Reizwörter

Viel­leicht wird 2016 als das Jahr in die Geschich­te ein­ge­hen, in dem das post-fak­ti­sche Zeit­al­ter aus­ge­ru­fen wur­de. Seit eini­gen Wochen wird die­ses Schlag­wort jeden­falls hef­tig dis­ku­tiert – auch auf die­ser Platt­form. Ger­ne wird dabei argu­men­tiert, dass uns das Inter­net, Soci­al Media und ins­be­son­de­re Goog­le die post-fak­ti­sche Sup­pe ein­ge­brockt hät­ten. Genau­so gut lies­se sich jedoch sagen, dass Inter­net und Soci­al Media den öffent­li­chen Dis­kurs über Fak­ten und Wirk­lich­kei­ten demo­kra­ti­sier­ten und uns neue Mög­lich­kei­ten des Fact-Che­ckings und der unab­hän­gi­gen, viel­leicht sogar „herr­schafts­freie­ren“ Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung eröff­ne­ten.

Das Soci­al Web ist in die­ser Ange­le­gen­heit bloss ein – allen­falls zur Kennt­lich­keit ent­stell­tes – Spie­gel­bild der Gesell­schaft in der soge­nann­ten Real World. Den Typus des scham­los lau­ten, unan­ge­neh­men und dabei erstaun­lich erfolg­rei­chen post-fak­ti­schen Que­ru­lan­ten, der sich in Poli­tik und Medi­en breit­ge­macht hat, kennt die Netz­kul­tur seit lan­gem: hier heisst er Troll. Viel­leicht lässt sich auch für die Real World etwas aus den Tak­ti­ken ler­nen, die als Abwehr gegen die­se klas­si­sche Reiz­fi­gur des Inter­nets dis­ku­tiert wer­den?

Troll, der | [tʀɔl] (nordgermanisch „Unhold“, „Riese“, „Naturwesen“)

Troll-Face; Quelle: FactSpy.net

Troll-Face; Quel­le: FactSpy.net

In der nor­di­schen Mytho­lo­gie sind Trol­le unheim­li­che Wesen, die häu­fig als scha­den­brin­gen­de Rie­sen, manch­mal auch als dämo­ni­sche Zwer­ge in Erschei­nung tre­ten. In der Fan­ta­sy-Lite­ra­tur haben sich Trol­le als Krea­tu­ren von aus­ser­or­dent­li­cher Grös­se und erschre­cken­dem Äus­se­ren eta­bliert. Ihre Kör­per­kraft, ihre dicke, als natür­li­che Rüs­tung die­nen­de Haut und ihre simp­le aber effi­zi­en­te Grund­in­tel­li­genz prä­de­sti­nier­te sie als äus­serst bru­ta­le und durch­schlags­kräf­ti­ge Kämp­fer. Ver­si­on 2.0 des Trolls erblick­te das flim­mern­de Licht der Welt in den frü­hen Dis­kus­si­ons­grup­pen des World Wide Web und sei­ner Vor­läu­fer. Im Netz­jar­gon – und jüngst auch nach dem Duden – bezeich­net der Begriff „Troll“ Per­so­nen, die die Kom­mu­ni­ka­ti­on im Inter­net fort­ge­setzt stö­ren, indem sie etwa ande­re Dis­kus­si­ons­teil­neh­mer pro­vo­zie­ren oder belei­di­gen, Falsch­in­for­ma­tio­nen ver­brei­ten oder Dis­kus­sio­nen gezielt zum Ent­glei­sen zu brin­gen ver­su­chen. Vom Chat­room aus haben die Trol­le ihren Sie­ges­zug durch die Sozia­len Medi­en und Kom­men­tar­spal­ten ange­tre­ten. Seit­her beset­zen sie die Öffent­lich­keit.

