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In einem TED-Talk mach­te sich der aus Bul­ga­ri­en stam­men­de Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Ivan Kras­t­ev vor eini­ger Zeit Gedan­ken über die Aus­wir­kun­gen von Smart­pho­nes und sozia­len Medi­en wie Twit­ter auf die demo­kra­ti­sche Kul­tur. Beein­druckt schil­der­te er, wie sich das Smart­pho­ne als Lügen­de­tek­tor nut­zen lie­ße: „So kann ein Wäh­ler alle erdenk­li­chen Behaup­tun­gen von Poli­ti­kern in Echt­zeit über­prü­fen – von den gewich­tigs­ten poli­ti­schen Fra­gen bis hin zu den tri­vi­als­ten per­sön­li­chen Anek­do­ten.“ Poli­ti­ker sei­en heu­te also einem stark erhöh­ten Risi­ko aus­ge­setzt, sich zum Nar­ren zu machen: „Der über­gro­ße Ein­fluss von Fak­ten­über­prü­fungs-Web­sites wäh­rend des letz­ten US-Prä­si­dent­schafts­wahl­kampfs illus­triert mus­ter­gül­tig die Macht des Smart­pho­nes, die Wahr­heit zuta­ge zu för­dern – oder zumin­dest vor­zu­ge­ben der Öffent­lich­keit die fak­ti­sche Wahr­heit zu prä­sen­tie­ren.“

Walead Besthy: “TRANSPARENCY (NEGATIVE) [KODAK PORTRA 400NC EM. NO. 0291: NOVEMBER 6 – 9, 2009 LAX/DFW DFW/LAX]”; Quel­le: sothebys.com
Allein, die­ses Lob­lied auf die sozia­len Medi­en als Weg­be­rei­ter von poli­ti­scher Trans­pa­renz bezog sich auf die ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­dent­schafts­wah­len von 2012. Vor dem Hin­ter­grund der letz­ten Wah­len in den USA, von aktu­el­len Debat­ten um Twit­ter-Poli­tik und Fake news, von Wis­sen­schaft­lern, die auf die Stra­ße gehen, um für die Gül­tig­keit von Fak­ten zu demons­trie­ren, klingt die­se vor fünf Jah­ren vor­ge­tra­ge­ne Ana­ly­se wie ein Echo aus fer­nen Zei­ten. Haben wir also das schein­bar tri­um­phie­ren­de Zeit­al­ter der Trans­pa­renz wie­der ver­las­sen? Und in wel­cher Wei­se hängt dies mög­li­cher­wei­se mit dem welt­wei­ten Sie­ges­zug popu­lis­ti­scher Poli­ti­ker zusam­men?

Ähn­lich wie Men­schen­rech­te gehört der Begriff Trans­pa­renz zu den Kon­zep­ten, die eine lan­ge Genea­lo­gie besit­zen. In die­sem Fall führt sie vor allem in die Zeit der Auf­klä­rung zurück. Seit­her tei­len moder­ne Demo­kra­tie­theo­ri­en die Idee, dass an die Stel­le des Arka­n­ums des abso­lu­tis­ti­schen Staa­tes die öffent­li­che Über­prüf­bar­keit poli­ti­scher Ent­schei­dun­gen tre­ten müs­se. Die moder­ne Form des Staats­ge­heim­nis­ses sieht sich in demo­kra­ti­schen Gesell­schaf­ten somit stän­di­gen For­de­run­gen nach Offen­le­gung aus­ge­setzt. Neben dem Ent­ste­hungs­ho­ri­zont ver­bin­det die Begrif­fe Men­schen­rech­te und Trans­pa­renz aber auch noch etwas ande­res: Bei­de sind zwar über lan­ge Zeit als intel­lek­tu­el­le Dis­kur­se nach­weis­bar, aber erst mit gro­ßer Ver­zö­ge­rung erlang­ten sie den Sta­tus einer nor­ma­ti­ven Res­sour­ce, mit der poli­ti­sche For­de­run­gen wirk­sam legi­ti­miert wer­den konn­ten. Damit ein­her ging jeweils auch die Insti­tu­tio­na­li­sie­rung die­ser begriff­li­chen Kon­zep­te. Dazu gehör­ten natio­na­le und inter­na­tio­na­le Orga­ni­sa­tio­nen, aber auch zivil­ge­sell­schaft­li­che NGOS wie Amnes­ty Inter­na­tio­nal und ihr spä­ter gegrün­de­ter Namens­vet­ter Trans­pa­r­en­cy Inter­na­tio­nal.

