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Hass­pre­di­ger, Narziss, Rowdy, Aufschnei­der, Teil­zeit­clown, Voll­zeit­psy­cho­path, Hitz­kopf, Rassist, Igno­rant, Faschist, Wüte­rich, Autist – was wird Donald Trump nicht alles zuge­schrie­ben. Offen­bar hat man es mit einem Außen­sei­ter und Abweich­ler zu tun, der gängige Regeln verhöhnt, um die Welt nach seinen eige­nen Vorstel­lun­gen neu zuord­nen. Doch der poli­ti­sche Alltag, so die Opti­mis­ten, wird es rich­ten, weil Trump – wie alle Polter­geis­ter vor ihm – zwischen Anpas­sung und Unter­gang wird wählen müssen. Demnach wäre selbst ein Wahl­sieg im Novem­ber mehr Kathar­sis als Kata­stro­phe. Pessi­mis­ten hinge­gen haben den Glau­ben an die Inte­gra­ti­ons­kraft ameri­ka­ni­scher Poli­tik und Kultur längst verlo­ren; in ihren Augen ebnet der repu­bli­ka­ni­sche Präsi­dent­schafts­kan­di­dat einem ameri­ka­ni­schen Faschis­mus den Weg.

Batman, der Gotham City vor dem Verbrechen schützt (#315, September 1979)

Batman, der Gotham City vor dem Verbre­chen schützt (#315, Septem­ber 1979). Trump sagte im Vorwahl­kampf in Iowa: "I am Batman"

So unter­schied­lich die Befunde auch klin­gen mögen, sie sind aus der dersel­ben Unter­stel­lung abge­lei­tet: „The Donald“ verletze nicht nur Normen, sondern er würde selbst aus der Norm fallen. Histo­risch belast­ba­rer ist indes die Gegen­these: Wenn die Abwei­chung von der Norm das Problem wäre, gäbe es kein Problem. Denn Donald Trump ist kein irrlich­tern­der Fremd­kör­per. Er bedient sich viel­mehr aus einem in allen Milieus Ameri­kas vorhan­de­nen Ideen- und Gefühls­haus­halt und spielt der Mitte der Gesell­schaft ihre eige­nen Melo­dien vor. Sie mögen schrill, verzerrt oder wie aus allen Fugen klin­gen, wieder­erkenn­bar und eingän­gig sind sie trotz­dem.

Damit reiht sich Trump in eine Kohorte von Poli­ti­kern und poli­ti­schen Akti­vis­ten ein, die einen festen Platz in der ameri­ka­ni­schen Geschichte haben und phasen­weise dem Land auch ihren Stem­pel aufdrü­cken konn­ten: den Angst­un­ter­neh­mern, Choreo­gra­fen von Emotio­nen, Stich­wort­ge­bern und Nutz­nie­ßern von Ängs­ten. Je rück­sichts­lo­ser das Spiel mit Ressen­ti­ments, Affek­ten und Ängs­ten, desto einträg­li­cher ihre poli­ti­sche Divi­dende. Zwar verspre­chen Angst­un­ter­neh­mer stets eine Bändi­gung des Bedroh­li­chen; aber wenn sie im Geschäft blei­ben wollen, müssen sie diffuse Ängste stets am Köcheln halten. Andern­falls verspie­len sie ihr wich­tigs­tes Kapi­tal.

Angst­un­ter­neh­mer im 20. Jahr­hun­dert

New York Herald, March 28, 1918; Quelle: pasadena.com

New York Herald, March 28, 1918; Quelle: pasadena.com

Das ganze 20. Jahr­hun­dert über fanden Angst­un­ter­neh­mer jeder Couleur in den USA große Aufmerk­sam­keit. Während des Ersten Welt­krie­ges kontrol­lier­ten „Wehr­bür­ger“ und „Vigi­lan­ten“ aus den Reihen der Ameri­can Protec­tive League die „Heimat­front“, in der Zwischen­kriegs­zeit sorgte sich der Vete­ra­nen­ver­band Ameri­can Legion um die Über­wa­chung von Nonkon­for­mis­ten und arbei­tete jenen Poli­ti­kern und staat­li­chen Über­wa­chungs­agen­tu­ren zu, die von den frühen 1940er bis weit in die 1960er Jahre erneut Panik­at­ta­cken vor kommu­nis­ti­scher Unter­wan­de­rung schü­ren soll­ten. Nimmt man Auftre­ten und Ausstrah­lung der alten und neuen Rech­ten – von der John Birch Society bis zum 1997 gegrün­de­ten Project for a New Ameri­can Century – hinzu, so lässt sich ohne Über­trei­bung sagen: Selbst in Zeiten rela­ti­ver Ruhe und Entspan­nung sorgen Angst­un­ter­neh­mer für ein Hinter­grund­rau­schen in der ameri­ka­ni­schen Poli­tik.