Das Inter­es­se von Trol­len gilt nicht pri­mär der Dis­kus­si­on um das bes­se­re Argu­ment, son­dern der Steue­rung der Auf­merk­sam­keit. Dazu muss die eige­ne Bot­schaft nicht kohä­rent sein. Es zählt ein­zig, dass sie auf Reso­nanz stösst. Und dass sie rezi­pi­en­ten­sei­tig Refle­xe trig­gert – zumeist empört ableh­nen­de, manch­mal auch zustim­men­de –, die ihre Reich­wei­te mul­ti­pli­zie­ren. Trol­le bewe­gen sich nicht in der Sphä­re des kon­struk­ti­ven Dia­logs, son­dern in jener der Wir­kungs­kom­mu­ni­ka­ti­on. Vie­le sind dar­in so effi­zi­ent und geschickt gewor­den, dass sich das Trol­len für eini­ge unter ihnen zum ein­träg­li­chen Busi­ness­mo­dell ent­wi­ckelt hat.

Doch so pas­send das Bild des aso­zia­len nord­ger­ma­ni­schen Schau­er­we­sens auch sein mag: der ety­mo­lo­gi­sche Ursprung des Begriffs liegt wohl anders­wo. Im Eng­li­schen bezeich­net trol­ling with bait eine Ang­ler­tech­nik, bei der ein (oder meh­re­re) Köder von einem lang­sam fah­ren­den Boot durchs Was­ser geschleppt wird (oder wer­den). Trol­le fischen nach Reak­tio­nen, nach Auf­merk­sam­keit. In frü­he­ren Zei­ten des WWW und sei­nen Vor­gän­gern war es des­halb üblich, auf Troll-Bei­trä­ge mit einem aus ASCII-Zei­chen gezeich­ne­ten Fisch zu reagie­ren, dem soge­nann­ten roten Hering: <*))))><. Die­ser schö­ne Brauch ist inzwi­schen lei­der etwas in Ver­ges­sen­heit gera­ten.

1990 – etwa in die­sem Zeit­raum kommt auch die Rede vom Netz-Troll auf – führ­te das Adven­ture-Game Secret of Mon­key Island die bei­den Wort­be­deu­tun­gen auf unnach­ahm­li­che Wei­se zusam­men: Der Möch­te­gern-Pirat Guy­brush Threep­wood wird an einer Brü­cke von einem grü­nen Troll auf­ge­hal­ten, der als Zoll einen Gegen­stand ver­langt, der „Auf­merk­sam­keit erregt , dabei aber nicht von eigent­li­cher Wich­tig­keit“ ist. Einen sol­chen Gegen­stand hat Guy­brush zuvor im Hin­ter­hof der Hafen­knei­pe einer gefräs­si­gen Möwe abge­luchst: ein roter Hering.

Guybrush und der Troll im Point-And-Click-Adventure-Game

Guy­brush Threep­wood und der Troll im Point-And-Click-Adven­ture-Game “Secret of Mon­key Island”

Der ursprüng­li­che, der Fische­rei­tech­nik ent­lehn­te Strang der Wort­be­deu­tung cha­rak­te­ri­siert das Phä­no­men weni­ger als Wesens­art („der Troll“), son­dern als Tätig­keit („das Trol­len“), als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mo­dus. Die­se Per­spek­ti­ve erlaubt es, neben dem klas­si­schen Forums-Troll auch ande­re Trol­len­de (inkl. uns selbst) in den Blick zu neh­men – on- und off­line.

"Welcome to SVP": Wahlkampf-Video 2015; Quelle: YouTube.com

“Wel­co­me to SVP”: Wahl­kampf-Video 2015; Quel­le: YouTube.com
Nazi-Symbol "88" in "Welcome to SVP", Wahlkampf-Video 2015; Quelle: YouTube.com

Nazi-Sym­bol “88” in “Wel­co­me to SVP”; Quel­le: YouTube.com

Seit sich das Soci­al Web mit der „rea­len Welt“ zuneh­mend ver­zahnt hat, erken­nen wir auch in Per­sön­lich­kei­ten in Poli­tik und Medi­en troll­ar­ti­ge Züge. Donald Trumps Auf­stieg zum Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten bie­tet hier­für genü­gend Anschau­ungs­ma­te­ri­al. Und Troll-Tak­ti­ken zur vira­len Ver­brei­tung eige­ner „Inhal­te“ und zum Agen­da­set­ting erfreu­en sich auch in der Schweiz zuneh­men­der Beliebt­heit, wie etwa das SVP-Wahl­kampf-Video „wel­co­me to SVP“ von 2015 zeig­te. (Zur Erklä­rung: Im Neo­na­zi-Zah­len­code steht “88” einer­seits für zwei­mal den ach­ten Buch­sta­ben im Alpha­bet und damit für “Heil Hit­ler”, sowie and­rer­seits für zwei­mal den acht­letz­ten Buch­sta­ben: “SS”.)

