo­sig­keit, die enor­men Beschleu­ni­gungs­kräf­te bei Start und Wie­der­ein­tritt, aber auch die Iso­la­ti­on in der Raum­kap­sel aus­wir­ken? Und wür­de der Mensch ver­läss­lich mit dem tech­no­lo­gi­schen Sys­tem aus Rake­te, Steue­rungs­ein­heit und Kon­troll­zen­trum inter­agie­ren? Oder wäre er die Schwach­stel­le inner­halb die­ses Netz­werks von auto­ma­ti­sier­ten, kyber­ne­ti­schen Maschi­nen, wie von vie­len Wis­sen­schaft­lern befürch­tet wur­de?

Der Astronaut als Cyborg: Alan Shepard bereitet sich auf seinen Suborbitalflug am 5. Mai 1961 vor, Quelle: NASA Images

Der Astro­naut als Cyborg: Alan She­pard berei­tet sich auf sei­nen Sub­or­bi­tal­flug am 5. Mai 1961 vor, Quel­le: NASA Images

Um die­sen Fra­gen und Pro­ble­men zu begeg­nen, prä­sen­tier­ten zwei exter­ne Wis­sen­schaft­ler, die nicht aus dem inne­ren Kreis der mili­tä­ri­schen For­schungs­ein­rich­tun­gen kamen, ein ambi­tio­nier­tes Pro­jekt –  den Cyborg. Der Titel ihres Vor­trags – „Drugs, Space, and Cyber­ne­tics: Evo­lu­ti­on to Cyborgs“ – deu­te­te bereits dar­auf­hin, dass es sich hier­bei in ers­ter Linie um ein medi­zi­ni­sches Kon­zept han­delt. Die bei­den Auto­ren, Nathan Kli­ne, ein Psych­ia­ter, der sich bereits einen Namen als einer der Pio­nie­re auf dem Gebiet der Psy­cho­phar­ma­ko­lo­gie gemacht hat­te, und Man­fred Cly­nes, ein jun­ger und ehr­gei­zi­ger Com­pu­ter­spe­zia­list, waren bei­de in der For­schungs­ab­tei­lung des Rock­land Sta­te Hos­pi­tals beschäf­tigt. Nur weni­ge Kilo­me­ter nörd­lich von New York ent­fernt gele­gen war Rock­land eine der größ­ten psych­ia­tri­schen Kli­ni­ken der Ver­ei­nig­ten Staa­ten, ver­sorg­te um 1960 bereits über 9000 Pati­en­ten und hat­te durch die Anwen­dung von Lobo­to­mi­en und elek­tri­schen Schocks einen zwei­fel­haf­ten Ruf in der ame­ri­ka­ni­schen Öffent­lich­keit erlangt. Als Kli­ne 1952 als Lei­ter der For­schungs­ab­tei­lung nach Rock­land kam, war er ange­tre­ten, die Psych­ia­trie zu moder­ni­sie­ren und fand schnell eine neue Metho­de, mit der die als schi­zo­phren dia­gnos­ti­zier­ten Pati­en­ten behan­delt wer­den konn­ten.

Cyborgs made in Switzerland: Anpassung und Leistung

Anfang der 1950er Jah­re hat­te Kli­ne Kon­takt mit dem Schwei­zer Che­mie- und Phar­ma­zie­un­ter­neh­men Ciba (heu­te Novar­tis) auf­ge­nom­men, das ihm ein neu­es Prä­pa­rat zum Test an sei­nen Pati­en­ten anbot. „Reser­pin“, so der Name des Wirk­stoffs, wur­de aus der indi­schen Schlan­gen­wur­zel (Rau­wol­fia ser­pen­ti­na) gewon­nen und schien Wun­der zu wir­ken: Bereits 1954 publi­zier­te Kli­ne erst­mals über sei­ne Erfah­run­gen mit der Sub­stanz, die auf Schi­zo­phre­ne eine beru­hi­gen­de Wir­kung habe und die­se von ihren Wahn­vor­stel­lun­gen und Hal­lu­zi­na­tio­nen zu kurie­ren ver­spre­che. Am Ende sei­nes Arti­kels, der in den Annals of the New York Aca­de­my of Sci­en­ces ver­öf­fent­licht wur­de, berich­te­te er jedoch noch über ein wei­te­res mög­li­ches Anwen­dungs­ge­biet: Die Ein­nah­me von Reser­pin habe einer Kran­ken­schwes­tern­schü­le­rin beim Abschluss ihrer Aus­bil­dung gehol­fen. Trotz hohem IQ und über­durch­schnitt­li­cher Moti­va­ti­on sei die­se wegen zu gro­ßer Auf­re­gung und Kon­zen­tra­ti­ons­schwie­rig­kei­ten zuvor immer wie­der geschei­tert, habe durch das Medi­ka­ment jedoch die nöti­ge Ruhe gefun­den.