Perfektibilität des Bestehenden

Wie kam es dazu, dass der Begriff „Trans­pa­renz“ seit den 1980er Jah­ren in Dis­kus­sio­nen über Gover­nan­ce und Insti­tu­tio­nen­de­sign zumin­dest in west­li­chen Indus­trie­na­tio­nen qua­si-reli­giö­se Bedeu­tung erhielt, wie Chris­to­pher Hood 2006 behaup­te­te? Ein mög­li­cher Erklä­rungs­an­satz wäre, dass der Auf­stieg – und mitt­ler­wei­le Fall – von Trans­pa­renz und Neo­li­be­ra­lis­mus eng ver­ket­tet sind. Der Markt­fun­da­men­ta­lis­mus als kleins­ter gemein­sa­mer Nen­ner des Neo­li­be­ra­lis­mus basiert auf der Vor­stel­lung prin­zi­pi­ell trans­pa­ren­ter Märk­te und zielt dabei auf die Ver­än­de­rung des Ver­hält­nis­ses von glo­ba­li­sier­ter Wirt­schaft und natio­na­len Staa­ten, die bei­de zum Ansatz­punkt für Trans­pa­renz­for­de­run­gen gewor­den sind. Zugleich beschwo­ren Poli­ti­ker in der Blü­te­zeit des Neo­li­be­ra­lis­mus von den 1980er Jah­ren bis zur gro­ßen Finanz­kri­se am Ende der Nul­ler­jah­re immer wie­der die Alter­na­tiv­lo­sig­keit die­ses Kon­zepts und der damit ein­her­ge­hen­den öko­no­mi­schen Glo­ba­li­sie­rung. Umge­kehrt ziel­te die For­de­rung nach Trans­pa­renz weder auf Reform, noch gar auf Revo­lu­ti­on, son­dern eher auf die Per­fek­ti­bi­li­tät des Bestehen­den. Inso­fern ergibt sich aber­mals eine mög­li­che Par­al­le­le zur Geschich­te der Men­schen­rech­te, deren Erfolg seit den 1970er Jah­ren Samu­el Moyn als eine letz­te Uto­pie der des­il­lu­sio­nier­ten Bür­ger­rechts­be­we­gun­gen in den USA erklär­te.

Edward Hop­per: Office in a Small City, 1953; Quel­le: artnews.com

Seit eini­gen Jah­ren gilt aber nicht nur der Neo­li­be­ra­lis­mus als abge­schlos­se­ne Epo­che und hält sich vor allem noch als gemein­sa­mes Feind­bild einer losen Gesin­nungs­ge­mein­schaft aus Glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­kern und vagie­ren­den Lin­ken. Auch der Begriff der Trans­pa­renz ist suspekt gewor­den. Ähn­lich wie Ivan Kras­t­ev, der vom „Trans­pa­renz­wahn“ spricht, beschwört etwa der Har­vard-Jurist und Grün­der der Open-Com­mons Bewe­gung Lawrence Les­sig die Gefah­ren einer exzes­si­ven Trans­pa­renz­be­we­gung für die libe­ra­le Demo­kra­tie. Bei­de heben im Kern dar­auf ab, dass immer mehr Daten und Infor­ma­tio­nen kei­nes­wegs auto­ma­tisch mehr Ver­ständ­nis für poli­ti­sche und wirt­schaft­li­che Ent­schei­dungs­pro­zes­se mit sich brin­gen, son­dern im Gegen­teil gera­de unter­kom­ple­xe Erklä­run­gen bis hin zu Ver­schwö­rungs­theo­ri­en bedin­gen. Radi­ka­le Trans­pa­renz schaf­fe damit, so Kras­t­ev, nicht mehr Ver­trau­en in die Poli­tik, son­dern kul­ti­vie­re das per­ma­nen­te Miss­trau­en.