Donald Trumps Panik-Skript ist über 100 Jahre alt. Bürger­initia­ti­ven und private Verbände popu­la­ri­sier­ten schon in der ersten Hälfte des 20. Jahr­hun­derts eine xeno­phobe poli­ti­sche Agenda – Einwan­de­rungs­stopp, Depor­ta­tion ille­ga­ler Immi­gran­ten, Säube­rung aller Schu­len und Univer­si­tä­ten von unzu­ver­läs­si­gem Lehr­per­so­nal und anstö­ßi­gem Schrift­tum und vor allem kultu­relle „Ameri­ka­ni­sie­rung“. Aber auch das zweite Dauer­thema dieses alten Skripts klingt merk­wür­dig aktu­ell: Die Phobie vor dem „Verrat von oben“, laut­hals arti­ku­liert in Kampa­gnen „gegen Washing­ton“, mit der sich die Vertre­ter eines unge­fil­ter­ten „Volks­wil­lens“ in Szene setzen. Die alles andere ausste­chende Trumpf­karte indes hieß und heißt „natio­nale Sicher­heit“. Der Vorwurf der „Schwä­che“ – gegen­über Kommu­nis­mus, Tota­li­ta­ris­mus oder Isla­mis­mus – ist eine Allzweck­waffe, die poli­ti­sche Konkur­ren­ten verläss­lich in den Ruin treibt.

So gese­hen kann die jüngere Geschichte der USA auch als Zyklus haus­ge­mach­ter Hyste­ri­sie­rung, kollek­ti­ver Obses­sio­nen und Erre­gungs­zu­stän­den in prekä­rer Nähe zu Para­noia beschrie­ben werden. Immer steht angeb­lich das „Ganze“ auf dem Spiel, ist die Bedro­hung total, der Feind zu Allem entschlos­sen und – in Trumps Worten – muss Amerika vor der akut drohen­den Vernich­tung von Innen und Außen bewahrt werden. Mini­male Möglich­kei­ten in maxi­male Wahr­schein­lich­kei­ten umzu­deu­ten, ist der Ausgangs­punkt dieser Gefühls- und Gedan­ken­wel­ten, das Verlan­gen nach „tota­ler Sicher­heit“ ihr End- und Flucht­punkt. Bei der Gefah­ren­ab­wehr ist im Zwei­fel alles erlaubt und keine Rück­sicht gebo­ten, auch nicht gegen­über dem als lästige Selbst­be­schrän­kung apostro­phier­ten Recht.