Clynes:Kline_Life-Magazine1960

Man­fred Cly­nes und Nathan Kli­ne, Quel­le: Life Maga­zi­ne (11. Juli 1960)

Die­ser Ansatz, Men­schen durch geziel­te Medi­ka­men­tie­rung an ihre Umwelt anzu­pas­sen und damit ihre Leis­tungs­fä­hig­keit zu ver­bes­sern, wur­de schließ­lich auch zum Grund­ge­dan­ken für den Cyborg als Pro­to­ty­pen der künf­ti­gen Astro­nau­ten, und damit auf den gesun­den Kör­per über­tra­gen. Mit­tels einer selbst­re­gu­la­ti­ven Pum­pe, so die Idee von Kli­ne und Cly­nes, soll­ten die Astro­nau­ten im Welt­raum auto­ma­tisch mit ver­schie­de­nen Medi­ka­men­ten ver­sorgt und stets per­fekt an die lebens­be­droh­li­chen Umwelt­be­din­gun­gen des Welt­raums sowie die tech­no­lo­gi­schen Anfor­de­run­gen der Raum­kap­sel ange­passt wer­den. In Momen­ten, die eine erhöh­te Wach­sam­keit ver­lan­gen wür­den, könn­ten bei­spiels­wei­se Amphet­ami­ne ver­ab­reicht wer­den. In Stress­si­tua­tio­nen oder bei gro­ßer Auf­re­gung, schla­gen die bei­den unter ande­rem Reser­pin vor. Die Astro­nau­ten haben auf ihre Medi­ka­men­tie­rung selbst kei­nen Ein­fluss, die­se ver­läuft voll­stän­dig auto­ma­ti­siert und wird vom kyber­ne­ti­schen Rege­lungs­kreis­lauf, der stän­dig zwi­schen Soll- und Ist-Zustand ver­gleicht, auf ein Opti­mum ein­ge­pen­delt.

Im Denk­mo­dell der bei­den Wis­sen­schaft­ler schie­nen Medi­ka­men­te sowohl ein pro­ba­tes Mit­tel zu sein, um Men­schen mit einer Geis­tes­krank­heit wie­der auf ihre Umwelt ‚ein­zu­stel­len‘, als auch Hoch­leis­tung und Effek­ti­vi­täts­stei­ge­rung bei Gesun­den zu erzie­len. Letzt­lich ging es in bei­den Fäl­len glei­cher­ma­ßen dar­um, Men­schen pro­duk­ti­ver und funk­ti­ons­fä­hi­ger zu machen.

Unternehmer unserer Selbstoptimierung

Die heu­ti­gen Cyborgs unse­rer digi­ta­len Gegen­wart schei­nen sich weit von ihrer Her­kunft ent­fernt zu haben. Und doch wei­sen aktu­el­le Ten­den­zen wie der Trend zur „Selb­st­op­ti­mie­rung“ durch Mobi­le Apps direkt auf die Geburt des Cyborg-Kon­zepts aus dem Geis­te der Raum­fahrt­me­di­zin und Psych­ia­trie zurück. Mit Hil­fe des Smart­pho­nes und zusätz­lich ein­ge­setz­ter Appli­ka­tio­nen, wie den so genann­ten Activi­ty Tra­ckern, ist es heu­te mög­lich, als „Unter­neh­mer sei­ner selbst“, der „für sich selbst sein eige­nes Kapi­tal ist, sein eige­ner Pro­du­zent, sei­ne eige­ne Ein­kom­mens­quel­le“ (Fou­cault), an der stän­di­gen Opti­mie­rung der eige­nen Fit­ness, Ernäh­rung, den Schlafrhyth­men bis hin zur Kon­trol­le des Blut­zu­cker­spie­gels mit­zu­ar­bei­ten. Opti­mie­rung und Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­rung wer­den hier­bei oft syn­onym gesetzt.