Auch der deut­sche Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Claus Leg­ge­wie warnt in einer Aus­ein­an­der­set­zung mit einer Ver­tre­te­rin der Pira­ten­par­tei, die einen kur­zen Som­mer lang als poli­ti­scher Arm der Trans­pa­renz­be­we­gung ihre Lap­tops in deut­schen Par­la­men­ten auf­schlug, vor den Gefah­ren des Trans­pa­renz­zwangs. Die­ser füh­re im Kon­text der durch sozia­le Medi­en pro­du­zier­ten Selbst­ver­stär­kung abge­schlos­se­ner poli­ti­scher Mei­nun­gen zum Ende poli­ti­scher Deli­be­ra­ti­on. Am radi­kals­ten kri­ti­siert schließ­lich der deut­sche Kul­tur­wis­sen­schaft­ler Byung-Chul Han in einer an Hei­deg­ger und Frank­fur­ter Schu­le geschul­ten kul­tur­pes­si­mis­ti­schen Per­spek­ti­ve das all­ge­gen­wär­ti­ge „Pathos der Trans­pa­renz“ als Trans­pa­renz­zwang, der das Indi­vi­du­um einer von neo­li­be­ra­len Markt­kräf­ten erzwun­ge­nen per­ma­nen­ten Selbst­ent­blö­ßung unter­wer­fe: am Ende die­ser Dia­gno­se steht das Gespenst der tota­len Kon­troll­ge­sell­schaft.

Die Ambivalenzen der Transparenz

Her­zog und de Meu­ron, Fens­ter­durch­blick Elb­phil­har­mo­nie, Ham­burg, Foto: Micha­el Zapf; Quel­le: arquitecturaviva.com

Was bedeu­ten die­se intel­lek­tu­el­len Dia­gno­sen für die Rol­le von Trans­pa­renz als poli­ti­scher Norm in unse­rer Gegen­wart? Und inwie­weit besit­zen sie dia­gnos­ti­sche Kraft? Zunächst kann man fest­stel­len, dass im intel­lek­tu­el­len Dis­kurs die Trans­pa­renz­kri­ti­ker der­zeit die Über­hand haben. Die­se sind weni­ger Anhän­ger einer von Mar­tin Jay vor eini­gen Jah­ren so cha­rak­te­ri­sier­ten „anti-oku­la­ren“ Denk­strö­mung, die die Wahr­heit eher im Dun­keln als im auf­klä­re­ri­schen Licht suchen. Viel­mehr heben die Kri­ti­ker vor allem auf die ambi­va­len­ten Wir­kun­gen von Trans­pa­renz ab: Als Ergeb­nis von Trans­pa­renz­be­mü­hun­gen ent­stün­den nicht ein­fach grö­ße­re Sicht­bar­keit poli­ti­scher und wirt­schaft­li­cher Ent­schei­dungs­pro­zes­se, son­dern immer neue Zonen der Unsicht­bar­keit.

Das hier for­mu­lier­te kol­lek­ti­ve Unbe­ha­gen ver­weist auf ein grund­sätz­li­ches Pro­blem: Trans­pa­renz lebt von der Vor­stel­lung kla­rer Fron­ten: gut und böse, Licht und Schat­ten, Staat und Gesell­schaft ste­hen sich dort dicho­to­misch gegen­über. Das scheint aber immer weni­ger zu funk­tio­nie­ren, wenn es denn jemals funk­tio­niert haben soll­te. Wäh­rend zum Bei­spiel in der Bun­des­re­pu­blik Bun­des­wehr und Geheim­diens­te mit gro­ßen Anzei­gen um den Hacker­nach­wuchs wer­ben – „Wann darf man Hacker hacken? Mach was wirk­lich zählt“ –, hält der Spre­cher des Cha­os Com­pu­ter Clubs Linus Neu­mann noch an den klas­si­schen Unter­schei­dun­gen fest, die er jüngst in einem Inter­view for­mu­lier­te: „Das eine sind Geheim­nis­se der Bür­ger. Das ande­re sind – schmut­zi­ge – Geheim­nis­se des Staa­tes. Es macht einen Unter­schied, ob man sol­che Geheim­nis­se an eine bestimm­te Par­tei gibt, so wie das Geheim­diens­te tun. Oder ob man gesell­schaft­li­che Miss­stän­de auf­deckt, indem man die­se Geheim­nis­se an die All­ge­mein­heit gibt.“