Peri­odi­sche Selbst­rei­ni­gung

Plakat, 1950er Jahre; Quelle: cdm.kizaz.com

Plakat, 1950er Jahre; Quelle: cdm.kizaz.com

Das bedeu­tet: Angst­un­ter­neh­mer sind keines­wegs auf Wirt­schafts­kri­sen, Kriegs­ge­fahr oder Terror ange­wie­sen. Sie betrei­ben auch in Zeiten wirt­schaft­li­cher Blüte oder macht­po­li­ti­scher Trium­phe erfolg­rei­che Geschäfte – siehe 1919 und 1945, als ein großer Teil der Welt in Trüm­mern lag und gleich­wohl Ameri­kas Unter­gang im Zeichen des Roten Sterns phan­ta­siert wurde. Dreh- und Angel­punkt dieser Phobien war und ist die unter­stellte „Immun­schwä­che“ von Einwan­de­rer­ge­sell­schaf­ten wie den USA. Gerade aufgrund seiner Welt­of­fen­heit und Tole­ranz – so der Tenor von Angst­un­ter­neh­mern – setze sich Amerika dauer­haft einem Belas­tungs­test voller Unwäg­bar­kei­ten aus. Im Grunde genom­men wird der libe­rale Glaube an den Assi­mi­la­ti­ons­wil­len von Zuwan­de­rern und die Inte­gra­ti­ons­kraft der ameri­ka­ni­schen Gesell­schaft durch ein angst­be­setz­tes Dogma ersetzt: Natio­nale Sicher­heit ist ein prekä­res Gut, weil das Land es immer wieder mit Neuan­kömm­lin­gen zu tun bekommt, die sich nicht „ameri­ka­ni­sie­ren“ können oder wollen. Sozi­al­psy­cho­lo­gen spre­chen von „Über­wäl­ti­gungs­phan­ta­sien“ oder „Infek­ti­ons­ängs­ten“, die phobi­sche Züge anneh­men, sobald bestimmte Grup­pen oder Ethnien als verlän­ger­ter Arm auslän­di­scher Mächte gese­hen werden. Wie auch immer die einschlä­gi­gen Phan­ta­sien ausbuch­sta­biert werden, eines schwingt stets mit: der Appell zur peri­odi­schen Selbst­rei­ni­gung des öffent­li­chen Lebens von Unan­ge­pass­ten jeder Couleur.

South Carolina Vigilant Guard, 2015

South Caro­lina Vigi­lant Guard, 2015

Die Kehr­seite der chro­ni­schen Angst­at­ta­cken ist ein glei­cher­ma­ßen ausge­präg­tes Verlan­gen nach Sicher­heit. Just darin grün­den Pres­tige und Akzep­tanz von Angst­un­ter­neh­mern – in dem Verspre­chen, dem Staat auf eigene Rech­nung und Verant­wor­tung zur Seite zu stehen. Nicht von unge­fähr stan­den „Vigi­lan­ten“, frei­wil­lige Sicher­heits­kräfte und Bürger­weh­ren zur Zeit des Ersten Welt­krie­ges beson­ders hoch im Kurs: Bei der Abwehr der „fünf­ten Kolon­nen“ feind­li­cher Auslän­der und Agen­ten über­nah­men sie de facto die Aufga­ben eines damals nur rudi­men­tär vorhan­de­nen Inlands­ge­heim­diens­tes. Der zügige Aufbau des FBI, vor allem aber die Entwick­lung des „Natio­na­len Sicher­heits­staa­tes“ mach­ten derglei­chen Zuar­beit über­flüs­sig. Doch das über­stei­gerte Bedürf­nis nach Schutz vor realen und imagi­nier­ten Gefah­ren blieb und wurde zur Mess­latte für Präsi­den­ten. Daher liefer­ten sich alle Kandi­da­ten, von Jimmy Carter und Barack Obama abge­se­hen, einen Über­bie­tungs­wett­be­werb um das Prädi­kat des furcht­lo­ses­ten Kriegs­herrn. Auch in dieser Hinsicht fällt Donald Trump mit seiner Bemer­kung, der größte Mili­ta­rist von allen zu sein, nicht aus dem Rahmen.

Rassis­mus und Frem­den­hass

Dass Angst­un­ter­neh­mer auch und gerade aus Rassis­mus und Frem­den­hass Kapi­tal schla­gen, wurde mit dem Aufstieg der „Tea Party“ in Erin­ne­rung geru­fen. Im Zentrum ihres Welt- und Poli­tik­bil­des steht der in düsters­ten Farben ausge­malte demo­gra­phi­sche Wandel Ameri­kas, die Tatsa­che, dass „Weiße“ voraus­sicht­lich im Jahr 2045 erst­mals seit Grün­dung der Repu­blik in der Minder­heit sein werden, sowie die Behaup­tung, schon heute die haupt­säch­li­chen Opfer von Diskri­mi­nie­rung zu sein – wie deut­lich über 50 Prozent weißer Ameri­ka­ner in einer Meinungs­um­frage zu Proto­koll gaben. Daher der Zorn gegen alle, die schon jetzt zur neuen Mehr­heit gerech­net werden können, daher die aggres­siv aufge­la­dene Unter­schei­dung zwischen „uns“ und „denen“.