Don’t feed the Trolls – wirklich?

Trol­le sind unan­ge­nehm. Sie zap­fen uns nicht nur Zeit und Auf­merk­sam­keit ab, sie nöti­gen uns auch, uns in irgend­ei­ner Wei­se zu ihnen zu ver­hal­ten. Dabei frus­trie­ren sie: Egal wie man auf ihre Pro­vo­ka­tio­nen reagiert, egal wie elo­quent man ihre Irr­tü­mer bloss­stellt, egal wie mes­ser­scharf argu­men­tie­rend man ihre Posi­ti­on dekon­stru­iert, sie tra­gen immer zumin­dest einen Teil­sieg davon: man hat reagiert und ihnen damit eine Platt­form gebo­ten, man hat ihr Spiel mit­ge­spielt und sich zu ihrem Mul­ti­pli­ka­tor gemacht. „Don’t feed the trolls“ lau­tet des­halb eine gol­de­ne Regel der Inter­net­kom­mu­ni­ka­ti­on. Der bes­te Umgang mit Trol­len sei, sie aus­zu­hun­gern, indem man ihnen die Auf­merk­sam­keit ent­zie­he, auf die sie im Grun­de aus sind.

Don't feed the trolls!

Don’t feed the trolls!

Gegen die­se zunächst ein­leuch­ten­de, breit akzep­tier­te Weis­heit gibt es auch gewich­ti­ge Ein­wän­de. Zunächst einen empi­ri­schen: das Füt­te­rungs­ver­bot der letz­ten Jah­re scheint die Troll-Popu­la­ti­on kaum beein­druckt zu haben. Dann einen mora­li­schen Ein­wand: das Füt­te­rungs­ver­bot kehrt bis zu einem gewis­sen Grad die Schuld­fra­ge um. Zumin­dest macht sie jene Kom­mu­ni­ka­ti­ons­teil­neh­mer für den Erfolg der Tak­tik des Trol­les mit­ver­ant­wort­lich, die ihm ihre Auf­merk­sam­keit schen­ken – und sei es, um ihm zu wider­spre­chen. Und zuletzt ein stra­te­gi­scher Ein­wand: die Evo­lu­ti­on des Trol­les ist vor­an­ge­schrit­ten. Die Ver­laut­ba­run­gen einer pro­fes­sio­nell agie­ren­den Troll-Eli­te erhal­ten in den sozia­len Medi­en Tau­sen­de Likes, egal wie destruk­tiv, unwahr oder ver­zer­rend sie sein mögen. Die Troll-Eli­te giert nicht mehr nach Auf­merk­sam­keit, sie hat sie bereits – ob in Tau­send­schaf­ten von Fol­lo­wers auf Twit­ter, in ihrer Funk­ti­on als Par­la­men­ta­ri­er, in der Leser­schaft des wöchent­li­chen Edi­to­ri­als oder ander­wei­ti­ger Pro­mi­nenz.

Voll­ge­fres­sen wie sie sind, küm­mern die­se „Trolls gone pro“ läp­pi­sche Füt­te­rungs­ver­bo­te wenig. Und spä­tes­tens hier wird die gol­de­ne Regel zum Teil des Pro­blems, das sie zu lösen sucht: Sie hat zur Kon­se­quenz, dass die Äus­se­run­gen des Trolls von sei­nen Gesin­nungs­ge­nos­sen mul­ti­pli­ziert wer­den, ohne dass sie in gebüh­ren­den Mas­se mit Gegen­mei­nun­gen kon­tras­tiert, ohne dass die Aus­sa­gen kon­tex­tua­li­siert oder kor­ri­giert wer­den. Das ver­zerrt das Bild über die tat­säch­li­chen Mehr­heits­ver­hält­nis­se in einer Debat­te. Die Fol­ge: bis­lang unent­schlos­se­ne oder zurück­hal­ten­de Kom­mu­ni­ka­ti­ons­teil­neh­mer kön­nen den Ein­druck erhal­ten, die Mei­nung des Trolls sei breit akzep­tiert, viel­leicht sogar legi­tim und rich­tig. Aus­ser­dem hält das ver­zerr­te Bild an kon­struk­ti­ven Debat­ten inter­es­sier­te Teil­neh­mer ab, sich zu äus­sern: weil die „Mehr­heits­ver­hält­nis­se“ sie ein­schüch­tern oder weil sie kei­ne Lust haben, sich unter Trol­len zu bewe­gen.