Sol­che kla­ren Unter­schei­dun­gen schei­nen am ehes­ten noch dort zu über­zeu­gen, wo es um Sys­te­me inter­na­tio­na­ler wirt­schaft­li­che Steu­er­hin­ter­zie­hung geht. So erhielt jüngst das Inter­na­tio­nal Con­sor­ti­um of Inves­ti­ga­ti­ve Jour­na­lists (ICIJ) den Pulit­zer-Preis für die Ver­öf­fent­li­chung der Pana­ma Papers, die der inter­na­tio­na­len Off­shore Finanz­in­dus­trie auf den Leib rück­ten. Schwie­ri­ger wird es schon, wenn es etwa um die Ent­hül­lungs­platt­form Wiki­leaks geht, deren Tätig­keit in letz­ter Zeit viel an öffent­li­chem Glanz ver­lo­ren hat. Wiki­leaks und ihr Chef Juli­an Assan­ge sind zuletzt unter Ver­dacht gera­ten, sich wis­sent­lich oder unwis­sent­lich vor den Kar­ren rus­si­scher Geheim­diens­te span­nen zu las­sen und mit Hil­fe zuge­spiel­ter ver­trau­li­cher Infor­ma­tio­nen west­li­che Wahl­kämp­fe zu beein­flus­sen, so zuletzt in den USA. Hier scheint sich auch die The­se zu bewahr­hei­ten, dass For­de­run­gen nach Trans­pa­renz einen her­vor­ra­gen­den Nähr­bo­den für Ver­schwö­rungs­theo­ri­en abge­ben.

Das Ende einer Ära der Transparenz?

David Spriggs: “Trans­pa­r­en­cy Report. Pro­fi­le Type A”: Quel­le: davidspriggs.com

Kom­men wir also auf die oben gestell­te Fra­ge zurück: Wel­cher Zusam­men­hang besteht zwi­schen der gegen­wär­ti­gen Woge des Popu­lis­mus und dem viel­leicht schon abge­schlos­se­nen Zeit­al­ter der Trans­pa­renz? Haben jene Kri­ti­ker, die auf die Gefah­ren der Kul­tur der Trans­pa­renz für die Demo­kra­tie gewarnt haben, am Ende Recht behal­ten? Tat­säch­lich bewe­gen sich die Fol­gen der „Trans­pa­ren­zie­rung“ des poli­ti­schen Esta­blish­ments auf einer Grat­wan­de­rung von Auf­klä­rung und Skan­da­li­sie­rung. Letz­te­re ver­stärkt gera­de jenen Ein­druck der Undurch­sich­tig­keit der poli­ti­schen Ver­hält­nis­se, der eine wich­ti­ge Grund­la­ge für den popu­lis­ti­schen Reflex bil­det: Popu­lis­mus lebt vom Charme radi­ka­ler Kom­ple­xi­täts­re­duk­ti­on, und dar­auf ver­weist nicht zuletzt auch Donald Trumps Stoß­seuf­zer über die die Kom­pli­ziert­heit des Gesund­heits­we­sens.

Die popu­lis­ti­sche Kom­ple­xi­täts­re­duk­ti­on funk­tio­niert aber nicht nur auf dem Wege ein­fa­cher Ant­wor­ten für kom­pli­zier­te Fra­gen. Wie Phil­ipp Sara­sin auf die­ser Platt­form argu­men­tiert hat, besteht ein Kern­ele­ment des Popu­lis­mus dar­in, einen Kurz­schluss zwi­schen „dem Volk“ und der popu­lis­ti­schen Füh­rer­ge­stalt her­zu­stel­len. Die kom­ple­xen inter­me­diä­ren Insti­tu­tio­nen einer Demo­kra­tie, auf die For­de­run­gen nach Trans­pa­renz für gewöhn­lich zie­len, sol­len gewis­ser­ma­ßen ein­fach über­brückt wer­den. Popu­lis­mus macht also Trans­pa­renz opa­ker demo­kra­ti­scher Insti­tu­tio­nen schein­bar über­flüs­sig, denn zumin­dest dem Anspruch nach soll die Ein­heit von Volk und Füh­rung unmit­tel­bar her­ge­stellt wer­den. Der popu­lis­ti­sche Angriff auf die inter­me­diä­ren Insti­tu­tio­nen des demo­kra­ti­schen Sys­tems von Polen über die Tür­kei bis in die USA läuft des­halb über­all nach dem­sel­ben Mus­ter: Die­se wer­den als Fas­sa­den dis­kre­di­tiert, hin­ter denen sich fins­te­re Mäch­te ver­ber­gen und denen man nicht durch mehr Trans­pa­renz, son­dern nur durch ihre Aus­schal­tung bei­kom­men kann.

Des­we­gen lau­fen auch alle Bemühun­gen, popu­lis­ti­sche Poli­ti­ker mit der For­de­rung nach Trans­pa­renz unter Druck zu set­zen, ins Lee­re: Einer­seits sieht jemand wie Donald Trump kei­nen Grund, sei­ne Steu­er­erklärung zu veröffent­li­chen, weil, wie er sagt, das ame­ri­ka­ni­sche Volk ihn ja gewählt habe: Für den Popu­lis­ten recht­fer­tigt die ihm vom Volk ver­lie­he­ne Macht alles. Und and­rer­seits nützt es nichts mehr, einen popu­lis­ti­schen Führer der Lüge zu überführen, zumin­dest nicht bei sei­nen Anhängern. Anders als sich vor eini­gen Jah­ren noch anneh­men ließ, läuft der Fak­ten­check per Smart­pho­ne nun­mehr weit­ge­hend ins Lee­re oder stei­gert sogar noch die cha­ris­ma­ti­sche Erwar­tung sei­ner Anhänger. Ja, noch mehr: Die For­de­rung nach Trans­pa­renz, mit der sich vor allem Wiki­Leaks vor Jah­ren einen Namen gemacht hat, wird von Popu­lis­ten in zyni­scher Wei­se miss­braucht, um poli­ti­sche Repräsen­tan­ten der auf Insti­tu­tio­nen gestützten Ord­nung wie Clin­ton oder jetzt gera­de Ema­nu­el Macron anzu­grei­fen. Alles deu­tet dar­auf hin, dass die­se Form von Trans­pa­renz schlicht zu einem Instru­ment rus­si­scher Des­in­for­ma­ti­on wur­de und damit Trans­pa­renz ein ande­res Wort für Lüge.  

Die Hoff­nung jener, die sich wei­ter­hin im Hori­zont einer demo­kra­ti­schen Kul­tur der Trans­pa­renz bewe­gen, kann sich vor allem noch dar­auf stützen, dass die popu­lis­ti­schen Führer­ge­stal­ten früher oder später an der Her­aus­for­de­rung der cha­ris­ma­ti­schen Bewährung schei­tern und so zum Opfer der von ihnen selbst geweck­ten Erwar­tun­gen wer­den. Am Ende wird also wohl die von den Popu­lis­ten geschaf­fe­ne Rea­lität neu­er poli­ti­scher Tat­sa­chen und Macht­verhältnis­se dem Volk die Augen öffnen kaum aber die trans­pa­rent gemach­ten Fak­ten.

Von Constantin Goschler

Constantin Goschler ist Pro­fessor für Zeit­geschichte an der Ruhr-Uni­versität Bochum. Er ver­öffen­tlichte zuletzt mit Michael Wala "Keine neue Gestapo". Das Bundes­amt für Verfassungs­schutz und die NS-Ver­gangen­heit. (Göttingen: Rowohlt, 2015).