Diese poli­ti­sche und mora­li­sche Zukunfts­pa­nik wird von einem gut situ­ier­ten Mittel­stand gepflegt, von über­wie­gend weißen Ameri­ka­nern, die im Vergleich zum Bevöl­ke­rungs­durch­schnitt älter, gebil­de­ter und wohl­ha­ben­der sind. Zwar spricht die „Tea Party“ auch Unter­pri­vi­le­gierte, Abge­hängte und Perspek­tiv­lose an, aber sie lebt nicht von ihnen – weshalb auch alle Versu­che, sich mit aktu­el­len Krisen­da­ten aus dem Wirtschafts- und Sozi­al­le­ben einen Reim auf die Bewe­gung zu machen, in die Irre gehen. Hier kämp­fen weder Sprach­lose noch Ohnmäch­tige, sondern wort­mäch­tige Prot­ago­nis­ten, die für sich die allei­nige Deutungs­ho­heit über Poli­tik und Kultur bean­spru­chen.

Wie kein zwei­ter bedient Donald Trump diese Stim­mungs­la­gen. Ängste zu schü­ren, ist sein wich­tigs­tes Anlie­gen – Angst vor Mexi­ka­nern, Musli­men, Schwar­zen, vor korrup­ten Eliten, vor der Außen­welt und vor einem Ende des „ameri­ka­ni­schen Weges“ sowieso. Und Ernied­ri­gung setzt er als effek­tivste Waffe ein – andere klein zu machen, um sich selbst zu erhö­hen. Die Verach­tung von Eliten kommt genauso geifernd daher wie die Häme gegen Immi­gran­ten, vor seiner aggres­si­ven Gering­schät­zung ist buch­stäb­lich niemand gefeit.

Trump-Supporterin ausserhalb der Republican National Convention, 18. Juli, 2016 in Cleveland, Ohio; Quelle: mysanantonio.com

Trump-Supporterin ausser­halb der Repu­bli­can Natio­nal Conven­tion, 18. Juli, 2016 in Cleve­land, Ohio; Quelle: mysanantonio.com

Zugleich aber erhebt sich Trump über die selbst verfer­tig­ten Horror­sze­na­rien und pflegt sein Bild des Beschüt­zers und Erlö­sers von Ängs­ten. Im Grunde tritt er wie der Proto­typ des wehr­haf­ten Helden, des „Vigi­lan­ten,“ auf: In einem System, das seinen Bürgern keinen Schutz mehr bietet, nimmt ein Außen­sei­ter das Gesetz in die eigene Hand, diktiert das Gesche­hen nach seinen Regeln und rettet das Land aus einer tödli­chen Abwärts­spi­rale. „Das ist ein Kerl, der keine Scheu hat, jene zu miss­brau­chen, die uns miss­brau­chen. Er wird austei­len, […] weil er es kann“, tönt es aus seiner Anhän­ger­schaft. „Trump kämpft. Trump gewinnt. Ich will einen Alpha­mann, der es den Fein­den gibt. Ich bin es leid, Verlie­rer zu unter­stüt­zen.“

Reini­gungs­phan­ta­sien gepaart mit dem Wunsch nach Selbst­er­mäch­ti­gung und dem Anspruch, tun und lassen zu können, was man will, poli­tisch moti­vierte Gewalt inklu­sive: davon spre­chen diese in endlo­ser Zahl proto­kol­lier­ten Aussa­gen von Trump-Anhängern, Zeug­nisse auto­ri­tär fixier­ter Persön­lich­kei­ten, die im Lager des Star­ken unter­kom­men wollen und zugleich eine Lizenz zum Schur­igeln der Schwa­chen bean­spru­chen. Selbst­ver­ständ­lich ist Trumps Retter-Image so hohl wie alles andere in seiner Kampa­gne. Was aber zählt, ist nicht der reale Trump, sondern die Vorstel­lung, die sich das Publi­kum von ihm macht – und die Tatsa­che, dass er mit einem treff­li­chen Gespür für emotio­na­les Verlan­gen genau das ausspricht, wonach seine Klien­tel giert. Als confi­dance man kann er Lächer­li­ches sagen, ohne in den Augen seiner Wähler lächer­lich zu wirken: „Ich werde Euch derma­ßen glück­lich machen. […] Und denkt daran, ich werde Euch niemals hängen lassen.“

Floridas Delegierte Dana Dougherty hält eine Trump-Puppe, Republican National Convention, 18. Juli, 2016, Quicken Loans Arena in Cleveland, Ohio; Quelle: mysanantonio.com