Was tun?

„Don’t feed the trolls“ – die­se Hal­tung hat sich in unse­re Köp­fe und in unse­ren all­täg­li­chen Umgang mit (sozia­len) Medi­en so sehr ein­ge­schlif­fen, dass sich zuwei­len recht­fer­ti­gen muss, wer es mit Trol­len auf­nimmt. So sah sich etwa die Wochen­zei­tung genö­tigt, den Kom­men­tar zu ihrem eben­so auf­schluss­rei­chen wie bedrü­cken­den Inter­view  mit einem Hass­red­ner mit der bei­na­he schuld­be­wusst klin­gen­den Fra­ge ein­zu­lei­ten: „War­um bekommt ein Ras­sist und Sexist so viel Raum?“ Die Woz-Redak­ti­ons­lei­te­rin Susan Boos nahm dabei eine Unter­schei­dung auf, die der israe­li­sche Psy­cho­lo­ge und Nobel­preis­trä­ger Dani­el Kah­ne­mann ein­ge­führt hat: die Unter­schei­dung zwi­schen dem ein­fa­chen, schnel­len Den­ken („Sys­tem 1“), wie es etwa bei den Recht­strol­len zu beob­ach­ten ist, und dem anstren­gen­de­ren lang­sa­men Den­ken („Sys­tem 2“) kon­struk­ti­ve­rer Zeit­ge­nos­sen. Dar­an anschlies­send stell­te sie die Fra­ge nach dem „Was tun?“ – ihre Ant­wort: „Sol­che Gesprä­che“ – wie das erwäh­ne Inter­view –  „füh­ren und nüch­tern Fra­gen stel­len.“ Fra­gen, die Hass­red­nern in ihrem Umfeld gar nicht mehr gestellt wür­den. Und sie des­halb auch nicht zu lang­sa­me­rem Den­ken anre­gen.

Eine sehr opti­mis­ti­sche Hal­tung. Schliess­lich machen wir tag­täg­lich die Erfah­rung, dass sol­che „Schnell­den­ker“ oft der­art in ihrem „con­fir­ma­ti­on bias“ und in ihrer post-fak­ti­schen Par­al­lel­welt ver­strickt sind, das sie mit ein­fa­chen Nach­fra­gen nicht mehr aus dem Kon­zept zu brin­gen sind. Den­noch hat Susan Boos nicht unrecht: denn wenn wir in den (sozia­len) Medi­en kom­mu­ni­zie­ren, dann kom­mu­ni­zie­ren wir nicht nur mit dem direk­ten Adres­sa­ten – sei es nun ein Troll, ein Bot oder ein ganz „nor­ma­ler“ Account – son­dern auch mit allen, die die­se Kom­mu­ni­ka­ti­on – zumeist mehr­heit­lich schwei­gend – mit­le­sen.

Aber soll­ten wir dann nicht eher bloss über die Trol­le reden, statt mit ihnen? Ihr Tun kon­tex­tua­li­sie­ren, ihren Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mo­dus ent­lar­ven? Ihnen als ein­zi­ges Fut­ter – und als Signal für die Mit­le­sen­den – einen roten Hering hin­wer­fen? Sol­len wir uns in coun­ter­speak ver­su­chen und ihre Atta­cken erbar­mungs­los kon­tern, ihre Lügen rich­tig­stel­len? Sol­len wir zurück­trol­len, „pöbeln, aber prä­zi­se“? Ist das Igno­rie­ren nicht doch manch­mal die effi­zi­en­tes­te Lösung?

Was tun also? Zuerst ein­mal soll­ten wir – wie so oft und wie es in sol­chen Debat­ten all­zu sel­ten geschieht – lang­sam den­ken und dif­fe­ren­zie­ren. So müs­sen wir uns zunächst die Fra­ge stel­len, wie hung­rig oder voll­ge­fres­sen der jewei­li­ge Troll gera­de sei. Denn, wie wir aus dem öko­no­mi­schen Prin­zip des abneh­men­den Grenz­nut­zens wis­sen, haben Füt­te­run­gen je nach Sät­ti­gungs­grad unter­schied­li­che Wir­kun­gen. Aus­ser­dem müs­sen wir uns jeweils fra­gen, mit wel­cher Art von Troll wir es gera­de zu tun haben. Ingrid Brod­nig, die sich mit dem „Hass im Netz“ für ihr die­ses Jahr erschie­ne­nes gleich­na­mi­ges Buch aus­ein­an­der­setz­te, hat vor allem zwei Grup­pen von Nut­zern iden­ti­fi­ziert, die, so Brod­nig, für den Frust im Netz ver­ant­wort­lich sind: „Die ers­te Grup­pe sind die klas­si­schen Trol­le, also User, die sich dar­an erfreu­en, wenn sie ande­re Men­schen auf die Pal­me brin­gen kön­nen.“ Die ande­re Grup­pe bezeich­net sie als „Glau­bens­krie­ger“, die zur­zeit beson­ders aktiv sei­en. „Dabei han­delt es sich um Men­schen, die mit bei­na­he reli­giö­sem Eifer von einem The­ma beses­sen sind und die oft­mals glau­ben, eine Bedro­hung erkannt zu haben, von der nur sie etwas wis­sen. Die­ser „Wis­sens­vor­sprung“ recht­fer­tigt es in ihren Augen auch, sehr vehe­ment und aggres­siv vor­zu­ge­hen[…].“

Taxonomie der Trolle

Betrach­tet man das Phä­no­men aller­dings weni­ger als Wesens­art (der Troll)  son­dern eher als Tätig­keit (das Trol­len), wird die Ange­le­gen­heit noch ein wenig kom­ple­xer. Es eröff­net sich ein gan­zes Spek­trum von Misch­for­men, Vari­an­ten und Ver­wand­ten von Trol­len und Trol­len­den. Neben dem von Brod­nig beschrie­be­nen klas­si­schen „LULZ-Troll“, der eine kin­di­sche bis sadis­ti­sche Freu­de ver­spürt, wenn es ihm gelingt ande­re User nega­tiv zu mani­pu­lie­ren, tum­meln sich im Netz auch „Polit-Trol­le“, die gezielt Shit­s­torms anfa­chen, um es damit im bes­ten Fal­le in die klas­si­schen Medi­en zu schaf­fen, wo sie dann bei der Ziel­grup­pe punk­ten kön­nen.

The future of War? Quelle: bigthink.com

The future of War? Quel­le: bigthink.com

Wei­ter begeg­nen wir „Hater-Trol­len“, die ihre ange­stau­ten Frus­tra­ti­on und Wut unge­fil­tert in die Kom­men­tar­spal­ten flies­sen las­sen. Wie­der eine ande­re Gat­tung sind „Söld­ner-Trol­le“, die für Regie­run­gen in den Cyber-War zie­hen. Oder auch Chef­re­dak­to­ren, die in der Hoff­nung, ihren ser­beln­den Blät­tern zu etwas mehr Reso­nanz zu ver­hel­fen, immer gro­tes­ke­ren Gedan­ken­müll in ihre Edi­to­ri­als und Leit­ar­ti­kel gies­sen…

Die­se klei­ne Taxo­no­mie der Trol­le und Trol­len­den ist weder kom­plett noch sys­te­ma­tisch aus­ge­ar­bei­tet. Sie soll ledig­lich zei­gen, dass je nach Troll, der einem gegen­über­steht – on- oder off­line (soweit sich das heu­te noch sau­ber aus­ein­an­der­hal­ten lässt) –, eine ande­re Tak­tik ange­bracht sein kann. „Don’t feed the trolls“ ist bei gewis­sen Trol­len sicher das Mit­tel der Wahl. Ande­re soll­ten wir viel­leicht bes­ser füt­tern. Bis sie plat­zen.

Von Remo Grolimund

Remo Grolimund ist Historiker, forscht als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der ETH Zürich zur Umwelt- und Wissensgeschichte und publiziert als freier Autor zu Themen mit Schwerpunkt Schweizer Geschichte.