Das Selbst vermessen und optimieren: Activity Tracker, Quelle: smartwatchnews.org

Das Selbst ver­mes­sen und opti­mie­ren: Activi­ty Tra­cker, Quel­le: smartwatchnews.org

Vor dem Hin­ter­grund der von vie­len Men­schen als zuneh­mend fle­xi­bler und beschleu­nig­ter wahr­ge­nom­me­nen Arbeits­welt erscheint Selb­st­op­ti­mie­rung dabei als ein Mit­tel der Anpas­sung und nimmt in vie­len Fäl­len den Cha­rak­ter einer ‚Selbst­nor­mie­rung‘ an. Auch Medi­ka­men­te spie­len nach wie vor eine wich­ti­ge Rol­le für die­se Ent­wick­lung: So bewegt sich das 1954 eben­falls von dem Bas­ler Unter­neh­men Ciba ein­ge­führ­te Sti­mu­lanz „Rita­lin“ heu­te in jenem ambi­va­len­ten Span­nungs­feld zwi­schen medi­zi­ni­scher Für­sor­ge und Leis­tungs­stei­ge­rung, in dem auch der Cyborg 1960 ent­stan­den ist. Nicht nur, dass die Behand­lung von Kin­dern und Jugend­li­chen mit der Dia­gno­se „Auf­merk­sam­keits­de­fi­zit-/Hy­per­ak­ti­vi­täts­stö­rung“ (ADHS) zum Teil auch dar­auf abzielt, die­se mit Blick auf den Anpas­sungs- und Leis­tungs­druck der Schu­le ‚pro­duk­ti­ver‘ zu machen. In den letz­ten Jah­ren ist die­ses Medi­ka­ment auch an den Uni­ver­si­tä­ten zu einer gefrag­ten Lern­dro­ge avan­ciert, die Kon­zen­tra­ti­on för­dern und deren Stö­rung durch die Umge­bung oder Selbst­ab­len­kung ent­ge­gen­wir­ken soll.

Die­se medi­zi­ni­schen For­men der Selb­st­op­ti­mie­rung sind impli­zit nach der Logik der Cyborg-Vor­stel­lung von Cly­nes und Kli­ne struk­tu­riert. Sie ver­wei­sen dar­auf, dass der Cyborg trotz sei­ner digi­ta­len Gegen­wart als Daten-Erwei­te­rung des Men­schen eine sehr mate­ri­el­le und greif­ba­re Geschich­te hat. Alles ande­re als been­det, haben sich Denk­mus­ter und Prak­ti­ken die­ser Geschich­te bis in unse­re Gegen­wart gehal­ten und in den vor­herr­schen­den öko­no­mi­schen Impe­ra­ti­ven neue For­men der Anwen­dung gefun­den. 1997 ver­öf­fent­lich­te die bri­ti­sche Alter­na­ti­ve-Rock­band Radiohead auf ihrem Album OK Com­pu­ter das Musik­stück Fit­ter Hap­pier, des­sen Text nicht gesun­gen, son­dern von der aus­drucks­lo­sen Stim­me des syn­the­ti­schen Sprach­ge­ne­ra­tors Plain­Talk eines Apple Mac­in­tosh Com­pu­ters vor­ge­tra­gen wird. Die­ser Text bringt die instruk­ti­ve Pro­gram­ma­tik des Cyborgs auch noch knapp zwan­zig Jah­re spä­ter prä­zi­se auf den Punkt: „Calm, fit­ter, healt­hi­er, and more pro­duc­tive. A pig in a cage on anti­bio­tics.“

Von Patrick Kilian

Patrick Kilian ist Doktorand an der Universität Zürich und Mitherausgeber des foucaultblog.