Flori­das Dele­gierte Dana Doug­herty hält eine Trump-Puppe, Repu­bli­can Natio­nal Conven­tion, 18. Juli, 2016, Quicken Loans Arena in Cleve­land, Ohio; Quelle: mysanantonio.com

Sieg ohne Wahl­sieg

Die lange Geschichte ameri­ka­ni­scher Angst­un­ter­neh­mer zeigt, dass sie keine Wahl gewin­nen müssen, um zu siegen. Als die Akti­vis­ten des Red Scare 1920 vom Innen­mi­nis­te­rium demo­bi­li­siert wurden, war ihre rassis­ti­sche und frem­den­feind­li­che Mission noch längst nicht zu Ende; sie wurde von ande­ren weiter­ge­führt, weni­ger rowdy­haft, aber nicht minder effek­tiv. Als Joseph McCar­thy von Präsi­dent Eisen­hower zur Ordnung geru­fen wurde und seine Phobien anschlie­ßend nur noch im Suff zu betäu­ben wusste, ließ er eine auf Jahre verwüs­tete poli­ti­sche Kultur zurück. Und als der repu­bli­ka­ni­sche Rechts­au­ßen Barry Gold­wa­ter 1964 seinen Kampf um das Weiße Haus krachend verlo­ren hatte, froh­lockte er trotz­dem; er hatte nämlich die Partei umge­krem­pelt und dafür gesorgt, dass die Repu­bli­ka­ner wenige Jahre später seine Ideen zu ihrem Programm erklär­ten. Auch der „Trumpis­mus“ wird seinen Namens­ge­ber über­le­ben, teils, weil dieser mit seiner Grob­heit und Pöbe­lei die Gren­zen des Sag- und Mach­ba­ren bereits jetzt verscho­ben hat, vor allem aber, weil der Treib­stoff für Trumps poli­ti­sche Karriere weiter­hin reich­lich fließt.

Im Unter­schied zu para­noi­den Aufwal­lun­gen in der Vergan­gen­heit gras­siert ein merk­wür­di­ger Pessi­mis­mus unter Ameri­kas Libe­ra­len, viele schei­nen das Zutrauen in die Wider­stands­fä­hig­keit des poli­ti­schen Systems verlo­ren zu haben. Zwei­fel­los trägt die Inter­na­tio­na­li­sie­rung des „Trumpis­mus“ zu dieser Wahr­neh­mung bei, d.h. die Tatsa­che, dass von Vene­zuela bis Russ­land eine Front aus Popu­lis­ten und Auto­kra­ten mitt­ler­weile dieselbe Spra­che spricht.  Sie wollen Staa­ten wie Unter­neh­men führen, das betro­gene Volk vom Diktat der Eliten befreien, und jene mit allum­fas­sen­den Befug­nis­sen ausstat­ten, die den „wahren Willen“ des Volkes erkannt haben. Erst Recht aber dämmert Trumps Gegnern, wie stabil der heimi­sche Boden unter seinen Füßen ist und welchen Preis Amerika für die Poli­tik von Gene­ra­tio­nen seiner Angst­un­ter­neh­mer zahlt. Stän­dig auf der Suche nach Mons­tern, die es zu zerstö­ren gilt, sind offen­kun­dig die Maßstäbe zur Unter­schei­dung zwischen Risiko, Gefahr und Bedro­hung abhan­den­ge­kom­men – und dies nicht mehr nur an den Rändern des poli­ti­schen Spek­trums, sondern in dessen Zentrum. Davon handeln die Geschichte des Donald Trump, dem Extre­mis­ten der Mitte.

Demonstranten ausserhalb der Republican National Convention, 18. Juli 2016, in Cleveland, Ohio; Quelle: mysanantonio.com

Demons­tran­ten ausser­halb der Repu­bli­can Natio­nal Conven­tion, 18. Juli 2016, in Cleve­land, Ohio; Quelle: mysanantonio.com

Dieser Beitrag ist die gekürzte Fassung eines Aufsat­zes, der im Septem­ber­heft der „Blät­ter für deut­sche und inter­na­tio­nale Poli­tik“ (H. 9, S. 43-51) erschie­nen ist.

Von Bernd Greiner

Bernd Greiner leitet das Berliner Kolleg Kalter Krieg, lehrt Neueste Geschichte an der Universität Hamburg und ist Mitarbeiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung.